Radreise in TSCHECHIEN 2015


Im Juli 2015 führten wir eine weitere Radreise in Tschechien durch. Von der deutschen Grenze zur Oberpfalz nach Prag und wieder zurück.

Es wurden 615 Kilometer und 8500 Höhenmeter in 7 Tagen.

Hier die Beschreibung der Tagesetappen.


Tag 1- Kornkammer

Heute am Sonntag ging es los. Was für ein schöner Moment, wie wir die Gepäcktaschen an unsere Räder montieren. Genau an der Grenze, an einem kleinen Grenzübergang in der Nähe von Schönsee kurbeln wir die ersten Umdrehungen auf die Berge welche die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien bilden.

Hinter den Bergen fahren wir den ganzen Tag durch riesige Kornfelder. Am meisten wird hier Weizen angebaut. Zu erkennen an den vier Reihen Körner rund um die Ähre. Auch Gerste ist vereinzelt zu finden. Hier wachsen zwei Reihen Körner. Die Ähre hat Grannen. Das sind die langen haarähnlichen Borsten, die von den Ähren weg stehen.

Überall Korn. Soweit das Auge reicht. Apropos Körner. Unsere Tour hat auch Körner gekostet. Aber für den ersten Tag sind wir gut durchgekommen. Ich habe es mir von zu Hause so gedacht, dass wir auf drei Tage nach Prag fahren. Das hätte geheißen, dass wir heute ca. 85 km schaffen mussten. Allerdings haben wir tatsächlich 104 km geschafft. 1400 Höhenmeter haben wir unterwegs auch aufgesammelt. Wenn ich jetzt die Karte anschaue sind wir schon auf halber Strecke nach Prag. Wir könnten es morgen schaffen. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht sondern im Urlaub. Wir fahren morgen ein paar Umwege durch besondere Naturlandschaften. Das Wetter für morgen ist nicht besonders gut angekündigt. Wird spannend wohin es uns morgen verschlägt…..

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Tag 2 - Wasserscheu

Da für heute schlechtes Wetter vorausgesagt war radelten wir zeitig los. In der Nacht hatte es mal richtig geschüttet,  aber die Straßen waren sogar schon trocken.

Apropos trocken. Uns fielen viele Bäume auf, die aufgrund der Hitze der letzten Wochen schon aussehen als wäre es Herbst. Der Baum opfert sozusagen Blätter um die restlichen optimal versorgen zu können. Am besten sah man es bei den Birken.

Wir kamen gut voran. Wieder durchstreiften wir endlose Kornfelder. Auch reifen Mohn haben wir entdeckt. Die Kapsel der Blüte ist jetzt hart und der Samen reif. Wenn man sie abzupft und schüttelt hört es sich an wie eine Rassel. Geöffnet findet man darin mehr als einen Fingerhut voll Mohnsamen. Wir haben gleich mal den Inhalt einer Kapsel verspeist.  Da hatte man lange was davon. Immer wieder fand die Zunge ein Mohnkorn zwischen den Zahnzwischenräumen. Den Bauern werden wir nicht geschädigt haben. Sein Feld maß mindestens 300 auf 300 Meter. Aus einem Quadratmeter Feld bekommt man schätzungsweise zwei Mohnkuchen gebacken.

Dann verließen wir die Kornkammer und fuhren ein in eine bergige, von Schluchten durchzogene Landschaft. Nachdem es kurz zu regnen begann stellten wir uns unter einen Baum.  Dank Regenradar am Handy sahen wir, dass es noch viel schlimmer kommen sollte.  Außer wir wären weiter nördlich. Also los. Auf die Gäule. Die eine Minute vorher ausgepackte Brotzeit steckte ich gleich unangetastet wieder ein. Was für eine Folter.

Aber die Taktik ging auf. Trocken erreichten wir Krivoklat nach 55 Km. Die Unterkunftssuche gestaltete sich schwierig,  so kamen noch 15 km und 300 Höhenmeter dazu. Kleine Fleißarbeit. In Rostoky wurden wir fündig. Eine Minute nach dem Einchecken kam das nächste Gewitter. Wir sind halt etwas wasserscheu….

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Tag 3 - Von der Natur in die Großstadt

Heute sind wir nach 70Km und 1000 Höhenmeter in Prag angekommen. Gerade noch in der einsamen und beschaulichen Natur und jetzt in der wuselnden Stadt.
1,2 Millionen Menschen leben hier und gefühlt genauso viel Touristen. Auf den Straßen schiebt man sich am Nachmittag wie durch das Oktoberfest. Am Abend, wenn dann alle einen Platz in den Kneipen gefunden haben ist es schön durch die vielen Straßen zu schlendern.

