KRETA 2016

Nach dem Motto: Ziegen und Oliven

Radreise auf der Mittelmeerinsel


Im Frühjahr 2016 haben Kreta ein zweites Mal besucht. Diesmal haben wir uns den Osten der Insel vorgenommen. Wir waren wieder mit dem Reiserad unterwegs und haben viele tolle Eindrücke und Erlebnisse nach Hause mitgenommen.

Wir haben während der Reise unsere Erlebnisse in einem Blog gepostet http://fritzfinkenzeller.wordpress.com/

Hier die Zusammenfassung unserer Erlebnisse - VIEL SPAß



KRETA 2016 - Erster Eintrag

Liebe Freunde,

Jetzt ist es wieder soweit. Eine neue Reise beginnt. Die Koffer… ähh… Räder sind gepackt. Nach unserer Reise durch Kretas Westen vor zwei Jahren brechen wir auf, um den Osten der griechischen Insel zu erkunden.

Morgen werden wir in der Hauptstadt Heraklion ankommen. Vermutlich reicht die Zeit etwas von der Stadt zu sehen.

Was haben wir die nächsten zwei Wochen vor?
Radlfahrn, essen, schlafen, radlfahrn, essen…. und das Land, seine Natur und seine Menschen erleben.
Und die Freiheit des Radreisens genießen….

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Oliven

Heute sind wir auf Kreta angekommen. München – Heraklion. Um 14:30 kamen wir an. Nach dem Zusammenbau der Räder mussten wir nur die Kartonagen und die Reisetaschen zum Hotel bringen. Es waren gottlob nur1,5 km. Dafür hat sich schon einmal eine Konstruktion von Rollen bewährt. So auch heute. Zwei Rollen werden am Radkarton angebracht. Mit einer Hand am Lenker und mit der anderen Hand das Kartonvehikel ziehend fahren wir dann vom Flughafen los. Nachfolgend ein paar Bilder.

Zum Abendessen besorgten wir uns noch eine typisch, griechische Brotzeit: Oliven, Schafskäse, Paprika und griechischen Wein (ohne Etikett versteht sich – Hausmarke des Ladenbesitzers).
Kreta und Oliven – das gehört einfach zusammen. Nirgendwo gibt es so eine Menge an Olivenbäumen auf einem Gebiet wie hier auf Kreta. Ich habe einen kleinen Artikel zu kretischen Olivenöl gefunden. Wissenswert… also los.

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Olivenbäume sind überall auf Kreta zu finden, sie gedeihen in Höhen bis über 600 Meter, man findet große Pflanzungen in den Ebenen, aber auch bescheidene Gruppen von Bäumen in abgelegenen Bergregionen und Schluchten. Oliven stellen die Kulturpflanze Kretas schlechthin dar, bereits aus minoischer Zeit sind Abbildungen bekannt, die Menschen bei der Oliven-Ernte zeigen. Olivenöl wurde gar als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten angewandt. Und in der Tat scheinen neuere wissenschaftliche Untersuchungen die positiven Wirkungen des häufigen Olivenölverzehrs zu bestätigen. Auf eine Kurzformel gebracht: Dort, wo die Menschen viel Olivenöl verwenden, treten z.B. Herzkrankheiten signifikant seltener auf.

Doch zurück zur Ernte. In den Wochen der Erntezeit sind die Familien, bisweilen unterstützt durch Verwandte oder auch saisonale Erntearbeiter, jeden Tag draußen bei ihren Bäumen. Im Prinzip können zwei Erntemethoden unterschieden werden. In beiden Fällen werden im Herbst große Planen oder Netze unter den Bäumen ausgelegt, um herunterfallende Oliven aufzufangen. Während man bei der einen Methode ausschließlich wartet, dass die Oliven von selbst fallen – was allerdings bedeutet, dass man bei allen Bäumen ständig von neuem sammeln muß – werden sie bei der am häufigsten angewandten Erntemethode vom Baum geschlagen. Dies geschieht traditionell mit Hilfe von langen Bambus- Stangen und Stöcken aus Zypressenholz, oder mit modernen Schlaggeräten mit vier Zinken. Nur die wenigsten vertrauen den motorgetriebenen Rüttelmaschinen. Wurden die Olivenbäume während des Jahres beschnitten und niedrig gehalten – was allerdings mit großem Arbeitsaufwand verbunden ist – so ist diese Arbeit weniger anstrengend als bei hoch gewachsenen alten Bäumen, wo man bisweilen sogar in die Krone klettern muß.

Die heruntergeschlagenen Früchte werden in einer Art Sieb von Zweigen und Ästen getrennt, in Säcke gefüllt und zur nächsten Olivenpresse gebracht. Fast jedes größere Dorf verfügt über eine derartige Ölmühle, die häufig genossenschaftlich betrieben wird. Hier werden die Blätter automatisch aussortiert, die Oliven gewaschen und zerstampft. Eine Zentrifuge trennt das verbliebene Wasser vom Öl. Die erste kalte Pressung liefert hochwertiges sogenanntes Jungfernöl, aus der folgenden Heißpressung gewinnt man dann noch einmal minderwertigeres Öl. Die verbliebene torfähnliche Trockenmasse wird als Viehfutter und vor allem als reichlich vorhandenes Brennmaterial verwendet. Traditionell verbleiben der Ölmühle 8 % der angelieferten Oliven-Menge als Bezahlung für die Arbeit.

Schätzungen gehen von über 30 Millionen Olivenbäumen auf Kreta aus und die erzeugte Ölmenge dürfte 100 000 Tonnen übersteigen. Doch genaue Zahlen existieren nicht. Wenn Sie also auf Kreta weilen, nehmen Sie sich ein Fläschchen Olivenöl mit, besseres Öl werden Sie nirgends bekommen. 

Jetzt wissen wir wieder mehr. Morgen geht es mit der ersten Radtour los. Es wird zum Beginn der Reise gleich ein harter Brocken… aber das war ja klar….


Das Wort zum Sonntag

Heute ging es endlich richtig los mit Radeln. Von Heraklion nach Agios Nikolaos wurden es 85 Kilometer und 1115 Höhenmeter. Ganz schöner Brocken für den ersten Tag und das ohne Mittagessen. Na ja, ein paar getrocknete Rote Bete Chips und Wasser gab es…. Wir haben ja Fastenzeit.
Aber keine Angst, am Abend haben wir es gebührlich nachgeholt. Es gab in einem von Griechen empfohlenen Restaurant leckeren Salat mit Granatapfel und Feigendressing. Als Hauptgericht speisten wir Lamm, das in Schafsmilch eingelegt und gekocht wurde. Das war zart – Mann, Mann, Mann. Als  Beilage servierte man uns Nudeln in der Soße, in der das Fleisch gekocht wurde. Ein Traum für Lammliebhaber. Das ganze haben wir mit einem Gläschen Rotwein runtergespült und einen Sesamkuchen mit Raki (wie ein Grappa) aufs Haus bekommen. Dazu haben wir uns super mit dem Kellner unterhalten.

