Sizilien 2019


Die Reiseroute:

725 Kilometer - 47 Stunden Fahrzeit - 9230 Höhenmeter


Best of Sizilien 2019 – Der Süden

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DAS TAGEBUCH DER REISE:

Sizilien Teil 3 – Vorwort

2019 – Es geht wieder auf eine unserer Radreisen. Heuer zum dritten Mal auf die Insel Sizilien. Wir wollen den Süden erkunden.

Wir freuen uns auf Sonne, gutes Essen, schöne Erlebnisse, viele Radlkilometer und zahlreiche schöne Begegnungen mit den warmherzigen Menschen.

Heuer starten wir mit neuen Equipment. Es gab ein neues Radnavi – den Garmin Edge 1030. Den werden wir ausführlich testen. Außerdem gibt es seit ein paar Monaten eine neue Pulsuhr von Polar. Auswerten können wir also unsere ganze Reise. Aber die Zahlen sollen nicht das Wichtigste sein – im Vordergrund steht das Erlebnis.

An dieser Stelle ein kleines Bild unserer alten Polar-Pulsuhren. Seit 1998 über den PC auswertbar waren es unseres Erachtens immer die Topmodelle im Trainingsbereich. Also ein wenig Nostalgie auf dem Bild….

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Der Beginn der Tour

Da wir erst am späten Samstagabend in Catania ankamen, haben wir erst heute morgen die Räder aufgebaut. Deswegen haben wir uns für heute keine lange Etappe vorgenommen. Zum Einradeln und Akklimatisieren (es ist ganz schön warm) genau richtig.

Auf den ersten Metern kam wieder dieses sensationelle Gefühl von Freiheit. Mal sehen, was der heutige Tag bringt. Das lockere Dahintreten und nur schauen, was die Augen entdecken, ist einfach entspannend. Dem Stress des Alltags ist man schnell entflohen…. Stress, immer dieses Wort…. (wird oft überstrapaziert, aber wie es halt so ist….) sagen wir dem Alltag entflohen.
Ab jetzt können wir tagtäglich vom sizilianischen Alltag berichten.

Als erstes fingen wir mit dem Verkehr an. Wir gewöhnten uns schnell an den Verkehr. Wir sind ja anpassungsfähig. Allerdings wäre das für so manchen Deutschen gewöhnungsbedürftig. Gleich zu Anfang hat mir einer voll die Vorfahrt genommen. Er wollte die Spur wechseln, aber da war ich. Also hat er gehupt, ich hab ihm (weil ich schon halber Sizilianer bin) die Bahn frei gemacht. Und gut war es. In Deutschland wäre diese Aktion mit verschiedensten Fingergesten retourniert worden. An der nächsten Kreuzung wäre durchaus auch ein verbales Duell gerne genommen. Hier auf Sizilien ist das kein Drama. Und der Vorteil: Wenn ich mal einen, nennen wir es, „verkehrsjuristischen Vorteil“ benötige, wird mir dieser auch gewährt, ohne dass ich einen Schwall Schimpfwörter über mich ergehen lassen muss. Ich glaube es liegt daran, dass hier jeder etwas aufpasst und seine Rechte etwas dehnen kann. In Deutschland ist das ein Kampf zweier Lager. Die einen sind die Verkehrsrowdys, die sich immer alles herausnehmen. Die anderen sind die ewig braven, defensiven Fahrer, die sich immer übervorteilt sehen….

Unsere Tour verlief heute von Catania Richtung Süden. Auf der Fahrt durchquerten wir kilometerweite Anbaufelder für Citrusfrüchte. Wir durchfuhren Städte, die nur wenig einladend waren. Das lag aber auch daran, dass heute Domenica, Sonntag war und alles wie ausgestorben anmutete. Wir landeten schließlich in einem schönen Anwesen mit Zimmern und Restaurant in der Nähe von Carlentini. Hier bekamen wir auch einen Grund angezeigt, warum es heute auf den Straßen so ruhig war. Im Gastraum saßen alles noch beim Mittagessen. Obwohl draußen herrliches Wetter war, haben alle Gäste drinnen gegessen. Wir genossen die Sonne draußen. Aber wir sind hier sicher kein Maßstab. Es ist für die Sizilianer immer noch Winter und sie gehen jetzt nur mit Daunenjäckchen nach draußen. Wir sind heut „kurz-kurz“ gefahren. Für Nicht-Insider, das heißt mit kurzer Hose und kurzärmligen Trikot. Deswegen waren heute alle drinnen verschwunden. Auch die vielen Radler, die wir heute am Sonntag antrafen, hatten alle warme Kleidung an. Ich bin also doch keine Frostbeule, wie zu Hause immer behauptet. Es kommt nur auf den richtigen Vergleich an….

Sonst waren die Ausblicke sehr schön. Der Ätna war unser Begleiter, auch wenn er immer in Nebel und Wolken gehüllt war.

Jetzt wollte ich zur Feier des ersten Tages mal ein Gläschen Wein am Nachmittag. Geliefert wurde ein ganz schöner Humpen. Aber das ist eben das Nord-Süd-Gefälle. Bei uns sind in Bayen die Gläser (für Bier) auch viel größer, als in Köln…..


Vom Land in die Stadt Syrakus

Nach dem Frühstück mit dem redseligen, sehr netten Besitzer unserer Unterkunft fuhren wir bei Sonnenschein los. Der Ätna, in Wolken gehüllt, war zu Anfang immer in Sichtweite. Hier war es echt schön ruhig. Der Reiseführer hat der Gegend nur ein paar Sätze gewidmet. Super, genau dorthin wollen wir immer. Im Buch stand sinngemäß, dass dieser wenig attraktive Siedlungsraum vorwiegend von der Landwirtschaft lebt, vor allem von seinen Orangenkulturen. Uns macht das nichts. Wir genossen die Ruhe und Orangenbäume sind echt schön anzusehen…. Dafür sind hier auch keine Touristen. Im Gasthaus gestern waren nur Einheimische.