Prag ist faszinierend. All die vielen historischen Gebäude. Am meisten hat mich beeindruckt,  dass jedes Haus anders aussieht. Die vielen Details wie Stuckaturen, Fensterformen, Farben und andere Fassadendesigns. Damals waren die Häuserbauer wirklich kreativ. Da könnte sich manch Architekt der Neuzeit eine Scheibe abschneiden…. Und die meisten Gebäude sind super in Schuss.
(Bilder von Prag werden nachgereicht.)

Mehr kann ich heute gar nicht schreiben. Es war schon spät als wir in unsere Wohnung in der Altstadt zurückgekehrt sind. Nach drei Tagen auf dem Rad und einigen Stunden Fußmarsch darf man auch mal müde sein.

Am Ende noch ein sprachliches Schmankerl. Was heißt
wohl “Fachmann” auf tschechisch?…..

Hier die Auflösung:

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Tag 4 - Obsttag

Heute ging's von der Stadt wieder raus aufs Land. Nach 20 km auf dem Radweg entlang der Moldau folgten 55 km bergauf und bergab. Ich habe eine Brückenphobie entwickelt. Immer wenn ich eine Brücke sah hieß das, wir sind am tiefsten Punkt einer Straße und jetzt geht es ordentlich bergauf. Im Kopf hörte ich dauernd den Ohrwurm von Peter Maffay: “Über 7 Brücken musst du fahrn, sieben Anstiege ertragen”… so heißt das doch in dem Lied…

Am Ende 75 km und 1200 hm.

Dafür gab es statt einer Mittagspause mehrfach “Bike-In” an reifen Früchte direkt in der Natur. Einmal gab es Kirschpflaumen. 
Das andere Mal zahlreiche Brombeeren. Das war lecker und gesund.
Die Kirschpflaumen sind bei uns weniger bekannt deswegen hier die Erklärung:
Die Kirschpflaume ist eine Pflanzenart in der Familie der Rosengewächse. Dieser niedrige Baum oder Strauch trägt essbare Früchte. Bekannt ist die Kirschpflaume regional auch unter dem Namen Türkenkirsche oder türkische Kirsche, in der pfälzischen Mundart als Därgelkersch, sowie in der österreichischen Mundart als Kringelbaum, und im Münchener Raum nennt man sie Kriachlbaum. Die grün geernteten, unreifen Früchte werden in türkischen Märkten als Can Erik vermarktet. Der Baum war bereits bei den Kelten bekannt. Die Pflaume, der Obstsorten wie Zwetschgen ,Edel-Pflaumen und Mirabellen zugeordnet werden, ist ein Hybrid aus Kirschpflaume und Schlehe. Die Zibarte wird manchmal mit der Kirschpflaume verwechselt, sie ist jedoch eine früh entstandene Unterart der Pflaume.
Die kugeligen Steinfrüchte weisen einen Durchmesser von etwa 2 bis 3 cm auf, also etwa mit Mirabellen vergleichbar. Die Früchte reifen früh, teilweise schon im Juni und im Juli mit einzelnen nachreifenden Sorten. Die essbaren Früchte sind entweder gelb bis kirschrot oder blauviolett. Das Fruchtfleisch ist unter der Haut und nahe dem Kern, der sich schwer lösen lässt,[1] manchmal sauer, ansonsten meist wässrig und fade, vereinzelt sogar süß und aromatisch, vor allem bei den reifen, weicheren Früchten.

Untergekommen sind wir in einem kleinen Ferienort an der Moldau.  Nette Leute und gutes Essen. Nicht-tschechische Touristen gibt es hier keine,  auch sonst nicht. Der Google-Übersetzer muss herhalten, da weder wir Tschechisch noch der Kellner Deutsch oder Englisch sprechen. Aber das ist ja genau das Schöne an unserer Art des Reisens. Irgendwie klappt die Völkerverständigung hier im Kleinen doch gut.

Das Wetter war heute bedeckt und windig (eh klar – Gegenwind). Aber geregnet hat es erst, als wir schon bei einem Bier griabig auf der überdachten Terrasse unserer Pension saßen.

Die tschechische Sprache ist für uns wirklich schwer. Man kann sich die Ortsnamen der nächsten drei Orte keine Minute merken. Deswegen schafft man sich Eselsbrücken um nicht minütlich auf die Karte zu gucken. Da wird aus “Zaborna Lotha” einfach “Lothar”, aus “Krnany” wird “Kranich” oder aus “Chotilsko” macht man im Geiste “Joe Tilt”.

