TSCHECHIEN - POLEN - SLOWAKEI   

Drei-Länder-Tour um und über die hohe Tatra



Best-of-Bilder Drei-Länder-Tour

Hier die Gallerie der besten Bilder unserer Reise 2017 durch Tschechien, Polen und die Slowakai…

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Drei-Länder-Tour 2017 – Tschechien – Polen – Slowakei - Die Idee...

Eigentlich wollten wir heuer nach Rumänien und von den Karpaten an Schwarze Meer radeln. Leider gab es organisatorische Probleme, die nicht so schnell behoben werden konnten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Vielleicht ist dieser Trip dann nächstes Jahr dran. Vier Wochen waren es noch zum Reisetermin. Da kam mir ein schon vor einiger Zeit überlegter Plan wieder in den Kopf….

Eine Tour vom Nordosten Tschechiens nach Krakau in Polen und nach Süden, eventuell nach Zakopane, von dort weiter in die Slowakei durch das Gebirge der hohen Tatra zurück nach Tschechien zum Ausgangspunkt. Mit knapp 900 Kilometer ein ganz schöner Brocken, aber im Sommer – gut trainiert – sicher zu machen (wenn das Wetter immer mitspielt).

Apropos spielen: Gerade hat die U21 Fußball Nationalmannschaft das Endspiel der Europameisterschaft gewonnen. Das Spiel fand in Krakau statt. Ja, da werden wir auch bald sein….

Und so brechen wir jetzt auf. Die neue Tour mit sicher vielen Erlebnissen wartet auf uns. Freut Euch auf (fast) tägliche Berichte aus Osteuropa von unseren Erlebnissen und wie immer wissenswertem aus den drei Ländern…


Auf nach Osten

Die Fahrt mit dem Auto war gar nicht ermüdend. Trotz der 675 Kilometer verging die Zeit wie im Flug. Vermutlich, weil vieles (ab hinter Salzburg) neu und damit abwechslungsreich war. Außerdem wurde der Verkehr immer weniger, je weiter wir kamen. Anfang bis Salzburg war es schon recht dichter Verkehr, obwohl wir relativ früh losfuhren. Dann aber verfolgten wir die Verkehrsnachrichten und mussten hören, wie in Richtung Tauern und Kroatien genauso wie nach Italien extremer Stau mit insgesamt mehreren Stunden Verzögerung angesagt wurden. Wir waren da fein raus. Dafür wurden deutsche Kennzeichen rar. 

Nach gut 8 Stunden incl. Pausen sind wir angekommen in einem Ort, der sich in der Nähe von Ostrava befindet. Keiner spricht Deutsch, auch die meisten kein Englisch, aber wir kommen zurecht. 

Im Restaurant wurde uns bewusst, dass wir vor großen Herausforderungen auf unserer Reise stehen werden. Nicht die vielen Kilometer und Höhenmeter – es werden die drei Länder mit drei etwas unterschiedlichen Sprachen und drei Währungen sein. Kaum haben wir einen Teil der Speisekarte übersetzt und unsere Wahl getroffen, da wussten wir, dass wir morgen schon wieder neue Wörter lernen müssen. Eventuell sind wir morgen schon in Polen. 

Lecker und sehr günstig gegessen haben wir. Jetzt gibt es noch ein leckeres Bierchen, wie es sich in Tschechien gehört. Kostet in der Wirtschaft ca. 1 Euro die Halbe. Wir müssen ja morgen die erste Etappe mit so 80 Kilometer fahren. Da bleibt es bei einem Bier. Heute übrigens ein Bernard Pivo, hergestellt in einer Privatbrauerei, die 1597 gegründet wurde und eine bewegte Vergangenheit hat. Nach Verstaatlichung in der kommunistischen Zeit und Wiederprivatisierung brauchte es Jahre, bis die Brauerei wieder auf die Füße kam. Jetzt produziert sie mit 190 Mitarbeitern 315.000 Hektoliter. „A ganz scheene Lacka“, wie der Bayer sagt. Und nur 22 % werden exportiert. Den Rest trinken die Einheimischen. Kein Wunder – es schmeckt wirklich lecker… 


 


Schon in Polen 

Wir haben super geschlafen nach der gestrigen Autofahrt. So was ist anstrengender als manche Etappe auf dem Rad. Gut, wir wussten noch nicht, was heute auf uns wartete. 

Beim Erwachen gleich die erste Überraschung – es regnete. Gut, nach dem Frühstück Sonne hätte uns gereicht. Aber da war alles noch dunkel am Himmel und der Wetterbericht, der am Vortag noch einen schönen Tag verhieß, zeigte Regen bis um 13 Uhr an. 

Wir waren zeitig dran. Schnell gepackt und früh beim Frühstück. Doch was hilfts, wenns weiter aus den Wolken sabbert? 

Wir hatten die Wahl zwischen warten, vielleicht bis Mittag, und vielleicht bis dahin schon zu erfrieren oder gleich im Regen loszufahren und dann erfrieren. Nein, so schlimm war es nicht. Bei 15 Grad hat es noch wenig Frostbeulen gegeben. Aber unangenehm ist es doch. Also los, die Regenklamotten an und ab aufs Fahrrad. Ich frage mich, warum ich die Räder vor einem Urlaub so akribisch putze? Wie oft haben wir es am ersten Tag schon eingesaut. 

Locker kurbelten wir los. Und so kamen wir doch schnell einige Kilometer weiter. Leider behielt der Wetterbericht recht und es dauerte bis nach Mittag, dass der Regen aufhörte. 

Was uns die Tour auf jeden Fall erleichterte, waren die super beschilderten Radwege, die Radfahrer auch in den Städten perfekt von den Hauptverkehrsstraßen fernhalten. Außerdem führen sie oft durch schöne Naturregionen. Da könnte sich so manche Stadt bei uns eine Scheibe abschneiden. Dazu kommen Luftpumpen, die vielerorts stehen. Das ist mal ein Service. 

Beim Mittagessen in einer Bushaltestelle hörte der Regen endlich auf und wir konnten ohne die nassen Regensachen weiterfahren. Und auf einmal waren wir schon in Polen. Das ging schnell. Wir waren erst 60 Kilometer gefahren. Geplant waren 85 für heute. Aber wir lagen immer noch immer gut in der Zeit. So überlegten wir, noch eine Ortschaft weiter zu fahren, als angedacht. Ja, ja, der Regen. Da hält man weniger an und kommt dadurch weiter. Ganz neue Logik für lange Etappen! 

Als neues Ziel haben wir uns Wisla ausgesucht. Die kleine Stadt liegt in den Beskiden. Die Beskiden sind ein Teil des großen Karpatenbogens, der sich über mehrere Länder erstreckt. Sie sind der nordwestlichste Teil der Karpaten und so etwas wie das Vorgebirge der hohen Tatra. Das Wort Beskidy ist mit dem mittelniederdeutschen Wort beshêt, beskēt„Scheide, Wasserscheide“ verwandt. 

Wisla und sein Nachbarort Ustron liegen an der Weichsel (polnisch: Wisla) und sind Urlaubshochburgen. Extrem für den Wintersport, aber auch im Sommer ist eine ganze Menge los. Ein schöner Radweg führt an der Weichsel entlang. Das ursprüngliche Waldgebiet wurde zu Beginn des 17. Jahrhundert von evangelischen Glaubensflüchtlingen besiedelt. Sie lebten vorwiegend als Schafzüchter und Hirten – jetzt vom Tourismus. 

Zurück zum Wintersport. Wisla ist der Geburts- und Heimatort von Adam Malysz, dem erfolgreichsten Wintersportler Polens. Im Skispringen ist er 4 Mal Weltmeister und in vier Jahren Weltcupsieger geworden. 

Wir haben ein Hotel in Wisla gefunden, das uns für ca. 50 Euro incl. Halbpension aufnimmt. Der Preis ist für uns beide, dass wir uns da richtig verstehen. Also Übernachtung und ein 3-Gänge-Menü für 25 Euro pro Person. Allerdings mussten wir eilig zum Essen. Wir kamen erst um kurz vor 19 Uhr an. Das heißt wir waren 9 Stunden unterwegs – gut mit Pausen, aber es war zum Schluss ganz schön lang. Wir mussten in Radlklamotten essen, doch nach 90 Kilometer, davon 40 im Regen, hat man ohnehin Hunger und die Teller waren anschließend wie vom Nachbarshund geleckt…. 


Über die Beskiden

Wieder war der Himmel am Morgen dunkel und er war auch nicht dicht. Es tropfte ganz schön. Doch diesmal hörte es während des Frühstücks bereits auf. Temperatur na ja – fühlte sich nicht nach Sommerurlaub an. Aber wir sind ja in den Bergen und dort ist da Klima einfach rauer. 