Unsere Tour führte uns erst über das Dorf Sortino und dann kilometerweit durch die schöne Natur ohne viel Verkehr über die Hügellandschaft des Südens von Sizilien. Dann folgte eine lange Abfahrt Richtung Augusta. Ich wollte dort den Hafen ansehen. Doch auch wenn wir auf Nebensträßchen eine gute Möglichkeit fanden, die Autobahn und größere Hauptstraßen zu meiden, ging mein Plan nicht auf. Vor uns bäumte sich eine große Erdölraffinerie auf. Mein Plan war, am Hafen entlang der Küste zu fahren. Aber das Firmengelände reichte bis ans Meer und ein Passieren war logischerweise nicht möglich. Außerdem lud der Gestand von Erdöl und Chemie nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Wahnsinn, wie das stank. Und als wir uns dann doch über die breite Straße Richtung Syrakus schlugen, der chemische Geruch lag über 20 Kilometer in der Luft. Das lag daran, dass eine Raffinerie und ein chemischer Betrieb aneinandergereiht diese Gegend ausfüllte. Esso, ENI und Lukoil waren die Hauptakteure. Gewaltig, diese Anlagen, aber in dieser Gegend zu leben, schien mir alles andere als gesund. Klar haben hier viele ihre gesicherte Arbeit, aber dafür ist der Quecksilbergehalt im Meer laut einem Spiegel-Bericht um das 20.000-fache höher als der Grenzwert. Strand und Baden ist also nix. Und auch die gesundheitlichen Probleme der Einwohner der Gegend sind festzustellen. Vor einiger Zeit wurden auch einige Manager verhaftet, weil sie aus Kostengründen, gesundheitsschädliche Chemikalien einfach ins Meer geleitet haben.

Aber zurück zu etwas Positiven. Wir erreichten am Nachmittag Syrakus. Über einen kleinen, verlassen Bahndamm, den man zur Spaziermeile und Radweg umfunktioniert hat, erreichten wir die historische Stadt. Witziger weise begann der Weg am Rande eines Industriegebiet hinter dem Wertstoffhof als ein überwucherter, wilder Trampelpfad, bevor wir ihn locker befahren konnten.
Syrakus, in früherer Zeit eine der schönsten und wichtigsten Städte der Welt. Wir haben uns auf der Insel Ortigia, die das historische Zentrum der Stadt darstellt, in einem kleinen B&B eingemietet. Von hier durchstreifen wir die Altstadt. Wir waren beeindruckt. Die Stadt hat vor allem griechische Einflüsse. Ca. 700 v. Chr. Kamen siedlungswillige Griechen und ließen sich hier nieder. Durch seine praktische Lage, war die Stadt bei anderen Herrschern recht beliebt und wurde oft angegriffen. Sogar den Griechen selbst wurde Syrakus etwas zu mächtig und so kamen einmal die Athener mit einer großen Streitmacht. Doch sie wurden von ihren sozusagen Landsleuten aufgerieben und 7000 Mann aus Athen kamen um. Geschichtsschreiber berichteten von 500.000 bis 1,5 Millionen Einwohnern.
Über diese Stadt könnte man viel schreiben. Aber ich will ein paar Bilder sprechen lassen und keine Geschichtsstunde geben. Deswegen noch ein paar Eindrücken dieser besonderen Stadt….


Auf und Ab – und am Ende….?

Am gestrigen Abend haben wir uns noch intensiv in Syrakus Altstadt auf der Insel Ortigia umgesehen. Die Stadt ist echt beeindruckend. Die Geschichte war ereignisreich, wie ich gestern nur kurz berichtet habe. Man könnte Bücher schreiben (und hat es sicher auch), was diese Stadt alles erlebt hat.

Am Morgen haben wir auf jeden Fall noch die wichtigsten Plätze angefahren um Fotos bei Tageslicht zu schießen. Dann ging es mit dem Rad durch dichten Verkehr raus aus Syrakus. Vom Verkehr haben wir schon allerhand berichtet. Und auch heute machten wir ähnliche Erfahrungen.

An der Küste entlang sahen wir leider nicht viel vom Meer. Entweder versperren eingezäunten Villen die Sicht oder dichte Vegetation. Hin und wieder gab es aber einen Blick auf das Meer. Doch das war gar nicht unser Ziel. Von der Stadt Avola landeinwärts befindet sich eine tiefe Schlucht, die von einem Naturschutzgebiete umrahmt wird. Auf einer ganz einsamen Nebenstraße umrundeten und durchquerten wir das Gebiet. Wir sahen unzählige viele Blumen und die Ruhe war nach dem Trubel der Stadt am Morgen eine für uns willkommene Abwechslung. Nur der kalte Gegenwind, der einen förmlich auskühlte, war ein Wermutstropfen. Ach ja, das war doch nicht der einzige. Obwohl der höchste Punkt der schönen Tour nur ca. 500 Meter über dem Meer war, zog sich die Tour ganz schön dahin. Das lag am ewigen Auf und Ab. Kaum hatte man eine Kuppe erreicht und man hoffte, den weiteren Verlauf der Tour besser zu sehen, ging es runter, um wieder einen neuen Anstieg zu präsentieren. So kamen über 1000 Höhenmeter zusammen. Es nahm kein Ende. Das Höhenprofil der Tour sieht auch wie ein Sägezahnmuster. Doch am Ende kam die Abfahrt nach Avola. Nur noch bergab. Der Tag verging wie im Flug und Elke hatte am Morgen schon eine Unterkunft organisiert. Bevor wir die Abfahrt begangen wollte ich noch den genauen Standort haben, damit ich diesen auf der Karte im Navi markieren kann. Avola ist ja doch eine große Stadt. Bei der Eingabe der Straße meldete sich die Stadt Noto. Ja, meinte Elke. Ich hätte gesagt, Avola oder Noto kämen in Frage. Stimmt, ich hab nur nicht mehr nachgefragt, welcher Ort es geworden ist…. Ich würde doch etwas bleich um die Nase. Kilometermäßig war es nur wenig Unterschied, doch ob es noch mal richtig bergauf gehen sollte, das wusste ich nicht. Noto lag hinter einem kleinen Bergrücken. So konnte man nicht erkennen, wie es weitergeht. 9 Kilometer waren es noch. Erst eine schöne Abfahrt mit vielen Kehren – ein Traum. Dann der Abzweig nach Noto über eine kleine Verbindungsstraße. Und wieder ein Auf und Ab. Jedoch hielten sich die Anstiege in Grenzen. Dann, es waren nur noch ca. 3 Kilometer zu fahren, wagte ich die Aussage: „da sind wir aber noch mal glimpflich davon gekommen“. Sagte es und 50 Meter später fuhren wir um eine Kurve und ich sehe Noto hochaufragend auf einem Hügel über uns thronen. Tja, falsches Timing für so einen Spruch.

