DURCH DIE SCHWEIZ DES OSTENS

Radtour durch Slowenien - Juli 2018


Kurzvideo für den schnellen Eindruck


Die Reiseroute


Best-of-Bilder - Slowenien-Tour

Hier die Galerie der besten Bilder unserer Reise durch Slowenien

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SLOWENIEN 2018 - Die Beginn...

Wir stehen wir dem Start unserer zweiten Radreise im Jahr 2018. Dieses Mal zog es uns nach Slowenien. Langsam haben wir die Ostländer in Deutschlands Nähe alle durch.
Um 4 Uhr morgens klingelte der Wecker… Heute war der schlimmste Stau vorausgesagt, da genau heute die meisten Bundesländer in Deutschland gleichzeitig Ferien haben (14 Stück). Also rauf auf die Autobahn, die schon um 5 Uhr recht voll war. Der Tag war ja noch jung und wir hatten nur 420 Kilometer vor uns. Unser Startpunkt liegt in Slowenien etwas nördlich von Ljubljana bei Kamnik in einem kleinem Tal.
Als wir gegen Mittag in Nähe von Klagenfurt kamen, klagte der Verkehrsbericht im Radio über 1 Stunde Wartezeit am Karawankentunnel. Da bogen wir aber schnell ab auf die Landstraße und sind über den Loiblpass gefahren. Sehenswert und flüssig und ohne Karawankentunnel-Maut. Mit dieser Strecke waren wir so schnell in Slowenien, dass wir noch viel Zeit hatten und weiter über einsame Landstraßen fuhren. Wieder 15 Euro Autobahnmaut gespart.
13 Euro davon haben wir gleich am Abend in zwei alkoholfreie Biere und ein Schnitzel in der Größe meiner Autofelge angelegt haben. Und ich hab Sportfelgen….
Vorbereitung ist eben alles. Kalorientanks für die Radltouren aufgefüllt und schon kanns losgehen.
Unsere Vermieter haben uns herzlich aufgenommen und der Herr des Hauses hat uns noch auf ein Augustiner eingeladen. Der hat Geheimvorräte und ist Fan von Bayern….
Wir befinden uns in der Gegend, die Oberkrain heißt. Alte Volksmusikfans werden noch die Original Oberkrainer kennen. Die Truppe stammt aus der Gegend. Mehr dazu gibt es sicher die nächsten Tage. Heute bin ich zu kaputt (vom Fahren, nicht von dem einem Bier)…
Ich hab schon ein paar Themen gesehen, über die ich berichten kann. Freut Euch auf die nächsten zwei Wochen.

 


Tag 1: Die erste Etappe zum Tegernsee von Slowenien

Eigentlich hat die Tour perfekt begonnen – nämlich mit einer Abfahrt. Nur dass es am Morgen geregnet hat und wir eine halbe Stunde auf der Hausbank unseres Vermieters warten mussten. Dann rollten wir auf der waschelnassen Straße los. Erst nach Kamnik, dann nördlich an Kranj vorbei mit dem Ziel Bled. 75 Kilometer und 800 Höhenmeter fürs erste.

Der Bleder See ist sehr bekannt und es sind immer viel Ausflügler und Urlauber hier. Auch viele Italiener, die hierher nur einen Katzensprung haben. Als wir am Ende unserer Tour ankamen, schoben sich gerade massenweise die Autos aus dem Ort. Es wirkt so wie der Tegernsee von Slowenien. Sehr malerisch und viel Vekehr. Gibt halt immer Vor- und Nachteile, wenn es so schön ist.

Da am See so viel Trubel herrschte, fuhren wir einen guten Kilometer weit weg von der Pfütze und fanden einen schönen Bauernhof. Das Essen war herrlich. Ehrlich gekocht. Eine super Zucchinisuppe, Hähnchen mit Semmelknödelfüllung, dazu Gelberüben, sehr schmackhafter Kartoffelstampf und ein Quarkstrudel in Scheiben aufgeschnitten (Slowenischen Spezialität – Strukli). Das alles für 12 Euro – da kann keiner Meckern und…. Ach ja, den Nachtisch habe ich vergessen…. Ein leckerer, selbst gebackener Kuchen mit Waldfrüchten. Ja, die Kalorien reichen für die morgige Tour. Vor allem wenn man mit einem sensationellen Frühstück rechnen kann….

Was wir heute sehr oft gesehen haben, waren Gestelle aus Holz, auf denen Heu getrocknet wird. Es handelt sich um sogenannte Harpfen. Nein nicht Harfen…. Dafür sind sie etwas zu groß. Die könnte höchstens Gorilla mit King Kong im Duett spielen. Die Harpfen sind tatsächlich zum Heu und Getreide trocknen. Verbreitet sind diese traditionellen Gestelle von der Steiermark bis Kroatien.

Was ist uns sonst noch aufgefallen? Ja, fast jeder hat hier noch seinen kleinen Gemüsegarten. Schön anzusehen, gerade in dieser Jahreszeit.
Weiter gibt es nicht viel zu berichten. Hin und wieder ein paar Regenschauer, meine Schaltung, die heute schon etwas Nerven gekostet hat waren ein paar Wermutstropfen. Aber es geht weiter. Das morgige Etappenziel ist Kransja Gora. Ein bekannter Wintersportort.

 


Tag 2: Wintersportorte

Heute nur eine Menge Bilder. Es ist spät geworden und wir in den Regen gekommen.

Kurzer Etappenplan. Von Bled (echt a bisserl wie der Tegernsee) Richtung Pokljuka (findet im Winter immer der ein Biathlon-Weltcup statt). Wir sind aber kurz vorher abgebogen ins Radovna Tal. Wahnsinnig schön (a bisserl wie das Karwendeltal). Jetzt werden alle sagen, dann hätten gleich daheim bleiben können. Aber nein, ganz andere Gegend, Klima, Leute, Essen…. Schon was anderes. Nach der Abfahrt in den Ort Mojstrana fuhren wie auf einem sensationell angelegten Radweg nach Kranjska Gora, dem berühmten Weltcup-Ski-Alpin-Ort. Nachdem erst 40 Kilometer auf dem Tacho waren, sind wir noch ins nächste Tal nach Planica gefahren. Bekannt für die Skispringen, vor allem für die Skiflugschanze.