Aber zurück zum Frühstück. Das war reichhaltig in dem Schuppen. Echt wahr. Und typisch polnisch. Vor fünf Jahren haben wir schon eine Polendurchquerung mit dem Rad gemacht und festgestellt, dass man in Polen einfach gerne deftig frühstückt. So auch heute. Beim Anblick der 5 Meter Buffet: Schinken, Wurst, Salami, Käse in vielen Variationen. Dazu Salate, Frischkäse, Gemüse, warme Würste, Rührei und so weiter. Süße Leckermäuler kommen in diesem Land etwas zu kurz. Ich bin eigentlich ein süßer Frühstücker. Aber die vielen Reisen in Ostländer haben mich tolerant gemacht. Doch dann wurde ich noch fündig. Es gab mit Marmelade bestrichene Nalesniki. Was ist das? Bei uns würde man sagen, ein Pfannkuchen. Jetzt muss ich wieder ein wenig „Gscheidhaferln“. Ich habe nachgelesen, dass es in vielen Ländern Pfannkuchen in verschiedensten Varianten gibt. Der dünne, süß bestrichene kommt aus dem Österreichischen Kaiserreich und hat sich über den gesamten Landbesitz der damaligen Monarchie, von Böhmen über Ungarn, Tschechien, der Slowakai, Rumänien, Bulgarien bis nach Jugoslawien ausgebreitet. Ist ja auch lecker. Meist wird das Gericht auch Palatschinken bezeichnet. Die Herkunft des Namens ist auch ganz interessant. Er stammt aus dem rumänischen „placinta“ und ungarischen „plascinta“, alles abgeleitet vom lateinischen „placenta“ = Kuchen. Passt zusammen. Im deutschen wird er ja auch manchenorts als Eierkuchen bezeichnet. In Polen wird er eigentlich mit Quark gefüllt, aber heute hier im Hotel, vermutlich aufgrund der Nähe zu Tschechien, mit Marmelade. So kam ich auch noch zu meinem süßen Abschluss des Frühstücks. Hab mir gleich drei Stück gegeben. Der Passanstieg heute will ja gut vorbereitet sein. 

Da wären wir schon am Anstieg. Unsere Tour haben wir über einen Beskidenpass geplant. Gleich hinter Wisla beginnt der Anstieg. Hinter dem Ort fuhren wir aber noch am Skisprungstadion von Wisla vorbei. Da Adam Malysz, der berühmte polnische Skispringer in Wisla geboren wurde, wurde gerade hier viel für diesen Sport getan. Gestern fand hier ein Sommerskispringen statt. Das erklärt vermutlich den üblen Verkehr am Vortag. Es ist schon beeindruckend, wie steil es hier den Berg hinuntergeht. Aber klar. Wenn die Springer auf einem zu flachen Boden aufkommen, würde sie es ganz schön „derbreseln“ – Synonym „zamastangln“ – beides bayerisch für „schlimm stürzen lassen“. 

Auf dem Pass raufzufahren, war, bei den am Vormittag kühlen Temperaturen, genau richtig. Und es ging ganz schön voran. Trotz Gepäck mit 750 bis 800 Meter die Stunde bei einem Puls von gemütlichen 140. Im Sommer ist man halt doch schon besser drauf, als im Frühjahrsurlaub. 

Dann die Abfahrt (mit viel extra Kleidung) 15 Kilometer nur bergab. Schön, aber am Ende brauchte es einen Kaffee zum Aufwärmen. Elke schaffte es, dazu ein Eis zu essen. War sicher lecker, aber ich Frostbeule musste mich am erst am Kaffeeglas äußerlich und dann mit dem Inhalt innerlich aufwärmen. Klingt wirklich nicht nach Sommerurlaub. Aber das ging allen in der Gegend so. An den drei Stauseen, an denen wir vorbeikamen, waren zwar viele Campinggäste zu sehen, aber praktisch keiner im Wasser. In den drei Stauseen wird das Wasser des Flusses Sola aufgestaut, dem wir bergab die ganze Zeit gefolgt sind. Hier wird Strom erzeugt und die Gegend vor Hochwasser bewahrt. 

Dem Fluss folgten wir bis in den Ort Kety. Dort war erst mal Schluss nach heute 65 Kilometern und 700 Höhenmetern. Morgen geht’s nach Krakau (90 Kilometer). 

Am Abend schmeckte das Essen wieder hervorragend. Aber mit der Aussage langweile ich vermutlich alle, weil es immer so ist, wenn man sich den ganzen Tag draußen in der Natur bewegt hat und ich das jeden Tag schreiben kann. Da zu gab es ein Bier der Brauerei Zywiec. Alle Gasthäuser der Gegend haben Schirme mit deren Aufschrift. Also dachte ich, probiers einmal. Da erfuhr ich, dass es wirklich ein lokales Bier ist. Am ersten Stausee der Abfahrt kamen wir sogar in der Nähe der Brauerei vorbei. Da wusste ich noch nichts. Gut, ich hätte es während der Fahrt auch nicht verkosten können. Hätte schon, aber dann hätts mit der Weiterfahrt etwas länger gedauert…. Auf jeden Fall stammt das Wasser für die Brauerei aus einem ganz tiefen Brunnen und das Wasser aus den Beskiden. So schließt sich der Kreis wieder – diesmal in meinem Magen. Ich will ja keinen Bierführer hier schreiben, sondern von unserer Tour berichten. Das Bier ist gut, aber nichts besonderes. Nicht allzu herb, nicht allzu würzig. Gut gemacht, aber kein Highlight. Doch, dass das Wasser aus den Bergen stammt, über die wir heute fuhren, gefiel mir doch. 

Eigentlich wollte ich noch was über die polnischen Autokennzeichen schreiben. Da gibt es ein interessantes System. Aber für heute reicht es. Das gibt sicher mal als Zuckerl die nächsten Tage, sollte es doch mal einen langweiligen Tag geben, wo es sonst nichts zu schreiben gibt…. 


 


Krakau – die alte Haupstadt Polens

90 Kilometer waren es heute bis in die Stadt Krakau, die fünf Jahrhunderte lang die Hauptstadt Polens war. 

Die Fahrt führte uns erst Richtung Weichsel, dem Fluss, an dem sich die Stadt befindet. Davor fuhren wir noch durch eine 500 ha große Teichlandschaft. Sie liegt in der Nähe von Zator. Es ist eine der größten in ganz Polen und beherbergt zahlreiche seltene Pflanzenarten, die schon auf der roten Liste für Polen stehen. Besonders ist die Teichlandschaft bei Vogelkundlern beliebt, weil sie eine der besten Beobachtungsmöglichkeiten für 270 Vogelgattungen bietet. Natur pur und keinen Menschen getroffen. 

Die letzten 15 Kilometer kamen wir nach Krakau über einen sehr gut angelegen Radweg, der teilweise auf und teilweise neben dem Damm der Weichsel in die Innenstadt führt. So war für uns der Straßenverkehr kein Thema. 

Wir fühlten uns in Krakau angekommen gleich auf Anhieb wohl. Beeindruckt bewunderten wir das Schloss auf dem Wawelhügel und die historischen Klinkerbauten, die man schon vom Ufer des Flusses sehen konnte. Die Stadt hat viel Platz. Außerdem ist sie nicht ganz so überlaufen wie z.B. Prag oder auch München. 

Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen hatten, machten wir und auf dem Weg in die Innenstadt. Erst mal zum Essen. Die Kalorien der 90 Kilometer mussten wieder nachgetankt werden. Wir haben einen Tipp bekommen. Ein kleines unscheinbares Restaurant, das hauptsächlich polnische Gerichte anbietet. Es gehört nicht zu den „In-Lokalen“ – genau das mögen wir. Als wir ankamen saßen einige auf der Wartebank, aber gottlob nur zum Abholen von bestellten Mitnahmegerichten. Gäste sind fast alle Einheimische. Das ist ein gutes Zeichen. Wir bekamen einen Platz und bestellten als Vorspeise eine polnische Spezialität: Barszcz – Rote Bete Suppe. Als Einlage mit Fleisch gefüllte Kroketten. Blutrot war der Inhalt der Suppentasse. Wir kennen das Gericht schon von unserer letzten Polenreise. Als Hauptgericht gabs Pierogi – gefüllte Teigtaschen. Elke nahm die russische Variante mit einer Füllung aus Kartoffeln und Käse. Ich nahm die mit Fleischfüllung. Was für die Italiener Ravioli, dem Südtiroler sein Schlutzkrafen, dem Schwaben seine Maultaschen und so weiter und so fort…. Das sind dem Osteuropäer seine Pierogi. Als Abschluss einen… wie könnte es anders sein – einen Nalesniki, den Palatschinken. Diesmal mit Quarkfüllung. Beim Essen und Einkaufen haben wir so was wie einen Ehrencodex – nur einheimische Gerichte und Produkte, sofern es möglich ist. Schweinsbraten und Leberkäs können wir wieder zu Hause essen. Nur beim Bier war es heute grenzwertig, im wahrsten Sinne. Ich bestellte zum Essen ein Weizenbier, das in Polen gebraut wurde. Es war ein besonderes Bier von einer Brauerei aus dem Grenzort Tschechen. Schmeckte herrlich. Also Weißbier können sie auch. Brauerei Cieszyn – nur damit der Brauereiführer weiter Stoff bekommt…. 