Macht nichts. Dafür haben wir eine sensationelle Unterkunft. In einer alten Burg haben wir ein Zimmer wie ein Schlafsaal. Über 5 Meter hoch ist der Raum. Die Wand ist 1,5 Meter dick. Ich kann nicht mal das Fenster öffnen, weil ich den Griff nicht erreichen kann, ohne auf die Tischplatten Größe Fensterbank zu klettern. Von der Terrasse haben wir einen sensationellen Blick über die Altstadt. Ein Wahnsinn, eine Traumunterkunft. Wir sind begeistert. Von der Stadt, die als schönste Barockstadt Siziliens, gilt, werde ich morgen berichten. Da ist auch noch ein Tag.

Da morgen schlechtes Wetter und Regen für den Vormittag angesagt sind, werden wir noch einen weiteren Tag bleiben. Sollte sich das Wetter am Nachmittag bessern, können wir trotzdem eine Runde mit dem Bike drehen. Und wenn nicht, spielen wir weiter Burgfräulein und Ritter…. Heute Nacht will ich mal nach dem Schlossgespenst sehen….


Ruhetag mit Kultur

Keine Angst. Ich werde keinen Museumsführer heute zitieren. Heute regnete es den ganzen Tag und so konnten wir uns der Kultur von Noto hingeben. Wir haben einige Kirchen besichtigt. Die Stadt gilt als die Perle des Barocks Siziliens. Dabei hat die Stadt eine besondere Geschichte, die sie dazu brachte.

Das alte Noto antica war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wurde unter griechischer Herrschaft von Syrakus aus kolonisiert und blieb nach Eroberung durch die Araber und der Rückeroberung Siziliens durch die Normannen bis 1091 der letzte arabische Stützpunkt auf Sizilien. Rasch erlebte Noto wieder einen Aufschwung und entwickelte sich zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Schwerpunkt der Region. Dies änderte sich mit dem verheerenden Erdbeben von 1693, durch welches die Stadt weitgehend zerstört wurde.
Dann wurde die Stadt ein paar Kilometer an dem heutigen Platz neu gebaut. Reiche Leute und Geldgeber waren genug vorhanden. Es war die Blütezeit des Barocks. Und so entstand eine Stadt von bekannten Architekten entworfen, die alle aus den vollen Schöpfen konnten. Die drei an einem Hügel quer verlaufenden Prachtstraßen sind heute noch das Ziel vieler Kunstinteressierten. Selbst uns beeindrucken die verspielten architektonischen Details und die teils monumentale Größe.

In unserer Burg (wir berichteten gestern) konnten wir den Tag bei guter Aussicht genüsslich ausklingen lassen. Genüsslich bezieht sich allerdings mehr auf den Verzehr der diversen Einkäufe von Leckereien, die wir in einigen Geschäften erstanden haben. Da gab es Bresaula (dünn aufgeschnitten en Rinderschinken), Mozzarella, Brötchen mit Käse, getrockneten Tomaten und Rosmarin gebacken und so weiter. Mehr schreibe ich nicht, sonst bekommt man vom Lesen zu viel Hunger. Das will ich nicht verantworten….
Eines vielleicht noch. Später gab es dann kein großes Abendessen (klar am Ruhetag… ). Dafür aber einen längeren Aufenthalt in einer Gelateriea. Hier haben wir uns mit der Chefin und einigen Gästen anregend und lange unterhalten. Und wir haben wieder einiges über Land und Leute erfahren. Auch einige Tipps für unsere morgige Tour. Um 20 Uhr sind wir dann heim… Ach ja, kleiner Nachtrag zum Ruhetag. Ich weiß nicht, ob das durch die Abnahme geht. Auf unseren Spaziergängen, Einkaufsgängen und so weiter haben wir in dem am Hügel gebauten Ort vermutlich mehrere hundert Höhenmeter gegangen. Ich hätte den Höhenmesser laufen lassen sollen. Das wäre interessant geworden. Aber so wird es doch als (vermeintlicher) Ruhetag in die Geschichte eingehen…

Auf jeden Fall war es ein glücklichen Umstand, der uns gestern in diese Stadt gebracht hat. Auch wenn es mit einem gehörigen Schlussanstieg verbunden war. Das sind die ganz normalen Leiden der Radfahrer…. Die schönsten Dinge befinden sich meist ganz oben…..

Morgen geht es endlich mit dem Rad weiter. Entlang der Küste und einem Naturpark zu einigen Fischerdörfern. Wir wollen den südlichen Zipfel der Insel umrunden und das Meer genießen, bevor es wieder ins Hinterland geht….