Heute war Sonntag. Allerorts wurde eine Messe zelebriert. In Heraklion strömten nach der Kirche viele in das Lokal unseres Hotels. Sie waren alle schwarz gekleidet und haben nachdem sie Kaffee getrunken und etwas geratscht haben, ein Päckchen Süßwaren bekommen. Darin war Süßes, das sie Bedürftigen schenken im Namen ihrer verstorbenen Angehörigen. Heute war so was wie Allerheiligen oder Totensonntag. Es wurden den Verstorbenen gedacht. Griechenland ist griechisch-orthodox. Es ist das einzige Land, in der das orthodoxe Christentum Staatsreligion ist.  Das war schon immer so. Gestern Abend wollten uns ein paar ältere Frauen schon zur Messe mitnehmen, als wir eine Kirche besichtigt haben. Ein wenig haben wir den Gesängen des Paters vor der Kirchentür gelauscht. Es war sehr beeindruckend.

Ein paar Hintergründe zum griechisch-orthodoxen Glauben an dieser Stelle. Nachdem so knapp nach 1000 nach Christus die Kirche in Rom die Unfehlbarkeit der päpstlichen Aussagen verkündete, ging die Ostkirche andere Wege. Sie bezeichnet sich seitdem als die ursprüngliche, richtige Kirche (orhtos = gerade, richtig). Allerdings wurden die Traditionen seitdem nicht mehr wesentlich verändert. In der katholischen Kirche passen zumindest die Konzile immer wieder die Glaubenslehre an die Zeit an (manchen auch das noch zu verhalten). Bei den Orthodoxen gab es aber seit über 1000 Jahren wenig Veränderung. Das und der große Einfluss auf die Politik, der gerade in Griechenland vorherrscht, könnte diskussionswürdig sein. Aufgrund der traditionellen Werte der Kirche in Griechenland wollen die Vertreter des Glaubens auch politische und gesellschaftliche Veränderungen verhindern oder zumindest beeinflussen. Erst seit 1983 ist die standesamtliche Heirat amtlich anerkannt. In der Finanzkrise wurden Steuern für Immobilien erhoben. Kirchliche Immobilien, die nicht genutzt werden wurden aber ausgenommen. Die Kirche hat eine große Macht im Land und einen großen Reichtum. Dazu ist sie der zweitgrößte Immobilienbesitzer im Land nach dem Staat selbst.

Was gab es sonst noch heute….. ja, einen zerschossenen oder zumindest angeschossenen Radarblitzkasten haben wir gesehen. Ansonsten war die Tour sehr schön, weil wir nicht auf den Hauptstraßen gefahren sind, sondern auf kleinen Nebenstraßen durch ländliche Dörfer fuhren.

Gestern berichteten wir doch vom Olivenöl. Heute sahen wir in vielen Orten die Ölpressen und auch den trockene Rest der Oliven, der als Brennmaterial oder Tierfutter verwendet wird.

Einmal haben wir eine Orange gefunden. Ja, wirklich gefunden. Sie lag am Rand der Straße unterhalb des Baumes. Nein, wir haben ihn nicht geklaut. Wir haben gleich einen neuen Begriff erfunden.
In Herleitung zum Strandgut, das man findet und behalten kann, haben wir das Wort “Straßengut” entwickelt. Dazu gesellten sich noch frischer Salbei und wilder Thymian.
“Gartengut” wäre auch ein netter Begriff, aber im Gegensatz zum “Straßengut” ist dessen Mitnahme strafbar. Deswegen bleiben wir lieber beim Straßengut.

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Kulinarisches aus dem Bergdorf

Wir sind heute von Ag. Nicolaos am Meer auf die berühmte Lasithi Hochebene geradelt. 1400 Höhenmeter auf 50 Kilometer. Das war ein Tag – 50 Kilometer praktisch nur bergauf…. Wie schön…
Auf dem Weg hier herauf fuhren wir durch ursprüngliche Bergdörfer. In einem nahmen wir einen Kaffee ein – einen echt griechischen versteht sich. Es war auf 50 Kilometer das einzige, das offen hatte. Für den griechischen Kaffee wird das Pulver und das Wasser in ein kleines Töpfchen mit Stiel gegeben und aufgekocht. Es bildet sich beim Kochen Schaum. Vor den Übergehen wird die Kanne vom Herd genommen und nach kurzer Zeit ein zweites Mal aufgekocht. Dann gibt man das Gebräu in die Tasse und wartet bis der Satz sich auf dem Boden abgesetzt hat. Aber warten muss man eh, weil das ganze so heiß ist.
Jeder von uns bekam noch ein Glas Wasser und einen tollen Keks dazu. Das war die Einkehr unter Tags. Ansonsten gab es nur eine Scheibe Brot und ein Stück Käse unterwegs – und das auf einem Stein am Straßenrand sitzend. Elke spricht schon von Fastenwandern. Stimmt ja, wir haben ja gerade die Fastenzeit.
In unserem Zielort auf der Lasithi-Hochebene sind wir gegen 16 Uhr schon eingelaufen. Alles sieht ganz schön verkommen aus ohne den Menschen hier zu nahe treten zu wollen. Aber die Unterkunft, die ich ausgesucht habe, ist top. Ein netter Mann hat kleine Apartmenthäuschen gebaut. Sie sehen rustikal aus und passen in die Gegend. Er ist wirklich nett. Sein Restaurant hat noch nicht geöffnet – wie 95 % aller Betriebe hier um diese Jahreszeit. Macht nix. Wir bekommen schon etwas zu futtern, dachten wir uns. Unser Vermieter meint auch, dass im Dorf schon irgendjemand offen hat.
Also machten wir uns nach einer gepflegten Dusche auf. Bis auf zwei Tavernen hatte echt alles zu. Wir wählten eine nach Gefühl aus. Die Aufschrift auf dem Holzschild vor der Tür war nicht lesbar. Da würde auch Freund Google nix helfen und eine Empfehlung ausspucken. Also dachten wir uns… hinein. Im Innenraum etwa 15 Personen, natürlich nur Männer. Sogar der Pfarrer saß mit seinem Kaftan an einem Tisch. Der will auch mal unter die Leute. Als wir an die Bar gehen blicken alle auf uns. Wir sind im Moment etwas ganz besonderes, da kann man die politische Diskussion oder dem Verfolgen des Fernsehprogramms auch mal sein lassen. Wir fragten die Frau hinter dem Tresen, ob es auch was zu Essen bei ihnen gibt. Sie nickte und wir setzten uns an einen freien Tisch. 5 Minuten vergingen und die Frau kam immer noch nicht zu uns an den Tisch. Wir dachten, sie könnte uns zumindest eine Karte bringen. Stattdessen kommt sie nach 10 Minuten mit 5 Tellerchen vorbei und stellt sie uns auf den Tisch. Da waren einmal eingelegt Paprika, Reis in Krautwickerl, Bohnenpüree mit Olivenöl, sauer eingelegte Leber vom Schaf und Paximadi. Das letzte ist hartes Brot mit etwas Wasser und Olivenöl übergossen. Kurze Zeit später kommt die Frau noch mal mit zwei Gläser Wein – einen weißen und einen roten. Wir deuten auf den roten. Sie bringt noch eine Karaffe mit einem halben Liter Rotwein und eine Flasche Wasser. Bestellt haben wir bis jetzt noch gar nichts. Aber wir sind begeistert. Es ist urig wie in einem alten Western. Wir haben nach Essen gefragt und wir bekommen Essen. Von Auswahl hat keiner etwas gesagt. Wir finden es super. Es wär sicher nix für jemand der „hoaklig“ ist. (bayrisch übersetzt auf Deutsch: heikel, geschleckert…. Äh… das ist ja auch bayrisch… besser vielleicht ausgedrückt: wählerisch).
Doch nach den netten Gerichten kam die Chefin noch mal mit einem großen Teller frittierter Kartoffelstreifen und einem großen Omelette mit Brokkoli oder Kraut oder beidem. Puh, jetzt waren wir aber satt. Sie staunte nicht schlecht beim Abservieren, dass wir die Teller ratzeputz leer geräumt haben.  Als Nachtisch brachte sie uns noch einen geschälten und geschnittenen Apfel. Die Männer im Lokal wurden immer mehr. Was die wohl von mir denken. Vielleicht so: „der geht mit seiner Frau zum Essen. Was ist das für einer?“ „Hat die Frau zu Hause keine Arbeit?“. Ist halt noch ein typisches, traditionelles Dorf mit alten Sitten. Aber das findet man bei uns hinten in Gaißach bei Bad Tölz auch noch (Vorurteil…. nur für Insider lustig).
20 Euro machte die Rechnung aus. Das war ein günstiger, voller Magen. Uns hat es gefallen. Die werden schauen, wenn wir morgen wieder auftauchen.
Apropos Morgen: Das werden wir die Lasithi-Hochebene genauer erkunden und von ihr berichten. Bleibt gespannt wie es weitergeht.