So, wenn wir Pokljuka nicht ausgelassen hätten, wären wir bei drei Wintersportstätten an einem Tag gewesen. Man kann nicht alles haben. Es wäre auch zu spät geworden. Von Planica zurück nach Kransja Gora hat es uns dann noch richtig eingeregnet. Macht nichts. Trocknet wieder.

Planica ist übrigens ein geschichtsträchtige Ort. 1936 wurde hier der erste Sprung eines Skispringer über 100 Meter erzielt – von Sepp Bradl. Und 1994 der erste offizielle Sprung über 200 Meter. Eigentlich von Andi Goldberger aus Österreich. Der hat den Sprung aber nicht gestanden, daher würde er nicht gewertet. Am Tag drauf war es dann Toni Nieminnen aus Finnland, der den ersten richtigen 200 Metersprung hinbekam.

Also doch noch was zum erzählen gehabt….

   


Tag 3: Über den höchsten Pass Sloweniens

Heute ging es über den höchsten, asphaltierten Pass des Landes, den Vrsic-Pass. Kleiner Zungenbrecher, den Namen kann man nur mit feuchter Aussprache meistern. Also mal alle probieren: Vrsic… ausgesprochen in Lautschrift Wrrrschitsch. Gar nicht so leicht.

Da war das Fahren auf den Pass richtig leicht. Die Steigung wechselt ständig. Von recht steil über 10 Prozent bis einigermaßen flach war alles vertreten. Die 750 Höhenmeter waren gar nicht so schlimm. Trotz Gepäck waren wir in 1:15 Minuten oben. Gut, dass meine Schaltung wieder funktioniert. Was ich die letzten Tage gar nicht erwähnt habe, meine Schaltung hat leider einen Schaden und ich konnte die ersten zwei Tage die letzten drei Gänge nicht schalten. Heute morgen hab ich Zeit gefunden, es halbwegs zu reparieren. Nicht auszudenken, wenn ich mit dem vierten Gang die Rampen hochfahren hätte müssen. Das hab ich zwar hin und wieder getan, aber freiwillig…. Ist einfach schön, wenn es flott berghoch geht. Ob das die beiden Rennradler auch so gesehen haben, die mich ums Verrecken nicht überholen konnten…..

Nach dem Pass sind wir durch das Soca-Tal nach Bovec gefahren. Eine sehr lange Abfahrt zum Genießen.

Bovec ist ein jugendliches Örtchen. Hier ist das Outdoor-Mekka der Gegend. Hier kommen Biker, Rafter, Wanderer, Rafter, Canyoinger, Quadfahrer, Downhiller, Bergsteiger, Slagliner, Zip-Liner und was es sonst so moderne Sachen gibt….

Die Gegend selbst war leider im 1. Weltkrieg Schauplatz schlimmer Kämpfe. Im Mai 1915 erklärte Italien Österreich-Ungarn den Krieg. Und bis 1917 verlief hier am Soča-Ufer die Front, an die zahlreiche Gräber und Denkmähler, Reste von Festungen, Kavernen, Schützengräben und Bunkern sowie bis heute erhaltene Maultierpfade erinnern. Auch oberhalb in den Bergen sind noch Kavernen und Schützengräben erhalten und auf Wanderungen kann man auf alte Handgranaten, Munition, Flaschen und Überreste von Gasmasken und Schuhen stoßen. Männer wie Benito Mussolini, Erwin Rommel oder Ernest Hemingway erhielten hier ihre Feuertaufe. Die einheimische Bevölkerung wurde teilweise ins Hinterland der österreichisch-ungarischen Monarchie umgesiedelt, die anderen erlebten die Front vor der Haustür. In der 12 österreichisch-ungarischen Offensive, die nur vier Tage dauerte (24. 10. bis 28. 10. 1917), besiegten die Österreicher mit Hilfe der bayerischen Division Edelweiß die Italiener. Die österreichisch-ungarische Armee war eine Vielvölker“-Armee“. Auf den Grabkreuzen finden sich ungarische, deutsche, tschechische, slowakische, russische, rumänische, kroatische, slowenische, italienische und serbische Namen, darunter viele Persönlichkeiten. Man kann sich all das gar nicht vorstellen, wenn man durch diese friedliche Natur radelt….

Übrigens noch ein schönes Wort aus Slowenien. Haben wir öfters gelesen und geschmunzelt: „VRH“. Alle Leser also jetzt mal laut vorsprechen: „Vrrrrrrhhhhh“. Kann man sich samt Übersetzung leicht merken. Übersetzt heißt das Wort: „oben“. Eselbrücke: Wenn man weit oben in den Bergen ist, dann ist es kalt und man friert. Was sagt man dann zitternd: vrrrrrrhhhhh.

   


Tag 4: Mit Genuss durch das Soca-Tal

Heute war ein Genusstag. Nach der Passetappe des Vortrages ließen wir es 50 Kilometer talwärts rollen. Entlang des Flusses Soca eine echt schöne Etappe. Wir konnten auch auf Nebenstraßen mehr von der Landschaft genießen, wie zum Beispiel Wasserfälle bestaunen, das Dorfleben abgelegener Weiler bestaunen und viele schöne Gemüsegarten bewundern. In Tolmin konnten wir auf einer Brücke die Klamm mit der dort reißenden Soca sehen. Und in Most na Soci haben wir an einem See eine schöne Brotzeitpause eingelegt.

Das mit dem ins Tal rollen hatte schon einen Haken. Es gab zahlreiche kleine Gegenanstiege und nach 50 Kilometer wollten wir in ein Seitental des Socatals, dem Idrijca-Tal. Und da ging es wieder bergauf. So summiert sich der Ruhetag auf doch 500 Höhenmeter.