 


Um die Südspitze Siziliens…

Heute nur ein kurzer Bericht. Nach dem Regentag war es wieder schön auf den Sattel zu steigen und in die Pedale zu treten.Wir haben ein schönes Naturschutzgebiet gesehen und sind durch ein malerisches Fischerdorf gefahren (Marzamemi). Dann hat uns jedoch ein Regenausläufer des gestrigen Wetters eingeholt….40 Kilometer im Regen und doch war es schön.Trotzdem haben wir es uns am Abend in einem sehr guten Fischrestaurant gut gehen lassen…. Aber dazu vielleicht morgen…Als Entschädigung für wenig Text ein Video….

 


Kalt

Kalt – das trifft es für diesen Tag am Besten. Morgens Sonne und wir voller Hoffnung. Mit kurzer Hose und kurzem Trikot starteten wir und haben uns in der ersten Stunde des heutigen Tages weiter an der Südküste vorgearbeitet. Da war alles noch easy….Zu gestern noch ein kleiner Nachtrag. Wir hatten vorzüglich gegessen. Es war eine Vorspeisenteller mit über 10 verschiedenen Leckereien aus dem Meer. Schwertfisch, Thunfisch, Lachs, Meeresfrüchte. Roh, gekocht, püriert, gebeizt, alles war dabei. Die Fische waren alle frisch vom Markt. Als Hauptspeise gab es für Elke eine Fischplatte und für mich (das wir nicht jedermanns Geschmack sein) Pasta mit Seeigel, eine Spezialität des Chefs. Es schmeckte lecker nach Meer. Mir hat es geschmeckt. Es war schön was besonderes. Das ganze wurde mit einem spritzigen Weißwein untermalt. Als Nachspeise war da noch das Mandarinenmus mit Ricottacreme.Zurück zu heute. Als wir ins Inselinnere Richtung Scicli (ausgesprochen „Schikl“) abgebogen sind, überzog sich auf einmal der Himmel und es wurde von Stunde zu Stunde kühler. Scicli liegt in einem kleinen Talkessel und sah in der Anfahrt wie eine typische Kleinstadt Italiens aus, in dem die Zeit stehengeblieben ist. Wegen dieses Charakters der Stadt ist hier auch einer der wichtigen Schauplätze für die Fernsehserie „Kommisario Montalbano“. Das Rathaus von Scicli ist nämlich in der Serie die Polizeiwache. Das sind Parallelen zu unserer bayrischen Serie „Die Rosenheim-Cops“. Da muss auch das Rosenheimer Rathaus als Drehort für das Polizeipräsidium herhalten….Anschließend habe wir einen Abstecher nach Modica gemacht. Auch einer der Barockstädte, die im UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen sind. Nach einer Schleife ins Hinterland, es hat zeitweise wieder genießet, ging es an den Schlussanstieg nach Ragusa. Und das ist die vierte Stadt, die aufgrund Ihrer barocken Kunst in der UNESCO-Liste steht. Es klingt makaber, aber das schlimme Erdbeben im Jahr 1693 hat zwar den ganzen Süden Siziliens zerstört. Der Wiederaufbau im damals angesagten Barockstils war die Grundlage für die Berühmtheit dieses Landstrich. Insbesondere Syrakus, Noto, Modica und Ragusas sind dabei zu erwähnen. All die Städte haben wir nun gesehen. Zu Ragusa werden wir morgen etwas mehr berichten.Der Schlussanstieg brachte wieder etwas Wärme in die Glieder. Bei 8 Grad und Nieselregen war das dringend notwendig…. Morgen geht es weiter ins Hinterland, vermutlich nach Grammichele. Wieder eine bergige Etappe mit über 1000 Höhenmeter….