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Weltfrauentag

 
Heute wollte ich euch von der beeindruckenden Lasithi-Hochebene berichten. Wir haben sie heute mit dem Rad  umrundet und erkundet. Wir waren an der Höhle, in der der Göttervater der griechischen Mythologie geboren wurde….. ähhhh halt. Waren wir nicht schon vor zwei Jahren im Idagebirge Kretas an der Geburtshöhle von Zeus?
Na ja, nachdem sich die Kreter nicht ganz einig waren, wo Zeus nun wirklich geboren wurde und sie auch geschäftstüchtig sind, hat man sich geeinigt, dass die eine Höhle an der Lasithi-Hochebene die Geburtsstätte war und der Göttervater in der anderen Höhle aufgewachsen ist. So wurde das praktisch entschieden. Sonst könnte man von der Ebene noch ganz viel berichten. Aber das kann jeder von Euch Lesern auch bei Wikipedia nachlesen. Deswegen spare ich mir heute den wissenschaftlichen Teil. Es gibt nämlich interessanteres zu berichten.  Heute war Weltfrauentag.
Super, was hat Kreta mit Weltfrauentag zu tun? Das werdet ihr staunen. Wir kommen nämlich gerade zurück von…. Aber dazu gleich… zumindest schreibt es sich nach ein paar Gläschen Rotwein etwas lockerer.
Das ganze begann, dass wir nach unserer Radtour einen griechischen Kaffee in einer Dorfkneipe eingenommen haben. Nachdem die ganze Gegend „dodelt“ zu Deutsch „totelt“, auf Hochdeutsch „ausgestorben ist“, mussten wir uns noch um etwas zum Abendessen kümmern. Die Wirtschaft von gestern hätten wir als Notplan gehabt. Doch dann trafen wir zufällig vor einer geschlossenen Gaststätte einen Mann mit Kochjacke. Wir sprachen ihn an und fragten, ob sie heute Abend geöffnet hätten. Er bejahte und meinte, dass zwar heute eine Veranstaltung stattfindet, aber wir könnten gerne auch kommen. Es ist ein Event anlässlich des Weltfrauentages. Da dachten wir uns noch nichts besonderes.
Am Abend trudelten wir dann ein. Es war eine Feier des Frauenbundes der Lasithi-Hochebene. Nur Frauen waren bislang anwesend und es sind auch nur noch Frauen gekommen. Außer dem Wirt und dem Koch werde ich vermutlich der einzige Mann sein. 12 Euro kostete das alles Eintritt. Dafür gab's Essen, Trinken und Livemusik. Super. Wir waren gespannt.
Immer mehr füllte sich der Saal. Bald waren es 150 Frauen und ICH. An unseren Tisch setzten sich ein paar jüngere und ein paar ältere Mädels. Wir wurden gleich in die Feier mit einbezogen. Es war lustig und ein Glas Wein folgte dem nächsten. Es gab Reden von verschiedenen Frauen. Auch die älteste mit 95 Jahren gab einen Text zum besten, an dessen Ende alle herzhaft lachten. Wir verstanden kein Wort, aber es müssen Geschichten über Männer gewesen sein. Dazwischen gab es Musik und die Frauen alt und jung tanzten Sirtaki, besser als Alexis Zorbas. Super, und wir dürfen hier dabei sein. Wir konnten es gar nicht fassen. Das wird man als Standardtourist auch selten erleben dürfen.
Unauffällig blieben wir ohnehin als Fremde nicht, aber die Krönung war, als ich als der einzige Mann im Saal bei der Tombola eine Tupperschüssel gewann. Alle lachten herzhaft, das kann man sich vorstellen. Ich hab die Schüssel gleich unserer Tischnachbarin geschenkt. Die freute sich.
Dann kam die Liveband dran. Vier Männer, ich bekam Verstärkung. Es wurde jetzt modern gerockt. Auch Elke schwang das Tanzbein. Aber auch die 80 bis 90jährigen verzogen keine Miene und feierten trotz der Lautstärke weiter. Endlich ohne Mann einen drauf machen, das genießen sie. Ich glaube aber, ich muss meine Meinung über die Männergesellschaft in Griechenland zum Teil revidieren. Wir hatten den Eindruck, die Männer bestimmen und treiben sich in den Kneipen rum. Die Frauen müssen brav zu Hause sein und arbeiten. Aber das ist nicht überall so. Hier in der Hochebene von Lasithi sind sie selbstbewusst. Sie sind der eigentliche Chef der Familie. Die Männer sind das nur nach außen….
Es war ein schöner Abend, den wir im Kreise der Einheimischen verbringen und mitfeiern durften. Das vergessen wir sicher nie wieder.
Auf dem Heimweg hielt noch ein Wagen neben uns. Es war der Koch, der und nachmittags animiert hat zu kommen. Er hat uns noch gefragt, ob es uns gefallen und geschmeckt hat. Aber klar. Wir grinsen über das ganze Gesicht. Dann fällt uns noch das hell beleuchtete Kreuz 200 Höhenmeter über dem Ort auf. Wir waren dort heute mit dem Rad und ich habe mich schon über die vielen hässlichen Strommasten gewundert, welche den malerischen Blick auf die Kirche dort oben „verschandeln“. Jetzt weiß ich, warum der Strom dort so wichtig ist.
Eine Beleuchtung ist noch die ganze Nacht notwendig, denn es muss noch viele Frauen heimgeleuchtet werden. Um halb eins verabschiedeten wir uns herzlich von unseren Tischnachbarinnen und waren schon bei den ersten, welche die Feier verließen. Es müssen aber noch 150 Frauen ihren Heimweg finden. Ich bin gespannt, ob wir morgen bei der Weiterfahrt von den Frauen im Tal erkannt und gegrüßt werden….
Ach ja, Weiterfahrt. Morgen geht es über einen geschotterten Pass nach Süden. Wir verlassen schon am 4. Tag den ursprünglich am PC zu Hause erstellten Plan und improvisieren. Der Pass lacht uns einfach an. Manches spontane ist einfach schöner wie wir am heutigen Abend gesehen haben. Ich werde es auf jeden Fall nicht mehr vergessen. Als einziger Hahn inmitten von über hundert Frauen… 