Entschädigt wurden wir in unserer Unterkunft, einem schönen Hof, auf dem eine Familie neben der Zimmervermietung ihre Gäste auch lecker mit vielen selbstgemachten und aus dem Garten stammenden Produkten bewirtet. Da lacht das Radlerherz auch wenn die Etappe etwas leichter war, als die vorangegangenen. Zur Speisefolge: es gab eine riesige Terrine Sauerkrautsuppe mit Bohnen und Speck, die wir komplett geleert haben (für jeden zweieinhalb Teller). Weiter einen herrlichen Salat und geschmortes Fleisch mit Pfeffersoße und Kartoffeln-Topfen-Nockerl. Ein Gedicht auch der selbst gemachte Apfelstrudel…. Da kommt man ins Schwärmen.

Eine kleine Geschichte noch. Mit Staunen haben wir an einer Baustelle (wir standen an der roten Ampel) bewundert, wie ein Baggerfahrer grobe Steinblöcke zu einer Mauer aufschlichtete, mit dem Greifer eine Art Schüssel nahm und Zement aufnahm wie wir einen Löffel Suppe. Faszinierend, mit welcher Präzision er die Arbeitsschritte vollzog. Mit den großen Bagger\n hantierte er mit einer Genauigkeit wie ein Uhrmacher…. (leider kein Foto… )

Morgen geht es weiter in die Gegend südlich von Ljubljana. Sind gespannt, was hier auf uns wartet.


Tag 5: Die Milch macht's

Nach einem sensationellen Frühstück auf dem Hof, von dem wir gestern berichtet haben, fällt der Abschied schon schwer. Wir, die wir doch auf das Essen so großen Wert legen, kamen voll auf unsere Kosten. Es gab Eier von den eigenen, frei laufenden Hühnern, Honig von den eigenen Bienen, Gemüse aus dem eigenen Garten, Kuchen, Marmeladen und Brot – alles selbst gemacht. Sogar getrocknete Früchte von den eigenen Bäumen gab es. Die Milchprodukte waren ebenso schmackhaft. Nichts vom Supermarkt. Die Milch bekommen sie von einer Verwandten, die nur zwei Kühe hat und für die sich das Abliefern an die Molkerei nicht rentieren würde. Neben normaler Milch, die ganz anders schmeckt, als die Molkereimilch (Ausnahme vielleicht Biofrischmilch) gab es Frischkäse, Sauermilch und Topfenstrudel. Saure Milch, da werden viele die Nase rümpfen, aber weit gefehlt.

Wird Wein sauer, so ist er verdorben. Wird die Milch sauer, so ist ein neues Nahrungsmittel entstanden. Es enthält die meisten Wirk- und Nährstoffe der Milch, ist erfrischend und haltbar. Dieses kleine Wunder bewirken die Milchsäurebakterien, die natürlich in der Milch vorkommen. Dort finden sie Nahrung im Milchzucker, den sie in Milchsäure umwandeln: Süße Milch wird sauer, das Eiweiß gerinnt, die Milch wird »dickgelegt«. Zu Zeiten der bäuerlichen Milchwirtschaft säuerte die rohe, völlig unbehandelte Milch oft spontan schon innerhalb eines Tages.

Es war früher ganz normal, Milch durch das sauer werden, haltbar zu machen. Ich überspringe grad die Tagestour auf dem Rad und komme gleich zum Abendessen. Hier hatten wir auch wieder mit den Sauermilchkäse Kontakt. Es gab Strukli – den Strudel gefüllt mit eben diesen, der zum Schnitzel als Beilage kam. Ich wählte ein Schnitzel, auf dem der Käse und Gemüse zum Überbacken verwendet wurde.

Die Etappe haben wir also nur geschafft, weil wir so gut genährt waren. Die Milch macht's eben. Wir kamen nach der wieder herrlichen, durch viele naturbelassenen Wälder verlaufenden Tour, gerade rechtzeitig, um noch den Schlussanstieg der heutigen Tour-de-France-Etappe nach Alpe d Huez anzusehen. Klar fahren die Profis schneller als wir. Ich muss nur an die Begegnung vor einem Jahr in Sizilien auf dem Ätna-Unterkunftshaus denken. Dort waren am Nebentisch die Fahrer vom Team UAE. Sie bekamen am Abend ein kleines, Truthahn-Naturschnitzel mit Salat – sonst nichts. Am Morgen gab es statt einer schönen Schinkensemmel oder eines leckeren Honigbrotes nur ein Müsli und zahlreiche Pülverchen mit Nahrungsergänungsmittel. Da sind wir lieber Amateure und können essen was wir wollen – vor allem die leckeren Sachen aus der Region, in der wir uns befinden….

Ein wenig Schwärmen will ich jetzt doch noch von der heutigen Tour. Gleich zu Beginn nahmen wir uns einen recht unbekannten Pass vor. Da war es noch nicht so brütend heiß, wie es dann am Nachmittag werden sollte. 500 Höhenmeter in idyllischer Gegend. Es ging schön gleichmäßig hinauf. Und etwas Tour de France Feeling kam dann doch noch. Viele Aufschrift en von Namen und Anfeuerungsparolen zieren den Asphalt. Da fuhr man gleich noch motivierter….


Tag 6: Ab ins Kurbad

Die heutige Fahrt war eine der längsten Etappen in diesem Urlaub. 90 Kilometer kamen zusammen. Und wir schlugen uns auf sehr direkten Weg nach Osten durch. Ein großer Vorteil: wir kamen durch kleine Dörfer und durch einsame Wälder, die von Touristen selten befahren werden. Hauptstraßen überqueren wir nur. Wir konnten die Fahrt richtig genießen. Nur dass Elke fast von einem Bernhardiner gefressen wurde…. Aber das ging noch gut aus und nach einem forschen Auftreten von Elke war der Hund mehr verdattert von der Situation als sie.
Einmal wurde es spannend. Eine Straße, die uns ohne Umwege weiterbringen sollte, stellte sich als grober Forstweg heraus. Und das erst steil bergab und dann steil bergauf. Die Temperaturen waren heute richtig hoch und man schwitzte sehr. Auf der Schotterpassage waren wir im Wald und damit im Schatten.

Später kamen wir nach Krka im Krkatal. Dort ging es dann tendenziell bergab, praktisch flussaufwärts.

