Sizilien 2017


 

Unser Tour auf der Landkarte


Bilder best of und ein tolles Video…

Die besten Bilder der Reise und der Link zu unserem Kurzvideo, als wir am Ätna waren und der Lavastrom greifbar nahe war…. lasst Euch überraschen:
 

 

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Sizilien März 2017 – Es geht los – Unsere Tour von Beginn an

Ein neue Radreise im Jahr 2017. Dieses Mal nehmen wir uns Sizilien vor. Da Klima scheint für März zu passen. Wir waren noch nie da. Berge gibt es auch. Super. Dann kann es ja losgehen.
Das Sizilien eine ganz schön große Insel Italiens ist, stellte ich schon bei der groben Planung fest. 600 bis 700 Kilometer wollen wir fahren. Von Catania Richtung Norden nach Cefalu und weiter nach Osten um den Vulkan Ätna herum und so weit wie möglich hinauf.

Ja, so der Plan. Doch es kam heute wieder ganz anders. Normal sind wir es gewöhnt, Schwierigkeiten zu meistern und den Tourenplan schnell umzuwerfen. Wir haben schon mal am ersten Tag mit einer ganz anderen Planung begonnen Eigentlich lieben wir das. Im Flieger nach Catania witzelten wir noch darüber, wann wir heuer den Plan ändern. Aber die Entscheidung wurde uns abgenommen. Der Steward musste ans Telefon und hatte nach kurzer Zeit einen komischen Gesichtsausdruck. Eine Minute später kam die Durchsage: Der Flughafen Catania  ist geschlossen. Der Vulkan Ätna, einer der aktivsten Vulkane auf der Welt, hatte eine Eruption und wegen der verschleuderten Asche kann der Flugverkehr nicht aufrecht erhalten werden. Wir wurden nach Palermo umgeleitet. Um 9 Uhr landeten wir ungefähr 250 Kilometer weit weg von unserem Ziel und saßen erst einmal fest. Die Fluggesellschaft organisierte einen Bus. Wenn die Radkartons nicht gewesen wären, hätten wir glatt die Tour um den Ätna sausen lassen und wären von Palermo eine Tour gefahren. Aber der Bus kam doch recht schnell und „gurkte“ uns über die Insel. Die sperrigen Kartons mit den Rädern schoben wir gerade noch in den Busladeraum und ergatterten die letzten beiden Plätze. Das Glück hatten aber nicht alle und wer weiß, wie lange sie auf den nächsten Bus warten mussten. Trotzdem, wir gewinnen dem ganzen etwa positives ab. Immerhin haben wir so heute eine kostenlose Inselrundfahrt bekommen.

Das ist uns in all den Jahren beim Fliegen noch nie passiert. Aber dafür schafften wir es mit in die Nachrichten.

https://www.merkur.de/welt/asche-vom-aetna-flughafen-catania-auf-sizilien-geschlossen-zr-7845916.html

Unsere Unterkunft in Catania ist ein schnuckliges Bed and Breakfast. Der Besitzer holte uns sogar vom Flughafen ab und zeigte uns ein gutes Restaurant, in dem wir unseren Hunger und unseren Durst stillen konnten Es war schon 14 Uhr. Es gab fangfrischen Fisch und anschließend einen Spaziergang durch die Stadt.

Kinder, die wir trafen, meinten, dass sie Sizilianer seien und selten nach Italien kommen. Aha, „Kindermund tut Wahrheit kund“. Die Menschen fühlen sich als Sizilianer, nicht als Italiener. Das haben wir schon bei den ersten Gesprächen hier herausgefunden. Vielleicht sage ich auch in Zukunft zu Hause, dass ich Bayer bin und selten nach Deutschland komme….

Sizilien wird als ziemlich unsicher beschrieben. Wir fühlen uns bisher nicht unwohl, obgleich man natürlich die übliche Vorsicht walten lassen muss.

Was auffällt ist der typisch, italienische Verkehr. Es wird gehupt. Ganz kann ich die Vorfahrtsregeln nicht nachvollziehen, aber vermutlich funktioniert das intuitiv. Die Straßen sind brutal eng und oft Einbahnstraßen. Beinah jedes Auto hat ringsum Macken. Auch ziemlich neue Fahrzeuge. Es könnte einem leid tun. Aber das ist sicher nur ein deutscher Gedanke. Auf mehrspurigen Straßen wird kreuz uns quer gefahren. Spuren Fehlanzeige. Ach ist das schön. Das ist Autofahren in Reinkultur. Jeder passt auf jeden auf und gibt auch mal nach. Das könnte bei uns auch nicht schaden. Allerdings wenn ich die Schrammen an den Fahrzeugen so ansehe, klappt das auch nicht immer…

Wir haben uns ein paar Sehenswürdigkeiten angesehen und die Menschen beobachtet. Das macht Spaß und wir genießen es. Auf dem Markt haben wir uns mit Köstlichkeiten einheimischer Metzger und Käse aus der Region ausgestattet. Dazu noch Oliven und frisches Brot. Das gab es am Abend zwischen die Kiemen. Wirklich lecker. Und auf RAI1 versuchten wir einer Quizshow zu folgen. Im Anschluss die Nachrichten, in der ein mumifizierter Berlusconi mít seiner Partei auftrat. Den gibt es immer noch, dachte ich mir? Die Haut ist gealtert. Seine Haare sehen erstaunlicherweise aus, wie vor 20 Jahren…. Ob Bunga, Bunga wie vor 20 Jahren…. Ich will es gar nicht wissen….

Draußen auf der Straße ist noch eine Menge los. Gehupt wird immer noch und hin und wieder ertönt die typische Polizeisirene, wie in einem alten Mafiafilm. Dann ein kleines Feuerwerk in der Gasse, danach wieder Polizeisirenen. Ich glaube, ich mache einfache jetzt das Fenster zu.

Ja, in den nächsten zwei Wochen versuchen wir Euch Leser auf dem Laufenden zu halten und mit Wissen über Sizilien zu versorgen. Ich könnte schon heute viel berichten. Wir werden uns Themen, wie den Vulkan Ätna, die Städte, die Berge, die Menschen und Ihre Gewohnheiten, die Köstlichkeiten, die Mafia und noch viel mehr widmen. Seid gespannt. Nur heute sind wir platt. Um 3 Uhr klingelte der Wecker, wo ihr Leser mitten in irgendwelchen Träumen gelegen seid. Und jetzt ist es 22 Uhr. Der Tag war lang…. und anstrengend…. auch ohne Radfahren…. aber das kommt ab morgen… Wir freuen uns.


 


Slalom in Catania und die Ruhe auf dem Land

Der Tag begann mit einem Frühstück. Unsere Vermieterin fütterte uns förmlich mit allerlei Köstlichkeiten. Da wir mit dem Rad eine große Etappe vorhatten (zumindest nach ihrem Empfinden) ließ sie es an nichts fehlen. Mehrere super Cappuccinos, gefüllte Cornetti, Brot, Marmelade, Honig, Joghurt und allerlei Getränke gab es, dazu Mandelmilch mit Pistazien. Mal was ganz neues. Schmeckt lecker. Italien und insbesondere Sizilien ist für hoch qualitative Pistazien bekannt. Sie sind kleiner als der Massenimport aus der Türkei und dem nahen Osten. Der Geschmack ist aber noch intensiver. Wir erfuhren von ihr eine ganze Menge wissenswertes über die Pistazie. Das wird sicher noch Gegenstand eines der nächsten Blogeinträge. Wir möchten aber noch Pistazienbäume aus der Nähe sehen, damit wir Euch auch ein Foto liefern können. Und ich kann die Themen ja nicht an einem Tag „verschießen“…

Nach unserer Abfahrt wühlten wir uns durch den Stadtverkehr von Catania. Wir hätten es wissen müssen, dass es turbulent wird. Andere Gäste in unserer Pension, eine italienische Familie aus Monza meinte, der Verkehr hier ist Wahnsinn. Und diese Aussage von Italienern…   Ja, es war wirklich schlimm. Alles kreuz und quer. Aber hatten den Bogen schnell raus und fuhren, wie soll man es nennen – aktiv und bestimmend, im notwendigen Fall aber auch defensiv und geduldig. Cool, wie das lief. Wir waren schnell an die Fahrweise gewohnt, aber die Menge an Fahrzeugen, sogar heute am Sonntag braucht verkraften. Nichts für schwache Nerven. Auf einer Straße wurde Fisch versteigert. Die Luft war voller Fischduft. Dazu Gerüche von Gegrilltem. Stände verkauften gegrillte Artischocken. Eine tolle Stimmung. Und was für ein Trubel. Kann man sich bei uns gar nicht vorstellen. Geparkt wird überall, auch in zweiter Reihe. Wenn dann von jeder Seite Autos kommen, na bravo, da muss man sich erst arrangieren, wer zuerst fahren kann. Dann parkt jemand rückwärts aus einer Parklücke aus, sieht natürlich nichts, aber die anderen werden schon aufpassen. Da ist einfach so. Ein typisch deutscher Autofahrer würde keine Stunde ohne Nervenzusammenbruch überleben. Wir als Radfahrer hatten es aber doch recht einfach. Und wenn man sich gegen die Straßenverkehrsordnung verhielt, da hupte nicht mal einer. Das ist ganz normal. Bald werden wir als Sizilianer gesehen. Heute hatten wir viele Gespräche mit Einheimischen. Viele kennen Deutschland und mehrere erwähnten die deutsche Sauberkeit, Genauigkeit, Pünktlichkeit und auch das korrekte Verhalten im Verkehr. Sie bewunderten es. Interessant.

Je weiter wir uns an den Stadtrand heranarbeiteten, umso weniger wurde der Verkehr. Und als wir -die Autobahn überquert hatten, hatten wir mehr Ruhe.