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Von den Bergen ans Meer

Heute Morgen erzählte uns unser Wirt, dass er schon von unserer Teilnahme am Fest des Frauenbundes vom Vortag weiß. Das hat sich aber schnell rumgesprochen….
Nach dem Frühstück zogen wir los und machten uns über alle Berge (sozusagen). Die einsame Straße, die wir uns überlegt hatten, war sogar gesamt geteert. Die neue Straßendecke war ganz neu. Gewaltige Blicke auf die Lasithi-Hochebene waren uns vergönnt, bevor es nach 500 Höhenmeter mit der Abfahrt weiterging. In größtmöglicher Einsamkeit umgeben von hohen, gewaltigen Bergen genossen wir jeden Kilometer.
An einer Hauptstraße angekommen ging es mit viel auf und ab zu unserem Ziel: Myrtos. Die Anstiege hatten es in sich. Am Ende kamen 1100 Höhenmeter zusammen. Jeden der Ansteige versuchte ich mit richtig Speed zu fahren (wenn man von Speed bei einem Rad mit 14 Kilo plus 22 Kilo Gepäck heute sprechen kann). Mein Pulsmesser hat aber schon gemeint dass es ganz schön schnell war. Nach dem gestrigen Ruhetag habe ich mir mal einen anstrengenden Tag gegönnt…. (klingt komisch, aber es ist so schön, wenn der Puls bei 160 Schlägen arbeitet, es geht richtig was und man fühlt sich pudelwohl).
Es war wieder eine Fastentour. Drei kleine Waffeln (Größe 3x1x1cm) gab es für jeden. Ich muss mich wundern, dass Elke sich noch nicht beschwert hat. Nicht einmal einen Kaffee gab es unterwegs. Aber das ist Training für den Fettstoffwechsel. Es war also nur zu unserem Besten. Außerdem wussten wir, dass es am Abend ja etwas richtig gutes zu Futtern gibt. Dafür haben wir schon beim Einchecken in einem kleinen Hotel gesorgt. Die Chefin kochte uns was am Abend.
Auf den letzten Kilometern waren wir schon hungrig. Das muss ich zugeben. Das ging soweit, dass man aus den Ortsnamen, die auf den Schildern stand, ein essbares Gericht hineininterpretierte. So wurde aus Kalami eine leckere Salami. Bei Riza stellte man sich eine herrliche duftende Pizza vor. Und beim Anblick des Werbeschildes eines Bauunternehmens, namens Lamberos kamen einem gegrillte Lammkeulen in den Sinn… Das lag sicher alles am Unterzucker liegen…..
Myrtos ist ein beschauliches Dorf an der Südküste Kretas. Hier hat der Tourismus noch nicht die Oberhand gewonnen. Es leben noch viele Einheimische hier und flüchten nicht im Winter auf das Festland. Die Unterkünfte und Gaststätten sind nicht für Massentourismus ausgelegt. Das ist ein Ort ganz nach unserem Geschmack. Deswegen sind wir auch hier.
Bei einem Strandspatziergang hielten wir die Füße ins Meer. Puh… war ganz schön kalt. Aber wenn man schon am Meer ist… da muss man halt einmal mit dem Wasser Kontakt haben. Elke lachte sich noch einen Hund an. Er wich nicht mehr von unserer Seite. Nur mit einem Trick wurden wir ihn wieder los…
Das Essen war in der Taverne unserer Unterkunft hervorragend. Es gab Tsatsiki Bohnen. Lamm mit Kartoffeln und Salat. Das Lamm war mit den Kartoffeln lange im Ofen. Das Fleisch war herrlich zart. Nur ein paar Einheimische waren noch da. Da ging's wieder urig zu…

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Durchs Gemüse geschlagen

Heute war fast ein Ruhetag. Es ging 50 Kilometer an der Küste entlang nach Osten. Eigentlich haben wir ein schlechtes Gewissen die Kilometer und die paar hundert Höhenmeter in unser Trainingstagebuch zu schreiben. Es hatte nämlich ganz schön Rückenwind. Aber nach der intensiven Bergfahrt gestern war es auch angemessen eine lockere Einheit (Trainingsprofis sagen eine Fahrt im Kompensationsbereich) zu absolvieren.
Dabei schafften wir es perfekt, den Regenwolken auszukommen. In der Früh brauchen wir etwas länger als normal mit dem Zusammenräumen. Genau in der Zeit entlud sich ein Wolke über unserem Ort Myrtos. Als wir losfuhren, war die Straße schon wieder trocken. Dann hatten wir lange Zeit eine dunkle Wolke dicht hinter uns. Wir waren aber schneller….
An der Südküste befinden sich ganze Gebiete mit Gewächshäusern. Da kommt also das viele Gemüse her, dass wir täglich im Salat verspeisen. Zahlreiche Gemüselaster und Pickups überholten uns. Viele fahren in auf der kurvigen Strecke zu schnell. Nicht dass wir Verkehrsrowdys gesehen hätten. Nein, wir sahen es auf der Straße. In jeder scharfen Kurve lagen Orangen und Tomaten. Runde Früchte sind für schnelle Lieferungen einfach ungeeignet. Brokkoli, Paprika und Gurken sind da besser, weil sie nicht rollen können. Viele Kilometer sahen wir nur Gewächshäuser. Daher der Titel des Tages. Wir haben uns wirklich durch das Gemüse gearbeitet. Wobei arbeiten bei dem Rückenwind etwas übertrieben erscheint.
Am Zielort haben wir eine schöne Bleibe gefunden. Wirklich etwas besonderes. Wir wohnen diese Nacht in einem kleinen Häuschen ohne Heizung und Strom. Ein altes Gemäuer, das früher von den Arbeitern der Olivenernte genutzt wurde. Sie wurden zu kleinen Ferienwohnungen ausgebaut. Es sind eine ganze Menge dieser einfachen, uralten Steinhäuser. Sie liegen etwas abseits des Ortes am Berg. Wir haben fast keine Lampen in der Umgebung. Daher sieht man den Sternenhimmel, wie ich ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Eine super Gelegenheit mit meiner neuen Kamera eine Zeitrafferaufnahme vom Himmel und ein paar Langzeitbelichtungen zu machen 6z5555555555555555555 ähh, das war die Katze, die gerade auf meiner Tastatur rumtrampelt. Ja, bei den Häuschen leben eine ganze Menge Katzen. Drei junge Kätzchen umschmeicheln uns und können sich gar nicht von uns losreißen. Sie sind einfach süß.
Vorhin waren wir noch im Ort um etwas zu Essen. Alles hatte zu weil einfach die Saison noch  nicht eröffnet ist. Aber wohin gehen die Einheimischen in dieser Gegend? Wir haben noch etwas gefunden. Eine Kneipe, in der heute fleißig geputzt und gestrichen wurde. Ein paar Maler saßen an den Tischen auf der Terrasse, als wir fragten, ob es was zu Essen gäbe. Das wurde vom Koch und dem Chef bejaht. Es gibt Lammfleisch mit Reisnudeln in Soße. Wie er das Wort Reisnudeln in keiner anderen Sprache wusste, griff er einfach mit den Fingern in die Portion eines Burschen und hielt uns eine Probe vor die Nase. Der Bursche aß gerade. Na bravo, auch wenn der zum Personal gehört. Mir wäre es nicht recht, wenn mir einer ins Essen langt. Wir sollten uns draußen setzen. Nach kurzer Zeit bekamen wir unser Essen und einen halben Liter Rotwein. Ich trank von der Stelle des Glases, die noch am saubersten war. Ist halt a bisserl rustikal. Macht aber nix. Es schmeckt und war extrem preisgünstig.
Auf dem Rückweg zum Häuschen kauften wir noch allerhand regionale Spezialitäten ein (Käse, Oliven, Backwaren – alles aus der Region von den Leuten selbst gemacht, von denen wir es gekauft haben). Da können wir die nächsten Tage auf der Radtour kulinarisch wertvolle Pausen einlegen.
Noch etwas zum Rückweg. Wieder hat sich ein Hund an unsere Fersen geheftet. Der ist gleich mal 2 Kilometer mit uns mitgegangen. Was für ein Tag. So viel Tiere zum Betreuen. Leider müssen wir auch viele überfahrene Tiere erwähnen. Wir haben in 5 Tagen schon vier überfahrene Marder, einen Igel und zwei Dachse gesehen. Außerdem noch einige Schafs- und Ziegenskelette in den Bergen (vor allem nach unübersichtlichen Kurven).
Jetzt sitzen wir hier mit drei Katzen auf dem Schoß und gehen gleich in unser Haus ohne Heizung und Strom aber mit Petroleumlampe. So leben wie vor 100 Jahren ist auch mal eine schöne Erfahrung. Aber trotz aller museumsreife – WLAN hat es hier…. Wir hätten auch mal darauf verzichten können. Der Sternenhimmel ist so faszinierend. Da braucht es keine andere Ablenkung. Und ich hätte meine Geschichte eben erst morgen oder in einigen Tagen eingestellt.