Alles in Allem war es ein schöner Radltag, der in einem Kurort endete. Dolenjske Toplice heißt er. Er ist seit dem 17. Jahrhundert besucht und neben der Therme ist das Wellnesscenter hier sehr beliebt. Wir haben in einem Lokal im Ort sehr gut gespeist und der Wirt hat uns nach einem kurzen Ratsch unsere Wäsche gewaschen. Echt hilfsbereit, wo man es am wenigsten erwartet. Wie sagte schon Heinz Erhardt: „Seid doch nett zueinander“…. Irgendwie kommen uns die Slowenien nach den bisher gemachten Erfahrungen sehr aufgeschlossen, herzlich und warmherzig vor. Haben schon eher ein südländisches Wesen. Auf unseren Reisen in Polen und Tschechien sind uns die Leute eher zurückhaltender begegnet. Das ist keine Wertung. Auch bei uns sind die Menschen unterschiedlich. Aber es fällt eben hier auf, dass uns sehr herzlich begegnet wird.

Übermorgen ist Regen angesagt. Jetzt müssen wir morgen noch Land gewinnen. Elke ist tapfer. Haben in 6 Tagen schon übe 400 Kilometer und 5000 Höhenmeter gemacht. Langsam wäre ein richtiger Ruhetag recht. Wir versuchen morgen eine Bleibe zu finden, in der wir gerne zwei Tage bleiben und auch mal einen Tag nicht Radfahren…. Ob ich das schaffe… ? Zumindest Tour de France schauen werde ich aber….


Tag 7: Das Gewitter im Nacken und die Brauerei in Sicht

Wir verfolgen bereits seit einigen Tagen den Wetterbericht mit großem Interesse. Für den Sonntag ist den ganzen Tag mit Regen zu rechnen und für heute am Samstag war die Gewittergefahr recht hoch eingestuft. Ein Grund, sich keine spezielle Etappe vorzunehmen. Wir wollten einfach mal weiter nach Norden kommen.

Schön in der Früh war die Luftfeuchtigkeit extrem hoch. Auch ohne Radeln babbt… zu Deutsch – klebt die Kleidung unangenehm auf der Haut. Wir sind erst dem Fluss Krka entlang nach Novo Mesto und dann noch weiter gefolgt, ehe wir nach Norden über einige Hügelketten und kleine Dörfer abbogen. Hinter uns hatten wir immer dunkle Wolken. Irgendwie schienen sie uns zu verfolgen. Aber wir waren immer schneller. Hin und wieder roch es bereits nach Regen und hinter uns konnte man am Himmel die Schlieren der Niederschläge sehen.

Zur Brotzeit mussten wir ein schattiges Plätzchen suchen. In der Sonne hätte man es nicht ausgehalten. Wenn die Wolken schon ganz nahe waren und die Sonne verdeckten war es nicht unangenehm. Da wir nicht wussten, wie weit wir es heute schaffen würden, haben wir auch nirgends ein Zimmer bestellt. Und dann am Nachmittag um 16 Uhr passierte es doch. Bei Kilometer 63 holte uns das Gewitter ein. Wir suchten Zuflucht in einer Bar und warteten den Regen ab. Bei der Recherche nach einem Zimmer konnte weder das Mädel in der Bar, noch das Internet helfen. Pensionen oder Hotels, die gestern noch verfügbar waren, waren auf einmal ausgebucht. Gut, heute war Samstag. Und am Wochenende sind nun mal viele Ausflügler unterwegs. Am leichtesten wäre es noch in Lasko. Sind halt noch 20 Kilometer, dachten wir. Aber die Bar macht auch irgendwann zu.

So sind wir in einer Regenpause nach Lasko (gesprochen: Laschko) gefahren. Dort befindet sich ja die bekannteste Brauerei Slowenien, die auch die größte ist. Schon am Ortseingang erblickten wir die Fabrik. Als wir dann noch sahen, dass Lasko ein Termalkurort ist…. Das Wasser, aus dem das Bier gebraut wird, ist ja auch Heilwasser. Super, ich dachte gleich, dass ich am Abend noch eine kleine Laskokur beginnen werde…..

Und das war dann auch so. Zu einer Pizza bestellte ich mir ein Lasko Weißbier, das durchaus mit unseren Weißbieren mithalten kann. Unfiltriert und fruchtig im Geschmack. Alle Achtung.

Die Brauerei hat übrigens eine tolle Geschichte. Im Jahre 1825 begann Franz Geyer mit dem Einrichten einer Brauerei im ehemaligen Valvasor Spital. Der Unternehmer Heinrich August Uhlich kaufte die Brauerei im Jahre 1838. Er bot seine Biere den ausländischen Gästen in der Therme von Rimske Toplice, die ihm gehörte. Zudem exportierte er sein Bier u. a. nach Triest, Alexandria und Kalkutta. Im Jahr 1867 wurde Anton Larisch der nächste Brauereiinhaber. Er baute eine neue Brauerei, verbesserte die Qualität des Bieres und erhöhte die Produktionskapazitäten Nachdem das Unternehmen Konkurs angemeldet hatte, kaufte 1889 der Unternehmer Simon Kukec aus Žalec das Unternehmen. Er stellte eine neue Art Bier mit Thermalwasser her, das auch heute noch in einer etwas anderen Art existiert. Durch Experimente entdeckte er die günstige Wirkung des Thermalwassers auf das Bier. Im Jahr 1924 kaufte der damalige Konkurrent, die Union Brauerei, heimlich die Mehrheit der Aktien. Drei Jahre später wurde das letzte Bier gebraut. Zu dieser Zeit verkaufte die Union Brauerei auf dem kroatischen Markt weiterhin Bier mit dem Namen Laško.