Wir fuhren kilometerweit durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete, da wir die Hauptstraßen mieden und auf Nebenstraßen unterwegs waren. Hinter den Zäunen bewachten grimmig aussehende Hunde die Ländereien. Hin und wieder verfolgten sie und entlang des Zaunes mit lautem Gebell und fletschenden Zähnen. Das ging einem durch Mark und Bein. Oder wie der Italiener sagt, da bekommt man eine „pelle d´oca“ – eine Gänsehaut.

Am Straßenrand trafen wir einen Mann, der im Gebüsch etwas erntete. Wir sprachen ihn an. Er sammelte wilden Spargel und bringt ihn heim zu Muttern. Die brät die feinen Stängel in Olivenöl, gibt Eier und Käse hinzu, dazu noch ein paar Gewürze. Klingt lecker. Hätten uns fast noch selber eingeladen. Aber das kann man ja auch nicht machen. Wir lassen uns aber erklären, wie man den wilden Spargel findet und wo er am besten wächst.

Am Nachmittag hielten wir vor einer verlassenen Kirche in einem ebenso verlassenen Dorf. Nur ein Haus schien bewohnt. Wir trafen ein paar Wanderer. Einer von Ihnen ist Pfarrer. Er sprach gut Englisch. Er studierte in England und in den USA, lebte auf Malta, kam aber wieder zurück auf Sizilien. Wir sprachen über Wildkräuter und fanden Anis auf der Wiese. Er ist leicht zu verwechseln mit einem anderen Kraut, das aber giftig ist.

Am Ende des Tages ging es an den Schlussanstieg nach Regalbuto. Gegen 17 Uhr wird es auch merklich kühler. Gut, dass der Tag endet. Wir mieteten uns in einem kleinen B&B ein. Der Ort liegt tief in den Bergen. Auf der Straße war viel los am Abend – fast nur Männer fiel uns auf. Wir ließen uns was zum Essen gehen empfehlen und wurden an die örtliche Pizzeria verwiesen. Dort haben wir einen netten Abend verbracht. Von allen Beteiligten des Familienbetriebes wurden wir in ein Gespräch verwickelt. Es gab leckere Pizza. Eine Hälfte mit Rucola und Schinken, die andere mit Büffelmozzarella und Straccino – einer besonderen Käsesorte, ein wenig frische Pilze. Darüber klein gehackte Pistazien. Wahnsinn. Was für eine Zusammenstellung. Müssen wir unbedingt unserem Pizzariabesitzer empfehlen…. Der wird Augen machen. Einen Kaffee (ist in Italien ein Espresso) gab es aufs Haus. Und einen Limonchello… wir wurden gut versorgt.

Bei der Verabschiedung gab es sogar noch Umarmung und Küsschen, weil es den Wirtsleuten mit uns anscheinend so gut gefiel. Schönes Erlebnis. Mal sehen, was wir morgen so erleben werden. Wir sind zwar erst gut 30 Stunden hier, aber wir haben so viel erlebt, dass es uns schon wie eine Woche vorkommt…. Das nenne ich Zeitdehnung….. (da wird Albert Einstein noch neidig – Zeitdehnung oder fachmännisch Zeitdillatation kommt nur bei sehr hohen Geschwindigkeiten vor – also so kurz vor der Lichtgeschwindigkeit – aber so schnell sind wir mit dem Radl nicht gefahren…. – kleiner Witz am Ende für Astrophysiker)…

 
 


Plastikessen und Viehhaltung

Am Morgen waren wir in Regalbuto unser eigener Herr. Die Hausbesitzerin ist um 8 Uhr schon zur Arbeit und schickte uns eine SMS. Wir machten uns das Frühstück selbst. Es stand allerlei bereit. Kuchen, Hörnchen, Zwieback, Marmelade, Butter, Joghurt, Milch und so weiter. Und jedes der kleinen Teile war in Plastik verpackt. Man glaubt es nicht, aber nach einem solchen Frühstück war unser Magen noch nicht richtig voll, dafür aber ein ganzer Abfalleimer. Der ökologische Fußabdruck unserer Reise verschlechterte sich schlagartig. Das ist eigentlich gar nicht unsere Art, aber es müssen ja ein paar Kalorien in die Wadl, sonst ist es „Essig“ mit dem Radeln.

Nachdem wir gestern durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend mit viel Obst- und Gemüseanbau gefahren sind, bestimmen heute Schafherden und Kühe das Landschaftsbild – und auch die Geruchswelt…. Natur, so wie wir es wollen.

Wir durchqueren Sizilien weiter Richtung Nordwesten. Unser Ziel ist Gangi (gesprochen Ganschi). Hier gibt es eine schöne Geschichte:

Das Dorf wurde zum schönsten Dorf Italiens gewählt. Und jetzt verschenkt der Bürgermeister 30 Häuser. Kein Scherz. Aber mit einem Haken….

Gangi ist ein italienisches Dorf wie aus dem Bilderbuch: Kleine Steinhäuschen schmiegen sich dicht an dicht um einen Berg, überragt von mehreren Kirchen und einer Burg. In den schmalen Gassen und auf den hübschen Plätzen im Ort tummeln sich Ristoranti und kleine Geschäfte, und im Rücken des Dorfes erhebt sich majestätisch der schneebedeckte Ätna, Europas höchster Vulkan.  Falls Sie schon immer davon geträumt haben, an einem solch idyllischen Ort ein Ferienhaus zu besitzen und gleich ganz dorthin auszuwandern: Jetzt wäre die Gelegenheit dazu! Denn Gangi bietet Dutzende seiner Immobilien an – zum Nulltarif. So schön Gangi auch ist – für junge Menschen bieten sich hier nur wenig Perspektiven. Das 7000-Einwohner-Dorf liegt im Inselinneren Siziliens in der Provinz Palermo, die nächste größere Stadt Cefalù ist eine Autostunde entfernt. Deshalb sind in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Bewohner aus Gangi weggezogen, nach Palermo, Catania oder aufs italienische Festland. Viele Häuser stehen seitdem leer, verfallen langsam. Mit der Gratis-Haus-Aktion will Gangis Bürgermeister Giuseppe Ferrarello sein Dorf retten, es zu einem attraktiven Ort machen – für neue Bewohner und für Touristen. Schon gestern in Regalbuto wurde uns erzählt, dass es eine Fluchtbewegung in die Stadt gibt, dorthin, wo es Arbeit gibt. Schade für die schnuckligen Dörfer auf dem Land.

Heute sprachen uns wieder einige nette Menschen an. Wenn wir erzählen, dass wir aus Deutschland kommen, freuen sich alle. Und beinah jeder erzählt, dass er auch schon mal in Deutschland gearbeitet hat oder zumindest ein Verwandter. Alle schwärmen und kramen ihre Deutschkenntnisse hervor. Wir werden sehr gut aufgenommen.

Man sollte den Pulsmesser nicht gleich nach dem Radfahren ausschalten. Oft kommen am Abend noch Extra Etappen. So auch heute. Zum Essen gehen wir in die Altstadt. Es lohnt sich. Die Häuser stehen dermaßen eng. Die Bewohner haben nur ganz kleine Autos oder einen Roller. Alle Häuser wurden auf einen kleinen Hügel gebaut. Klein ist relativ bei 7000 Einwohner. Ja, und die Besichtigung kostete 150 Höhenmeter…. Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass wir im dritten Stock in einem kleinen Hotel wohnen und auf zwei Mal unsere Habe hochschleppen mussten. Die Höhenmeter müssen wir nachbuchen, würde ich als Banker sagen. Zu Recht…  das sagen auch unsere Beine….


 


Übers Skigebiet zum Meer

Thema Essen heute: Nachdem unsere Unterkunft kein Frühstück anbot, gingen wir am Morgen in eine Bar, wie es auch viele Einheimische machen. Dort gab es leckeren Cappuccino. Der wird in Italien übrigens nur zum Frühstück getrunken. Sonst gibt es Café, also einen Espresso. Wer in Italien einen Kaffee bestellt, wird damit nicht eine große Tasse Filterkaffee bekommen – niemals. Und zum Mythos Cappuccino: Wenn man so einen nach dem Essen bestellt, beleidigt man den Koch – ich übertreibe etwas. Da der Cappu mit Milch gemacht wird und Milch ein Lebensmittel ist, heißt das für den Koch, der Gast ist noch hungrig – praktisch eine Beleidigung.

Ach ja, zurück zum Frühstück. Zum Milchkaffee suchte ich mir einen Krapfen mit Schokofüllung aus. Beim Anheben hätte ich mir fast einen Bruch gehoben, so schwer war er. Er war mit fast einem halben Glas Schokocreme gefüllt. Dazu noch ein weiteres Schmalzgebäck und los ging es mit dem Rad. Elke hatte „nur“ zwei Marmeladenhörnchen, fast ein Diätessen im Vergleich zu meinem.

Hui, und heute stand eine echt harte Etappe auf dem Plan. Das wurde uns erst im Laufe des Tages bewusst. 1650 Höhenmeter und 83 Kilometer standen auf dem Plan. Ich glaube, bei ersten beiden Etappen habe ich gar nicht erwähnt, wie weit und hoch wir gefahren sind. Erster Tag 70 km und 1100 Höhenmeter, zweiter Tag 70 km und 1325 Höhenmeter. Heute also noch eine härtere Gangart. Außerdem war es heute recht kalt und es ging hoch hinauf. Wir schraubten uns von Gangi bis ins Skigebiet Piano del Battaglia hoch – und das liegt auf über 1600 Meter. Der Weg hoch war schon beschwerlich und kurz vor dem Pass war die Energie des Schokokrapfens einfach aus. Jetzt legten wir eine Pause ein und genossen einen mächtigen Keil Pistazienkäse – eine Delikatesse. Nicht billig – aber wir haben ja Urlaub. Außerdem sind Pistazien eine wirkliche Spezialität der Region. Also Handkäse mit Brot. „Handkäse“ ist übrigens wörtlich zu nehmen. Wir aßen natürlich mit den Fingern und die wischten wir anschließend am verschwitzten Trikot ab. Stunden später rochen die Finger noch nach Käse… So ist das eben. Rustikal. Macht aber eine seidenweiche Haut….