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Im Osten viel Neues

Weiter ging es. Und zwar weiter in den Osten der Insel. Von unseren netten Katzen konnten wir uns nur schweren Herzens verabschieden Um kurz nach elf Uhr (schon spät, weil wir heute ein gutes Stück Arbeit vor uns haben – über 70 Kilometer und 1400 Höhenmeter) kamen wir erst los.

Los kamen wir eigentlich nicht richtig. Am Ortsausgang trafen wir noch Konstantin. Von ihm berichteten wir gestern gar nicht. Konstantin ist ein älterer Herr, der wir im Ort getroffen haben. Er hat uns viel Wissenswertes über die Insel berichten können. Er spricht einige Sprachen. Da liegt daran, dass er früher Reiseleiter für ein kretisches Reiseunternehmen war und Gruppen in die ganze Welt begleitet hat. Wir haben uns mit ihm eine ganze Weile am Vortag unterhalten. Heute trafen wir ihn wieder. Er rief uns nach, als wir gerade den Ort verlassen wollten. Gerade arbeitete er in seinem Garten. Er wünschte uns alles Gute für die Reise und gab uns noch zwei Lauchzwiebeln und zwei Tomaten aus seiner eigenen Produktion mit. Direkt von der Pflanze und aus der Erde zu uns für die Brotzeit am Nachmittag. Das war richtig nett. Wir haben uns alle drei über unsere Begegnung gefreut.

Es ging weiter über eine schöne Küstenstraße, fernab von Trubel und Verkehr. Dann brachte uns eine Straße mitten in die Berge von Kretas Osten. 800 Höhenmeter ging es hinaus. Wir durchfuhren einsame Landstriche, die fast immer von gepflegten Olivenplantagen durchsetzt waren. Dann eine lange, kurvenreiche Abfahrt ans Meer zurück. All die schönen erarbeiteten Höhenmeterchen verloren…. Wie schade.

Aber dann gabs eine Brotzeit. Mit würzigen Schafskäse, Oliven und Konstantins Gemüse. Wir dachten an ihn, als wir seine Ernte genossen.

Weiter ging es dann mit dem nächsten Anstieg. Und der endete bald gar nicht mehr. Es wurde schon spät. Mit den letzten Sonnenstrahlen trafen wir im Zielort der heutigen Etappe ein – Paleikatstro.

Hier bleiben wir zwei Nächte, weil wir den letzten Zipfel Kretas erkunden vollen. Und das morgen. Wir hoffen, das Wetter hält sich. Die Tage sind ganz schon windig und der Wind ist kalt.

Noch ein paar lustige Geschichten von heute. Der Bericht war bis hierher zu nüchtern. Das können wir nicht machen. Wir trafen einen Schäfer, der seine Herde weiter trieb. Dabei saß er in einem alten, verrosteten Pick-Up und pfiff bei offenen Fenster seiner Schafherde. Sie trottete langsam und gemächlich hinter dem Fahrzeug her. Ist modern – Praktisch Schäfer 2.0. Ich dachte mir aber, wenn die Diesel-Abgase von den Schafen eingeschnauft werden, wird das auf Dauer auch die Fleischqualität mindern. Biobauern müssen also mit E-Autos vorausfahren, sonst ist es ja kein Bioflleisch mehr.
Noch was. Die Ziegen und Schafe sind so schreckhaft. Kaum nähern wir uns ihnen, nehmen sie Reißaus, als wäre der Metzger hinten ihnen her. Wir denken da an unseren Kubaurlaub vor genau einem Jahr. Hier sind die Schafe und Ziegen gelassen und eher neugierig. Andere Rassen oder nur die kubanische Gelassenheit. Das wäre mal eine Aufgabenstellung für eine Doktorarbeit in Biologie.

Weiter lustiges? Na ja, lustig vielleicht gerade nicht. Zumindest nicht für mich. Ich war ganz schön belastet heute. Es war wieder ein Biathlon-Trainingstag. Was hat Radurlaub mit Biathlon zu tun? Ganz einfach: Radfahren und Fotografieren. Ich würde sagen, dass ich im Biathlon eine ganz gute Figur machen würde. Da heute ein landschaftlich sooooooo toller Tag war gab es viel zu fotografieren und filmen. Dabei heißt es schnell das Rad abzulegen, den Rucksack abzuschnallen, die Kamera herauszuholen und ein paar (Schnapp-)schüsse abzufeuern. Anschließen Kamera wegpacken und gekonnt den Rucksack auf den Rücken bugsieren.  Das habe ich mit jahrelanger Übung sehr gut drauf. Ob Rucksack oder Gewehr, ich bin da sehr gut darin. Das braucht es auch, sonst ist Elke in der Zwischenzeit über alle Berge. Heute war wieder so ein Tag. Ich fotografierte heute so viel, dass mein Durchschnittspuls bergauf sicher höher lag als bei ihr. Elke wird zu Hause von Freunden und Bekannten immer bemitleidet, dass sie mit mir fahren muss. Dabei müsste ich Schulterklopfen bekommen. Auf jeden Fall würde ich beim Biathlon eine gute Figur machen. Zumindest beim Schultern des Gewehrs…..

