Radreise in TSCHECHIEN 2016


Im Juni 2016 ging es zum dritten Mal in Tschechien auf Radreise.

Von Dacice bei Budweis ging es bis in die Nähe von Ostrava (Ostrau) nahe der polnischen Grenze und zurück.

Regen und der Umstand, dass wir uns beide erkältet haben, erschwerten uns das Reisen etwas.

Aber das konnte uns wie immer nicht aufhalten.

In einer Woche fuhren wir 600 Kilometer und 5600 Höhenmeter.

Hier die Beschreibung der Tagesetappen....


Vorbereitung

Nach 2014 und 2015 sind wir auch dieses Jahr wieder nach Tschechien aufgebrochen, um eine Woche in diesem schönen Land Rad zu fahren. Dieses Mal sind wir mit dem Auto in die Nähe von Budweis, genauer nach Dacice, gefahren. Der nette Ort liegt zwischen Budweis und Brünn in der Nähe der österreichischen Grenze.

Morgen wollen wir zu unserer 7-tägigen Tour aufbrechen, die uns bis in die Nähe von Ostrava an der polnischen Grenze und wieder zurück führt. Wir befinden uns im ehemaligen Gebiet Mähren im Süden Tschechiens.

Der Ort Dacice ist sicher nicht allzu bekannt. Aber es gibt doch etwas Bemerkenswertes. Hier wurde der Würfelzucker erfunden. Ja, wirklich. Im Jahr 1843 hat Jakob Christoph Rad in der örtlichen Zuckerfabrik den ersten Würfelzucker hergestellt und sich die Herstellung patentieren lassen. Damals hieß der Ort noch Datschitz.

Entscheidend für die nächsten Tage ist dieses Mal das Wetter. Nachdem die letzten Monate sehr durchwachsen waren, hoffen wir diese Woche auf stabileres Sommerwetter. Allerdings meint es der Wetterbericht nicht so gut mit uns…. Hoffen wir das Beste.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf die nächsten Tage, wenn wir die Freiheit genießen können und en Alltag hinter uns lassen. Auch wenn die Freiheit durchaus anstrengend werden kann. Immerhin stehen täglich 60 bis 100 Kilometer auf dem Programm…..

Jetzt sehen wir noch unseren österreichischen Nachbarn zu, wie sie sich bei der EM gegen Portugal schlagen….

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Tag 1 - Wettlauf mit Petrus... heute gewonnen

Was soll ich von diesem Tag berichten? Ja, es ging schon so los, dass wir etwas verschlafen haben. Eigentlich wollten wir früh los, um es möglichst weit zu schaffen. Wir waren noch nicht einmal beim Frühstück als es schon regnete. Der Himmel hing voller dunkler Wolken. Beim Losfahren leichtes Nieseln. Wenn es so bleibt können wir zufrieden sein, dachten wir. Hin und wieder muss es morgens stärker geregnet haben, denn unsere Reifen spritzen die Nässe der Straße in unser Gesicht.
Nach einiger Zeit bemerkten wir hinter uns eine riesige Gewitterzelle. Es blitzte und donnerte hinter uns. In einiger Entfernung beobachteten wir ein Regengebiet, gut zu erkennen an den senkrechten Schlieren aus den hängenden Wolken. Der Wettlauf mit dem Wetter begann.
Einige Male holte uns der Regen ein. Aber nur kurz. Wir konnten ihm immer wieder entkommen. Oft hielten wir nur für eine Fotopause und schon spürten wir die ersten Tropfen den aufholenden Regenwetters. Wir haben uns für heute gleich 100 Kilometer vorgenommen und das beim 1000 Höhenmeter. Wir wollten in die Nähe von Brünn kommen. Und wir hatten eigentlich gutes Wetter, nur umschauen durfte man sich nicht….
Für eine Brotzeitpause mussten wir 10 Kilometer aufs „Gas“ drücken und einen Vorsprung vor den dunklen Wolken rausfahren. Es klappte und wir ließen uns ein Brot und etwas Süßes schmecken. Beim Weiterfahren tröpfelte es schon wieder. Wir hätten keine Minute länger bleiben dürfen.
Wir haben es dann auch geschafft ohne richtigen Regen ans Ziel zu kommen. Jetzt sitzen wir hier in Ostopovice, vor den Toren der Stadt Brünn, dessen zahlreiche Hochhäuser wir schon gesehen haben und die nur ein paar Kilometer von uns entfernt sind. Wir haben uns in einer ehemaligen Mühle einquartiert. Podskalni Myln heißt das Gehöft. Es ist ein Pferdehof mit Steichelzoo, Biergarten und Zimmer für Übernachtungen. Viele Radfahrer waren im Biergarten bei unserer Ankunft. Heute war Sonntag und hier ganz gutes Ausflugswetter (das Regengebiet, von dem wir geflüchtet sind, hat es eben nicht hierher geschafft). Familien mit Kinder erfreuten sich der Hasen, Meerschweinchen, Ziegen, Pferden und dem Alpaka, die hier sind. Wir befinden uns mitten in der Natur, was und immer sehr gut gefällt. Und wie gestern befinden wir uns in einer Gegend, in der nur tschechische Touristen verkehren. Fremde kommen sehr selten hierher.
Der Wetterbericht für Morgen sieht grauenhaft aus…. Mal sehen, ob wir überhaupt einen Kilometer weit kommen.