So, jetzt aber zu Krakau. Eine tolle, historische Stadt. Am Abend sind wir durch die Altstadt geschlendert. Kein Gedränge, aber eine Menge los. Zum Fotografieren war es fast zu dunkel, aber ein paar Aufnahmen sind gelungen. 

Wir haben mit unserer Hausherrin vereinbart, dass wir morgen erst am Nachmittag weiterfahren. So können wir den ganzen Vormittag, bis über Mittag hinaus, die Stadt erkunden. Wir haben bis jetzt schon viel entdeckt, aber heute schaffe ich nicht mehr zu schreiben. Das werde ich morgen nachholen. Es gibt viel zu berichten aus Krakau. Schön, dass wir hier sein dürfen. 

Jetzt tun mir die Füße weh vom Bummeln in der Stadt. Das war anstrengender als die 90 Kilometer hierher zu fahren… 


Krakau – die Stadt der Kirchen mit viel Geschichte

Heute keine Stories über Essen und Gejammere über die harten Anstiege. Heute auch keine Biervorstellung. Es geht heute nur um Kultur! 

Am Vormittag brachen wir wieder in die Altstadt auf, um die Sehenswürdigkeiten beim Tage zu bestaunen. 

Zuerst ging es auf den Wawelhügel. Noch vor der Gründung des polnischen Staates bildete der Wawelhügel das Zentrum des Staates der Wislanen. Der Sage befand sich unter dem Hügel eine Drachenhöhle natürlich mit dazugehörenden Drachen. Der Gründer Krakaus – Kraks soll er geheißen haben, hat ihn bezwungen. Also ein Held. Auf dem Hügel trohnt eine gewaltige Burganlage mit Schloss. Sie erhebt sich an einer Schleife der Weichsel gleich neben der Altstadt Krakaus. Vom 12. Jahrhundert bis 1596 war es die Residenz der polnischen Könige. Im Innenhof ist alles schön hergerichtet und hübsch bepflanzt. Das königliche Schloss ist riesig. Auch befindet sich eine Kathedrale hier oben. 37 königliche Krönungen fanden hier statt. Das gotische Bauwerk mit vielen späteren Elementen aus dem Barock und dem Rocoko ist geschichtsträchtig. Der Innenraum wird vom Grab des heiligen Stanislaus, der in einem silbernen Sarg inmitten des Kirchenschiffs verweilt. Kurz ist der Sarg. Die Menschen früher waren ja klein, aber so klein hätte ich auch nicht gedacht. Vielleicht hat man ihm die Knie angezogen. Silber ist ja doch teuer…. 

Zu erwähnen ist noch die Siegesmund-Glocke, die mit ihren 12,7 Tonnen lange Zeit die größte Glocke Polen war. Sie wurde im 15. Jahrhundert gefertigt. Im Jahr 2000 brach der Klöppel. Es musste ein neuer hergestellt werden. 365 Kilo wiegt er. 12 Mann braucht es, die Glocke in Schwung zu bringen. Ihr Klang ist 12 Kilometer im Umkreis von Krakau zu hören.  

Weiter in die die Altstadt. Der 200 x 200 Meter große Marktplatz ist sicher einer der schönsten in Europa. 

Inmitten des Platzes befinden sich die sogenannten Tuchhallen. Es ist eine längliche Halle, in der sich viele Kramerläden befinden und auch früher schon befunden haben. Sie wurden von Tuchhändlern betrieben, deswegen heißen sie so. War also ein einträgliches Geschäft – der Handel mit Stoffen. War ja auch nicht alles überall zu bekommen. Kik und K&L gab es noch nicht, so waren die Tuchhändler gut im Im- und Exportgeschäft drin. 

Die berühmte Marienkirche befindet sich auch auf dem Marktplatz. Sie ist sicher die bekannteste Kirche hier in der Stadt. Den Hochaltar schnitzte und fertigte Veit Stoß aus Nürnberg an. 12 Jahre war er damit beschäftigt. Über 200 Figuren hat man gezählt – von wenigen Zentimetern bis zu 3 Metern Größe. Aus Nürnberg hat man auch den Bruder von Albrecht Dürer, den Hans, hergeholt um zu arbeiten. 

Wir hatten keine Lust auf das Durchquetschen mit den Menschenmassen in der Marienkirche. So gingen wir für ein paar besinnliche Minuten in die St. Barbara Kirche gleich daneben. Kein Mensch drin und alles ruhig. Wie schön. 

Krakau ist eine Stadt der Kirchen. Über 100 gibt es und hier wirkte Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II. 

Am nördlichen Rand der Altstadt befindet sich das Florianstor. Es bildet zusammen mit einem vorgelagerten Barbakan eine noch erhaltene, historische Befestigungsanlage. Was ist denn ein Barbakan, haben wir uns gefragt. Es ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk. Die klassisch runde Bauform diente als Kanonenbastion ohne Vorzugsrichtung für das Richten der dort frei aufgestellten Kanonen. Hier in Krakau kann man den größten Barbakan bewundern. Auch in Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Görlitz, Jena und noch weiteren Städten gibt es solche Befestigungsanlagen noch. 

Ja mei, ich könnte noch viel erzählen von dem was wir heute erfahren haben. Aber langweilen wollen wir jetzt damit auch nicht.  

Wir sind am Nachmittag noch 30 Kilometer nach Süden rausgefahren. Jetzt befinden wir uns in Dobcyce an einem netten Stausee. Leider regnet es seit ein paar Stunden. Für morgen hätten wir uns vorgenommen, Richtung Berge zu fahren. Es gibt da noch einen unscheinbaren und nicht sehr bekannten Nationalpark – den Babiogrosky Park Naradowy. Das wären 85 Kilometer und auch ganz nett Höhenmeter. Aber Petrus muss auch mitspielen. Außerdem haben wir mit Schrecken festgestellt, dass der Wetterbericht für die nächste Woche sehr viel Regen ansagt und in der hohen Tatra am Ende nächster Woche sogar Schneefall. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Die 30 Kilometer heute waren auch nicht von schlechten Eltern. 500 Höhenmeter, alles extrem steile Rampen. Aber abwechslungsreiches Training ist ja auch was…. 


Malerische Täler

Die Wetterprognosen hatten sich nicht gebessert. Aber was solls. Wir fuhren weiter. Heute stand auf dem Plan eine längere Etappe an den gestern schon genannten Nationalpark. Ich schreibs nicht noch mal. Sprechen geht sowieso nicht so leicht. Wie mit so vielen Wörtern nicht. Ich glaube, die Vokale kann man von Polen bis Montenegro in die Liste der gefährdeten Buchstabenarten aufnehmen. Überall nur Konsunantenfolgen, die sich super anhören, wenn die Einheimischen sie sprechen. Bei uns ist es immer ein Raten. 

Die Tour habe ich durch ein paar schöne Täler, die nicht sehr verkehrsreich sind, geplant. Und es war wirklich so. Einsam kurbelten wir ein paar Täler hoch, über einen Pass drüber und dann mit einer genussvollen Abfahrt hinunter. 

Um 13 Kilometer zu sparen, konnten wir eine Abkürzung über einen ganz kleinen, schnuckligen Übergang fahren, der auch geteert auf der Karte eingezeichnet war. Nichts ist umsonst im Leben. Dafür gab es 200 Höhenmeter mehr. Elke war gleich einverstanden. Sie dachte wie ich, die 200 Höhenmeter sind schöner, als langweilige 13 Kilometer, ein großes Stück davon auf einer Hauptstraße. Beim Abzweig war dann schon ein Schild mit Schneekettenpflicht und ein Warnschild, dass es steil ist. Aha,… ja so war es dann auch. Die 200 Höhenmeter waren im Nu weg, weil bei 20 % Steigung kannst nicht noch langsamer fahren. Du würdest irgendwann einfach umfallen. Manchmal hilft dann nur Schlangenlinien fahren und/oder Durchbeißen.  