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Tag 5 - Bayerns Rache für den böhmischen Wind

Neuer Tag, neue Radtour. Am heutigen Tag ging es noch ein Stück an der Moldau entlang nach Süden. Der Fluss liegt in einem wilden Tal eingebettet zwischen steilen Felsen. Das heißt, es führt keine Straße am Fluss entlang. So gab es bis Mittag Höhenmeter satt.

Das Mittagessen war dann verdientermaßen üppig für unsere Verhältnisse. Käse, Brot und für jeden ein Mohnhörnchen.

Anschließend hatten wir das hügelige Geläuf zwar hinter uns. Wir drehten unsere Tour nach Westen. Dann gab es zwar weniger Berge, dafür aber kalten, böigen Wind. Teilweise musste man bergab treten um vorwärts zu kommen.

Ich denke ja, die Bayern schicken hin und wieder starken Wind aus dem Westen,  um sich an den kalten, böhmischen Wind aus Tschechien zu rächen…. aber bitte nicht, wenn wir gerade radeln wollen…..

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Tag 6 - Frösche schubsen

Der Tag begann früh. Es gab eine Sonderaufgabe zu meistern. Die tschechischen Kronen sind uns ausgegangen und in dem Ort, in dem wir übernachteten gab es keinen Automaten. In der 8 km entfernten Gemeinde gab es einen. So machte ich mich ohne Gepäck nach dem Frühstück auf. Weil wir heute weit kommen wollten musste ich mich beeilen. Super. Da kann ich ein richtiges Zeitfahren daraus machen. So Sonderlocken freuen mich wirklich – kein Witz. Das ist nicht einfach so dahin geschrieben.

Hin ging es 160 Höhenmeter bergab. In 14 Minuten stand ich am Geldautomaten. Schnitt der Hinfahrt 33 km/h. Dann zurück bergauf. Und das mit meinem 13,5 kg schweren Gaul. Mit Puls 160 bis 174 die letzte Steigung zu unserer Unterkunft. Schnitt hin und zurück 31 km/h. Wow, ich war begeistert. So ein Morgensport hatte doch was, besonders da noch weitere 90 km mit Gepäck auf dem Programm standen. 

Doch es ging erstaunlich gut. Der Westwind von gestern war wie weggeblasen (kleines ein Wortspiel)…

Auf dem Weg hätte ich fast eine Kröte überfahren. Sie sprang nicht zur Seite. Sie hatte Glück. Nur ein paar Zentimeter verfehlte ich sie mit meinem Reifen. Wir hielten an und beobachteten sie eine Weile. Dann beschlossen wir das Tier vor den Autos zu retten und schubsen sie von der Straße weg in den Graben. Sie folgte nur widerwillig aber dann suchte sie doch mit großen Sprüngen das Weite. Für was man doch alles Zeit hat beim Radreisen.

Sonst gingen die Kilometer gut vom Pedal. Die Steigungen waren angenehm und es gab immer viel zu sehen. Und vor allem war der “Dreckswind” der letzten Tage nicht mehr da.

Morgen steht schon die letzte Etappe an. Schade,  gerade würden wir richtig in Form kommen…. 80 Kilometer und der Grenzkamm zwischen Tschechien und Deutschland stehen auf dem Programm.

Aber bei den 108 km und 1300 Höhenmeter von heute ließen wir schon ein paar Körner liegen. Da hat es gleich als Nachspeise einen riesigen Palatschinken gegeben.
Übrigens: wer rustikal, gut und mengenmäßig ausreichend Essen will. In Tschechien wird man zu zweit mit Getränken für zwischen 20 und 30 Euro satt…..(kleine Werbung für ein schönes Reiseland….)

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Tag 6 - Heimkehr und die Bilder - "Best of Tschechien 2015"

Jetzt sind wir wieder glücklich zu Hause gelandet. Die Schlussetappe von Kdyne in die Oberpfalz war noch ein echter Brocken. 100 Kilometer und 1700 Höhenmeter. Insgesamt haben wir in dieser Woche 515 KM und 8500 Höhenmeter gemacht. Wir haben wieder viel erlebt und gesehen. Das Land haben wir einmal mehr als ein schönes und die Leute als sehr hilfsbereit und freundlich wahrgenommen. Es soll auch eine Werbung sein, dort auch mal hinzufahren. Auch wenn es nicht das Wichtigste ist, aber günstig ist das Reisen in Tschechien auch noch dazu.

Also, auf… auf….

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