Die Zeit raste und wir hatten langsam Bedenken, vor dem Einbruch der Dunkelheit in unserem Ziel, Cefalu an der Nordküste, anzukommen. Nach langer Abfahrt wartete ein neuer Anstieg mit wieder über 300 Höhenmeter auf uns. Es war schon 17 Uhr. Enorm, was man mit einem Handkäse im Magen leisten kann. Dann endlich die Schlussabfahrt. Fast 1000 Höhenmeter kurvig und mit vielen Spitzkehren. Ein Traum für alle Radler. Ein Genuss. Ein Spaß. Eine Freude. Ach ich könnte noch lange schwärmen. Nachdem das Essen während des Tages …. äh …. rustikal war, gingen wir abends schick aus und nach ein paar Gängen gab es zum Abschluss Pistazienpudding….

Was wir heute beim Aufstieg zum Skigebiet zu Hauf gesehen haben, waren Prozessionsspinnerraupen und auf den Bäumen ihre watteartigen Kokons. Sie machen sich eigentlich nachts auf Futtersuche und wandern hintereinander in Prozessionen. Deswegen hat die Unterfamilie ihren deutschen Namen. Man kann diese hintereinander gereihten Raupen aber auch tagsüber beobachten, wie wir heute. . Der Grund für die Verkettung der einzelnen Raupen in einer Reihe liegt wahrscheinlich darin, dass die Raupen in der Formation für Fressfeinde (Vögel) als Schlange erscheinen und somit von ihnen nicht als Nahrung erkannt werden. Diese Art der Tarnung wird Mimikry genannt. Die Verpuppung findet in einem dichten Kokon statt, die bei den Arten der Gattung Anaphe zu großen Gespinsten miteinander verwoben werden. Die sehr feinen Brennhaare der Raupe, welche ein Gift enthalten, können beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen. Beim Menschen können sie starke Hautreizungen und Allergien, Asthma etc. hervorrufen, beim Hund, wenn er in seiner Neugier mit der Nase und der Schnauze Kontakt aufnimmt, unter Umständen schwerste Vergiftungen in der Schnauze.

Über Blumen wollte ich heute auch schreiben. Wir hatten so viele, hübsche Arten am Straßenrand gesehen, aber leider wissen wir so wenig über die Sorten. Man kann ja nicht alles wissen. Und wir sind ja keine „Hobbybotaniker“. Nur wilde Alpenveilchen (leider kein Bild) habe ich erkannt…. Na ja, besser als nix. Aber die Bilder sind schön anzusehen. Das muss reichen….

Heute kamen wir in Cefalu an. Es ist eine malerische Stadt. Sehr touristisch, aber um diese Jahreszeit noch übersichtlich. Die ersten Siedlungsspuren der Stadt reichen weit zurück. Der Name kommt vermutlich von dem großen, kopfartigen Felsen, an dem sich die Siedlung bildetet. „Kephalos“ oder „Kefa“, beides bedeutet Kopf – wegen der Form des Felsens nannten die Griechen und die Phönizier den Ort so. 396 v.Chr. war die erst urkundliche Erwähnung. Die Stadt wurde oft erobert. Erst Syrakus, dann die Römer und später die Araber. Weiter dann die Normannen. Und noch was spezielles: König Roger II. kam im Jahr 1131 auf dem stürmischen Meer in Seenot und gelobte, wenn er je wieder eine Fuß aufs Festland setzen würde, dort zum Dank eine prächtige Kirche zu erbauen. In Cefalu wurde er dann an Land gespült und voila er baute den mächtigen Dom. Der und noch ein paar andere arabisch-normannische Bauten in Sizilien sind jetzt Weltkulturerbe. Wo es einen eben hinspült….

Ich muss heute erwähnen, dass Elke soooooooo tapfer gefahren ist. Mit dem Gepäck auf dem Rad sind die Etappen wirklich fordernd. Da haben andere ohne Gepäck schon Probleme. Ich glaube, ich muss morgen einen Ruhetag planen, sonst streikt sie noch mal. Ich denke da an eine Tour entlang der Nordküste – nur…. äh… 60 Kilometer und mit wenig Höhenmeter. Kein Scherz. Mal sehen, ob das als Ruhetag durchgeht…..


 


Neues aus dem Pistazienland

Was für ein Ruhetag. 62 Kilometer und 400 Höhenmeter. Elke hat es gefallen. Sie fand es auch einen ruhigen Tag. Und das habe ich sogar auf Video, falls sie es später mal anders behauptet…

Wir haben es von Cefalu in die Nähe von Aquadolce geschafft. Ein Ort, der deutsch „Süßwasser“ heißt. Ich empfinde den Tag als den schwersten des bisherigen Urlaubs. So müde war ich die letzten Tage trotz viel mehr Höhenmeter nie. Das liegt vielleicht an unserem Essen. Wir waren echt sizilianisch Essen. Ein Lokal ohne direkte Speisenkarte. Man bekommt, was man will. Wenn man typisch sizilianisch Essen will kann man das komplette Menü für 25 Euro incl. Getränke bestellen. Das taten wir. Und es hat sich gelohnt. Erst gab es Antipasti – also so was wie Vorspeisen. Teller um Teller wurde es mehr auf unserem Tisch. Schinken und Salami vom schwarzen Schwein aus Nebrodi (lebte im Nachbargarten – die verbliebenen Verwandten rochen wir beim Hinmarschieren), Käse, Rotkraut in Olivenöl, Zucchini gegrillt und mit Olivenöl, gekochte Artischocken, Spinat, Pilze mit Käse, Auberginen, panierter Broccoli, gebackener Käse, frittiertes Brot. Ich glaube, ich habe sicher was vergessen. Dazu eine Flasche Rotwein und Wasser. Als ersten Hauptgang (in Italien Primi Piatti) gab es zwei Nudelgerichte – ja zwei.

Ein Nudelgericht war mit Pistaziensoße… ja, da waren sie wieder, unsere grünen Freunde. Und die zweite Pasta waren Makkaroni mit Tomatensoße und Stücke vom Schweinsbraten (wieder vom schwarzen Schwein – Erklärung folgt gleich). So, jetzt wären wir schon gut gesättigt, aber es folgen noch drei Gänge.

Hauptgericht (Seconda Piatti) dünne Scheiben vom schwarzen Schweinsbraten (schwarz ist natürlich die Haut des Schweins, nicht das Fleisch) mit Rosmarinkartoffeln und Involtini (kleine Rolladen). Puh… wir schafften nicht alles und bekamen den Rest des Schweins…. äh unserer Portion in Alufolie mit. Das gibt  morgen noch ein leckeres Mittagessen.

Anschließend noch eine Früchteplatte und dann noch ein Gang. Ein halbgefrorenes Mandeleis. Jetzt noch ein Espresso dazu…. Ich glaubte, ich kann nicht mehr gehen.

Jetzt aber zur Erklärung des schwarzen Schweins. Beim schwarzen Schwein handelt es sich um eine sehr alte und eigenständige Schweinerasse in Sizilien. Sie ähnelt im Aussehen und Verhalten sehr stark den Wildschweinen. Die schwarzen Schweine leben im Regionalpark der Monti Nebrodi auf Sizilien. Die Schweine werden in freier Wildbahn oder halbwild gehalten. Sie ernähren sich von Eicheln und Beeren. Eine Zufütterung erfolgt nur kurz vor der Schlachtung. Die Schweinezüchter sind meist auch diejenigen, die die Salami herstellen. Da die Schweine immer seltener werden, wird ein Großteil der köstlichen und seltenen Salami aus Nebrodi von den Herstellern selbst oder in der Region konsumiert. Häufig gilt die Salami als Tauschware unter den Bauern.

Ich glaube, heute haben wir die Hälfte aller heimischen Gerichte gegessen. Und Pistazien waren selbstverständlich auch dabei.

Heute noch Teil 1 zum Thema Mafia. Wenn man Sizilien denkt, kommt einen sicher schnell die Mafia in den Sinn. Doch woher kommt diese verbrecherische Organisation. Hier die Geschichte in kurzen Worten: Mafia – dieser Begriff steht heute für organisiertes Verbrechen weltweit, für Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Mord. Die Anfänge der italienischen Mafia liegen vermutlich auf Sizilien, wo sie Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein soll.

Man vermutet, dass der Typ des Mafioso aus der Schicht der sogenannten „Gabelloti“ hervorging: Die Gabelloti pachteten Land von Großgrundbesitzern und verpachteten es weiter an die Bauern vor Ort. Als Wächter und Aufseher sorgten sie auf den Plantagen für Sicherheit, zwangen aber die Bauern gleichzeitig zur Abgabe des „pizzu“, einem Teil ihrer Ernte. Es war die erste Form von Schutzgeldzahlung.