So, Schluss für heute mit unserem Reisetagebuch. Morgen geht es weiter mit unseren Erlebnissen auf Kreta unter dem Motto „Ziegen und Oliven“ (beides gab es jetzt fast täglich zu Essen). In diesem Sinn: Kali Orexi (Guten Appetit)…

Ach, noch etwas lustiges: Wenn jemand eine Frau hat, die zu viel Schuhe oder Handtaschen kauft. Auf Kreta gibt es ein Zentrum zur Therapie für Kaufsüchtige…  siehe Bild…

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Vom Winde ins Kloster geweht…

Das war wieder ein erlebnisreicher Tag. Das können wir Euch sagen. Heute sind wir von unserem Appartement zu einer Tour ohne Gepäck gestartet Wir wollten zum östlichsten Punkt Kretas fahren und auf dem Weg noch ein paar Sehenswürdigkeiten ansehen.

Da wäre einmal der tolle Strand von Vai. Vai ist ein Naturwunder. Trotzdem die Umgebung nur aus karger Landschaft besteht, wachsen hier Palmen zu Hauf und man hat an dem malerischen Sandstrand Karibikfeeling. Wie immer bei solchen Highlights kam es in den letzten Jahrzehnten, wie es kommen musste. Erst waren es ein Geheimtipp bei Rucksachtouristen, dann kamen die Hippies und als dann nach einigen Jahren alles voller Müll war, wurde der größte Teil des Geländes zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Palmen wurden größtenteils eingezäunt. Das Baden ist gegen Eintritt erlaubt. Am Strand kann man sich damit immer noch unter Palmen sonnen. Es gibt zahlreich Parkplätze, ein Restaurant und einige Stände mit Getränke und Snacks. Zur Zeit ist natürlich kein Mensch da. Wir hatten den Strand heute für uns zum Fotografieren. (Leider kann ich kein Foto beisteuern, dass müsst Ihr im Internet finden. Ich habe alles mit meiner Videokamera festgehalten und die hat keine Möglichkeit, etwas auf das Handy zu übertragen. Aber keine Angst, bei den Best-of-Bildern ist sicher eines dabei von der idyllischen Bucht).

Wir sind dann weiter an den östlichsten Zipfel bei höllischen Wind gefahren. Puh, gerade, dass es einen nicht von der Straße wehte. Ganz am Ende waren wir dann nicht, weil die letzten paar Meter Militärgelände ist und das passieren und fotografieren verboten war.

Kreta musste sich an dieser Stelle schon oft vor Einflüssen aus dem Osten verteidigen. Bekannt wurde hierbei das Kloster Toplou. Es befindet sich ein paar Kilometer zurück an der nördlichen Küste. Hier hatten wir schon vor eine Schleife zu drehen. Also, wenn wir schon hier sind. In allen Reiseführern und Quellen steht geschrieben, dass der Name des Klosters von „Top“ für türkisch „Kanone“ abgeleitet wird. Das kretische Kloster hat also einen sozusagen türkischen Namen. Wir trafen doch vor einigen Tagen Konstantin, den pensionierten Reiseführer. Er behauptet, dass es doch ein griechisches Wort sei. Es wird zusammengesetzt aus „to“ für „Danke – Efaristo“ und einen Wort, das so viel heißt „schöner Blick“. Zusammen also „Dank für den schönen Blick“. Ich muss mal bei Gelegenheit recherchieren, was da stimmt. Auf jeden Fall stimmt, dass sich das Kloster mit dicken Mauern, einer Pechnase und schussbereiten Kanonen gut verteidigen konnte. Das klappte zwar nicht immer, aber doch meistens.

Über ein paar Hügel fuhren wir Richtung Kloster Toplou. Der Wind war so heftig, dass man sich zeitweise dagegen lehnen musste. Bergauf blies es uns manchmal eine leichte Steigung mit etwa 8 bis 10 km/h nach oben. Wir hatten Spaß uns aufzurichten und auszuprobieren, wer von uns weiter ohne treten kommt. Bergab mit Gegenwind mussten dagegen kleine Gänge herhalten. A bisserl nervig war es schon.

Wir freuten uns im Kloster ein schattiges Fleckchen gefunden zu haben. Hier wollten wir auch eine kleine Pause mit Brotzeit machen. Ein Mönch bat uns herein, die Kirche zu besichtigen. Wir meinten, dass wir nicht angemessen für einen Kirchenbesuch gekleidet seien. Er winkte und zeigte, dass das egal sei. Wir sahen uns den schönen Innenhof des Klosters an, das mit abertausenden von kleinen, runden Kieselsteinen gepflastert war. Die Kirche ist extrem alt. Ganz besonders stellt der Padre ein Bildnis heraus. Ein Gemälde von einem berühmten Maler, der dieses Werk 1770 geschaffen hat. Es zeigt auf einer Tafel von 1 x 1,5 Meter Größe 61 Szenen des alten und des neuen Testaments. Wir gehen viele durch, die wir erkennen und der Mönch hilft uns dabei. Schön ist es hier. Wir sind die einzigen Gäste. Das sind wir anscheinend überall, wo wir hinkommen. Gestern Abend hat der Wirt uns gesagt, dass wir bei ihm heuer die ersten Touristen sind. Wir haben die Saison eröffnet. Nach dem Essen haben wir noch ein Brot in einer Bäckerei gekauft. Der Verkäuferin ist schier das Handy aus der Hand gefallen. Sie hat noch etwas der Gegenstelle gesagt. Ich habe nur das Wort „Tourist“ versanden. Sozusagen: „ooooaaaaahhhhh ein Tourist, ich muss auflegen.“

Aber zurück zum Kloster Toplou. Der Pater nahm sich Zeit für uns. Wir spendeten noch etwas für die Kirche und gingen vor die Eingangspforte. Dort verspeisten wir die restlichen Oliven, Schafskäse, Zwiebeln und Paprika aus unseren Vorräten. Als Nachtisch eine Mandarine für jeden. Jetzt konnten wir fahren. Da bemerkte der Mönch, dass wir noch da sind. Er meinte, wir hätten uns doch drinnen im Kloster hinsetzen können. Wir sagten, wir seien ohnehin schon fertig für die Weiterfahrt. Er meinte, ob wir noch einen Kaffee wollen. Da sagten wir nicht nein und er führte uns in einen Raum in der Nähe der Eingangspforte. Drinnen weil Portraitfotos der bisherigen Äbte. Das ist aber nett, dachten wir. Und Kekse bat er uns gleich an. Er machte uns einen herrlich schmeckenden, griechischen Kaffee auf einem kleinen Gasherd. Dann setzten wir uns und wir kamen mehr und mehr zum Reden. Das erlebt man nicht alle Tage. Er ist 50 Jahre alt und ist einer von vier Mönchen, die noch hier sind. Das Kloster hat zwar nicht mehr so viele Geistliche, aber eine Menge Arbeiter. Sie bauen Wein an und keltern, brennen Raki und produzieren Olivenöl. Sie sind damit wirtschaftlich unabhängig. Irgendwie erinnerte mich das an das Kloster Andechs bei uns in Bayern. Toplou ist sozusagen das Andechs Kretas. Von dem Raki ließ er uns gleich probieren. Hui, einen Schnaps auf der Radltour. Na ja, einer geht schon. Elke erklärte ihm, dass man in Italien einen Kaffee Corretto macht. Espresso mit Grappa. Das ist eine gute Idee, meinte er. Gleich machte er sich auch einen Kaffee und kippte gut zwei „Stamperl“ Raki aus einer neutralen Plastikflasche in die Tasse. Jetzt beginnt bei den orthodoxen Christen bald die Fastenzeit. Da gibt es kein Fleisch und keine Milch mehr. Das wird vor allem den Hund treffen, der sich mittlerweile uns gesellte. Es ist sozusagen der Klosterhund. Er gehört der Köchin, die ihn zwar holen wollte, der aber lieber bei uns drei blieb. Das lag sicher an den Keksen, die auf dem Tisch standen.