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Tag 2 -
Petrus hat uns eingeholt... und wir versumpft...

Jetzt sitzen wir da im Regen und warten das Petrus Erbarmen mit uns hat… Und wenn nicht, erschuf Gott die Regenkleidung. Davon haben wir genügend dabei….

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Das Frühstück im Reiterhof war rustikal. Man konnte sich in einer Art Aufenthaltsraum einfach selbst bedienen. Wir ließen uns Zeit und sahen dem Regen draußen zu, wie er auf die Erde prasselte.
Um 13 Uhr kamen wir endlich los, nachdem der Regen weniger wurde. Bei Dauernieseln machten wir uns auf Richtung Brünn. Die Stadt wollten wir nicht besichtigen, da das bei schlechtem Wetter und Montagsverkehr in der Stadt nicht so angenehm schien. Wir umfuhren Brünn durch rießige Gewerbegebiete. Das dauerte ganz schön lange. Brünn ist immerhin die zweitgrößte Stadt nach Prag in Tschechien. Wir sahen viele deutsche Firmen, die hier produzieren lassen. Vorwerk, Bosch, Miele und noch einige andere. Deutsche Speditionen haben sich angesiedelt, um die Ware nach Deutschland zu transportieren. Na, besser hier als in China produzieren lassen….
Der Regen hörte auf. Wir dachten, dass wir noch ganz schön weit kommen könnte. Es war erst 15 Uhr. Dann kam ein kleiner unbefestigter Weg. Auf dem Schotter kam man ganz gut voran. Nur als der Weg zu einer Dreckpiste wurde, setzte sich das Profil der Reifen zu und die Fahrt wurde ein Ritt auf Schmierseife. Als wir wieder eine Straße erreichten, reinigte ich die Reifen mit großen Blättern einer Pflanze am Wegesrand. Weiter ging es.
Als dann ein weiterer unbefestigter Weg zu bewältigen galt – es war nur ca. 1 Kilometer – dachten wir uns noch nichts dabei. Es ging leicht bergab und nach ein paar hundert Metern war das Profil der Reifen zu und es stollte auf. Nach kurzer Zeit ging dann gar nichts mehr. Auch neben dem Weg konnte man nicht fahren oder schieben. Es war ein Feld und keine Wiese. Schiebend mühten wir uns voran. Zurück ging nicht mehr. Der Weg wäre der gleiche wie zur nächsten Straße. Von dem Umweg, der uns geblüht hätte, rede ich noch gar nicht. Die Schuhe stollten auch auf und kurz vor dem Ende drehten sich die Räder nicht mal mehr. Die letzten 100 Meter übernahm ich auch Elkes Rad. Ich zerrte die 20 Kilo schweren Gefährte bis zum Anfang eines Ortes. Immer wieder versuchte ich die Bremsen und den Rahmen vom Morast zu befreien. Es war eine ganz fiese Tonerde. Wenn ich eine richtige Handvoll von der Bremse entfernte, war das nur ein Bruchteil. Von den kleinen Zwischenräumen rede ich gar nicht. Die Finger brachte man gar nicht mehr sauber. Alles was man anfasste, wurde dreckig. Ich hätte heute eine Töpferausbildung nachholen können…
Endlich an der Straße befreiten wir die wichtigsten Stellen wieder mit der Hand. Aber so weiterfahren wäre nicht mehr möglich gewesen. Es musste teine Menge Wasser her. Auf der Karte sah ich, dass sich das Zentrum des Orts an einer tieferen Stelle befindet und dort ein kleiner Fluss verläuft. Also rollten wir dorthin. Der Dreck kratze auf Felgen, Bremsen und den Kettenblättern. Eine Frau fing gleich zu Lachen an, als sie uns mit den verschlammten Rädern sah.
Neben der Kirche befand sich das Flüsschen und es begann der Putzdienst. Ich baute die Laufräder aus und versuchte mein Glück im Fluss. Die Wassertemperatur war noch akzeptabel. Barfuß ging es in das Bächlein. Mit der Hand versuchte ich, die Räder vom Schlamm zu befreien. Aber das war so ein mühsames Unterfangen. Elke lief zu einem kleinen Geschäft und kaufte eine Putzbürste und eine Zahnbürste. Damit ging es besser.
Petrus hat uns heute mit starken Regen auf der Tour verschont, aber die Räder haben heute so viel Wasser gesehen, wie seit langem nicht. Eine Stunde dauerte das Bad, bis ich wieder aus dem Fluss steigen konnte und in die nur noch teilweise verschlammten Schuhe stieg. Die Füße kribbelten von den vielen Wechselbädern im Bach. Pfarrer Kneip wäre stolz auf mich.
Leider haben wir die Szenen nicht ausgiebig filmen oder fotografieren können. Schade, denn diese Aktion geht in die Geschichte ein. Aber die Zeit drängte. Es war schon 17 Uhr beim Weiterfahren und wir hatten erst 25 Kilometer auf dem Tacho. Ein Quartier war auch noch über 20 Kilometer weit entfernt…. (Wenn sie uns aufnehmen, dachten wir).
Sie nahmen uns auf und so waren es nur knapp 50 Kilometer heute. Aber nach dem späten Start und der gut einstündigen Putzaktion…. fühlt man sich jetzt erledigt wie nach einem Marathon…..
Wissenswertes habe ich heute nichts auf Lager. Ich weiß nur, dass wir sauber hinter dem Zeitplan liegen. Morgen müssen wir sehen, wie  weit wir kommen. Aber Stress haben wir deswegen keinen. Im Gegenteil. Wir sind frei und wenn es nicht klappt…. Was solls? Das können die wenigsten sagen. Aber eines wird ab morgen viel besser: Das Wetter.