Die Gabelloti wurden im Lauf der Zeit immer mächtiger, eigneten sich Polizeiaufgaben an und stellten ihre eigenen Schutztruppen. Ihre Macht sicherten sie durch Androhung von Gewalt. Nach und nach entstand ein kriminelles Netzwerk, das von Sizilien aus auf die anderen Regionen Süditaliens übergeschwappt sein soll. „La mafia non esiste.“ – „Es gibt sie nicht, die Mafia!“ Zur Geschichte der italienischen Verbrechensorganisation gehört, dass ihre Existenz totgeschwiegen oder abgestritten wird. Denn das Gesetz der „omertà“ gebietet den Mafia-Mitgliedern Schweigen, wenn ihnen ihr Leben lieb ist. Außerdem sorgte die Maifa auch für Arbeit. Auch deswegen schweigt man lieber….  Fortsetzung folgt…..

Aber jetzt folgt erst die Fortsetzung zu unserer Radreise. Wir werden noch einen oder zwei Tage die Küste entlang fahren. Praktisch noch ein paar Ruhetage einlegen. Man gewöhnt sich schnell daran. Aber die Berge laufen nicht weg und wir werden Sie bald wiederhaben….


 


Der Ruhetag, der anders kam… 

Heute gab es einen weiteren Ruhetag. Wir hatten geplant, 55 Kilometer weiter an der Küste entlang zu radeln. Flach, ruhig, einfach so dahinrollen. Wir gewöhnen uns langsam daran. Doch nach knapp 50 Kilometer war die Küstenstraße wegen Bauarbeiten gesperrt. Es gab aber eine Umleitung. Und was für eine. Mit durchschnittlich 20 % ging es den Berg rauf und auf der anderen Seite wieder runter. Die Beschleunigung war enorm (natürlich nur auf der Abfahrtsseite). Aber wie lautet einer meiner Wahlsprüche: „Selten ein Schaden, wo nicht ein Nutzen“. Und so hatten wir den Rest der Küstenstraße für uns fast alleine. Die LKWs wurden großräumig umgeleitet und nur wenige PKW-Fahrer nutzten die Umleitung über die schmale, enge und steile Bergstraße. Die meisten nutzten die Autobahn. Das konnte man bis hierhin noch als Ruhetag gelten lassen. Waren ja nur 200 Höhenmeter. Die vergisst man schnell. Dann kamen wir in unseren Zielort – Patti. Elke hat gestern eine schnucklige Unterkunft gefunden, ein Agrotourismo. So was wie eine Gastwirtschaft mit Pension auf dem Land. Oft mit angeschlossener Landwirtschaft. Elke hatte schon reserviert und telefonisch angefragt, ob auch das Restaurant offen hat. Am Ortseingang von Patti sahen wir  uns die Karte an und wollten sehen, wie wir das Ziel finden. Dann der Aha-Effekt. Unser Ziel ist ein paar Kilometer vom Ort entfernt oben auf einem Hügel. Die Straße war anfangs noch moderat in der Steigung, dann nur noch über 20 % und schlecht im Zustand. Überall kläfften uns Hunde aus den Gärten an. Wohin werden wir geraten, dachten wir. Und nach 300 anstrengenden Höhenmetern kamen wir an. Ein Idyll. Ruhig mit freundlichen Gastgebern. Wirklich schön. Nur dass aus dem vermeidlich ruhigen Tag 62 Kilometer und 800 Höhenmeter wurden. Elke konnte sich gar nicht beschweren (macht sie eh nur scherzhaft wenn ich wieder einen so geilen Anstieg eingeplant habe). Aber sie hat ja selbst die Unterkunft ausgesucht. Kann also diesmal gar nichts dafür. Trotzdem versprach ich ihr, den Tag nicht als Ruhetag im Plan zu verbuchen…..

Zum Essen ging es ähnlich rustikal zu wie gestern. Mann, es wurden 10 Antipasti aufgefahren, eine schmackhafter als die andere. Dann noch Pasta mit Pistazien…. Lecker. Die Hauptspeise konnten wir heute beim besten Willen nicht essen. Es ging nichts mehr rein….. Zur Verdauung gab es noch einen Lorbeerlikör aus eigener Herstellung (wie fast alles, was uns serviert wurde). Das Ganze war sizilianische Hausmannskost, die glücklich macht.

Wir haben einige Radler getroffen. Alles sind sehr freundlich. Aber was die an Klamotten anhaben. Der Wahnsinn. Die müssen uns für verrückt halten. Wir fahren kurz-kurz (für Nichtradler: das heißt kurzes Trikot und kurze Hose). Die Einheimischen fahren mit langer Hose, dicker Jacke, Mütze und wir haben schon welche mit langen Handschuhen gesehen. Es hat immer zwischen 15 und 20 Grad. Für Sizilianer ist halt immer noch Winter….

Was wir schon Tage beobachten, sind die vielen Autofahrer, die mit Handy in der Hand und am Ohr rasant durch die Straßen flitzen. Wir hatten schon die Überlegung, ob das erlaubt ist. Aber Freund Google hat uns mitgeteilt, dass es in Italien sogar viel höher bestraft wird. Während es bei uns 40 Euro kostet, wäre in Italien zwischen 150 und 500 Euro zu berappen. Und trotzdem scheut sich keiner, im Auto zu telefonieren…. Vermutlich wird das auch nicht so kontrolliert…..

Jetzt zum zweiten Teil meiner kurzen Mafiaabhandlung. Gestern habe ich über den Ursprung berichtet. Nach dem  2. Weltkrieg formierte sich die Mafia, oder wie sie hier heißt „Cosa nostra“ (dt. unsere Sache), neu. Politik und organisiertes Verbrechen gingen von nun an lange Zeit Hand in Hand und schwappten auf ganz Italien über. Lukrative Sektoren wie Bau, Müllentsorgung und natürlich Drogen- und Waffenhandel waren fest in der Hand der Bosse und die meisten Politiker – sofern nicht selbst Mitglieder – hielten die Hand auf und schwiegen oder kooperierten. Die Wende kam erst in den 1990er Jahren. Nach der Ermordung der beiden Mafia-Ermittler Giovanni Falcone und Paolo Borselino und der langsamen Aufdeckung des Ausmaßes der Korruption regte sich nun endlich auch Widerstand in der italienischen Bevölkerung. Die Folge waren das Ende der 1. Republik und verstärkte Bemühungen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Nun gingen den Ermittlern auch einige der wichtigsten Bosse der Mafia ins Netz: Toto Riina 1993, Giovanni Brusca 1996, Bernardo Provenzano 2006 und Salvatore Lo Piccolo 2007. Per Gesetzesbeschluss wurden Mafia Vermögen beschlagnahmt und auch in der Bevölkerung und bei Unternehmern organisierte sich der Widerstand. „Addio pizzo“ (Tschüss Schutzgeld) nennt sich die Bewegung der immer mehr mutige Unternehmer, Händler und Konsumenten beitreten und die eine direkte Kampfansage gegen die Mafia ist. Dennoch ist die Mafia noch weit davon entfernt besiegt zu werden – zu tief sind die Strukturen und die Korruption noch verankert – doch die stetigen Fortschritte geben der Bevölkerung Hoffnung. Mal sehen wie es sich entwickelt.
Morgen geht es wieder in die Berge. Eine satte Etappe mit 75 Kilometern und über 1500 Höhenmetern haben wir uns ausgesucht. Von Patti nach Frankavilla. Sind wir gespannt, wie es läuft. Dann sind wir schon wieder am Fuß des Ätna. Den Ruhetag schenken wir uns. Wir holen ihn an einem anderen Tag mal nach. Schlimmstenfalls könnte man den Rückflugtag als Ruhetag deklarieren. Aber ich glaube, das geht nicht durch die Abnahme…..


 


Rustikal

Das Frühstück ließ keine Wünsche offen. Es war auch wichtig, denn heute stand eine recht anspruchsvolle Etappe auf dem Plan. 78 Kilometer und 1500 Höhenmeter über die Berge waren notwendig, um nach Frankavilla zu kommen, einem Ort am Fuße des Ätna.

Zuerst ging es 25 Kilometer an der Küste entlang. Nach zwei Tage Küstenstraße waren wir froh, dass es wieder mal in die Berge ging. Vor allem der Müll an den Straßenrändern und die vielen leer stehenden und verfallenen Häuser machten in den letzten Tagen kein schönes Bild. Die Touristenorte an der Küste, die im Sommer sicher proppevoll sind, waren verlassen und schäbig. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass ich hier einen Badeurlaub verbringen will (will ich ja eh nicht, aber nur die Vorstellung eben…). Sicher wird es im Sommer ein ganz anderes Bild abgeben.

Endlich ging es in die Berge. Und mit jedem Kilometer wurden die Müllmengen neben der Straße weniger, ab 500 Meter – es gab nur noch einen Ort auf dem Weg – war so gut wie kein Fitzelchen Plastik mehr im Straßengraben. Was für eine Wonne. Dafür wurde die Auffahrt und die Abfahrt begleitet von zahlreichen Tierbeobachtungen. Frei herumlaufende Ziegen, Schafherden, eine Horde schwarzer Schweine (von denen wir vor kurzem noch ein Stück gegessen haben – natürlich nicht von diesen, aber von den Artgenossen), säumten die Straße. Bei der Abfahrt standen dann noch drei Kühe auf der Straße, von denen eine gar nicht weichen wollte und einen starren Blick auf uns hatte, als wolle sie und gleich umrennen (daher kommt wohl der Ausdruck „stieren“ – obwohl es sich nicht um einen Stier handelt, sondern um eine Kuh – war halt eine recht männliche…). Später lief noch eine Gruppe kleiner Ferkel über die Straße. Schön war das alles, besser als viele Autos, von denen wir auf der Bergstraße nur wenige zu Gesicht bekamen.