Die Schließung der Brauerei beeinflusste die Wirtschaft und die Bewohner rund um Laško stark. Deshalb beschlossen einige Initianten zusammen mit Gastwirten im Jahr 1929 eine Genossenschaft mit Beteiligungen zu gründen. Im Jahr 1938 wurde die Pivovarno Laško, d. d. nach vielen Komplikationen und schweren Oppositionen erneut gegründet. Als die Nachkriegs-Wirtschaftskrise 1955 auf dem Höhepunkt war, verkaufte die Brauerei nur 15.000 hl Bier pro Jahr. 1956 entging die Brauerei trotz der erheblichen Verluste knapp der Liquidation. In den 1970er Jahren trugen die großen Investitionen aus den 1960er Jahren ihre Früchte. So wurde im Jahr 1972 der Meilenstein von 500.000 hl verkauftes Bier erreicht. 1974 erwarb die Brauerei eine neue Abfüllanlage in der Nähe des Flusses Savinja. Der Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1991 hatte für die Brauerei negative Folgen: die Verkaufszahlen sanken drastisch und man verlor die Märkte der ehemaligen Republik. Trotz des Umsatzrückgangs im Anschluss an die Unabhängigkeit Sloweniens von Jugoslawien, verkaufte Pivovarna Laško im Jahre 1994 wieder mehr als eine Million Hektoliter Bier. Heute ist Pivovarna Laško eine der dominantesten und beliebtesten Unternehmen auf dem Biermarkt in Slowenien. Und trotzdem kam es wie so oft und wie es so vielen schon ergangen ist. Im Oktober 2015 erwarb der niederländische Brauereikonzern Heineken N. V., mit 53 % der Aktien, die Mehrheit an Laško vom aktuellen Eigentümer.

Da morgen Regentag ist, bleiben wir noch einen weiteren Tag. Kuren soll man ja mehrere Tage….


Tag 8: Ruhetag

Heute haben wir uns einen Ruhetag gegönnt. Zuerst sind wir noch umgezogen, weil wir eine schöne Herberge gefunden haben. Historisches Gebäude, sauber restauriert und sehr freundlicher Empfang. Wie gemacht für einen Tag zum Wohlfühlen. Im angeschlossenen Café ließen wir es uns den ganzen Tag gut gehen. Hin und wieder zog ein Gewitter durch, dem wir gelassen zusehen konnten. Ist halt schöner, trocken vor einem Latte Macciato zu sitzen, als auf dem Rad von Platzregen überrascht zu werden.

Noch eine Geschichte zu einer Slowenischen Spezialität. Wir haben es schon getrunken. Es handelt sich um das Getränk Cockta. Sieht aus wie Cola, ist es aber nicht.
Die Geschichte Cocktas begann in den frühen 1950ern. Die Führung des Unternehmens Slovenijavino wollte ein originales, slowenisches Erfrischungsgetränk auf den Markt bringen, um mit ausländischen Produkten wie Coca-Cola konkurrieren zu können. Der Lebensmittelchemiker Emerik Zelinka, ein Angestellter in den Entwicklungslabors von Slovenijavino, entwickelte ein Getränk, dessen Geschmack sich von ähnlichen Erfrischungsgetränken unterschied und das das erste Kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränk Jugoslawien war. Seine Hauptzutat sind Hagebutten der Hunds-Rose, welche bislang vorwiegend für Hagebuttentee verwendet wurden. Zudem tragen Zitronen und Auszüge aus elf verschiedenen Kräutern zum Geschmack bei. Im Gegensatz zu Coca-Cola enthält es kein Koffein. Der Namen Cockta wurde auf Grund dieses „Cocktails“ aus verschiedenen Zutaten gewählt. Cockta und das zugehörige Logo wurden der Öffentlichkeit erstmals im März 1953 während des Skispringtournieres in Planica ppräsentiert. Im ersten Jahr der Produktion wurden allein in Slowenien vier Millionen Flaschen Cockta verkauft. Die Verkaufszahlen stiegen auf 80 Millionen verkaufte Flaschen im Jahr 1967 an. Von Slowenien aus verbreitete sich Cockta in ganz Jugoslawien. Nach dem Zerfall Jugoslawiens und der Unabhängigkeit Sloveniens 1991 sank der Marktanteil zunächst ständig und es drohte ein Ende der Marke. Im Jahr 2000 wurde die Marke Cockta vom Lebensmittelunternehmen Kolinska gekauft, welches später mit Droga zu Droga Kolinska fusionierte. Der neue Eigentümer platzierte Cockta im Zuge der Retrowelle – vergleichbar etwa mit Afri-Cola – mit überarbeitetem Design erfolgreich neu auf dem Markt und Cockta erlebte einen erneuten Aufschwung. Die slowenische Droga Kolinska wurde im Juli 2010 von der kroatischen Atlantic grupa übernommen.

Für morgen haben wir auch schon eine Tour ausgesucht. Es geht in östlicher Richtung über die kroatische Grenze. Dort werden wir wieder einen Tag Urlaub auf dem Bauernhof verbringen. Weil es morgen am Vormittag noch regnen könnte, habe ich zwei Touren überlegt. Eine 45-Kilometer-Tour, die uns direkt zum Ziel führt und auch am Nachmittag noch schnell zu bewältigen ist. Und eine längere Tour, falls wir früh loskommen und die Straßen schon wieder trocken sind.


Tag 9: Von Slowenien nach Kroatien

Der Tag begann mit Regen und einem guten Frühstück. Das gemeinsam ist noch kein Problem. Erst Radfahren und Regen wäre nicht angenehm. Die erste Regenpause haben wir zum Aufbruch genutzt und sind ziemlich geradlinig nach Osten weitergefahren. Ziel war ein Bauernhof in Kroatien, bei dem wir ein Zimmer bestellt haben.