Der Hund war süß. Es war ein Dablador oder ein Labradackel – eine Mischung von Labrador und Dackel. Der Kopf und Rumpf eindeutig ein Labrador, ausgestattet mit kurzen Beinen, dessen Pfoten nach außen zeigen, wie bei einem Dackel. Echt nett wie er uns brav ansah und nur mit seinem Gesichtsausdruck nach einem Keks bettelte. Der Pater hatte Erbarmen und gab ihm einen ab. Ist halt Nächstenliebe.

Wir sprachen über vieles. Seine Eltern arbeiteten bei Villeroy und Boch in Bonn. Er kennt sich in Deutschland ganz gut aus. Mit uns spricht er Englisch, den Rest erledigen bei ihm Hände und Füße. Er ist 50 Jahre alt und war bis vor zwei Jahren in einer orthodoxen Kirche in Israel, nähe des Toten Meers an der Jordanischen Grenze. Er ging kurz vor die Tür und spielte an seinem Handy. Dann bat er uns zu ihm zu kommen. Das WLAN reicht nicht hinter die dicken Klosterwände. Er zeigte uns einen Youtube-Video der Kirche in Israel, wie sie erbaut wurde und so weiter. Auch Mönche gehen mit der Zeit. Sein Herz liegt noch in Israel, berichtete er uns.

Um 17 Uhr begann die Messe und er musste noch einiges in der Kirche vorbereiten. Aber das war ihm gerade egal. So brachten wir den Nachmittag in einem orthodoxen Kloster zu. Wir erzählten von unserer Radreise auf Kreta und ich berichtete ihm, dass ich vor vielen Jahren eine Woche in einem orthodoxen Kloster in Rumänien zugebracht habe. Wir hätten noch viel miteinander reden können, aber dann ging sein Mitbruder gerade an der offenen Tür vorbei Richtung Kirche. Elke wies ihn darauf hin und er sah nach. Jetzt musste er sich doch verabschieden – die Arbeit rief. Ein paar Touristen sind gekommen. Sie brauchen einen Führung. Wir halfen ihm noch das Kaffeegeschirr und die Schnapsgläser abzuwaschen und verabschiedeten uns herzlich von dem sympathischen Mann. Am liebsten hätte er uns noch gedrückt. Aber sein beidhändiger Händedruck allein, zeigte wie er unsere Gesellschaft genoss. Wenn wir noch länger hier wären, könnten wir zu einer öffentlichen Messe kommen. Aber das ist erst in zwei Wochen. Schade.

Um kurz vor fünf machten wir uns auf die Weiterfahrt. Was wir heute wieder erlebt haben finden wir echt schön. Irgendwie sind wir vielen Menschen, denen wir begegnen einfach sympathisch. Vielleicht liegt es auch an unserer Art mit dem Fahrrad zu reisen und für solche Momente auch Zeit zu haben und uns diese auch zu nehmen. Egal, wir kommen uns manchmal vor wie Franz Xaver Gernstl bei seiner Fernsehserie „Gernstl unterwegs“.

Die 10 Kilometer bis nach Hause waren dann noch arbeitsreich. Ich wollte keinen Wind mehr!!!!!! Nicht mal Rückenwind. Ich hatte  den Wind über. Das versteht man aber erst, wenn man mit 10 km/h bergab im kleinen Gang fährt und der Puls schon die 140 überschreitet. Dazu bekommt man noch Krämpfe an den Händen, weil man den Lenker so festhält. Das ist auch wichtig, denn der Wind erfasste einen von Sekunde zu Sekunde von einer anderen Richtung mit vielen Böen, dass man Schlangenlinien fuhr. Und das lag nicht am Raki….

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Wettlauf mit dem Wetter

Dieses Mal berichte ich von wenig lexikonverdächtigen Dingen. Heute gab es einen Wettlauf mit dem Wetter. Wir wussten bereits davon. Ich schrieb gestern nur nicht darüber. Warum schon Probleme sehen, wenn man noch nicht ausgeschlafen ist.

Der Wetterbericht für diesen Tag war aber wirklich ziemlich schlecht. Sogar die Karnevalsparade in Palekastron wurde um eine Stunde am Nachmittag vorverlegt. Kam der Wind gestern extrem von Osten sollte er heute von Westen kommen und Regen mitbringen. Ein Mitbringsel, auf das wir gerne verzichten konnten. Aber dem Land, der Natur und den Menschen würde es gut tun. Viele Einheimische haben uns schon geklagt, dass es diesen Winter im Osten Kretas nur fünf bis sieben Tage geregnet hat. Ab Mail fällt dann kein Tropfen mehr. Trinkwasser ist noch vorhanden. Aber das Wasser für die Landwirtschaft wird diesen Sommer knapp. Der wichtigste Wirtschaftszweig, der Olivenanbau, könnte heuer ein großes Problem bekommen. Wir wünschen den Kretern viel Regen, aber am besten in der Nacht und wenn wir nicht gerade auf dem Rad sitzen. Gestern Abend gab es zwei Optionen für den heutigen Tag. Erstens: 20 Kilometer weiter fahren in den nächsten Ort, wenn der Regen schnell und vor Mittag eintrifft. Oder zweitens: 75 Kilometer fahren mit 1500 Höhenmeter. Dort wäre der nächste Ort mit einer Übernachtungsmöglichkeit. Dazwischen befindet sich eine herrliche Bergstraße, aber sonst nichts. Da war das Risiko groß, dass uns der Regen unterwegs erwischt.
Und noch ein weiteres. Wenn der Wind tatsächlich von Westen kommt und so stark wäre wie am Vortag. Dann hätten wir keine Chance, die 75 Kilometer zu schaffen. 

Am Morgen war der Himmel schon überzogen und etwas dunkel. Der Wind kam noch von Osten. Wir beschlossen, die lange Alternative zu machen. Risiko. Ein bisserl unwägbar und spannend darf es schon sein im Urlaub. Wir wollten so weit mit dem Rückenwind kommen, wie es geht. Den Rest müssten wir einfach durchdrücken. Die 20-Kilometer-Option für diesen Tag wäre ja etwas für Weicheier gewesen.