Als wir in Frankovilla ankamen, führte uns der Weg gleich zu unserer Pension, die wir gestern ausgesucht hatten. Die Chefin winkte vom Balkon herunter und als sie hörte, dass wir des Italienischen mächtig sind, war sie ganz begeistert. Sie empfing uns mit einen Wortschwall, der kaum zu bremsen war. Schön, das ist das sizilianischen Temperament. Wir unterhielten uns gut mit ihr (also unterhalten hat sich hauptsächlich Elke, die sehr gut italienisch spricht – ich hingegen verstehe sehr viel, in Alltagsgesprächen sicher 90 % – Problem sprechen: Bis ich einen kompletten Satz formuliere, schläft gerade der italienische Gesprächspartner ein….). Aber auch ich trug etwas zur Unterhaltung bei. Der Ehemann unserer Vermieterin kam auch noch nach Hause und so plauderten wir noch viel über Gott und die Welt. Dabei gab es einen Kaffee (Espresso natürlich – wer die letzten Male bei unserem Blog aufgepasst hat). Da muss ich dazusagen, äh…. Dazuschreiben, dass die Italiener auf guten Kaffee wert legen. Fast jeder hat eine ordentliche Espressomaschine. Vollautomaten habe ich noch gar keinen gesehen, seit wir angekommen sind. Aus Sicht eines Kaffeekenners (würde jeder Italiener für sich als Titel in Anspruch nehmen) kommt das auch gar nicht in Frage.

Nach dem guten Kaffee gingen wir lecker Essen. Wir befinden uns in einem – ich würde sagen – Bergdorf auf dem Land. Die Trattoria, die wir aufgesucht hatten, hatte leckere Sachen. Spaghetti Aglio Olio (Knoblauch mit Öl), danach einen Grillteller, gemischten Salat und Pommes. Dazu eine große Flasche Wasser und einen halben Liter Hauswein. Das ganze kostete 25 Euro. Das perfekte Radleressen. Wir haben beschlossen, gleich zwei Nächte zu bleiben. Für morgen haben wir gleich einen Tisch reserviert. Übrigens sind wir fast überall, wo wir hinkommen, die einzigen Fremden. Das ist ein besonderes Erlebnis. Rustikal ist halt auch was zum Genießen, nicht nur Haut-Cousin….

Tut mir leid, dass ich schon wieder vom Essen schreibe. Aber das ist einfach für den Radler und den Genussmenschen (sind wir beides) ein wichtiger Bestandteil unserer Reise.

Apropos Genuss. Ich bleibe beim Thema. Wir haben uns im Ort noch einen „Colombo pasquale“ besorgt. Nein, hat nichts mit dem Fernsehkommissar mit dem zerknautschten Mantel zu tun. Es ist eine Art Kuchen.  Die Colomba pasquale (italienisch „Ostertaube“), auch einfach Colomba, ist die Bezeichnung eines in Italien verbreiteten Gebäcks aus einem Weizen-Sauerteig, der mit höchstens 1 % Hefe gelockert werden darf, in der Form einer Taube mit gespreizten Flügeln. Typisch für die Colomba ist die Verwendung von Mandeln, Aprikosenkernen, Haselnüssen und Cashewnüsse (fein gemahlen) sowie Orangeat und Zitronat (die beiden letzteren zu mindestens 15 %) bei der Zubereitung des Teiges und das Bestreuen mit Mandelblättchen und Hagelzucker. Die Colomba wird üblicherweise zum Osterfest gebacken, in vielfältigen Formen geschmückt und an Verwandte, Freunde und Bekannte verschenkt.

Der Legende nach geht der Brauch auf die Schlacht von Legnano im Jahre 1176 zurück. Damals sollen bei den Mailänder Truppen zwei Tauben gelandet sein; dies wurde als Verheißung göttlichen Beistands an den Lombardenbund gedeutet. Zur Erinnerung an das Ereignis werden alljährlich in einer Gedenkmesse in der Basilika San Simpliciano in Mailand zwei Tauben freigelassen.

So, jetzt habe ich doch noch etwas Wissen vermitteln können…. Also heute wieder ein genussvoller Tag. Nicht nur beim Essen, auch die Bergetappe selbst und die vielen, schönen Höhenmeterchen machten den Tag zum perfekten Urlaubstag….


 


Die Schweiz Siziliens – Taormina

Heute mal was ganz anderes. Wir haben uns entschlossen einen weiteren Tag in Francovilla zu bleiben. Und so können wir ohne Gepäck eine Runde drehen. Nach der harten Bergetappe gestern ein Genuss. Auch wenn die Beine bei diesem Schmankerl genauso müde sind, als hätten wir das Gepäck dabei….

Wir fuhren ans Meer nach Naxos Gardini, einem Strandort, der im Sommer fast aus allen Nähten platzt. Heute war das kein Problem. Trotzdem die Straßen sind eng und jeder parkt wo er will. Ich glaube, viele Deutsche hätten damit ein Problem. Wir haben uns schon auf den sizilianischen Fahrstil eingestellt und hoffen, dass uns davon daheim kein Schaden bleibt.

Oberhalb des Strandes erhebt sich wie ein Taubennest die Ortschaft Taormina. Viele Einheimische haben uns in den letzten Tagen geraten, Taormina zu besuchen. Es soll sich wirklich lohnen. Na, dann schauen wir mal. 250 Höhenmeter geht es über viele Kehren nach oben. Die Häuser wirken schon von der Weite nobel. Prominent wird das Örtchen heuer noch. Ende Mai findet hier der G7-Gipfel statt. Sogar Donald Trump hat sich schon angekündigt. Die Vorboten sehen wir heute schon. Kanaldeckel sind markiert (vermutlich um sie zuzuschweißen). Eine Menge Militärsoldaten und Polizisten sind anwesend. Damit man nicht heute schon ein Bömbchen hinterlegt. Ich halte mich mit meiner Filmkamera etwas zurück, nicht dass ich noch als Spion festgenommen werde. In den Gassen schieben wir brav unsere Räder. Die Ortschaft ist wirklich schön und einen Besuch wert. Der Blick geht über das Meer. Im Hintergrund sieht man den Ätna thronend stehen. Auf der anderen Seite kann man das italienische Festland erkennen. Echt ein malerischer Ort. Tolle Häuser, schöne Geschäfte, alles pikobello sauber und aufgeräumt. Es sieht aus, als wäre man in der Schweiz. Vermutlich schwärmen uns deswegen so viele von diesem Ort vor. Auch von Deutschland sind viele Einheimische so begeistert, weil es so sauber und ordentlich ist. Wir finden es in Taormina auch sehr schön, aber das echte Sizilien ist es nicht. Das wissen wir. Sind jetzt doch schon 500 Kilometer rumgekommen. Etwas illegales stellen wir aber dann doch an (unwissend und nicht absichtliche will ich bemerken). Auf dem Kirchpatz mit der herrlichen Aussicht auf das Meer verspeisen wir unsere Brotzeit. Leckere Salami, lang gereifter Peccorinokäse und ein paar Leckereien aus einer Konditorei mit süßem Ricotta und Pistazien. Das ist ein Genuss – auch auf der Parkbank. Als wir den Ort verlassen, werfen wir noch einen Blick zurück und sehen ein Schild, dass Essen im Ort nicht erlaubt ist. Strafe 25 bis 500 Euro. Aber die Polizei hat im Moment ja schon anderes zu tun….

Die Gründung der Stadt geht auf die Sikeler zurück, die schon vor der griechischen Kolonisation auf den Terrassen des Monte Tauro siedelten. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt griechisch. Die heutige Stadt ist eine Neugründung aus dem Mittelalter, nachdem die Araber die antike Stadt zerstört hatten. Zu den ersten Touristen zählte 1787 Johann Wolfgang von Goethe. Dank des milden Klimas wurde Taormina zu einem beliebten Winteraufenthaltsort europäischer Adliger, z. B. des deutschen Kaisers Wilhelm II. Anlässlich des Besuchs der österreichischen Kaiserin Elisabeth wurde der 1866 eingerichtete Bahnhof Taormina-Giardini erheblich ausgebaut und erhielt das noch heute bestehende Hauptgebäude im Jugendstil. Viele Gäste blieben für Wochen oder Monate und trugen zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Die ersten großen Hotels wurden eröffnet.

Taormina war wirklich schön. Die Abfahrt über die engen Kehren ein Genuss. Heim fahren wir durch duftende Zitrusplantagen. Kilometerweit sehen wir nur noch Zitronen. Die Bäume hängen derzeit voll von Früchten. Ein Wahnsinn.

In der Nähe von Francavilla gäbe es noch die Möglichkeit, durch eine ausgewaschene, enge und gewaltig Felsenschlucht zu wandern. Doch derzeit ist der Wasserstand des Flusses zu hoch und so sind die Wege nicht alle passierbar. Aber an einigen Stellen können wir erahnen, wie gigantisch die Naturgewalt ist.

Ach ja, Naturgewalt. Vom Frühstück aus konnten wir den immerwährend rauchenden Ätna sehen. Wir freuen uns schon auf die Tage ab übermorgen. Dann kommen wir ihm noch näher auf unserer Tour.

Unsere Hausherrin müssen wir noch mal erwähnen. Sie spricht so schnell wie ein Maschinengewehr und umsorgt uns, wo es nur geht. Uns fehlt es an nichts. Deswegen freuen wir uns schon auf das morgige Frühstück incl. Ätnablick….

Morgen geht es weiter. Wir sehen uns im Norden des Ätna um. Dann „reiten“ wir wieder mit Gepäck weiter.

 
 


Gesellige Radkilometer mit Salvatore

Heute ging unsere Radtour weiter – diesmal wieder mit Taschen und Packsäcken auf dem Gepäckträger. Wir fuhren eine Schleife an der Nordseite des Ätna. Hin durch Dörfer in einem Bogen zurück durch die Lavawüste des Vulkans.