Gegensätze

Zuerst mal der Hinweis, dass ich heute von zweit Tagen berichten muss, da es gestern nur ein schlechtes Netz gab und WLAN-Verbindung gab’s auch nicht. Wie kommt es zum Titel heute? Zum einen gab es den Gegensatz von Stadt zu Land, den wir gestern hatten und heute von Land wieder in eine wuselnde Stadt. Deswegen erst mal der Bericht von Ragusa. Wir sind gestern morgen für einen Streifzug durch Ragusa Alta und Ragusa Ibla. Das eine ist die Stadt Ragusa oben auf dem Berg, das andere die sozusagen zweite Stadt Ibla auf einem Höhenzug direkt unterhalb von Ragusa. Wirklich sehenswerte Städte (alles Städte, die zum UNESCO-Welterbe zählen dürfen). Wie schon in den Vortagen berichtet, hat das schlimme Erdbeben 1693 den ganzen Süden Siziliens zerstört. In der Blütezeit des Barocks wurden diese dann mit viel Geld prunkvolle wieder aufgebaut. Leider verblasst die Blüte schnell, wenn man in die zweite oder dritte Reihe hinter den Platz der Kathedralen und Dome sieht. In der aktuellen Zeit bleibt viel auf der Strecke und es ist schade, das mit anzusehen. Ein Bäcker, bei dem wir waren hat uns seine Meinung über die Politik und das Leben aus seiner Sicht geschildert. Vieles ist kritikwürdig und die Gründe liegen in den Strukturen der Vergangenheit und dass man keine neuen Wege einschlagen will….Kaum zwei Kilometer von Ragusa entfernt, wir kamen übrigens erst um 12 Uhr mit dem Rad los, zeigte sich die Natur und wir genossen die Ruhe abseits enger Gassen und geschäftigen Treiben. Landwirtschaft bestimmt die Gegend. Natur und weniger Müll als in der Nähe der großen Siedlungen waren uns in diesem Moment sehr recht. Auf dem Dorfplatz in Monterosso ließen wir uns für eine Brotzeit nieder und genossen leckeren Schinken. Als dieser dann schnell verdrückt war, besorgte ich neuen in einer Metzgerei um die Ecke. Zwei Kunden und der Besitzer verwickelten mich gleich in ein Gespräch und wir hatten gleich viel zu lachen. Und sie wollten natürlich wissen, woher ich komme und wohin ich fahre. Verspätet auf dem Dorfplatz zurück war gleich ein weiter Passant bei uns und es ergab sich ein freundliches Gespräch. Auch in Ragusa wurden wir ein paar Mal angesprochen und gefragt, ob man uns helfen kann. Die Menschen hier im Süden Italiens sind durchwegs freundlich und offen.Unser Tagesziel war die Stadt Grammichele. Eine architektonische Besonderheit. Wieder zurück zum Erdbeben 1693…. Die Leser werden diese Zahl bald auswendig können…. Hier wurde die Stadt ein paar Kilometer neben der alten Siedlung neu aufgebaut. Man hatte sich ausgedacht, die Stadt sechseckig anzuordnen. Ein Blick auf den Stadtplan, sieht aus, als hätte man eine Stadt für ein Brettspiel entworfen. Auf dem großen Stadtplatz steht in der Mitte eine überdimensionale Sonnenuhr. Ein sehenswerter Ort, auch wenn der Reiseführer hierüber kein Wort verliert. Wir sind wieder in einer Gegend, über die kein Touristenführer berichtet. Das ist uns ohnehin am liebsten. Man sieht derzeit keine Touristen hier und auch sonst kommen diese nur vereinzelt. Heute ging es dann wieder von den Bergen zurück ans Meer. Durch einen tollen Wald, den Bosco Santa Petra und durch ein Tal welches auch ein Naturreservat ist, haben wir einen tollen Tag verbracht. Es war sozusagen ein Erholungstag. Nicht nur wegen der schönen Natur, sondern weil es 70 Kilometer fast nur abwärts ging. Nur gut 200 Höhenmeter Anstieg mussten wir bewältigen. Wir wissen, dass sich das bald wieder ändern wird. Am Ende der Woche hat sich wieder Regen angekündigt und wir müssen die nächsten beiden Tage etwas „ranklotzen“…. Aber davon werden wir ja noch berichten.Gela war unser heutiges Tagesziel. Die große Stadt am Meer. Vor der Stadt begrüßten uns stinkende Schote der Chemie-Industrie. Seit 1956 vor der Küste Siziliens im Meer Öl gefunden wurde, hat die heimische Petrol-Industrie Gela zum Industriestandort gemacht. Früher ein verschlafener Ort ist er zu einem zweifelhaften Aufschwung gekommen. In den Randbezirken durchfuhren wir flächenmäßig riesige Bezirke mit Hochhäusern, die an Schäbigkeit kaum zu überbieten sind. Wegen der Umweltverschmutzung hat sich Gela einen ähnlich schlechten Ruf gemacht, wie Augusta, von dem wir vor einigen Tagen berichtet haben. Und in Sachen Kriminalität ist die Medienpräsenz erheblich. Mafia, Bauspekulationen und und und. Eine Stadt, die man nicht gerne ansteuert. Doch weit gefehlt. Sie hat durchaus auch ihren Charme in der Innenstadt. Hier, wo man mit einem kleinen Smart schon eine Limousine besitzt, alles was größer ist als ein VW Golf unmanövierbar scheint. Hier, wo die Gehsteige an vielen Stellen nur 20 Zentimeter breit sind und der Fußabstreifer der Häuser sich noch darauf befindet. Das hat alles etwas typisch italienisches. Auch Freunde der Archäologie werden hier fündig und der Besuch des Museums lohnt sich. Und da ist noch unsere überaus nette und warmherzige Vermieterin, die uns den Aufenthalt hier in der Stadt zur Freude macht. Auf dem Weg zu einem Lokal für das Abendessen schlenderten wir durch Gassen, die man bei uns als reine „Glasscheibenviertel“ bezeichnen würde. Ich glaube, sogar schlimmer….Aber hinter den Fassaden verbergen sich kleine Oasen und Schmuckstücke. Auch das Lokal war sensationell. Unsere Vermieterin hat es uns empfohlen. Wir waren nach einem Vorspeisengang (mit sage und schreibe 12 verschiedenen Gerichten) so angesättigt, dass wir nur noch ein Pasta Gericht, einen Salat und eine Nachspeise bräuchten. Alle Gerichte waren typisch sizilianisch und die Zutaten alle aus der Region. Ich glaube, ich muss die Vorspeisen mal aufzählen. Warnung! Weiterlesen, wenn man nicht schon Hunger hat. Also, das waren, grüne Oliven, Kuskus mit Gemüse, Salat mit Huhn, Gekochtes Auberginengemüse, ein Stück Pizza, Schinken, Salami und würziger Schafskäse, Omelett mit Spinat, gefüllte Champignons, Gemüseplanzerl, Fleischbällchen in süß-saurer Soße, Souflee mit allerlei Gemüse, Kartoffelnocken und ein Brot getoastet mit Rohschinken. Ist das nicht eine Vorspeise….Kleiner Nachtrag zur Stadt und auch zu Süditalien selbst. Es sind wirklich tolerante Menschen. Ich glaube ich kann nicht mehr nachrechnen, wie viele Einbahnstraßen wir schon gegen die Fahrtrichtung befahren haben, ohne auch nur einmal angehupt oder angesprochen zu werden. Wir hätten es aber auch oft schwer gehabt in diesem Einbahnstraßengewirr….