Wir sind deswegen gleich bei der ersten Regenpause losgezogen, da wir auf dem Satellitenbild schon ein weiteres Regen Gebiet gesehen haben, welches sich schnell von Norden näherte. Also los, auf nach Osten! Und wie auf der Satellitenvorausschau gesehen, hat uns pünktlich nach 2 Stunden das Wolkenband eingeholt. Wir sind gerade mit den ersten Tropfen in eine Ortschaft gekommen. Und gleich haben wir einen tollen Unterstand gefunden. Mitten auf dem großen Kreisverkehr im Ort befand sich eine alte Weinpresse mit Überdachung. Praktisch für uns. Und wir bekamen die nächste Stunde das ganze Ortsgeschehen mit. Außerdem sahen wir, dass nach diesem Regen noch eine Lücke kam. Die nächsten Regenwolken sollten dann westlich am uns vorbeiziehen. Eigentlich schon Wahnsinn, dass man, zumindest für die nächsten paar Stunden fast auf den Meter genau, das Wetter auf dem Handy mit der entsprechenden App sehen kann. Vor vielen Jahren waren es nur die Flugsicherung oder die Formel-1-Teams, die auf die Minute das Wetter wussten. Da wurden die Regenreifen aufgezogen, ganz kurz, bevor es nasse Straßen gab. Das war Rennentscheidend. Und jetzt: jetzt können sogar wir Normalbürger von dieser Technik profitieren. Auf der anderen Seite haben wir uns natürlich auch eine gewisse Erfahrung angeeignet. Wir erkennen an dem Weg, der Geschwindigkeit, der Farbe und der Form der Wolken und anderer Kennzeichen ebenfalls sehr gut, was bald passiert. Wir wollen uns also nicht nur auf die technische Unterstützung verlassen, sondern gemeinsam mit unserer Erfahrung profitieren. Das gilt bei Wetter, wie beim Navigieren und noch vielen anderen Themen des täglichen Lebens…. Menschliches Wissen und digitale Möglichkeiten sollen sich ergänzen.
Genug ernste Sachen. Wir sind gut weitergekommen. Auch der Grenzübertritt nach Kroatien lief problemlos. Eigentlich wollte ich eine grüne Grenze überqueren, aber da stand ein ausdrückliche Verbotsschild. Und ich wollte doch lieber auf den Bauernhof und nicht aufs Polizeirevier. 5 Kilometer weiter gab es eine weitere Grenzstation, die früher für den kleinen Grenzverkehr der Anwohner war und jetzt für EU-Bürger möglich sein sollte (habe extra noch mal recherchieren müssen, obwohl Kroatien doch auch in der EU ist). Kroatien ist zwar in der EU, gehört aber nicht zum Schengenraum. Somit hat man hier noch ganz normale Grenzkontrollen. Wir müssten aber gar nicht mehr so weit fahren, denn schon nach einem Kilometer gab es eine Straße nach Kroatien, ein sehr kleiner Übergang. Ich war mir nicht sicher, also hab ich gefragt. Und ja, wir durften nach dem Vorzeigen der Ausweis Papiere das Land verlassen. Die slowenische Beamtin hielt dem kroatischen Beamten unsere Ausweise hin. Aber der winkte ab. Es passt schon. Beide wünschten uns eine gute Weiterreise. So gefährlich sahen wir also nicht aus. Und wie Landstreicher auch nicht…. Na ja…. Vielleicht ein bisschen…..
Jetzt hören wir Schüsse aus Richtung Grenze. Vielleicht ein paar Radfahrer, welche die grüne Grenze überschritten haben…. Scherz. Nur Jäger im Wald….

Und jetzt sitzen wir da und genießen die absolute Ruhe. Nur der Hahn kräht hin und wieder und eine Grille zirpt. Was für ein Idyll. Aus der Küche riecht es schon sehr gut. Die Mama des Hauses macht uns noch Essen. Wir können es kaum erwarten, wenn es losgeht. Wir haben in den letzten 10 Tagen die Aufenthalte bei Höfen mit Bewirtung am Abend sehr genossen. Klar, kann man nicht a la Carte auswählen. Aber wir sind nicht hoaklig… äh zu Deutsch wählerisch. Wir schätzen jedes gute Essen, besonders wenn es selbst gemacht ist und die Zutaten aus dem eigenen Garten stammen.

Wir befinden uns am höchsten Punkt eines Hügels in der weiten Landschaft im Grenzgebiet Kroatien/Slowenien. Die Sicht ist wahnsinnig schön. Manchmal schon schade, dass man am nächsten Tag wieder weiter muss…. Morgen ist unser Ziel praktisch das Gegenteil von Heute. Es geht mitten in die Stadt Maribor.


Tag 10: Oh wie schön ist Maribor…

Heute von Kroatien nach Maribor. Erst haben wir ein sensationelles Frühstück auf dem Hof genossen, in dem wir uns in Kroatien eingemietet haben. Es gab Speck, Wurst und Leberwurst aus eigener Schlachterei, Gemüse aus dem eigenen Garten, Joghurt und Käse von der Nachbarschaft. Elke trank einen tollen Tee aus einer getrockneten Holunderblüten gemischt mit ein paar Minzblättern. Alles vom Hof. Das Gemüse habe ich schon erwähnt. Ja, da gab es leckere Tomaten mit Knoblauch. Super zum Tagesbeginn. Aber wir üben ja einen Freiluftsport aus…. Und es war echt lecker. Eier von den eigenen Hühnern hab ich noch vergessen.

Gut gestärkt ging es dann los. Es war gleich richtig heiß und es ging in Richtung Slowenien recht stark bergauf. Dafür entschädigte die Sicht. An der Grenze bei Hum ließ man uns wieder nach Slowenien einreisen. Ja, mit allem Drum und Dran und Ausweiskontrolle. Obwohl Kroatien und Slowenien gleichermaßen in der EU sind und wir deutsche sowieso, gab es sehr genaue Kontrollen. Aber EU hin oder her. Kroatien ist noch nicht im Schengenraum. Somit sichert Slowenien die Schengen-Außengrenze. Die Computer gaben keinen verdächtigen Laut von sich und so wurden wir nach Slowenien eingelassen. Nach einer kleinen Hügelkette bei 30 Grad und schwülem Klima erwartete uns eine breites Tal. Am Ende des Tals sollte sich Maribor befinden. Bis dahin durchführen wir kilometerlange Maisfelder. Aus den meisten stank es nach Kunstdünger oder Pestiziden. Nicht schön. Mais, der Bodenräuber, sollte ja nicht jedes Jahr angepflanzt werden, da er den Boden auslaugt. Nicht umsonst hielt man sich früher in der Landwirtschaft an Fruchtfolgen. Aber mit viel Chemie ist der Anbau sicher bald jedes Jahr möglich…. Nachhaltigkeit ist was anderes. Aber das ist in jedem Land so und hat nichts mit Slowenien zu tun.