Dann Brotzeit im Zentrum von Makow Podhalanski. Eine Schinken- und eine Käsesemmel. Und schon ging es weiter. Damit wir die Hauptstraße umgehen, habe ich eine super Umfahrung auf der Karte gefunden. Hinter dem Bahnhof links, zwischen Schrebergärten durch und über eine Fußgängerbrücke auf die andere Flussseite. Dann nur 100 Meter Schotterweg geradeaus und voila – ist man in einem Wohngebiet auf geteerten Straßen bis zur Abzweigung ins Tal von Zawoja – unserem Ziel. Klang gut und war auch anfangs recht schön, doch nach der Fußgängerbrücke war kein Schotterweg. Geradeaus erhob sich vor uns eine mächtige Böschung im Wald, ein undurchdringlicher Dschungel. Links und rechts waren zwei schlammige Wanderpfade zu sehen. Den linken haben wir genommen, weil er mit Pflastersteinen versehen war und die Möglichkeit bot, ohne Fangopackung aus der Sache rauszukommen. Es ging trotzdem steil nach oben und der 30 Kilo schwere Gaul zog sich schwer. Bei den vielen Stufen, die später kamen, ging es noch schwieriger. Dann kam eine junger Bursche entgegen und wartete, bis wir vorbei waren. Aber eigentlich wartete er nicht auf uns, sondern beobachtete etwas. Als wir bei ihm waren, zeigte er uns eine schöne Schlange, die sich durch Blätter und Äste am Boden den Hang hinauf schlängelte und in einem Erdloch verschwand. Ich konnte sie noch filmen. Schön, auch wenn wir nicht wíssen, um welche Art es sich handelte. Wir waren ja im sicheren Abstand. Es ging dann immer noch ganz schön rauf, bis wir Häuser sahen und auf einen Weg trafen. Die Schinderei hat sich gelohnt.  

Weiter durch Wohngebiete. Das ist für uns nichts neues. Da ich immer fernab von Hauptstraßen plane, kommen wir häufig 100% touristenfreie Viertel. Manchmal sehen uns die Leute ganz erstaunt an. Sicher kommen hier selten Fremde durch (wenn überhaupt), und dann schon gar nicht auf dem Rad. Dafür sehen wir sehr viel vom Leben der Menschen, den Gewohnheiten und so weiter. 

Apropos Gewohnheiten. Heute muss ich mal was loswerden. Seit wir in Polen sind, sehe ich nur noch frisch gemähte Rasenflächen und schön hergerichtete Gärten. Bei uns in Deutschland halte ich die Gartenpflege schon für sehr gründlich. Aber hier in Polen ist Rasenmähen und Hecken schneiden Volkssport. Das fasziniert mich wirklich. Man hört überall Rasenmäher, Fadenmäher, Heckenscheren und Hochdruckreiniger. So viel Stihl-Geräte habe ich noch nie an einem Tag gesehen (keine Schleichwerbung – sind wirklich fast alle von dieser bekannten Firma). „My garden is my castle“ würde der Pole sagen. Es ist auch wirklich schön anzusehen. Dafür die Gartenbauvereins-Verdienstmedallie für Polen. 

Der Schlussanstieg mit 15 Kilometer und 400 Höhenmeter ging locker von der Kurbel und nach 70 Kilometer und gesamt 1200 Höhenmeter trafen wir in Policne ein. Hat nix mit der Polizei zu tun. Die paar Häuser heißen wirklich so. 

Ich ging in das Gasthaus und fragte nach einem Zimmer. Deutsch spricht ja ohnehin keiner, deswegen fragte ich nach einem „room“. Die Chefin blickte mich empört an und sagte „nie alkohol“ – also kein Alkohol zu verkaufen. Sie verstand Rum. Gerade noch fiel mir das polnische Wort für Zimmer ein: „pokoje – reservatzki“ sagte ich und schon stand ich in einem besseren Licht da. Reservierung heißt zwar „rezerwacja“, aber ungefähr stimmte es. Das haben wir schon oft probiert. Manchmal funktioniert es. An manchen Wörtern muss man einfach „ski“ oder „u“ anhängen – passt. Heute hörten wir das Wort „aroganski“ im Fernsehen – da passte es wieder perfekt. Und neulich fuhren wir an einer Surfschule vorbei – da stand „windsurfingu“ – langsam kriegen wir den Bogen raus. Nein, das war nur Spaß. Die Sprache ist für uns wirklich schwer – wir tun weiter unser Bestes…. 

Und morgen geben wir wieder unser Bestes auf dem Rad. Wir fahren weiter nach Zakopane, dem berühmten Winstersportort. Von der Drei-Häuser-Berg-Idylle hier in den mondänen Skiort. Erst 300 Höhenmeter noch mal rauf auf einen Pass. Dann zwanzig Kilometer hinunter und dann wieder gut 500 Höhenmeter hinauf nach Zakopane – 50 Kilometer gesamt. Wir versuchen früh loszukommen, weil ab morgen Mittag Regen angesagt ist. Der Schlussanstieg im Regen wäre nicht so schlimm. Unangenehm wird es nur, wenn es schon früher anfangen würde zu regnen. Aber auch das würden wir überstehen.  

(Bilder gibt’s heute nur ein paar. Ich kann nur die Bilder vom Handy verwenden. Die besseren Fotos von der Kamera gibt’s erst nach dem Urlaub)


 


Ein Käse mit Tradition

Die gestern überlegte Tourtaktik schlug gleich von Anfang an fehl. Obwohl wir sogar früher als geplant loskamen, nieselte es schon beim Aufsteigen auf das Rad. Nichts war es mit Regen ab Mittag. 

Außerdem stimmte etwas mit meiner Schätzung der Etappenlänge nicht. Statt 50 Kilometer waren es doch 65. 

Auf den ersten Pass rauf wurde das Nieseln weniger, setzte aber auf der Passhöhe wieder ein. Das Wetter kam von Westen  und wir fuhren erst mal nach Osten. Schnell überholten wir die Wolke und es war wieder trocken. Dann eine Kurve nach links und wir fuhren eine ganze Zeit nach Norden. Schon hatte uns der jetzt stärkere Regen wieder. Die Straße war noch einigermaßen trocken. Da lohnt es auch nicht, die Regenklamotten rauszukramen. Vielleicht sind wir doch schneller als das Wetter. Und nach einer Rechtskurve – wer jetzt mitgedacht hat weiß, wir fahren wieder nach Osten – entkamen wir wieder dem schlechten Wetter. Nach 20 Kilometer eine Abzweigung nach Süden und dann kam der Regen volle Breitseite, wie der Seemann sagen würde. Es war ja nicht der Regen, der uns störte, es war das Gefühl so gehetzt zu sein. Immer den Gedanken: nur nicht stehen bleiben, vielleicht sind wir schneller als die Wolken. Was soll ich weiter scheiben. Den Rest des Tages fuhren wir im Regen. Kein Spaß und damit auch leider nur wenige Fotos. 

Kurz vor Zakopane hat es mich dann gepackt. Die Dörfer hier sind so schmuck anzusehen, aber ich hatte bis dahin keine Lust zu fotografieren. Erst den Rucksack von der Regenhülle befreien, die Kamera raus und zwar so, dass sie möglichst wenig Regen abkriegt und so weiter. Nein, heute hatte ich keine Lust. Aber die Häuser in den Dörfern wären viele Fotos wert gewesen. Viele sind nur aus Holz gebaut und haben in alle vier Richtungen einen Giebel oder Gauben. Dann der Blick auf die hohe Tatra, die nur schemenhaft zwischen Wolken zu erkennen war. Auf was ich eigentlich raus will – wir hielten an einem kleinen Holzhaus, neben dem eine kleine Holzhütte stand und aus der es wild rauchte.  