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Tag 3 -
Weiter durch Mähren

Heute ging es in der Nähe von Vyskov los nach Lipnik. Gut 80 Kilometer bei gutem Wetter. Irgendwann müssen wir ja mal Glück haben. Wir haben die sonnigen Stunden genossen. Vergessen die Schlammbäder des Vortages. Nur das gluckernde Wasser in meine Felge erinnert mich hin und wieder daran.
Der Tag begann mit einem deftigen Frühstück. Ich wählte Rührei mit geräuchertem Speck und Zwiebeln. Dazu gekochter Schinken und Käse mit weißen „Stangerln“. Diese sind in Tschechien weit verbreitet. Elke wählte Brot mit einem speziellen Käse und viel Zwiebeln drauf. Der Käse sah aus wie ein Harzer Käse und roch auch so. Er schmeckte aber sehr gut. Wir beide fangen so den Tag schon mit einer Menge Zwiebeln an… aber das ist ja gesund. Wir hätten auch eine Knoblauchsuppe bestellen können. Die stand auch auf der Frühstückskarte…..
Wir sind mitten im ehemaligen Gebiet Mähren. Neben Böhmen und Tschechisch-Schlesen, die dritte historische Region der Tschechischen Republik. Heute ist Mähren ein historisches Landschaftsgebiet, aber keine Verwaltungseinheit mehr. Der Name stammt von dem Hauptfluss des Gebietes, der March (tschech: Morova) ab. Früher bestand die Bevölkerung zu einem Viertel aus Deutschmährern. Heute sind es fast ausschließlich Tschechen und ein paar Minderheiten (Roma, Slowaken, Polen). Die Bewohner bezeichnen sich gerne als Mährer, statt Tschechen. Wie bei uns, wir sagen auch gerne, dass wir Bayern sind, nicht Deutsche….
Unter Tags stürmten wir eine Bäckerei. Da gibt es echt viel fürs Geld. Für 4 Süßteile zahlte ich gerade mal gut einen Euro. Und es schmeckte echt herrlich. Wir ließen uns dafür in einem ruhigen Park eines kleinen Dorfes nieder.
Überhaupt war vieles heute ruhig. Besonders die Straßen, durch die wir nach dem Abendessen noch geschlendert sind. Gerade haben wir noch den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gesehen. Im Restaurant lief das Spiel im Fernsehen. Danach sind wir noch durch die Gassen spaziert.  Es war etwa eine Viertelstunde vor dem Spiel der EM: Tschechien – Türkei. Sicher war jeder Einwohner vor dem Fernseher. So war keine Menschenseele auf den Straßen zu sehen. Ein Straßenfeger sozusagen.
Aber das Wichtigste: Deutschland hat gegen Nordirland gewonnen !!!!!!
Nur schade, dass Tschechien aus dem Turnier ist…