Auf dem Hinweg bekamen wir schnell Gesellschaft. Ein älterer Herr mit seinem Rennrad schloss sich uns an (Rennrad Marke Bianchi – wie es sich für einen Italiener gehört – gesprochen übrigens „Bianki“ und nicht „Biantschi“ wie es anzumerken gilt). Es war Salvatore, abgekürzt Turillu, mit seinen 69 Lenzen. Respekt, es ging immer mehr oder weniger bergauf. Dick eingemacht war er mit Jacke und Beinlingen. Er konnte gut mithalten. Klar hatte er kein Gepäck zu schleppen. Aber trotzdem soll ihm das mal einer nachmanchen mit fast 70. Er plauderte die ganze Zeit mit uns, schlug uns noch einen anderen Weg nach Randazzo vor und freute sich, Gesellschaft zu haben. Er meint, dass er in seinem Ort der einzige Radsportler ist und er sonst immer alleine fahren muss. Er erzählte von seiner Zeit (vor vielen, vielen Jahrzehnten), in der er bei Siemens in der Nähe von Ulm gearbeitet hat. Ganz begeistert war er. Von seinem Rad schwärmte er und wir erzählten von unseren Touren, die wir die letzten Tage gemacht hatten. Einmal mussten wir anhalten – die Jacke war ihm doch zu warm. Obwohl er gleich bei unserem Zusammentreffen gesagt hatte, dass für ihn noch Winter sei und bei uns schon Sommer (Anspielung auf unsere kurze Hose und das kurzärmlige Trikot). Er fährt auch im Sommer und dann auch um die Mittagszeit, wo wir sicher einen Hitzschlag bekämen. Von seiner Familie sprach er und wir konnten ein paar Fragen loswerden, die uns schon die letzten Tage beschäftigt haben (will ich nicht näher ausführen, sonst wird der Text zu lange….). Es war wirklich nett und hin und wieder kramte er ein paar Worte Deutsch hervor. Kurz vor Randazzo musste er dann leider umdrehen, damit er rechtzeitig zum Essen zu Hause sei. Zum Abschied wollte er noch ein Foto mit uns zur Erinnerung. Wir tauschten E-Mail-Adressen aus und ich versprach ihm am Abend noch ein paar Bilder von uns dreien zu schicken. Sein Smartphone hatte er dabei (ja, hier sind auch die Herrschaften höheren Alters alle sehr Handybegeistert – das haben wir schon beobachtet). Wir fuhren alleine weiter und bemerkten erst, dass wir 30 Kilometer und 500 Höhenmeter gemacht haben. Vor lauter Geselligkeit haben wir die Anstrengung gar nicht bemerkt. Schön, und wir hatten alle drei unsere Freude.

Später trafen wir noch ein Pärchen mit Packtaschen. Endlich Gleichgesinnte. Sie waren noch schwerer aufgepackt als wir. Es stellte sich schnell heraus, warum. Sie kommen aus England und fahren nach Australien. Sie fahren immer 6 Monate und bleiben dann länger an einem Ort. Drei Jahre haben sie Zeit. Tolle Sache. Wir wünschen ihnen viel Glück und Freude für ihre Reise.

Weniger Glück hatte ein Stachelschwein, das wir überfahren auf der Straße durch die Lavafelder des Ätna liegen haben sehen. Ja, hier gibt es Stachelschweine. Nur wenige, aber es gibt sie. Scheu sind sie auch. So bekommt man selten eines zu Gesicht. Wir hätten uns auch gewünscht, dass wir dieses nicht gesehen hätten und es weiter leben dürfte. Aber es war doch spektakulär. Sogar ein einheimisches Pärchen hatte angehalten, weil es noch nie eines zu Gesicht bekommen hatte.

Am Ende unserer Tour landeten wir in Castiglione, einem Dorf, das (ihr könnt es vielleicht erahnen, wenn ihr die letzten Berichte gelesen habt) auf einem Hügel, wie ein Taubennest gebaut wurde. Wer hier wohnt, besitzt am besten nur einen Fiat Panda oder einen Vespa-Roller. Die Straßen sind alle steil und sehr eng. Wenn man die Haustür aufmacht, sollte man erst einen Blick auf die Straße riskieren, weil die Autos über den Fußabstreifer fahren.

Was auch gerne auf den Dörfer rumfährt, sind die Piaggo Ape. Piaggo ist der Hersteller – der Typ Ape (ape = ital. Biene) ist ein Kleintransporter als dreirädriges Rollermobil. Sie kam 1947 vom gleichen Hersteller, Piaggo, neben der Vespa (ital. Wespe) auf dem Markt. Es war in der Urform eine Vespa mit Ladefläche, einer Nutzlast von 200 Kilogramm und einem max. 125cm3-Motor. Später wurde weiter viel getüftelt am diesem Gefährt, das sich bis heute gehalten hat. In Indien ist sie sehr beliebt. In seiner Standardform, der Ape50 hat sie einen 50cm3-Motor. Sie wird vom Bauern bis zum Handwerker gerne genutzt und ist auch bei Privatleuten sehr beliebt. In Italien darf man die Fahrzeuge, weil sie nur einen 50cm3-Motor besitzen und damit als Roller eingestuft wird, schon ab 14 Jahre fahren. Auf dem Land ist es somit bei Jugendlichen recht beliebt und wird auch gerne getunt. Spoiler oder auch Motortuning (äh… eigentlich nicht erlaubt, bis der Dorf-Sheriff draufkommt).

Morgen geht es im Urzeigersinn rum um den Ätna. Dabei wollen wir uns die tolle Bergstraße von Linguaglossa rauf Richtung Ätna vornehmen. Vermutlich ein Highlight auf der Tour. Aber das war bisher jeder Tag…..


 


Dem Ätna schon etwas näher gekommen… 

Heute stand wieder eine richtige Bergetappe an. Von Castiglioano über Linguaglossa Richtung Ätna und anschließend runter nach Zaferano. Was für ein schöner Anstieg (1400 schöne Höhenmeterchen). Auf dem Weg nach oben wurde es immer kälter und die Wolken versperrten die Sicht.  Als wir oben auf der Passhöhe bei ca. 1600 Meter standen., wagten wir kaum zu hoffen, dass wir viel sehen. Doch nach ein paar Minuten gaben die Wolken auf den Ätna frei, vor dem wir schon relativ nahe standen. Wir konnten den Rauch verfolgen, wie er permanent aus der Gipfelregion entwich. Schön! So schön, dass wir eine Weile blieben und das Schauspiel genossen.

Dann gings 1000 Höhenmeter runter nach Zaferano, durch Regionen voller Lava, durch Wälder und schließlich durch die ersten Ortschaften. Schöner Tag und doch wieder 50 Kilometer auf der Uhr. Nachdem es nur ein Anstieg war, kam es uns wie eine kurze Radltour vor. Aber morgen wartet der nächste Anstieg, diesmal zum Rifugio Sapienza. Mal sehen, was wir da erleben Wir sind ganz gespannt.


 


Bergauf in Siziliens Gefrierfach 

Ich glaube, wir haben uns den kältesten Tag für unseren Anstieg zum Rifugio Sapienza im ganzen Monat ausgesucht. Bei 10 Grad ging es los. Die Straßen begannen vom Regen am Vorabend gerade abzutrocknen. 1400 Höhenmeter standen auf dem Plan. Und zwar nur(!) diese Aufstiegsmeter. Nicht ein Meter Abfahrt war dabei.

Weil es so kalt war, sind wir etwas später losgefahren. Und auch deswegen, weil wir uns mit unserer echt lieben Vermieterin so lange unterhalten haben. Wir haben über viele Themen sprechen können, vor allem über das Leben und die Natur hier auf Sizilien. Ich könnte mehrere Seiten schreiben, was wir neues erfahren haben, aber dann wird der Text für heute doch zu lange. Das eine oder andere wird vielleicht in den nächsten Tagen noch aufgegriffen.

Auf dem Weg kamen wir in die Wolkenschicht, in der es feuchtkalt wurde. Der Thermometer ging auf fast 4 Grad runter. Einige der Autofahrer, die uns begegneten, feuerten uns an. Hin und wieder fielen Graupelkörner vom Himmel. Ansonsten hatten wir die Bergstraße ganz für uns alleine. Bis auf die zwei Nebelkrähen vielleicht,  die wir beobachteten, wie sie einen toten Frosch von der Straße zerrten.

Einmal machte der Himmel auf und die Sonnenstrahlen wärmten uns etwas. Doch bald zog es sich wieder zu und die Sichtweite lag teilweise nur bei ein paar Meter. Noch immer waren wir im kurzen Trikot, Ärmlingen und Knielingen bekleidet (kurze Hose selbstverständlich auch…). Im Anstieg ist dem Körper auch so warm, obwohl wir nur mit Puls 120-130 unterwegs waren. Für Sportlerfachkreise: eine klassische G1-Etappe auf den Berg.

Nach drei Stunden kamen wir an der Station „Etna-Sud“ an, wie es hier oben auf 1900 Meter genannt wird, an. Nur wenige Touristen trotteten fröstelnd umher. Ein paar brachten uns bewundernde Sätze entgegen. Ach was, das war eine leichte Übung…. Durchschnittsgeschwindikgeit der Tour sage und schreibe 6,6 km/h…

Ein kleiner Hunger stellte sich ein. Elke und ich teilen uns ein Viertel kalte Pizza,  die gestern beim Abendessen übrig blieb. Also mathematisch….  für jeden eine Achtel Pizza. Was für ein Mittagessen? Ja, wir sind ja nicht auf einem Kindergeburtstag….  Während unseres Aufstiegs wollten wir gar nichts essen. Wir dachten nach, ob die Kälte und die Verdauung während der Pause mehr Kalorien kostet, als das Essen überhaupt hergibt…  Statt es ausprobieren haben wir es einfach gelassen. Nur die Harten kommen eben in den Garten… oder auf den Berg.