Wir haben schon gehört von einem berühmten Käse aus Zakopane und Umgebung – dem Oscypek. Und hier war einer, der ihn hier produziert und räuchert. Es handelt sich um einen geräucherten Schafskäse. Mit dem Segen Brüssels ist Oscypek seit Anfang 2008 eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Doch bevor es dazu kam gerieten sich die ansonsten friedlichen Nachbarn Polen und Slowakei mächtig in die (Schafs-) Wolle. Polen und Slowaken kommen eigentlich recht gut miteinander aus, doch beim Käse hörte die Freundschaft plötzlich auf. Monate lang beharkten sich beide Seiten. Der Grund: Auch auf der slowakischen Seite der Tatra gibt es einen Hartkäse aus Schafsmilch, den Ostipok, der nach einem ähnlichen Verfahren hergestellt wird wie der polnische Oscypek. Doch letztlich konnten die Polen nachweisen, dass auf ihrer Seite der Tatra der traditionelle Schafskäse zum ersten Mal erwähnt wurde. Auf höchster Regierungsebene wurde um einen Kompromiss gerungen. Schließlich einigten sich beide Seiten darauf, dass es zwischen beiden Käsesorten eigentlich doch erhebliche Unterschiede gebe und eine Verwechslungsgefahr ausgeschlossen sei. Der Oscypek erhielt sein EU-Zertifikat und die Nachbarn können weiter ihren Ostipok verkaufen. Der Käse, die Bezeichnung trägt, darf auch nur aus Milch von der hier heimischen Schafsrasse gewonnen werden. Ein Kuhmilchanteil muss auch von heimischen Kühen stammen. Er wird in eine geschnitzte Form gepresst und erhält so seine charakteristische Form. Und hergestellt darf er selbstverständlich auch nur hier werden. Ist halt wie mit der Nürnberger Bratwurst. Das einzige, für was die Schafbauern die EU-Brüsseler überzeugen mussten ist, dass sie den Käse nicht plastikverschweißen müssen, sondern dass er auch genießbar ist, wenn man ihn dem Kunden einfach so in die Hand drückt… 

Der Käse hat wirklich eine lange Tradition. Er wurde von den Golanen eingeführt. Kennt jemand die Golanen? Wir haben es nicht, aber zufällig gestern schon von Ihnen gelesen. Aber das verrate ich erst morgen… (also wieder reinschauen)

Der Käseverkäufer und seine Frau ließ uns gleich allerhand probieren. Er hatte welche mit unterschiedlichen Schafsmilchanteil. Wir nahmen den mit etwas Kuhmilch gemischt. Der schmeckte uns am besten. Dann bot er uns einen frischen, ungesalzenen Käse an. Gleich nach dem Stocken der Milch entsteht dieser und ist so was wie ein Ricotta in Italien. Den schneidet man klein, gibt Preiselbeermarmelade dazu und schon hat man eine schöne süße Nachspeise. Mitten in der Holzhütte knisterte ein Feuer. Darüber hing ein Grillrost und der Käsemacher bot uns zwei kleine Schafskäse an, die wir darauf Grillen konnten. Bis die Käse weich wurden, könnten wir uns bei dem Wetter aufwärmen, meinte er. Da hatte er Recht. Es war eine schöne Abwechslung für uns. Und dann kosteten wir den Grillkäse – super. 

Gut gestärkt ging es auf die letzten Kilometer nach Zakopane. Der Verkehr war über weite Teile des Tages nervig. Keine direkt schöne Etappe. Das lag am Regen, den Autos, den heute aggressiven Autofahrern, dem Lärm, den die nasse Fahrbahn beim Vorbeifahren der Autos machte, den teilweise engen Straßen und so weiter. Der Käseeinkauf war das Highlight des Tages. Und davon haben wir noch ein paar Tage etwas, denn den Käse wird es die nächsten Tage zum Mittagssnack geben. 

Ankunft in Zakopane. Wieder Regen. Suchen der Unterkunft. Wahnsinn, da ist was los. Stau auf der Hauptstraße und so viele Menschen. Es ist Ferienzeit und Wochenende. Aber mit so viel hätte ich nicht gerechnet. Wegen des Regens haben wir auf die Stadtbesichtigung erst mal verzichtet. Vielleicht geht sich das morgen noch aus. Untergekommen sind wir in einem schönen, alten, ganz aus Holz gebauten Haus in traditioneller Architektur der Gegend. Und mit super Küche, die von vielen gelobt wurde. 

Die haben nicht zu viel versprochen, das Essen war köstlich. Lammkeule vom Feinsten, vorher gegrillten Oscypek-Schafskäse (wie könnte es anderes sein) und eine traditionelle Suppe, den Zurek. Das ist eine saure Suppe mit Kartoffeln und Wurstscheiben, in diesem Fall mit Wurst vom Lamm. Dazu noch ein Weißbier aus der Tyskie Brauerei. Gut zu trinken, sehr durstlöschend, nicht allzu herb (wieder was für den Bierführer für Polen – geht aber nix über den aktuellen Geheimtipp aus Holzkirchen, den noch nicht viele kennen – den „Sapplbräu“ – Weißbier in Bayern ist noch eine Ecke besser…. muss man mal erwähnen…)

Zakopane ist schon eine noble Stadt. Ein wenig wie Kitzbühel, nur viel größer und mehr los. Aber auch nicht so teuer wie in Österreich. 

Morgen weiter unbeständiges Wetter. Leider fallen unsere geschmiedeten Pläne, in der hohen Tatra Wanderungen zu machen und länger zu verweilen, immer mehr ins Wasser. Morgen kurze Etappe bis in die Slowakei. Vermutlich wieder mit Regenklamotten. Ach ja, in unserem Zimmer sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wir haben eine ganze Menge waschen müssen oder nur zum Trocknen aufgehängt. Die Räder duften wir aufs Zimmer nehmen. Das war auch nobel. 

Ach ja: Liste neu gelernter polnischer Wörter heute: 

Autobusy – deutsch Autobus. 

Komputery – deutsch Computer

Monituringu – deutsch Überwachung


 


Do widzenia Polska – Dobry den Slowakia

Der Tag begann mal mit Sonnenschein. Das ist doch mal was Feines. Nachdem heute, bei dem unbeständig vorhergesagten Wetter, nur 40 Kilometer auf dem Programm standen, ließen wir uns am Morgen etwas Zeit. Wir genossen das Frühstück in der Unterkunft und schlenderten durch die Fußgängerzone von Zakopane. Alle namhaften Firmen waren hier vertreten. Viele Bergsportartikel gab es zu kaufen. Käse, Kutschfahrten und tausende Souvenirs hätte man kaufen können. Und Menschenmassen auch heute. Wie in der Münchner Fußgängerzone in der Vorweihnachtszeit. Trotzdem war es schön, es mal gesehen zu haben. 

Danach machten wir uns auf den Weg in die Slowakei. Erst aus Zakopane raus ein irrer Verkehr. Autokolonnen, Radfahrer und Fußgänger überall. Was machen die alle bloß. Ein wenig wurde das Rätsel dann doch gelüftet. Viele gehen Wandern. Andere besuchen das berühmte Skisprunggelände von Zakopane. Jetzt am Vormittag war fast kein Parkplatz zu ergattern. Gut, wir brauchten keinen mit unseren Drahteseln. Wir sahen uns das Stadion an. Gewaltig groß. Da war das Skisprunggelände in Wisla Spielzeug dagegen. Aber was machen die Leute bloß hier. Das wäre genau so, als wäre die Allianz-Arena jeden Tag voller Besucher, auch wenn kein Spiel stattfindet. Gut, es gibt viele kleine Läden, Stände mit Essen und Spielmöglichkeiten für die Kinder. Das zieht vermutlich die Touristen für einen Ausflug an. 

Sehr gut, dass wir noch etwas Zeit mit Sightseeing verplempert haben, denn bei der Weiterfahrt fing es plötzlich an, heftig zu regnen. Wir konnten uns noch gut an der Tankstelle neben dem Skisprungstadion unterstellen. Nach 10 Minuten war der Spuk vorbei und wir konnten weiterfahren. Je weiter wir fuhren, umso nasser war die Straße. Es hat hier viel mehr geregnet, als in Zakopane. Wirklich vorteilhaft, dass wir so spät loskamen, sonst wären wir hier irgendwo im Wald vom Regen überrascht worden und hätten keinen Unterstand gehabt. A bisserl Entschädigung für gestern will ich anmerken. 

Auf dem Weiterweg fiel uns auf, dass wir uns in einer richtigen Urlaubshochburg befinden. Die Kennzeichen der Autos waren sehr verschieden. Wir haben den Dreh jetzt raus. Der erste Buchstabe ist die sog. Wojwodschaft – praktisch das Bundesland. Dahinter kommen ein oder zwei Buchstaben für den Landkreis. Es wäre so, als hätten wir in Bayern erst mal ein „B“ vorne dran und dann z.B. „MB“ für Miesbach. So wäre gleich erkennbar, aus welcher Gegend ungefähr man kommt. Hier in Polen funktioniert das. „K“ steht z.B. für Kleinpolen-Krakau. „G“ für das Danziger Bundesland (Danzig wird in Landessprache Gdanzk geschrieben). „S“ steht für Schlesien, „W“ für Warschau und so weiter. Wer es genau wissen will. Im Internet nachsehen – gibt’s eine überschaubare Liste. So wieder was gelernt. 

Nach gut 20 Kilometer erreichten wir die Grenze zur Slowakei. Ein Fluss markiert die Grenze zwischen den Ländern. Am Grenzschild natürlich ein paar obligatorische Fotos. Dann dicke Tropfen – oje, jetzt geht es wieder los. Hinter der Grenze wurde gerade an einem großen Haus für neue Ladengeschäfte gebaut. Hier konnten wir uns perfekt unterstellen. Wir wollten ohnehin gerade den gestern erworbenen Käse zu Mittag essen. 