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Tag 4 -
Am Wendepunkt

Aber weil wir einen halben Tag hinter unseren Plan waren, wollten wir noch ein paar drauflegen. Als wir dann keine Unterkunft fanden mussten wir weiter und weiter. So kamen am Ende 103 Kilometer zusammen. Deswegen ein Klassiker, weil uns das schon sehr oft passiert ist. Das ist so auf Radreisen. Aber es machte Spaß und wir hatten gute Beine (wie die Radler so sagen).
Wir haben unseren Wendepunkt in Bartosovice, früher Partschendorf Mittags erreicht. Vorher ging es lange an dem Fluss Bevca entlang nach Hranice. Damit wir von dort nicht eine 4-spurige Schnellstraße nehmen mussten, ging es über eine idyllische Hügelkette weiter nach Osten. Hügelkette bedeutet, dass wir ganz schön Höhenmeter sammeln mussten. Über Stare Jicin erreichten wir Novi Jicin, früher Neutischein. Dieses Städtchen ist seit dem Aufbruch vor 4 Tagen die am besten hergerichtete. Der schöne Stadtplatz lud uns zum Verweilen ein. Die Stadt existiert seit dem 12. Jahrhundert und wurde bekannt durch seine Tucherzeugung und die Herstellung von Hüten. Diese Gegend bezeichnete man früher als Kuhländchen.
Das Kuhländchen (tschechisch Kravařsko) ist eine historische Landschaft in Mähren im Nordosten Tschechiens. Die tschechische Bezeichnung Kravařsko leitet sich vom Adelsgeschlecht Krawarn (Páni z Kravař) ab, die in der Gegend umfangreichen Besitz hatten, während die deutsche Übersetzung von Kráva = Kuh abgeleitet wurde. Das Kuhländchen hatte 1930 etwa 100.000 deutsche Einwohner. Hauptstadt war Neutitschein. Berühmte Persönlichkeiten wie Johann Gregor Mendel aus Heinzendorf und Sigmund Freud aus Freiberg in Mähren stammen aus dem Kuhländchen. Der überwiegende Teil der deutschsprachigen Bevölkerung des Kuhländchens und anderer Landesteile der Tschechoslowakei wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgrund der Beneš-Dekrete enteignet und zwischen 1945 und 1947 vertrieben
Weiter ging es nach Partschendorf. Wir besuchten das dortige Schloss und die Kirche. Im Schloss werden am Wochenende gerne Hochzeiten gefeiert. Das Ambiente ist schön und man kann es sich gut vorstellen hier zu gastieren.
Am Ende des Tages sind wir, nachdem wir über Studenka und Mankovice eine Schleife gedreht haben, wieder in Hranice (früher Mährisch-Weißkirchen) gelandet. Dort haben wir gegen 19 Uhr ein schnuckliges Hotel in einem ganz alten Gebäude gefunden. Die Wände sind fast vier Meter hoch. Die Räume großzügig. Die Räder durften wir gleich auf das Zimmer nehmen. Da bin ich zum ersten Mal ins Hotelzimmer mit den Packtaschen am „Gaul“ eingefahren.
Morgen geht es weiter zurück nach Westen. Wir müssen uns ja langsam unserem Ausgangspunkt nähern…. Leider.
Aber wir lassen es uns gut gehen…. Was hier kein Problem ist. Das Essen schmeckt und die Menschen sind sehr nett.