Und weil es noch nicht gereicht hat, sind wir bei leichtem Schneefall noch etwas um die Häuser… äh die Krater gezogen. Bei einer Temperatur um 0 Grad sind wir zwei in der Nähe liegende Krater abgegangen.  So kamen noch mal 155 Höhenmeter zu Fuß oben drauf und wir an die frische Luft. Obwohl wir die heute schon reichlich hatten.

Jetzt ein paar Infos zum Ätna selbst. Der Ätna ist Europas mächtigster Vulkan. Mit einer Höhe von 3352 Metern dominiert er weithin sichtbar die Ostküste Siziliens. Immer wieder trägt sich an seinen Flanken Dramatisches zu: Erdbeben erschüttern die Region, Aschewolken verdunkeln den Himmel, und Lavaströme zerstören Häuser hoch oben am Vulkan. Seit Äonen lenkte der Ätna das Geschick der Menschen in seinem Wirkungskreis. So verwundert es nicht, dass der Vulkan in der Antike als Wohnsitz verschiedener Götter galt und einen festen Platz in der Mythologie Siziliens hat.

Seinen Namen erhielt der Ätna wahrscheinlich aus dem indogermanischen und bedeutet soviel wie „brennend“. Die Sizilianer nennen den Ätna auch „Mongibello“ was einfach „Berg“ bedeutet. Die internationale Schreibweise des Vulkans ist Etna.

Erst spät kamen die Menschen dahinter welche Kräfte für den Vulkanismus verantwortlich sind. Das an dieser Stelle Siziliens der Ätna entstand liegt an der besonderen tektonischen Situation Süditaliens. Der Untergrund Siziliens ist alles andere als stabil. Im Mittelmeer südlich der Insel verläuft die Plattengrenze zwischen Afrika und Europa. Ein Teil der Afrikanischen Platte schiebt sich unter den europäischen Kontinent und wird im Erdmantel aufgeschmolzen.

Der Vulkanismus in der Gegend entstand vor ca. 600.000 Jahren. Der Ätna selbst vor ca. 100.000 Jahren. Er besitzt mehrere Magmakammern die oberste befindet sich ca.  2000 Meter unterhalb des Gipfels. Der Schlot ist offen und wenn alles im Lot ist, qualmt er einfach mit hellem Rauch vor sich hin. Ist a bisserl so wie bei der Papstwahl….. da ist auch der weiße Rauch das Zeichen, dass es passt. Schwarzer Rauch aus dem Vulkan heißt: „Vorsicht“. Da staut sich was unangenehmes auf und ein paar Tage später gibt es meist schon eine größere Eruption.

Im 20. Jahrhundert machten die Eruptionen von 1928, 1950, 1971, 1981, 1983 und 1991 von sich Reden. 1928 wurden zahlreiche Gebäude der Ortschaft Masacli zerstört. 1971 musste die Seilbahn von Ätna-Süd dran glauben. 1981 bedrohten Lavaströme den Ort Randazzo. 1983 stoppte die Lava wenige Kilometer vor der Ortschaft Nicolosi und 1991 drohte Zafferana der Untergang. Damals versuchte man die Lava durch Sprengungen zu stoppen und die Lavaflüsse umzulenken, wobei nur geringe Erfolge verzeichnet werden konnten. Die Lava stoppte erst kurz vor der Ortschaft, als in einer Prozession die Statue der Heiligen Jungfrau Maria herbeigeschafft wurde. Der Ausbruch dauerte 473 Tage und war die größte Eruption seit dem Ausbruch von 1669. Auch im neuen Jahrtausend ging das so weiter. Die Seilbahn wurde dabei ein zweites Mal zerstört.

Was wir morgen unternehmen, wissen wir noch nicht. Kommt auf das Wetter an. Eigentlich wollen wir noch weiter rauf – zu Fuß halt… Aber es soll nur ein paar Grad Temperatur haben und regnen könnte es auch. Lassen wir uns überraschen….

Ach ja, Nachtrag, wir waren gerade beim Essen. Jetzt hat es einen sauberen Schneesturm und der Schnee bleibt schon liegen. Ich habe Elke gefragt, ob sie schon Winterreifen drauf hat….

 
 


„So ein Massel“ – oder „die Kunst zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“

Wir hatten die letzten Tage schon etwas gehadert, dass wir gerade jetzt in die höheren Regionen des Ätna vorgestoßen sind, wo es so kalt und regnerisch ist. Gestern Abend gab es einen ganz schönen Schneesturm und der Schnee blieb sogar liegen. Nicht gerade das richtige für Radtouren oder eine Bergtour auf noch höher hinauf auf den Vulkan. Aber es kam ganz anders….

Als wir aufwachten, war der erste Blick aus dem Fenster. Der Schnee lag noch da. Es war bitterkalt. Die Sicht war gut, aber der Wetterbericht verhieß ab Mittag mehr Wolken und evtl. Regen. Zum Frühstück kamen ein paar Arbeiter der Seilbahnstation in unseren Frühstücksraum. Aus ihren Gesprächen wurden wir nicht ganz schlau, aber man hörte heraus, dass man sich angeregt über den Vulkan unterhielt. Als wir vor die Türe traten, mussten wir erst überlegen, wie wir heute weiter verfahren. Wir würden so gerne auf den Berg, dem Ätna noch näher kommen. So entschlossen wir uns mit der Bahn 500 Höhenmeter zu überbrücken. Der Wanderweg wäre doch etwas langweilig. Außerdem saß und die Zeit im Nacken. Das Wetter wird oft am Ätna gegen Mittag wolkiger und die Sicht schlechter. Von unserem Refugio erhielten wir einen Gutschein, damit wir günstiger mit der Seilbahn fahren können (immerhin 21 Euro für rauf und runter als 30 Normalpreis).

An der Seilbahnstation erfuhren wir, dass wir oberhalb der Seilbahn zu Fuß weitergehen dürfen. Aber heute darf man nicht so weit nach oben, wie sonst. Also wir von 1900 bis 2450 mit der Seilbahn hoch. Die Wolken zogen zeitweise schon über den Berg. Hoffentlich kommen wir noch rechtzeitig, um den Ätna von der Nähe zu sehen, dachten wir. Allerdings meinten wir, dass wir ohnehin heute nicht so weit kommen, weil es nicht erlaubt ist. Warum auch immer. Und genau das stellte sich als der Glücksfall schlecht hin heraus.

Ober mit der Bahn angekommen, könnte man sich mit der Pistenraupe weiterfahren lassen. Wir fragten, ob wir auch zu Fuß weiter dürfen. Ja, das geht, meinten die Guides. Wir müssen heute aber unbedingt in der Nähe des Weges der Raupe bleiben, weil alle anderen Wege verboten seien. (40 Euro für den Pistenraupen-Transport gespart). Wir also los zu Fuß durch den alten und frischen Schnee stapfend nach oben. Von 2450 stiegen wir durch die beeindruckend einsame Vulkanlandschaft nach oben. Bis auf 2900 Meter, wo ein paar Pistenraupen mit ihren Reisegruppen standen. Während des Aufstieges beobachteten wir den Ätna, wie er weiße und auch dunkle Rauchwolken ausstieß. Ein Wahnsinn. So ein Naturschauspiel und wir nur wenig weit davon entfernt. Elke fragte einen der Bergführer, ob das ein bedenkliches Zeichen sei, wenn der Rauch so dunkel ist. Er winkte ab und meinte, es sei noch normal. Erst wenn der Rauch tiefschwarz ist, stünde ein gefährlicher Ausbruch bevor. Ich witzelte über das Flimmern der Luft am nächsten Hügel. Das sieht heiß aus, wie beim Grillen. Der Führer sagte, es handle sich tatsächlich um neue Lava. Er zeigte auf die Reisegruppe und meinte, wir sollen mit ihnen gehen. Sie gehen noch weiter. Wir dachten, hier sei Schluss. Und so schlossen wir uns der Gruppe an, die ein einheimischer Bergführer begleitete. Alleine ohne Gruppe dürften wir eigentlich nicht weitergehen.

Wir konnten noch knapp 50 Höhenmeter aufsteigen und erlebten gewaltiges. Ein Lavastrom war heute unterwegs. Und das vor unseren Augen. Wir durften bis einen Meter zu dem glühenden Fluss heran. Sogar der Guide, der dabei war, schoss Bilder und machte einen Film. Elke fragte ihm warum, er ist doch immer hier oben. Und er meinte, wir hätten heute besonderes Glück. Selbst für ihn ist das etwas besonderes.

Minutenlang standen wir und beobachteten, wie sich die Lava ihren Weg talwärts suchte. Das ging nicht schnell, aber doch beeindruckend, weil es so unaufhaltsam wirkte. Alles knisterte um uns herum, wie wenn Grillkohle verschoben wird. Wenn Stücke herunterbrachen, sah man das glühende Rot der Lava. Ging der Blick in die Weite, erkannte man mehrere Ströme, die wie Wasser bei einer Überschwemmung seinen Weg sucht. Es roch nicht verbrannt, aber die Luft war heiß. Ich versuchte, die Situation gut zu filmen. Wir standen wie gesagt nur einen Meter neben dem Lavastrom, und da war es heiß, wie bei einem Lagerfeuer, wenn man ihm zu nahe kommt. Oder bei m Grillen, nur dass der Grillplatz hunderte Meter groß war. Beim Filmen hatte ich schon Angst, das Kunststoffstativ könnte am Boden schmelzen, so heiß war der Untergrund auf dem ich stand. Es ist etwas ganz anderes, das selbst zu erleben. Das kann kein Fernsehbericht so vermitteln und auch nicht meine Filmaufnahmen.