Nach dem Essen war der Spuk wieder vorbei. Heute waren wir Glückskinder in Sachen Wetter. Nach weiteren 20 Kilometern erreichten wir unser Ziel, ein schnuckeliges Bergdorf auf 1000 Meter – Zdiar (ausgesprochen Schdriar). Es ist ein Goralendorf. Ich habe gestern ja schon angekündigt, dass ich was über die Goralen schreibe. Wer nicht auf Wikipedia schon nachgesehen hat, liest hier vielleicht was Neues. 

Die Goralen sind Bergbewohner in den Gebirgen an der Nordgrenze der Slowakei und dem südlichen Polen. Die Goralen haben sich um die Besiedelung zuvor menschenleerer Gebirgsregionen verdient gemacht. Etwa 40 Dörfer sollen goralischen Ursprungs sein. Die Volkskultur wird durch Trachten, Volkstänze, Gesänge und die spezielle Holzarchitektur mit bunten Malereien geprägt. Historisch sind sie wahrscheinlich aus den Walachen hervorgegangen, die die polnisch-slowakischen Karpaten zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert besiedelt hatten. Sie brachten auch die spezielle Käseherstellung hierher, die wir gestern beschrieben haben. Und sie haben einen eigenen Dialekt, der aus polnischer und slowakischer Sprache gemischt ist. So, jetzt haben wir das auch aufgeklärt. Trotzdem müssen wir uns mit ein paar Wörter umstellen…. Äh bei den paar wird das gleich wieder funktionieren. Und mit a bisserl polnisch würden die Slowaken hier auch zurecht kommen…  

Untergekommen sind wir in einer kleinen Pension, die uns am Abend auch bewirten. Kaum angekommen, fing es wieder an zu regnen. Nur kurz und wir waren ja schon im Haus. Aber trotzdem sind wir heute perfekt durchgekommen. Statt Trocknungsarbeiten gabs einen Nachmittag mit Lesen und Kaffeetrinken. Und diesen Text schreiben (nicht immer erst spät am Abend). 

Der Hausherr war schon recht redselig und spricht sogar etwas Deutsch. Von den Goralen und seinem Dialekt hat er uns gleich berichtet. 

Wir genießen die Ruhe hier im Ort. Es ist ein krasser Gegensatz zum gestrigen Tag Abend im wusligen Zakopane. 


Ein 1000-Höhenmeter-Ruhetag

Heute war ein schöner Tag. Sonne pur am ganzen Tag. Ein Traum. Deswegen wollten wir heute einfach in der Hohen Tatra bleiben. Es war ja unser eigentlich geplantes Highlight des Urlaubs. In der Grundplanung hatte ich überlegt, zwei bis vier Tage hier zu verweilen um Wanderungen zu machen und Rundtouren mit dem Bike. Da die Wettervorhersage für die Tage ab Dienstag kaltes, regnerisches Wetter vorhersagt, bleibt uns eigentlich nur der heutige Tag, die hohe Tatra zu genießen. 

Wir haben uns daher gedacht, nur auf ein Stück um das Hauptmassiv der hohen Tatra herumzufahren und dort ein wenig die Berge zu genießen. 

25 Kilometer waren es nur bis Stary Smokovec, einem Ort auf der Südseite der hohen Tatra. Locker – flockig fuhren wir los. Erst ging es 7 Kilometer nach unten. Super, den Tag mit einer Abfahrt zu beginnen. Dann ein Anstieg und ein Rennradler, der vor uns in die Straße einbog. Ich dachte mir, da fährst mal hinterher. Trotz Gepäck bin ich an ihn rangefahren und habe gut mithalten können. Nach ein paar Kilometer fuhr ich zurück zu Elke, Wir hielten für ein paar Fotos. Schon kam der nächste Rennradler. Da konnte ich nicht widerstehen. Er trat mächtig rein. Da brauchte es schon 170 Puls, um an ihn ranzufahren, aber ich hatte meinen Spaß. Ich blieb dann immer auf kurzen Abstand hinter ihm. Erst auf der kleinen Passhöhe bemerkte er mich, als ich schaltete. Hektisch sah er sich um und war ganz verdattert. Später fuhren Elke und ich auf eine größere Radgruppe mit unterschiedlichen Rädern auf. Wir konnten beide gut mithalten. Das rennt ja prima, dachten wir. Dann ging es ein wenig steiler bergauf und schon stockte das Tempo. Wir hätten locker schneller gekonnt, aber vermutlich hätten uns ein paar gesteinigt wenn wir mit Sack und Pack an ihnen vorbeigefahren wären. Man muss aber sagen, dass wir heute eine wirklich kurze Etappe hatten und nur 450 Höhenmeter – praktisch ein Ruhetag. 

Um 12 Uhr waren wir entspannt am Ziel. Von hier in Stary Smokovec hat man eine tolle Aussicht auf das breite Tal vor uns und die niedere Tatra. Ein Zimmer in einen Sporthotel war schnell bezogen. Es war kein Problem, dass wir so früh dran waren. Interessant an den letzten Tagen war, dass wir in so unterschiedlichen Orten mit so unterschiedlichen Charakter waren. Da war die etwas größere Skihütte bei Zawoia mit der kantinenartigen Wirtschaft. Am Tag darauf Zakopane, dem mondänen, exklusiven Wintersportort, gestern Zdiar, das ruhige, ursprüngliche Goralendorf und heute Stary Smokovec, einem modernen Bergort für „Otto-Normal-Bergtouristen“.  

Ja, dann raus aus der Radhose, rein in die Wanderhose und die Radschuhe gegen Trekkingschuhe getauscht. Man könnte doch noch einen Spaziergang machen. Wir dachten, am besten fahren wir mit der Bergbahn ein Stück nach oben. Dann gehen wir noch etwas – super, das wird ein Erholungstag. 

Oben angekommen, sind wir einer Route gefolgt, die in eine vielversprechende Richtung führte. Vorbei an tosenden Wasserfällen und riesigen Wäldern, hinauf Richtung gewaltiger Bergformationen. Ja und so spazierten wir, bis die Leute, die in der Nähe der Bergbahn noch sehr zahlreich waren, immer weniger wurden. Schade, dass wir nicht ein paar Tage bleiben können. Da wären noch schöne Touren zu machen. Aber wir waren schon mit dieser zufrieden. Erst um halb sechs Abends kehrten wir zurück und der Blick auf den Höhenmesser verriet, dass wir noch mal 550 Höhenmeter bei der Wanderung dazubekommen haben. Ein Tausender mit dem Radhöhenmeter an einem so entspannten Tag…. 

Übrigens gibt es hier eine Berghütte ca. 1000 Höhenmeter über dem Ort, der von seinen Besuchern versorgt wird. Im Tal stehen bepackte Kraxen bereit, die man freiwillig hochtragen kann. Oder man bringt etwas wieder hinunter. Dafür hat man ein Getränk frei. Schöne Aktion. Der Hüttenwirt veranstaltet im Frühjahr einen Berglaufwettkampf die „Sherpa-Rallye“. Und schon hat er seine Startvorräte auf dem Berg. Super Idee – man muss nicht alles mit dem Hubschrauber nach oben bringen. Das schon die Umwelt.  
Stari Smokovec kam vor ein paar Monaten in die Schlagzeilen. Eine Bärenmama und ihre zwei Sprösslinge verirrten sich bis in den Ort und waren so erschrocken, dass sie auf einen Baum kletterten. Die Feuerwehr versuchte sie mit dem Spritzen von Wasser dazu zu bringen, den Baum zu verlassen. Inzwischen war alles einigermaßen weiträumig abgesperrt, damit die Bärenfamilie wieder in die Berge flüchten könnte. Aber das Wasser verschreckte sie noch mehr und sie kletterten noch weiter nach oben in den Baum. Am Ende schafften es die Bären aber doch wieder in die Natur zu finden. In der hohen Tatra und der nördliche Slowakei gibt es noch eine Menge Bären. Man schätzt 800 bis 1000. Doch nur selten kommt es zu solchen Begegnungen. Allerdings beeinflusst der immer größere Eingriff des Menschen in die Natur die Lebensräume der Bären und sie kommen öfters den Ortschaften näher. Trotzdem sind Begegnungen mit Bären sehr selten. Viele Waldarbeiter haben noch nie einen gesehen.  