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Tag 5 -
Radwege in Tschechien und die Stadt Olmütz

Heute haben wir es uns ganz leicht gemacht. Wir wollten erst nach Olmütz, einer sehenswerten Stadt ca. 55 Kilometer von Hranice entfernt. Ohne mein Radnavi zu quälen, folgten wir einfach dem ausgeschildertem Radweg Nr. 5.
An der Stelle lohnt es sich, einmal etwas über das sensationelle Radwegenetz Tschechiens zu berichten. Es gibt sehr viele unterschiedliche Routen und die Beschilderung ist super. Es gibt Fernradwege und regionale Wege. Karten dazu sind erhältlich und auch im Internet findet man die Routen. Wenn man einem Weg folgt, liegt man nicht verkehrt. Es sind immer Strecken mit weniger Verkehr und oft inmitten schöner Natur. Wenn man in große Städte mit dem Fahrrad fährt, lässt man sich am besten von den beschilderten Radwegen leiten. Mit ihnen kommt man nach Prag, Pilsen und wir heute nach Olmütz fast ohne Stadtverkehr. Wir fuhren heute am Fluss, der Olmütz durchzieht, entlang. Radwege in Tschechien Topp!!!! Wir können das Land zum Radreisen nur empfehlen. Wege gut, Essen gut, weniger Verkehr als bei uns. Was will man eigentlich mehr? Und günstig ist es obendrein. Uns kostet eine ganze Woche Tschechien zwischen 200 und 300 Euro pro Person. Da fahr mal bei uns umeinander…. oder in Südtirol oder sonst wo….
Ach ja, zu den tschechischen Radfahrern. Davon grüßen nur die wenigsten. Komisch eigentlich. Es grüßten uns eher die sportlichen Fahrer, weniger die Radreisenden mit Gepäcktaschen wie wir. Die Polen, die wir getroffen haben, werden sich denken: „Mann sind die Tschechen aber freundlich.“…
Ich habe schon eine neue Idee für eine Radreise. In der Nähe unseres Wendepunktes in Bartosovice gestern, sah ich ein Schild mit der Aufschrift „KRAKAU -WIEN“. Und wir trafen eine Gruppe Polen, die auch mit Gepäcktaschen unterwegs waren. Sie grüßten uns freudig und wir winkten und grüßten begeistert zurück. Wir wollten ohnehin mal Südpolen bereisen. Wir könnten nächstes Mal mit dem Auto nach Bartosovice fahren und von dort nach Krakau (soll sehr sehenswert sein) und dann über die Berge Südpolens und die Slowakei wieder zurück. Eine Dreiländerfahrt sozusagen. Schön, wenn man Pläne hat und noch nicht mal von der aktuellen Reise zu Hause ist.
Olmütz war wirklich sehenswert. Die Bilder zeigen es. Nach Prag könnte es die prunkvollste Stadt in Tschechien sein. Es gibt wie in Prag auch eine tolle Uhr mit der Anzeige von aktuellen Sternzeichen, Mondphasen, Kalender, Sternkarte und natürlich der Uhrzeit.
Heute war es fast unerträglich heiß. 33 bis 39 Grad zeigten die Thermometer an. Grund genug, in Olmütz eine Rast im schattigen Park einzulegen. Auf dem Rad versuchten wir mit geringerem Puls zu fahren… ist gesünder heute. Vor ein paar Tagen und die Woche zuvor haben wir gefroren und jetzt das. Das Wetter ist verrückt.
Und trotz langsamer Fahrweise war man irgendwann ausgelaugt. Ein tschechisches Cola, es heißt Kofola, musste her und dazu viel Wasser und ein Saft. Dann konnte der Schlussanstieg in den Ort, in dem wir heute verweilen, angegangen werden. Die Luft war trocken und heiß zwischen den Getreidefeldern. Unser Ziel war eine kleine Sportgaststätte in einem Ort mit dem unaussprechlichen Namen „Hvozd“, also „Chovoschd“ oder so ähnlich. Versuche zum Aussprechen wird abgeraten. Der Knoten in der Zunge ist nur im Krankenhaus zu lösen.
Die Sportgaststätte vermietet ein paar Zimmer und hat im Restaurantbereich tolle Radlbilder und -utensilien ausgestellt. Morgen mache ich ein paar Fotos. Zu Essen gab tschechische Hausmannskost. Die Bedienung, alle Gäste und der Google-Übersetzer mussten mithelfen, dass wir wussten, was es zu Essen gibt. In diesem kleinen Dorf spricht so gut wie keiner Englisch und sowieso kein Deutsch. Aber wir haben es noch immer geschafft, nicht zu verhungern.
Wir finden es prächtig hier und freuen uns auf den nächsten Tag. Vermutlich versuchen wir nach Nove Mesto zu kommen. Das liegt etwa 80 Kilometer westlich von hier. Danach steht am Samstag die letzte Etappe nach Dacice (95 Kilometer) auf dem Programm.