Flowerpower

Was für Blumen es hier im Frühling auf Sizilien doch gibt? Es sind so viele, die frei in de Natur und vor allem am Wegesrand wachsen. Der Tag begann war im turbulenten Stadtverkehr von Gela, aber auch der hatte etwas. Wir kauften noch etwas Schinken und Brot für ein Mittagessen auf der Tour ein, weil wir wussten, dass wir bis zum Ziel keinen einzigen Ort mehr durchfahren. 50 Kilometer sah unser Etappenplan vor. Da lag eine Menge Natur vor uns. Wir kamen etwas später los, da ich mehr als 15 Minuten beim Metzger brauchte. Wenn ich schon mal einkaufen gehe….. Ich kam zwar gleich dran, aber der Chef und sein Geselle hinter der Theke wollten wissen, woher ich bin und wohin wir fahren. Und was wir alles noch ansehen sollten. Ich berichtete von unseren bisherigen Reisen auf Sizilien. Die beiden waren begeistert. Langsam wird meine Zunge auch auf italienisch lockerer. Und wild gestikulieren wie die Italiener kann ich auch. Elke sagte anschließend, sie hat mich schon, wie sagt man auf bayrisch, „fuchteln“ gesehen. Zumindest hab ich für das Mittagessen gesorgt.Dann ging raus aus der Stadt, obwohl das gar nicht so einfach war. Jede der gewählten Gassen endete an einer Treppe. Also doch über die Hauptstraße raus aus der Stadt. Macht nichts, wir sind den Verkehr schon gewöhnt. Dann raus in die Natur und dort gab es viel zu sehen. Vor allem sehr schöne Blumen. Ich habe eine Straße abseits der Hauptstraße gefunden, die eigentlich gesperrt und nur für landwirtschaftlichen Verkehr gedacht ist. Super. Später war die Straße ziemlich mitgenommen. Aber wir sind ja schließlich Mountainbiker, ob mit oder ohne Gepäck im Gelände.Am Ende hätten uns nur noch ein paar Hunde gefressen. An einer Straße in der Ortseinfahrt unseres Ziel haben mehrere Häuser hintereinander viel zu bewachen. Da waren auch viele Hunde und nicht alle waren hinter einem Zaun….Jetzt sind wir auf einem schönen Hof mit Eseln und Pferden, ein Kleinod mit Ruhe und Beschaulichkeit. Und das Essen haben wir uns heute selbst gemacht. Kartoffeln mit Basilikumpesto und Mozarella sowie Ricotta. Ein Gedicht…. Ein Tag voller Natur.Morgen steht uns eine ganz schön harte Strecke bevor. Heute waren es 50 Kilometer und ca. 1000 Höhenmeter. Morgen werden es über 90 Kilometer und 1200 Höhenmeter. Warum? Weil es am Donnerstag regnen soll und wir noch zum Ätna hochfahren wollen. Ob das gelingt? Das heißt auch am Mittwoch eine harte Etappe fahren. Wir werden es sehen. Und wir halten für die Leser die Spannung etwas hoch….


Wiedersehen mit dem Ätna

Wie gestern schon angekündigt ging es heute auf eine lange Etappe zurück in die Nähe des Ätna. Der Morgen in Piazza Armerina begann sehr kühl und mit Nieselregen. Super – genau das richtige für die längste Tour dieser Reise (90 Kilometer und 1200 Höhenmeter). Aber wie es so ist nimmt man sich etwas vor und irgendwie klappt es auch. Wir haben schon für die nächsten beiden Tage ein Zimmer in Nicolosi gebucht. Ein kleines Bed & Break fast, die auch damit werben, dass sie Radfahrer sehr gerne mögen. Perfekt. Der Beginn der Tour war trotz Kälte fabelhaft. Wir durchquerten einen schönen Wald, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen war. Hier ging es noch etwas bergan, bevor es in Aidone richtig hinunterging. Die ersten 30 Kilometer verflogen damit wie im Flug und es war erst kurz nach Mittag. Dann Bogen wir auf eine kleine Nebenstraße ab, die gesperrt war. Als Radfahrer ist das aber kein Hindernis. Es waren sogar noch Beschilderung einer Provinzstraße zu sehen und in der Karte hatte die Straße auch eine Nummer. Es war kein anderes Fahrzeug weit und breit und wir hatten die Straße für uns.. Irgendwann wurde der Straßenbelag etwas schlechter – auch kein Problem. Als dann gar kein Teerfleck mehr vorzufinden war, ging es leider nicht mehr so schnell weiter. Es ging auf und ab und das Gepolter wurde immer mehr. Langsam musste ich die Zähne zusammen beißen, damit die Plomben nicht rausfallen. Die Kekse im Packsack waren sicher nur noch Staub, dachte ich. Und die Saftschorle hätte man James Bond anbieten können. Die war nur geschüttelt, nicht gerührt. Wir sahen alte Straßenschilder mit Wegweiser zu den Nachbarorten. Diese waren so vertröstet, dass sie zum Teil schon durchgerostet und abgefallen waren. Die Straße ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Betrieb. Nach doch vielen Kilometern gelangten wir auf eine Straße und genossen die Ruhe, die nur von dem leisen Abrollgeräusch der Reifen begleitet wurde. Nach 65 Kilometer ging es in den Schlussanstieg. Gut, 500 Höhenmeter hatten wir schon gemacht. Es kamen also noch ca. 700 bis um Ziel dazu. Waren wir heute bis zu diesem Moment in der Natur und auf kleineren Straßen – von dem Holterdiepolterstück will ich gar nicht reden, ging es dann durch die Städte Paterno und Belpaso. Ich navigiert effektiv und ohne große Umwege hindurch. In Paterno nahmen wir eine Seitenstraße, die auch für einen Durchgangsverkehr gesperrt war. Normalerweise super für uns. Aber auch hier erlebten wir wieder eine Überraschung. Nach hundert Metern würde die zweispurigen Straße einspurig, denn links und rechts türmte sich Müll, der einfach hier abgeladen wurde. Von Dutzenden alten Reifen, Möbel, Haushaltsmüll und sogar Abfall aus Krankenhäuser oder Ärzten, alles füllte beide Ränder der Straße. Wir haben ja schon viel Müll auf Sizilien gesehen und auch letztes Jahr davon berichtet. Doch das war sicher am Schlimmsten. Ich habe die Szene etwas gefilmt. Nur kurz, da schon Leute zu sehen waren, die den Müll durchstöberten oder auch etwas hier abluden. Dabei habe ich die Kamera gleich wieder eingepackt. Einen halben Kilometer mussten wir das aushalten. Die Luft roch nach verbrannten Plastik. Der eine oder andere Müllhaufen wurde nämlich einfach angezündet. Dabei gibt es auch andere Gegenden. Noch heute morgen kamen wir aus einem Ort, der sogar richtige Mülltrennung lebt. Um 18 Uhr kamen wir dann bei schon wieder kalt gewordenen Temperaturen an und genossen noch einen schönen Abend in Nicolosi. Morgen soll es auf den Ätna gehen,…. Äh fahren natürlich. Da es am Donnerstag und Freitag laut Wettervorhersage regnen soll, ist morgen noch die einige Chance in diesem Urlaub der berühmten Straße auf den Ätna hoch zu fahren. Deswegen müssten wir auch gestern und heute so strenge Etappen fahren. Und nach diesen beiden Tagen wird es morgen sicher auch noch mal anstrengend. Mal sehen…. Wir werden berichten.