Mann, könnte man hier Bergtouren machen. Da gäbe es die Gerlsdorfer Spitze, den höchsten Berg der Slowakei mit 2655 Metern Höhe oder den höchsten Berg Polens (Rysy 2510 Meter), den man von hier oder von Polen aus besteigen könnte. Wir müssen leider morgen weiterfahren. Es wird morgen unbeständig und regnerisch. Da haben wir uns vorgenommen, die Höhe zu verlassen und im den Tälern weiterzufahren. 80 Kilometer wollen wir morgen schaffen. Mal sehen, wie oft wir die Regenklamotten brauchen.  

 
 


Oft und überhaupt, kommt es anders als man glaubt…. 

In der Nacht begann es zu regnen, wie es der Wetterbericht vorhersagte. Und schon zum Frühstück hörte es auf. Doch die Freude dauerte nur bis zum Auschecken. Dann goss es wieder ganz schon runter. Mehr als die Wettervorhersage mit „regnerisch“ eigentlich vorausgesagt hat. Was hilft es? Rein in die Regenklamotten und trotzdem los. Hier oben in der hohen Tatra ist es auch nicht so warm bei Regen. Besser wäre es nicht geworden. 

Was dann folgte, hört sich für viele nicht sehr schön an. In der ersten Stunde kamen wir neben dem Dauerregen in fünf Platzregen. Irgendwann rann es aus meiner Regenjacke innen aus den Ärmeln heraus. Sie ist halt eigentlich nur eine Notjacke. Die dicke Gore-Tex-Jacke hatte ich nicht angezogen, weil es beim Bergauffahren doch recht warm drin geworden wäre. Aber macht nix. Wenn man mal unterwegs ist, macht es einem gar nicht mehr viel aus. Ist ja nur Wasser. Andere machen Badeurlaub und haben auch mit Wasser zu tun. 

60 Kilometer regnete es ohne Pause. Auf den letzten 20 wurden wir dann verschont. Und so ein Regen hat sehr viele Vorteile, von denen ich mal ein paar aufzähle: 

Die Haut trocknet nicht so aus. 

Die UV-Strahlung der Sonne trifft einen nicht so. 

Das feuchte Klima ist gut für die Schleimhäute. 

Man spart Sonnencreme. (außer man muss sie verwenden, wenn die Kettenschmiere alle ist und eine Alternative gefragt ist)

Die vielen Zusatzstoffe in der Creme greifen die Haut nicht an. Es kommt zu weniger Unverträglichkeiten. 

Die Reifen am Radl sind immer sauber, statt staubig. 

Man bekommt keinen Hitzschlag

Aufgrund des Regens hat man weniger Durst – das spart Kosten für Trinken. 

Aufgrund des Regens hat man weniger Lust anzuhalten, um zu Essen – führt dazu, nicht einkaufen zu wollen und weniger zu Essen – ergo spart auch Kosten. 

Wegen des Windes, der auf die feuchten, teils kalten Klamotten trifft, verbraucht man mehr Kalorien – Abnehmen wird leicht gemacht.

Man hat keine Lust anzuhalten, um zu fotografieren – Spart also Zeit für die Bearbeitung von Fotos und Speicherplatz auf dem Computer

Wegen des schlechten Wetters sind weniger Ausflügler unterwegs – man hat die Straße mehr für sich. 

Da gäbs sicher noch viel mehr aufzuzählen. Vielleicht fallen mir morgen weitere Vorteile von Regentagen ein. Denn der Wetterbericht sagt für morgen noch mehr Regen an, als für heute. Fast doppelt so viel – na bravo. Langsam wachsen uns Schwimmflossen. 

Wir sind nun seit drei Tagen in der Slowakei. Heute sind wir auch recht nett untergebracht. Aber am besten hat es uns bisher aber bei der netten Familie vor drei Tagen in Zdiar gefallen. Hier war man wie ein Gast der Familie. Was ich letztens gar nicht erwähnt hatte – sie bekochten uns am Abend auch. Für 10 Euro gab es ein Abendessen mit drei Gängen. Wir kamen also zur Essenszeit, schon wurde eine Terrine Suppe geliefert. Nach der Suppe ein Hauptgericht und danach eine Nachspeise. Keiner hat gefragt, was wir essen wollen. Uns hat das gefallen. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Warum nicht – muss ja nicht immer alles kompliziert sein. Geschmeckt hat es – das war die Hauptsache…. 


Jetzt ist Schluss mit dem Regen! 

Früh waren wir fertig. Um kurz nach 9 Uhr waren unsere Taschen gepackt und wir in Schale geschmissen. Wir waren gerade beim Verlassen unserer Unterkunft, als große Tropfen aus den Wolken zu Boden prasselten. Ein gewaltiger Platzregen ergoss sich über Besenova. Die Hotelchefin bot uns gleich an, im Gastraum zu warten, so lange es dauert. Wir wussten, dass es heute regnet. So waren wir nicht überrascht. Fast hatten wir uns überlegt, im Aquapark gleich in der Nähe einen Tag zu verbringen. Aber bei Regen ist es im Freibad eben auch nicht so gemütlich. Und den ganzen Tag in der Sauna zu sitzen…. Na ja, man hätte zumindest das Gefühl von sommerlicher Wärme, dafür wäre man am Abend verdorrt wie eine Pflaume. 

Kurzum, wir fuhren doch weiter. Als es nur noch „normal“ regnete, ging es los. 

Damit kommen wir zur Fortsetzung meiner Reihe: „Vorteile von Regenetappen“: 

Die mitgenommenen Getränke haben immer erfrischende Temperaturen

Schokoriegel im Rucksack fangen nicht zu schmelzen an. 

Die Hunde setzt man bei diesem Wetter nicht vor die Tür – ergo… können Sie uns Radfahrer nicht erschrecken oder verfolgen

Mitgenommene Käse- und Schinkenspezialitäten sind länger haltbar

Fortsetzung folgt. 

Einmal wurde es spannend, da unsere Tour über möglichst verkehrsarme oder besser noch einsame Straßen und Feldwege von der Baustelle eines Autobahneubaus betroffen war. Ein Schild wies auf ein Durchfahrtsverbot hin und für die Arbeiter auf Helm und Sicherheitsschuhe. Einen Helm haben wir. Wir versuchten es einfach und es klappte. Man hat auch für Einheimische einen kleinen Schotterweg für die Umfahrung der Baustelle improvisiert. Puh… das wäre ein weiter Umweg geworden, wenn das nicht geklappt hätte. 

Wir fuhren durch Teile des Naturparks der großen Fatra – nein, kein Schreibfehler. Soll nicht Tatra heißen. Der in der Mittelslowakei liegende Nationalpark Große Fatra ist typisch durch zusammenhängende Wälder, lange Täler und dem größten Fundort des ursprünglichen Vorkommens des Nadelbaumes „Gemeine Eibe“ in Europa. Das Gebiet der Großen Fatra mit einer ansehnlichen Konzentration von Naturschönheiten rief man im Jahr 1973 zum Landschaftsschutzgebiet und im Jahr 2002 zum Nationalpark Große Fatra aus. Die Naturschönheiten in der Großen Fatra beruhen auf der Tatsache, dass es sich um ein ausgedehntes Gebirgsland mit reichhaltiger Tier- und Pflanzenwelt handelt. Wir fahren schon seit Wochen von einem Nationalpark zum anderen, bemerken wir gerade.  

Nach einer kleinen Brotzeit mit dem tatrischen Schafskäse ging es über einen Pass und schon konnten wir ins nächste Tal rauschen. Jetzt sind wir in Bela, einem kleinen Ort in der Nähe von Zilina. Super Geheimtipp für Pizza. In unserer Pension befindet sich eine Pizzaria mit echten Steinbackofen. Und die machen echt hervorragende Pizzen. Kann so mancher Italiener etwas lernen. Morgen gibt’s aber wieder „Einheimisch“ zu Essen. 

Übrigens Essen. Auch hier in der Slowakei wird in der Tatraregion der speziell geräucherte Schafskäse hergestellt. Die polnische Version ist ja amtlich geschützt (s. Bericht vor einigen Tagen). Aber in der Machart unterscheiden sie sich nicht sehr stark. Und viele kleine Läden haben ihn im Angebot, wie auch andere Milchprodukte. Heute sind wir sogar an einem Automaten für Milch und Käse vorbeigekommen. Interessant war nur, das neben Milchflaschen auch das Getränk angeboten wird, dass angeblich „Flügel verleiht“. Vermutlich gehört es mit der Milch zu Rubrik Energiedrinks… 

Jetzt haben wir schon gut 650 Kilometer gemacht. Ruhetag gab es praktisch keinen. Ich gebs ja zu. Auch wenn ich über kurze Etappen so manche Scherze von wegen Ruhetag mache. Elke macht das immer mit. Sogar die Tour-de-France macht jede Woche einen Ruhetag. Und die fahren nur durch ein Land. Wir haben schon deren drei. Die Profifahrer haben aber auch eine Fahrergewerkschaft – Elke nicht… 

Jetzt ist Schluss mit dem Regen. Die nächsten drei Tage sollen recht schön werden. Morgen geht es an die slowakisch-tschechische Grenze auf eine Art Berghütte. Sie liegt oberhalb von 1000 Meter. Praktisch eine Bergankunft a la Tour de France.  