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Tag 6 und 7 -
Zwei Tage Hitze

Gestern hab ich gar nichts eingestellt. Aber es war so, dass wir gestern und heute wirklich zu tun hatten. Zum einen war es die extreme Hitze, die uns zu schaffen machte. Zum anderen scheine ich mir eine Erkältung eingefangen zu haben. Wegen der Hitze haben wir umdisponiert und eine andere Strecke gewählt. Statt wie ursprünglich geplant nach Nove Mesto zu fahren, sind wir nach Tisnov. Das war etwas weniger bergig und es hat und voll gereicht. In den Nachrichten haben wir gelesen, dass man Anstrengungen zwischen 11 und 16 Uhr im Freien meiden soll. Und was machen wir. 73 Kilometer bei stehender Hitze von 32-39 Grad runterzukurbeln. Aber am Ende schafften es. In Tisnov waren wir in einer alten Mühle untergebracht. Schön, auch das Restaurant war gemütlich zum Sitzen. Nur die Sonne brannte bis 21 Uhr in unser Gesicht. Als ob wir unter Tags nicht genug davon hatten. Da mussten wir für das Feierabendbier sogar einen Schattenspender basteln, sonst wäre das leckere Getränk nach ein paar Minuten warm wie ein Glühwein gewesen. Nach dem Essen mussten wir ein zweites Mal duschen. Der Bayer sagt: „do bapt einfach ois“. Dann mussten wir uns mit der Planung der Strecke bis zum Ausgangspunkt in Dacice beschäftigen. Ich suchte auf der Karte eine möglichst kurze und bergarme, was sich als gar nicht so leicht herausstellte. Es kam raus, dass wir heute 100 Kilometer und 1400 Höhenmeter zu bewältigen hatten. Da blickt man mit Respekt auf die Zahlen. Vor allem bei der Voraussicht, dass es heute wieder so heiß werden sollte. Wir planten, früh aufzustehen und zeitig loszufahren. Außerdem plagt mich eine laufende Nase, wie übrigens Elke seit einigen Tagen auch. Keine Angst, wir kennen uns und die Gefahren bei Sport in Verbindung mit Krankheit. Wir hatten kein Fieber und der Puls im Sitzen liegt immer noch unter 60 Schlägen. Trotzdem sollte man aufpassen und deswegen nahm ich mir vor, nur mit maximalen Puls von 125 zu fahren. Das kappte, wir hatten heute recht starken Wind, der nur zeitweise von vorne und meistens von der Seite und von hinten links kam. Deswegen schafften wir die 100 Kilometer ohne größere Mühen. Da waren die 70 Kilometer vom Vortag viel schlimmer. Da stand die Hitze von über 35 Grad. Man sehnte sich nach Schatten und einem Lüftchen.
Ja, alles geschafft. Wir sind wieder in Dacice angekommen. Eine Stunde, bevor ein Gewitter über die Stadt hinweg zog. Das war Timing. Die letzten drei Tage waren so heiß. Das kann man gar nicht fassen, wenn man sich die letzten Monate ansieht und das kalte, nasse Wetter. Auch die ersten Tage unseres Urlaubs haben wir gefroren und haben im Regen auf die Weiterfahrt warten müssen. Wir haben die Räder von Massen Schlamm befreit und eine warme Jacke war unser stetiger Begleiter.
Ein schönes Bild stelle ich noch ein. Wir fanden es an einem Fuß- und Radweg. Wanderer und Radler sollen sich einfach „lieb haben“…..
Und es werden die Bilder der Sportgaststätte nachgereicht, die so nette Fahrraddekoration hatten….
Überhaupt sahen wir viele super tolle Übersetzungen ins Deutsche. Wir haben leider versäumt, diese zu fotografieren. Wir werden das nächste Mal eine Sammlung machen.
Die Bilanz der Tour: 600 Kilometer – 37 Stunden im Sattel – 5500 Höhenmeter. Kann sich sehen lassen. Es sind von den letzten drei Tschechien-Touren die mit Abstand meisten Kilometer, dafür etwas weniger Höhenmeter. Wir sind zufrieden. Außerdem geht es uns nicht um Rekorde und um Zahlen, sondern um die Erlebnisse. Und die waren wieder zahlreich. Auch wenn wir dieses Mal nicht alles geschrieben haben.
In den nächsten Tagen gibt es wieder die besten Bilder meiner Kamera. Die in den letzten Tagen eingestellten wurden nur mit dem Handy gemacht. Also freut Euch auf schöne Schnappschüsse der Landschaft Tschechiens.

image image imageimage  Ideales Gefährt für uns…

image Seid einfach nett zueinander…

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Best of Bilder - Tschechien 2016

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