Der Kreis schließt sich nach drei Jahren Sizilien…

Heute war ein schöner Tag. Das Wetter war herrlich, etwas kalt vielleicht, aber da schaut man im Urlaub darüber hinweg und wir könnten in Nicolosi zu unserer Tour auf den Ätna gestartet. Wir wollten natürlich nur die Straße zum Rifugio Sapienza fahren, so hoch man die Straße gebaut hat. Weiter auf Ätna könnte man über die Schotterpiste weiter hoch fahren. Danach geht es noch zu Fuß weiter. Dort weiter oben waren wir bereits vor zwei Jahren. Heute wollen wir den Weg von Nicolosi auf den Ätna fahren, den wir schon zweimal runtergefahren sind. Dafür wollten wir eine Abfahrt nehmen, die wir noch nicht kennen. Es gibt insgesamt 3 Straßen auf das Rif. Sapienza. Die uns noch unbekannte Straße wurde letztes Jahr beim Giro Italia von den Profis befahren. Also nix wir rauf, dachten wir. Eine Königsetappe, die wir mit weniger Gepäck angehen konnten, da wir das meiste auf dem Zimmer in Nicolosi ließen. Doch mit 13, 5 Kilo Rad und doch noch drei bis vier Kilo Gepäck + Rucksack für das Fotoequipment schwerer als zu Hause mein 6,9 Kilo Rennrad.

Das Rauffahren war ein Genuss. 1300 Höhenmeter auf ca. 18 Kilometer gab es zu bewältigen. In der Auffahrt war wenig Verkehr und auch wenig Radler, obwohl die Radfahrer hier oft sehr zahlreich vertreten sind. Nur zwei Mountainbiker schlossen nach einiger Zeit auf, die locker radelten. Aber ich auch. Ich sprach ein lockeres „Ciao“ heraus, ohne groß zu atmen. Der Puls war auch bei gemütlichen 130 Schlägen. Die beiden kamen nur langsam weiter. Und dabei hatten sie schöne 8-Kilo-Mountainbikes aus Carbon. Und ich – meinen 1996er Esel, der seit über 20 Jahren mein Gepäck zieht, bzw. sich von mir treten lässt.

Es ist eine bekannte Radstrecke, auf der sogar Schilder aufgestellt sind, dass Autofahrer Rücksicht nehmen sollen, da hier Radfahrer trainieren (s. Bild)

Rauf haben wir ein paar schöne Bilder gemacht und Filme gedreht. Irgendwie ist dieser Anstieg schon so etwas, wie der krönenden Abschluss von drei Jahren Urlaub auf Sizilien. Das heißt nicht, dass es nicht noch weitere Fahrten auf Sizilien gibt. Im Gegenteil – wer weiß, ob wir nicht noch Reisen hier unternehmen und all die Orte noch ansehen, die uns entgangen sind, oder die nicht auf unserem Weg lagen. Sizilien haben wir schon in unser Herz geschlossen….

Oben auf der Passhöhe haben wir es uns bei einem Cappuccino und Schinken mit Käse gemütlich gemacht. Die Sonne wärmte herrlich. Nur im Schatten war es frostig oder wenn der Wind blies. Dazu gab es übrigens gekochte Kartoffeln. Ungewöhnlich. Sie sind uns bei Kochen vorgestern in Piazza Armerina übrig geblieben und eignen sich hervorragend als Beilage. Einfach abbeißen.

Die Abfahrt war schön, aber diese Strecke nicht so spektakulär die die beiden anderen Straßen. Um halb vier sind wir in Nicolosi angekommen. Ist ja noch Zeit. Deswegen beschloss ich, noch mal rauf zu fahren und zwar diese Strecke, die wir gerade runtergekommen sind. Wenn ich nicht gar zu sehr trödle, müsste ich die 1250 Höhenmeter in 1,5 Stunden schaffen. Also los. Es ging gut voran und es war sehr einsam. Zweimal kam ein Auto entgegen. Sonst sah ich keine Menschenseele. Oben hinaus nieselte es bereits etwas. Das schlechte Wetter soll ja morgen und übermorgen die Gegend beherrschen. Der Grund, warum wir heute unsere Ätnatour machen wollten. Auf dem Pass war es menschenleer. Wo wir nach Mittag noch Stimmen verschiedenster Sprachen hörten und Busse mit vielen Touristen hier oben waren – jetzt lag eine fast gespenstische Stille hier oben. Und es war kalt Nur gut zwei Grad zeigte das Thermometer. Also nix wie rein in warme Sachen und runter ins Tal. Schön war das und mehr als 2600 Höhenmeter auf meiner Uhr heute. Klar schmeckte die Pizza heute noch besser….