 


Bergankunft

Heute weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Das Wetter war fabelhaft. Die Route perfekt. Wenig Verkehr. Alles hat gepasst. Kein Improvisieren während der Fahrt. Richtig langweilig. 

Langweilig bis auf den Schlussanstieg. Der hatte es dann doch in sich. 500 Höhenmeter, immer steiler werdend. Super – ein Traum. Aber anstrengend. Also anstrengend schön. Ich weiß nicht ganz, wie ich es ausdrücken soll. Auf jeden Fall genossen wir dann das Sitzen auf der Terrasse am Nachmittag.  

Unser Ziel war eine Hütte an der Grenze zwischen der Slowakei und der Tschechischen Republik auf 1000 Meter Höhe. Roch super aus der Küche. Da waren wir richtig. Ist wie eine große Alpenvereinshütte mit Etagenbetten und Gemeinschaftsbad. Aber dafür gibt’s für 3,50 Euro Abendessen. 

Morgen sind wir ohne eine einzige Kurbelumdrehung schon in Tschechien. Dann sind es noch zwei Tage, um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren. Leider… 

Ach ja, gerade waren wir noch nach dem Abendessen in der Sonne gesessen. Da kam ein Regenschauer. Wir bleiben da gemütlich sitzen. Regenschauer sind für uns noch höhere Luftfeuchtigkeit – nach dem, was wir die letzten Tage erlebt haben… 


 


Wetterbericht ohne Petrus gemacht 

Haben wir nicht geschrieben, dass das Regenwetter zu Ende ist? Wir haben da auf den Wetterbericht vertraut. Petrus scheint aber eine Fehlbuchung gemacht zu haben. Zum Frühstück gab es Regen… äh… und natürlich was zu Essen. 

Mit langem Trikot und Windjacke rollten wir los. Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Dafür gab es kalten Wind. Nach 100 Metern waren wir schon in Tschechien. Heute gings entspannt doppelt so weit runter, wie rauf. 

Die erste größere Stadt, Roznov, nutzten wir für eine Rast. Wir hatten in meinem Vorratssack noch Osiepek, den leckeren, geräucherten Schafskäse. Es galt also jeden Tag nur eine Bäckerei zu finden und ein paar Semmeln einzukaufen. Und schon war das Mittagessen perfekt. 

Roznov ist übrigens ursprüngliche Firmensitz der Firma Tesla. Nein, nicht die mit dem tollen Elektroauto. Das Unternehmen wurde am 18. Januar 1921 als Elektra gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zu einem staatseigenen Konzern, der seit 7. März 1946 unter dem Namen TESLA unter anderem in den Bereichen Funk- und Radartechnik vorrangig den Ostblock belieferte. Nach der politischen Wende 1989 ging der Betrieb allerdings ein, was zu hoher Arbeitslosigkeit in der Stadt Roznov führte. Von der Firma übrig geblieben sind heute eine Handelsmarke sowie Namensbestandteile existierender Unternehmen in der Slowakei und in Tschechien. Im Streit mit dem US-amerikanischen Elektroautohersteller Tesla Motors wurden diesem 2010 Nutzungsrechte an der Marke eingeräumt. Sie haben sich geeinigt. So darf der elektrische Sportwagen auch Tesla heißen. 

Das Produktspektrum von TESLA umfasste neben Systemen und Großgeräten beispielsweise auch elektronische Bauelemente, Lautsprecher, Telefone sowie Geräte der sogenannten Konsumgüterelektronik (Unterhaltungselektronik) wie Radios, Tonbandgeräte und Fernsehgeräte.1945 begann die Produktion von Glühbirnen, Elektronenröhren und Radiogeräten. Glühbirnen der Marke Tesla fanden als Aktionsartikel ab 1980/2000 bis heute den Weg nach Österreich und Deutschland.Zwischen 1989 und 1992 wurden auch Heimcomputer der Marke MAŤO gefertigt. Im deutschsprachigen Raum wurden TESLA-Erzeugnisse fast ausschließlich in der DDR bekannt, da sie oft nicht konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt waren. TESLA produzierte auch in größerem Rahmen Flugsicherungsradargeräte. 

Im neunzehnten Jahrhundert wurde Rožnov durch sein Bäderwesen berühmt. In den hiesigen Luftkurort, der im Jahre 1820 gegründet worden war, kamen Patienten aus ganz Europa. Auf der Kolonnade im Rosenauer Park spazierten unter anderem der weltberühmte Doktor Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, sowie Gregor Mendel, Begründer der Genetik. Der Kurort diente zur Heilung von Krankheiten der Atmungsorgane, der Lunge sowie auch des Herzens.

Am Nachmittag folgten wir den super markierten Radwegen am Fluss Becva entlang, bevor es nördlich in eine Hügellandschaft ging, die noch ein paar Höhenmeter produzierte. 

Außerdem kamen wir in Vizovice vorbei. Ist nicht die tschechische Version von Miami Vice. Es ist ein Ort, der viele Pflaumenalleen besitzt. Aber interessanter ist, dass hier ein Rudolf Jelinek schon im 18. Jahrhundert der aus den Früchten einen Schnaps herstellte – den Sliwowitz. Ob er der Erfinder des Getränks war, ist zu bezweifeln. Von Tschechien bis Kroatien ist das Getränk so verwurzelt. Da würde es nur zum Streit kommen, wer ihn wirklich erfunden hat. Der Name Sliwowitz leitet sich übrigens vom slawischen Wort sliwa = Zwetschge ab. 

Morgen letzte Etappe des Urlaubs. Langsam sind die Beine aber auch nicht mehr so sprintfreudig, wie am Anfang…. 


 


Schlussetappe

850 Kilometer und mehr als 9000 Höhenmeter sind es geworden. Heute gings recht gemütlich zurück zum Ausgangspunkt unserer zweiwöchigen Tour. Über ein paar Hügel fuhren wir Richtung Oder, die hier in der Nähe von Ostrava noch ein kleines Flüsschen ist. 

In den Oderniederungen und -auen konnten wir eine schöne Landschaft genießen. Die Oder heißt hier Odri. Und die Niederungen werden hier als Poodri benannt. 

Das Naturschutzgebiet Poodří wurde 1991 auf einer Fläche von 81.5 km2 zum Schutz von seltenen Feuchtbiotopen in den Oderauen ausgewiesen. Poodří ist eine der wenigen Landschaften in der Tschechischen Republik, in der ein fast natürliches Wasserregime erhalten geblieben ist und wo man immer noch die funktionierende Verbindung des nicht regulierten und natürlich mäandrierenden Flusses und seiner Au sehen kann. „Überflutungen“ gibt es hier mehrmals pro Jahr, vor allem bei der Schneeschmelze im Frühjahr oder nach größeren Sommerniederschlägen. Hier wird auch nicht bis zum Bach hin gebaut. Damit gibt es natürliche Überflutungsflächen. Als wir so durch die Landschaft cruisten, hörten und sahen wir immer wieder verschiedene Vögel. Sehr schön. 

Später durchstreiften wir eine Allee mit „Kriecherl“, ausgesprochen „Kriachal“, richtig benannt Kriechen-Pflaume. Noch waren nicht viele reif. Aber die paar haben wir uns gekrallt. Elke hat sich die Trikottasche mit ein paar aufgefüllt und mich während der Weiterfahrt versorgt – wie ein Edelhelfer bei eine Tour-de-France-Etappe. Ich hab gleich vorgeschlagen, sie soll bei der nächsten Etappe neben Chris Froome herfahren und sagen: „Was willst denn mit dem Gel, das kannst vergessen, nimm a paar Kriacherl. Des wär gscheiter.“ Mei, der würde schauen…  

Wir sind angekommen, übrigens heute mit einem richtig sonnigen Tag. Petrus will sich mit uns versöhnen. Wahrscheinlich, damit wir weitere Touren planen…. 

Eine Idee hätt ich da schon. Von unseren Ausgangspunkt in der Nähe von Ostrava könnte man wunderbar das nördliche Tschechien erkunden. Dann hätten wir fast alle Landesteile gesehen. Nur zum Beispiel. 

Die nächsten Tage wird es mal ein paar Best-Of-Bilder von der Kamera geben. Freut Euch darauf…