In Maribor haben wir uns für eine Nacht eine ganze Wohnung in der Altstadt genommen. Von dort haben wir Maribor gut erkunden können. Erst kulinarisch, dann kulturell. Wir waren zum Beispiel an der ältesten Weinreben der Welt. Die Schwarzsamtene (so heißt die Rebsorte) wurde etwa gegen Ende des Mittelalters, vor dem Haus in der Straße Vojašniška ulica 8, gepflanzt; zu jener Zeit, als die Stadt von den Türken belagert war. Obwohl sich direkt vor ihr zwischen den Verteidigern der Stadt und den Angreifern heftige Kämpfe abspielten, überlebte die Alte Rebe. Im Spätmittelalter wüteten häufig Brände in Maribor, denn die Dachstühle waren aus Holz und die Dächer mit Stroh bedeckt. Auch das Haus, vor welchem die Alte Rebe wächst, brannte mehrmals, aber die Alte Rebe überlebte auch die mittelalterlichen Brände Um 1870 wurde unsere Gegend von der Reblaus heimgesucht, die für die Winzer in ganz Europa eine wahre Katastrophe darstellte, denn dieser Parasit, der die Wurzeln befällt, raffte die Mehrheit der Weinreben dahin. Die Alte Rebe aber überlebte, denn ihre Wurzeln reichen bis tief unter den Kies des Flussbetts und dorthin konnte die Reblaus nicht gelangen. Auch die Bombenangriffe der Alliierten konnten ihr nichts anhaben, obwohl auch das Haus, an dessen Stirnseite sie wächst, zum Teil zerstörte wurde Allerdings warteten auf die älteste Mariborerin noch viel schwerere Zeiten. Nach dem Jahre 1963, als an der Drau der Deich gebaut wurde, begannen für die Alte Rebe ernsthafte Schwierigkeiten. Da der Flusspegel um mehr als drei Meter anstieg, gelang das langjährige Gleichgewicht des Wurzelsystems aus dem Gleichgewicht und die Alte Rebe begann allmählich zu verkümmern. Die Vernachlässigung der Ufergegend der Drau in den siebziger Jahren und die unfachmännische Versorgung verschlechterten ihren Zustand zusehends. Glücklicherweise wurde die alte Schönheit von Fachleuten des Instituts für Landwirtschaft beobachtet, welche die Beseitigung der Weinrebe und den Abriss des Hauses, das in denkbar schlechtem Zustand war, verhinderten. Die Alte Rebe überlebte, auch wenn ihr Leben am seidenen Faden hing Seit der Restaurierung des Hauses und der Pflasterung der Umgebung im Jahre 1982 prangt die Alte Rebe bis zum heutigen Tag in ihrer vollen Schönheit und Größe; heutzutage sorgt der Stadtwinzer für sie und im Laufe der Jahre wurde sie zu einer der bedeutendsten slowenischen Sehenswürdigkeiten, denn sie wurde ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen und ist somit amtlich die älteste edle Weinrebe weltweit.

Von Maribor gibt es noch viel zu sagen. Unsere Vermieterin ist eine Reiseführern und hat uns eine Menge über die Geschichte erzählt. Aber das kann ich jetzt nicht alles Wiedergabe. Bevor es zu viel der Kultur wird, noch etwas sportliches. Maribor ist vor allem durch den alpinen Wintersport bekannt. Langsam wird es zwar eng mit der Schneesicherheit, wie wir gehört haben. Der Zielbereich der Weltcuprennen ist der niedrigste im ganzen Weltcup-Zirkus.

Maribor ist eine Universitätsstadt. Am Abend springen eine ganze Menge junger Leute (wie wir – manche vielleicht etwas jünger… ) herum. Es gibt eine Vielzahl von Bars und Cafés und guten Restaurants. Beim Lesen von Speisekarten merkt man, dass man sich nur gut 10 Kilometer von der österreichischen Grenze befindet. Waren wir nicht heute morgen noch in Kroatien und sind mir dem Rad hierher gekommen…

Morgen geht es entlang des Flusses Drau. Flussaufwärts, das heißt soviel wie bergauf….


Tag 11: Gemütlich entlang der Drau

Als erstes muss man sagen, dass der Titel nicht ganz richtig ist. Das Wort „gemütlich“ muss man relativieren. Normal sind Flussradtouren eine wirklich entspannte Sache. Es geht üblicherweise flussabwärts und rollt gut. Wir hatten heute doch etwas mehr Anstrengung. Am Ende waren 70 Kilometer und über 1000 Aufstiegshöhenmeter auf der Uhr. Das lag an vielen kleinen Anstiegen und ein paar größeren. Nicht alle Windungen der Drau sind auf einer Straße befahrbar. So mussten wir über ein paar Hügel fahren, um an den nächsten Punkt am Fluss zu kommen. Alles in allem war es aber eine sehr schöne Radtour. Und was der größte Vorteil war – alles war super beschildert, da doch viele Radbegeisterte den Drau-Radweg fahren. Dass es so anstrengend war, liegt vielleicht auch daran, dass wir erstens flussaufwärts gefahren sind und weil wir zwei Touren an einem Tag gefahren sind. So haben wir es auf der Internetseite des Slowenischen Drauradweges gelesen….

Wir haben heute viele Radreisende getroffen. Sie kamen uns mit ähnlicher Ausrüstung entgegen. Manche sind schon auf ein E-Bike umgestiegen. Super Sache. Radreisens sind schon eine schöne Sache. Wenn wir die letzten beiden Wochen Revue passieren lassen, haben wir hauptsächlich im Westen und eben hier an der Drau Radreisende getroffen. Ansonsten sehr wenig. Obwohl sich das Land sehr gut zum Reisen mit dem Rad anbietet.

Und wir sind Glückspilze. Heute hat es geregnet. Wie passt das zusammen? Ja, es war nur eine Regenwolke in ganz Slowenien auf dem Satellitenbild. Aber die hat uns erwischt. Obwohl es nur eine kleine, ein paar Kilometer große Gewitterzelle war…. Und wirklich – wir waren Glückspilze. Gerade als es uns traf, haben wir unter einem Picknick-Unterstand Brotzeit gemacht….