Elke war in der Zeit meines zweiten Anstiegs im Ort Nicolosi unterwegs und war im Radlgeschäft von FRM. Da traf sie den Biker von heute morgen. Er meinte, ihr Mann sei nicht schlecht gefahren. Sie erwiderte nur, dass er noch mal rauf ist – einmal ist keinmal…. Bei der Recherche nach dem Typen sahen wir im Internet, das er die letzte Zeit bei den besten Mountainbiken Siziliens ist und letztes Jahr viele Rennen gewonnen hat. Da sieht man mal, was unser Trainings-Urlaubslager bringt….

Morgen geht es (sicher im strömenden Regen) nach Catania. Leider keine lange Etappe mehr. Aber das Wetter kann man sich nicht aussuchen. Wir machen das Beste daraus und sehen uns nochmal die Stadt an.

Ja, so schloss sich jetzt der Kreis von 3 Urlauben auf Sizilien wieder hier auf dem Ätna. 2300 Kilometer und mehr als 30.000 Höhenmeter haben wir erradelt und viel erlebt. Auf neue Radlabenteuer, vermutlich auch wieder auf Sizilien….

         


Flucht in die Stadt und ins Kino

Nachdem für heute und für die nächsten beiden Tage Regen angesagt war, haben wir uns schon heute (zwei Tage vor unserem Heimflug) in die Stadt Catania sozusagen zurückgeflüchtet.
Bei strömenden Regen sind wir die 16 Kilometer von Nicolosi, welches sich auf 700 Meter über dem Meer befindet, nach unten gefahren. Die Räder waren nach kurzer Zeit verdreckt. Wir nahmen in diesem Fall die Hauptstraßen. In München würden wir sagen, den mittleren Ring. Aber die Straßen waren breit und wir kamen perfekt zurecht. Ob nach Bremsbeläge da sind, kann ich erst zu Hause in der Werkstatt berichten….Da wir schon Mittags hier in Catania ankamen, konnten wir noch durch das Zentrum der Stadt schlendern. Erinnerungen an unseren ersten Urlaub und unseren ersten Tag auf Sizilien vor zwei Jahren wurden wach. Die Stadt pulsierte. Es war viel los. Und der Regen hielt sich in Grenzen. Zumindest die Regenjacke reichte. Dafür wurden wir von ca. 20 Schirmverkäufer angesprochen, ob wir nicht ins Geschäft kommen wollen. Unsere Kapazitäten für Einkäufe sind ja begrenzt, aber für den Haushalt meines Vaters gab es eine schöne Mokkakanne von Bialetti (ui… Schleichwerbung, aber wir haben es regulär bezahlt, somit darf ich den Namen schon erwähnen). Sie ist aus Edelstahl und nicht aus Aluminium. Und was das beste ist… wir haben sie im Orginalshop gekauft. Außerdem gab es noch ein Milchkännchen zum Aufschäumen für unsere Siebträger-Kaffeemaschine. Da kann ich jetzt einen halben Liter Milchschaum auf einmal machen….Am späteren Nachmittag fing es wieder stärker an zu regnen. Deswegen sind wir ins Kino gegangen. Kein Witz! Wir wollen das schon seit letzten Donnerstag. Da war der Filmstart für den Streifen „Bentornato Presidente“. Eine Komödie. Leider hat es in den Orten, in denen wir waren entweder kein Kino gegeben oder wir waren um die Vorführzeit beim Essen. Und nach einer Radletappe ist das Essen immer wichtiger! Aber zurück zum Film. Es ist eine Fortsetzung des Films: „Bienvenuto Presidente“. Den ersten Film haben wir mehrfach gesehen. Auf Deutsch und auch auf Italienisch. Die Macher nehmen dabei die italienische Politik auf die Schippe und auch die Eigenheiten, wie die Korruption, die politischen Intrigen und warum die Politik nicht was ändern sollte. Dabei ist sich nach der Wahl des Parlamentes keiner der Parteien sich einig, wer Präsident werden soll. Also wählen Sie aus Jux Giuseppe Garibaldi, bekanntlich schon lange tot. Aber die Statuten sehen vor, dass die Wahl gültig ist. Und es gibt einen Giuseppe Garibaldi. Er lebt in den Bergen, fischt gerne Forellen und ist eine netter Mensch. Der wird dann Präsident und Krempel den ganzen Laden um.
Hier der Link zum Trailer (leider nur italienisch gefunden): http://www.filmstarts.de/kritiken/225219/trailer/19555607.htmlUnd heute konnten wir die Fortsetzung ansehen. Wir gingen gleich in die Nachmittags Vorstellung um 16:30 Uhr. Kostete 6 Euro… für uns beide wohlgemerkt. Das war ein günstiges Vergnügen und wir von der Straße weg, auf der es immer noch regnete. Wir haben auch erstaunlich viel verstanden. Die Handlung auf jeden Fall. Nur hin und wieder blieben wir an ein paar Phrasen hängen. Im Kino kannst halt auch nicht zurückspulen oder anhalten und im Wörterbuch nachsehen. Aber echt super der Film. Diesmal steigt der vor 6 Jahren wieder zurückgetreten Giuseppe Garibaldi wieder in die Politik ein. Die Regierung kann sich auf keinen Premier einigen. Es gibt Linke und Rechte. Jeder will den Chef spielen. Komisch, das kennt man doch. Ist das nicht ein klein bisschen die Situation, in der sich die Regierung letztes Jahr befand…. Ach ja, Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind sicher reeeeeeiiiiinnnn zufällig….. Auf jeden Fall Krempel Garibaldi Italien wieder richtig um. Und er hält auch der Italienischen Bevölkerung auf komödiantische Weise den Spiegel vor. Sehr lustig und auch tiefsinnig. Uns hat es gefallen. Wer weiß, wann der mal bei uns im Fernsehen zu sehen ist.
Hier der Trailer zum neuen Film:
https://youtu.be/4ZKf0yJcOlkMorgen wird es etwas langweiliger. Da heißt es Räder auseinanderbauen und im Karton verpacken. Taschen verpacken…. All das was man nicht so gerne macht, weil man weiß, der Urlaub geht jetzt zu Ende.