Was für eine Naturgewalt? Was für eine Erfahrung? Wir genossen die Zeit sehr und schauten dem Fluss der Lava einfach zu. Diese Urkraft der Erde. Und wir dabei. So nah, wie es anscheinend selten ist, wenn sogar die Einheimischen so beindruckt sind.

Ja, man kann die Eindrücke gar nicht alle wiedergeben. Fotos und Film habe ich mit meiner guten Kamera gemacht. Diese kann ich leider erst zu Hause auslesen. So können wir heute nur ein paar Handybilder liefern, die nicht wirklich das zeigen können, was wir erlebt haben. Aber einen Film und weitere Fotos werden zu Hause nachgereicht.

Sind wir nicht Glückskinder? Wir waren genau zum richtigen Tag am richtigen Ort. Da war es auch nicht so schlimm, dass wir nach unserer Rückkehr um 14 Uhr die Trekkingschuhe gegen Radschuhe tauschten, einen Helm aufsetzten und mit dem Rad zu Tale rauschten. Immer mit den Gedanken an die Lava des Ätna. Auf unserer Fahrt durchquerten wir über 1000 Höhenmeter durch alte Lava, die in früheren Zeiten Wälder und Ortschaften unter sich begruben. Bei der Abfahrt schneite es noch bei knapp über 0 Grad. Mittlerweilt hatte es sich voll zugezogen. Nach 100 Höhenmeter Abfahrt regnete es und die Straße war „pitschnass“. Wir froren durch bis auf die Knochen. Aber das war es Wert – das Erlebnis Vulkan.

In Ragalna fanden wir ein Agritourismo, das uns aufnahm und gut bekochte. Den ganzen Abend dachten wir noch an die Lava, die gewaltig, unaufhaltsam und knisternd einen Schritt von uns entfernt vor uns vorbeizog….

 
 


Neue Infos müssen noch warten… Neuer Ausbruch am Ätna 

Wir haben heute viel erlebt und hätten viel zu schreiben. Aber leider kamen wir nicht dazu etwas detailliert zusammen zu stellen. Wir haben noch lange mit unseren überaus herzlichen Vermietern geratscht. Außerdem gibt es seit heute einen neuen, großen Lavastrom des Ätna, den wir jetzt am Abend von hier aus gut beobachten konnten. Leider sind Bilder überaus schwer zu machen.

Weiter Infos folgen. Aber es ist schon was besonderes, wenn der glühende Strom mít eigenen Augen beobachtet werden kann. Der Strom ist noch oberhalb des Refugios, in dem wir vorgestern übernachtet haben. Hoffen wir das beste….


 


Auf ein Eis nach Bronte??? 

Wir sind noch unseren Bericht von gestern schuldig. Nachdem uns der Lavafluss am Ätna so fasziniert hat, war es schon fast ein Uhr Nachts.

Nach unserem Ätnaausflug hatten wir schon Bedenken, dass kein weiteres Highlight mehr auf uns wartet und wir die letzten beiden Tage totschlagen müssen. Aber weit gefehlt. Bei unseren sehr netten Vermietern in Ragalno haben wir uns für zwei Nächte eingemietet. So konnten wir ohne Gepäck eine Schleife drehen. Viele haben uns in den letzten zwei Wochen von Bronte vorgeschwärmt. Wenn es um Pistazien geht, kam immer der Ort Bronte in Spiel. Also los, dachten uns und haben uns eine Schleife dorthin ausgedacht. Unsere Vermieter, Rosetta und Gino, leben in Bronte und waren unter Tags auch in Bronte. Wir sollten uns melden, wenn wir dort sind.

Über doch recht verkehrsreiche Orte arbeiteten wir uns 34 Kilometer zu diesem sagenumwobenen Ort. Im Zentrum recht unscheinbar und einfach typisch sizilianisch, ist das Umland bestimmt durch die Pistazienbäume. Diese sehen derzeit recht mager aus. Kein Blatt ist derzeit zu sehen und nur wenige fangen an, Knospen zu bilden. Eine Besonderheit ist bei diesen Pistazienbäumen, dass sie nur alle zwei Jahre zu ernten sind. Viel Arbeit hat der Besitzer damit und so verwundert es nicht, dass Pistazien aus Italien sehr teuer sind. Die Größe der Früchte und die Qualität ist sehr hoch. Nudeln mit Pistazienpesto und etwas Pistazienmehl haben wir schon öfters in den zwei Wochen gegessen. Aber ein Pistazieneis in Bronte, im Mekka der Pistazien, zu essen, das fehlt uns noch in der Sammlung.

Im Zentrum suchten wir nach einer Gelateria – einer Eisdiele. Aber die meisten Cafes hatten noch kein Eis. Es ist ja auch noch Winter. Ach ja, das hörten wir ja schon sehr oft… Elke bekam die Auskunft, dass es am oberen Ortsausgang in der Cafeteria Luca ein leckeres Eis gibt. Wir nichts wie hin. Hat ja nur 100 Höhenmeter extra gekostet. Aber die sollten in Form von Eiskallorien doch wieder in den Körper gelangen. Wir ließen uns eine große Portion unter den Augen des Ätna schmecken. Was für ein Lokal. So eine Aussicht und so ein leckeres Eis. Als unsere Vermieter noch nachkamen, hatten wir unsere Portion schon vertilgt (bevor es schmilzt – wäre ja schade…). Sie luden uns auf eine weitere Portion ein. Wir genossen das Pistazieneis in vollen Zügen.

Übrigens: unsere Eisdiele des Vertrauens (Franzetti in Holzkirchen – kleine Schleichwerbung an dieser Stelle erlaubt) hat ein besonderes Pistazieneis im Programm – mit Pistazien…. wie hätte es anders sein sollen – aus Bronte (kostet mehr – ist es aber Wert).

Rosetta und Gino kommen ja aus Bronte und wollten uns noch eine schöne Stelle zeigen, an der man eine beeindruckende Schlucht sehen und fotografieren kann. Super, da die Alcantara-Schlucht in der Nähe von Frankavilla zu hohen Wasserstand führte und wir diese Schlucht nicht besichtigen konnten, war das für uns eine gute Gelegenheit für ein Ersatzmotiv. Sie es ging von der Eisdiele 5 Kilometer runter ins Tal von Bronte. Sie fuhren mit dem Auto, wir mit den Rädern. Aber bergab und im Stadtverkehr kamen wir locker nach. Da staunten sie, dass sie nie auf uns warten mussten. Die Schlucht war wirklich schön, Auch von hier Blick auf den Ätna. Der verfolgt uns irgendwie.

Abends kam Gino mit der Nachricht, dass sich seit einigen Stunden ein neuer Lavafluss am Ätna gebildet hat. Wir sollen vor die Tür gehen. Dort kann man das selbst sehen. Und tatsächlich sah man einen Strom aus Lava, der sich noch geteilt auf zwei Stränge über den Berg fortbewegte. Es sah auch, als würde man in Grillkohle blicken, die vom Wind noch stärker anfängt zu leuchten. Und obwohl das ganze sich etwa 10 Kilometer Luftlinie von uns entfernt abspielte, war die Fläche recht groß, auf der sich die glühende Lava befand. Ich versuchte, diese Szene mit meiner Kamera zu filmen oder zu fotografieren. Leider ist meine Fotoausrüstung für so etwas nicht gut genug. Deswegen sind nur ein paar Bilder entstanden, auf denen man den Lavafluss recht klein dargestellt, sieht. Wir haben lange dem Schauspiel zugesehen, bis wir recht spät ins Bett kamen. Aber wer weiß, ob wir so etwas überhaupt noch mal erleben können. Für die Menschen, die in der Region leben, wünschten wir das Beste. Vor allem, dass der Lavastrom bald zum Stillstand kommt.

Am Morgen nach dem Frühstück waren wir schon soweit, zusammenzupacken und uns auf die letzte Etappe nach Catania zu machen, als Gino uns vorschlug, dass er uns samt Räder und Gepäck mit seinem Pick-Up nochmal zum Rifugio Sapienza auf 1900 Meter Höhe hinauffahren würde. Rosetta würde auch mitfahren. So könnten wir den letzten Tag mit einer Abfahrt vom Ätna bis nach Catania ausklingen lassen. Da wir die Abfahrt vor ein paar Tagen bei Schneefall und Regen absolvieren mussten und Wolken und Nebel die Sicht stark einschränkten, ein verlockendes Angebot. Und nach ein paar Minuten waren Räder, Gepäck und wir vier im und auf dem Pick-Up verstaut und auf dem Weg nach oben.

Eine tolle Idee. Was für eine Genusstour, die uns die beiden beschert haben. Wir haben uns herzlich verabschiedet. Man kennt Rosetta und Gino an, dass sie es von Herzen gemacht haben.

Jetzt endet das erste Radabenteuer auf Sizilien. Ich schreibe bewusst, „das erste“, weil wir auf jeden Fall wieder zurückkehren und werden. Sicherlicht ist es auch, dass wir (besonders Elke) keine so große Sprachbarriere haben, wie wir es in anderen Ländern haben. Das erleichtert den Zugang zu den Menschen und das ist hier auf Sizilien eine wirklich schöne Erfahrung. Die Bevölkerung ist sehr zugänglich, normal und sehr warmherzig.

Es gibt auf Sizilien noch den Süden und den Westen zu bereisen. Also…. Fortsetzung folgt….

In den nächsten Tagen werden wir noch weitere Fotos einstellen. Die Fotos, die wir Euch während des Urlaubs gezeigt haben, wurden nur mit dem Handy geschossen. Die Bilder der guten Kamera können wir erst am Computer zu Hause ansehen. Daher, weiter aufpassen. Die nächsten Berichte sind sicher ein Augenschmaus.