Am Ende des Tages kamen wir in Dravograd an und sind noch ein paar Kilometer weiter gefahren. Unser Tagesziel war ein schönes Lokal mit Zimmer, etwa hundert Meter von der österreichischen Grenze entfernt.

Morgen und übermorgen stehen noch die letzten beiden Etappen zurück zum Auto bevor. Da wird es noch mal bergig. War gerade noch mir Karten studieren beschäftigt, aber gut 1000 Höhenmeter lassen sich morgen nicht vermeiden. Wie schön, ich könnte von Höhenmeter Schwärmen, wie andere vom guten Essen (gut, das kann ich auch… ). 8000 Höhenmeter haben wir schon zusammen. Ich bin überzeugt, dass die 10000 in diesem Urlaub noch voll werden.


Tag 12: Bergetappe und man muss auch mal Glück haben…

Sitzen gerade wieder glücklich und zufrieden auf einem schönen Bauernhof in den Bergen zwischen Dravograd und Kamnik. Hinter uns liegt eine echt Bergetappe. Nach zwei Kilometern flach in der Früh ging es 45 Kilometer nur bergauf. Aber die Steigung war nicht allzu extrem. So konnte man sich fast in einen Flow fahren… Klingt komisch, nicht wahr. Vermutlich schau ich nur zu viel Tour-de-France und bin übermotiviert….

Es ging flussaufwärts entlang der Meza. 1000 Höhenmeter am Stück, aber auf eben 45 Kilometer verteilt. Wir hätten noch einen Abstecher zum Mountainbiken im Stollen von Mezica machen können. Aber das wäre dann doch etwas übertrieben gewesen. Doch im Ernst. Die Gegend hier war für seine Erzvorkommen bereits seit der Römerzeit bekannt Bis 1994 wurden rund 19 Millionen Tonnen Blei und Zinkerz abgebaut. Dann wurden die Mienen (über 1000 Kilometer Gänge) geschlossen. Bis auf eine paar Gänge für ein Museum und eben einen „Vergnügungsstollen“. 5 Kilometer kann man durch die Unterwelt über 12 Ebenen und 500 Stufen biken. Das hätte schon gereizt. Zurück zum Bergwerk selbst. Dass hier Blei abgebaut wurde, kann man erahnen, wenn man die große Batterienfabrik von TAB sieht. Hier werden eine ganze Menge Starterbatterien für Autos hergestellt.

Etwas weiter befindet sich der Ort Crna – keine Ahnung wie man ihn ausspricht. Früher wohnten hier auch viele Bergwerksarbeiter. Jetzt sind hier auch eine Menge Spitzensportler, die am 2125 Meter hohen Berg Peca trainieren.

Ja, sportlich ging es bei uns auch zur Sache. Und wer hat den Bericht von gestern gelesen.? Da haben wir die einzigste Gewitterwolke in ganz Slowenien abbekommen. Heute hatten wir riesiges Massel (bayrisch: für Glück). Zahlreiche Gewitterzellen entstanden und ließen es heftig regnen. Uns wir sind wie von Geisterhand zwischen ihnen durchrutscht. Es sah manchmal bedenklich aus und es brummelte laut und ganz nahe. Aber wir trockenen Reifens angekommen.

Noch eine kleine Geschichte, die wir vor ein paar Tagen erfahren haben. Wir sind durch den Heimatort von Frau Trump gefahren. Ja, die First Lady aus den USA. Sie stammt aus Slowenien. Die Leute aus dem Ort (Sevnica) hätten es gleich zum Anlass genommen, ein Geschäft daraus zu machen. Fremdenführungen, wo Melania Trump überall war. Kuchen mit ihrem Namen und sonstige „Devotionalien“. Das war der Präsidentenfamilie nicht ganz so recht. Deswegen hat sie einen slowenischen Anwalt engagiert, die Sache zu klären. Die Ankündigung hat schon ausgereicht, den Hipe zu bremsen. Jetzt gibt es halt kein Malania-Torte mehr. Ich denke, das ist auch kein Verlust für die Menschheit.

Wir werden heute das leckere Essen auf dem Bauernhof genießen, auf dem wir untergekommen sind. Und wir werden uns vorbereiten auf die letzte Etappe morgen zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Wie bei der Tour de France. Nur zwei Tage früher. Ob wir unterwegs auch mit einem Sektglas anstoßen werden, wage ich zu bezweifeln. Aber ein Feierabendgetränk wird es auch morgen geben.

 


Tag 13: Zwei Wochen Slowenien gehen zu Ende…

Die letzte Etappe ist geschafft. Noch bergig und über den Crnivrc – Pass ging es zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Wir haben den Aufenthalt und die Tour in Slowenien sehr genossen. Was uns sehr gefallen hat, waren die Menschen. Sie sind sehr aufgeschlossen, zuvorkommend, warmherzig und hilfsbereit. Sie gehen auf einen zu. Dies haben wir auf unseren anderen Reisen z.B. durch Polen nicht so erlebt. Dort fanden wir die Menschen zurückhaltender und vorsichtiger uns gegenüber. Wir kommen auf jeden Fall wieder. Trotz 800 Kilometer und 10.000 Höhenmeter haben wir noch einige Flecken, die wir uns ansehen möchten. Zu den 10.000 Höhenmetern übrigens. Die sind es genau geworden. Wie geht denn das, wird sich der eine oder andere fragen? Ich habe am letzten Tag schon berechnet, wie viel auf 10.000 fehlen. Doch die Tour gab nicht so viel her. Daher sind wir öfters mal eine extra Schleife oder einen extra Abstecher für ein Foto gefahren. Hauptsache der Höhenmesser wird gefüttert. So konnten wir noch 200 Höhenmeter sammeln, auch wenn sie nicht notwendig gewesen wären. Auch sehr schön fanden wir die Landschaft. Es ist, natürlich wegen der geografischen Lage Südtirol und der Schweiz sehr ähnlich. Die Orte sind sehr aufgeräumt, was man in südlichen Ländern oft anders vorfindet.... Man könnte sagen, Slowenien ist die Schweiz des Ostens....