RUMÄNIEN - REISEBERICHT
Mit dem Fahrrad durch Rumänien - Abenteuer pur


 

„Da wird man Euch das Rad unter dem Fahren klauen.“ „Wo wollt Ihr hin?“ „Habt Ihr keine Bedenken?“ „Seid Ihr sicher, dass man in Rumänien Urlaub machen kann?“

Ja, solche Sprüche bekamen Gitta und ich oft zu hören, bevor wir am 15.05.2004 ins Auto stiegen und das Land ´gen Osten verließen.

Doch wie kamen wir auf die Idee, durch Rumänien zu radeln? Na ja, ein Grund ist sicher unser gemeinsamer Freund Bernd. Er und seine Familie kommen aus Siebenbürgen, einem Teil des jetzigen Rumänien. Dort siedelten sich vor ca. 800 Jahren Deutschstämmige an, die Europa gegen die Osmanen und Türken verteidigen sollten.

Die deutsche Kultur blieb über die vielen Jahrhunderte erhalten. Doch durch die Wirren der Politik wurden die Siebenbürger Sachsen, wie man die Deutschstämmigen dort bezeichnet, mehr und mehr zur Abwanderung getrieben. Trotzdem entnahm ich den Erzählungen von Bernd und seiner Familie, dass Rumänien ein schöner Fleck auf dieser Erde ist, voller Natur und Berge. Und die Berge sind nun mal unsere Leidenschaft.

Die Entscheidung für die Reise fiel schon im Frühjahr. Es mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Aber da wir schon so oft Radreisen unternommen haben, ist das schon zur Routine geworden. Das Bike wurde umgebaut und mit einem Gepäckträger versehen. Eine Ausrüstungsliste wurde erstellt damit man nichts Wichtiges vergisst. Nur ganz spezifische Dinge mussten noch besorgt werden. Da es vielleicht einmal passieren kann, dass man kein in Flaschen abgefülltes Wasser kaufen kann, besorgte ich einen Wasserfilter. Mit seiner Hilfe können wir zweifelhaftes Wasser zu Trinkwasser machen. Da wir die rumänische Sprache nicht beherrschen, besorgte sich jeder von uns ein Wörterbuch.

 

Mit dem Auto fuhren wir ins Herzen Rumäniens und der Kaparten. Wir machten viele Tagestouren mit dem Rad, zu Fuß und sogar mit den Skiern in den Fogarascher Bergen zwischen Sibiu (früher Hermannstadt) und Cuerta de Arges. Da noch Schnee in den höchsten Bereichen lag, überquerten wir den Kapartenhauptkamm mit Tourenski. Wir mussten erst mit der fremden Umgebung klar kommen. Wie verhält man sich, wenn Schäferhunde wild bellend auf einem zukommen? Wie findet man seinen Weg ohne genaue Karten, denn es gibt keine mit kleinen Maßstab? Wo bekommen wir unsere Vorräte? Wie werden die Menschen auf uns reagieren?

Aber all das war innerhalb von wenigen Tagen schnell gelernt. Wir erlebten das Land und die Leute als sehr freundlich und hilfsbereit. Überall wurde uns geholfen, obwohl die Menschen sehr arm leben. Fast jeder hat noch Nutztiere im Garten und baut Gemüse an. Der Pferdewagen gehört auf dem Land mehr zum Straßenbild als Autos. Apropos Straßen, nur die Hauptstraßen sind geteert. Doch irgendwie kam mir dies alles ganz normal vor. Ich erinnerte mich an die Erzählungen meiner Großeltern über ihre Zeit vor ca. 80 bis 100 Jahren. Und genau so sieht es hier heute aus…..

Wir hatten viel Kontakt mit den Einheimischen und lernten eine Menge über die Kultur und das Leben in Rumänien. Die Natur war besonders faszinierend. Die dichten Wälder, die viele, viele Kilometer das Land bedecken haben wir kennen gelernt. Man bezeichnet den Landstrich ja auch als Transsylvanien, was übersetzt aus dem Lateinischen soviel bedeutet wie „Das Land hinter den Wäldern“.

Nach einer Woche verließen wir den Süden der Kaparten und fuhren mit dem Auto nach Norden. In der Nähe von Dej stellten wir das Auto bei netten Leuten im Hof ab. Wir wussten mittlerweile es gut einzuschätzen, wem wir vertrauen können. Jetzt ging es eine Woche durch das Maramures, der Gegend ganz im Norden Rumäniens an der ukrainischen Grenze. Wir zogen, diesmal mit kompletter Ausrüstung auf dem Gepäckträger 550 Kilometer durch die nördlichen Kaparten. Dabei gab es viel zu sehen. Zum Beispiel die berühmten Holzkirchen des Maramures, die komplett aus Holz erbaut, ca. 300 Jahre alt sind und einige zum Weltkulturerbe der Unesco gehören. Auch der „lustige Friedhof“ von Sapanta ist zu erwähnen. Jeder Tag bracht viele neue Erlebnisse. Manchmal wurden wir ganz spontan von den Einheimischen eingeladen, mit ihnen zu Essen. Auch bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten war man uns immer behilflich, auch in Gegenden, wo sich normal kein Tourist hin verirrt. Nach einer weiteren Woche endete unsere Rundtour und fuhren zurück nach Deutschland.

 

Das Land hinter den Wäldern, es hat uns sehr fasziniert. Das bäuerliche Leben ist vieler Orts in seiner ursprünglichen Art erhalten geblieben. Auch wenn es Maschinen und motorisierte Fahrzeuge gibt, der Pferdewagen hat noch lange nicht ausgedient. Mir kommt das Leben irgendwie natürlicher vor, als die künstliche Welt, die wir uns in unserer Heimat aufgebaut haben. Die Menschen leben in Rumänien mehr im Einklang mit der Natur. Allerdings sind sie materiell sehr arm. Ich würde behaupten, sie leben in einer der ärmsten Gegenden in ganz Europa. Ob ich mit ihnen tauschen würde. Ich weiß nicht….

Wie dieses Land den Beitritt zur Europäischen Union bis 2007 schaffen soll und dabei die Korruption der Politiker und die sonstigen Missstände beseitigen will, ist mir schleierhaft. Aber die Menschen und auf die kommt es an, sind sehr hilfsbereit und zuvorkommend. Es stimmt mich rührend, wenn ich daran denke, wie wir von ihnen aufgenommen und behandelt wurden. Auf jeden Fall waren wir nicht zum letzten Mal dort….

 

 


 

Tourdaten:

Mit dem Fahrrad durch Rumänien

16.05.04

Rundtour Miercurea Sibiului

107,0

6:25:00

1375

17.05.04

 Autofahrt

 

 

 

18.05.04

 Skitour Buleapass

 

 3:30:00

360 

19.05.04

Valeni - Rundtour

56,1

5:01:04

1220

20.05.04

Valeni, Arefu, Valeni

87,3

5:49:28

1265

21.05.04

 Klettersteig Val Lui Stan

 

 3:45:00

 635

22.05.04

Heltau und Umgebung

19,7

1:01:54

255

23.05.04

 Autofahrt

 

 

 

24.05.04

Gherla - nördl... Dej

47,1

2:30:51

170

25.05.04

nördlich Dej - Surdesti

75,9

4:43:36

940

26.05.04

Surdesti - Sapanta

96,7

5:44:01

1190

27.05.04

Sapanta - Ieud

96,2

5:37:26

570

28.05.04

Ieud - nördl. Bistriza

90,4

4:52:06

585

29.05.04

Bistriza - Gherla

90,9

5:10:38

985

GESAMT

 

767,3

46:56Std.

9.550