Wir kamen gut voran. Die Höhenmeter sprudelten nur so. Und damit es nicht zu spannend zum Lesen ist…., wir haben bis Kilometer 60 gut gearbeitet. Dafür mussten Fotopausen sonstiges Anhalten vermieden werden. Dann drehte der Wind und wir bekamen ihn von vorne zu spüren. Die Wolken wurden immer dunkler. Das Wetter brach zusammen. Mit Sonnenbrille vor den Augen war es fast wie in der Nacht.

Mit Donnergrollen kamen wir in Istra, unserem Zielort an. Das war knapp. Bald darauf schepperten dicke Tropfen auf das Vordach. Und unter unserem Vermieter befindet sich ein Restaurant. Die Welt war gerettet. Aus den großen Tropfen wurde kurz darauf ein Wolkenbruch, der mehrere Stunden andauerte.

Und kaum hat man die ein Etappe gemeistert, fragt sich: was machen wir morgen und wohin führt uns der Weg? Das hängt natürlich vom Wetter ab und wann es zu Regen aufhört. Wenn es am Morgen schon schön ist, wechseln wir mit 65 Kilometer und 1400 Höhenmeter auf die Südseite Kretas. Von meinem daheim überlegten Plan haben wir uns schon längst verabschiedet. Aber das macht nichts. Dafür sind wir frei und könnten auch einen weiteren Tag hier in Istro bleiben, falls es sich einregnet.

Im Restaurant bestellten wir am dritten Abend in Folge gegrilltes Lamm. Es schmeckt uns einfach. Auch hier wurde es schmackhaft zubereitet. Morgen könnte sich es schon wieder essen, wenn mich jemand fragt. Irgendwann werden uns noch Schafshörner wachsen.
Dazu gab es gekochten Vlita. Das wird vermutlich keinem etwas sagen. Daher nachfolgend die Erklärung. Gleich vorweg. Es hat uns herrlich mit Zitronensaft, Olivenöl und Salz geschmeckt. Ein kretischer Leckerbissen.

Vlita ist eine griechische Gemüsesorte und in Deutschland bislang nahezu unbekannt, während sie sich in Griechenland größter Beliebtheit erfreut. Es handelt sich dabei um ein spinatähnliches Gemüse, das gekocht als Salat mit Essig, Öl und Kräutern verfeinert, aber auch als Gemüse ein kulinarischer Hochgenuss ist. Bei Vlita handelt es sich laut einer Analyse der Botanischen Gärten der Universität Bonn um eine Pflanze der Gattung Amaranthus blitum. Es ist eine alte Gemüsepflanze, die im Mittelmeergebiet angebaut wird. Die deutschen Namen dafür lauten Küchenamaranth, Gemüseamaranth oder chinesischer Spinat. Der Gattungsname Amaranthus geht auf das griechische “amarantos” (dt. unverwelkllich) zurück. Die Pflanze galt im antiken Griechenland als Symbol der Unsterblichkeit und wurde als Heiligtum der Artemis verehrt.
So ein tolles Essen hatten wir da. Da wird die morgige Etappe ja ein Kinderspiel…..

Ach ja, wie kommen eigentlich die ganzen Berichte zu Stande? Ich habe eine kleine Tastatur dabei. Beim Radfahren muss alles klein und leicht sein. Ein Laptop wäre doch etwas zu sperrig mitzunehmen. Als Bildschirm fungiert mein Handy. Das geht nur noch so lange gut, wie ich auf die Nähe gut sehe. Die Buchstaben sind beinah besser mit einem Mikroskop zu lesen. Aber das kann man auf dem beigefügten Bild vermutlich sehen. Dazu gibt es Fruchtsaft und vergorener Traubensaft. Der Wein ist vom Vermieter selbst gemacht!
Also dann. 

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Von Nord nach Süd in die Fastenzeit

Heute war ein besonderer Tag. Es war Rosenmontag. Es ist der erste Tag nach dem Karneval und der erste Tag der 49-tägigen Fastenzeit. Alles ist ein wenig anders als bei uns Katholiken und Evangelischen, aber es ist vergleichbar mit dem Aschermittwoch. Die Einheimischen haben uns erzählt, dass es nur noch die Älteren auf dem Land mit dem Fasten ernst nehmen. Na ja, auch wie bei uns. Irgendwie sind wir doch alle gleich. In der Fastenzeit wird auf Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse und noch ein paar Sachen verzichtet. Heute am Rosenmontag, dem ersten Tag der Fastenzeit gibt es immer noch etwas besonderes, bevor die Zeit der Entbehrung wirklich beginnt. Es wird an diesem Tag nur Fisch, ungesäuertes Brot und Chalva, ein Gebäck aus Honig und Sesam, gegessen.
Nach der Fastenzeit ist bei den Orthodoxen Christen auch Ostern. Es ist das wichtigste Fest bei den Griechen. Warum wird Fastenzeit und Ostern in Griechenland zu einem anderen Zeitpunkt gefeiert, wie bei uns in Deutschland? Da liegt an der Berechnung des Ostertermins. Im griechisch-orthodoxen Kirchenjahr wird nach dem Julianischen Kalender gerechnet, bei uns nach dem Gregorianischen Kalender aus dem 16. Jahrhundert. So ergeben sich für fast alle Feste unterschiedliche Termine. Ist ganz gut, denn der Osterhase kann die Eier nicht für alle am gleichen Ostersonntag verstecken. Sonst überarbeitet er sich noch.

Ein wenig machen wir mit der Fastenzeit mit und haben uns am Morgen in einer Bäckerei ungesäuertes Brot und ein Brot mit Chalva gekauft. Das erste Brot war mit Olivenöl und Olivenstücken gebacken.

Der Wetterbericht für diesen Tag war ganz schön mies. Für den Süden sagte er noch mehr Regen an als für die Nordseite der Insel, an der wir uns noch befanden. Im Norden sollte es aber auch regnen. Unser Vermieter meinte, dass es im Süden generell etwas günstiger sei mit den Niederschlägen. Außerdem waren hier weniger Wolken zu sehen. Im Internet war die Prognose umgekehrt. Was tun? Wir entschieden uns in den Süden zu fahren. Über kleine Bergstraßen durch abgelegene Dörfer und mit etwa 1000 Höhenmeter Aufstieg wollten wir fahren. Im Süden werden wir schon etwas zum Übernachten finden. In Mirtos, dem Ort, in dem wir vor 5 Tagen waren, könnten wir auf jeden Fall landen.

Es ging gut voran. Wir scheinen uns an die Etappen gewöhnt zu haben. Nicht einmal das Sitzfleisch jammert nach 10 Tagen. Wir machen das vermutlich schon zu viele Jahre. Nur bei schnellen Antritten jammern die Oberschenkerl ganz übel. Aber das wäre auch nicht anders zu erwarten. Wenn das nicht wäre, könnte ich noch bei der Tour de France anheuern.

Ort um Ort, Höhenmeter um Höhenmeter vergingen und die tief hängenden, dunklen Wolken, waren immer um uns herum, luden aber ihre Fracht nicht über uns ab. Wir waren schon fast am höchsten Punkt der Etappe, da überraschte uns doch unvermittelt ein Platzregen. Gut, dass in Griechenland allerhand Neubauten angefangen und nicht zu Ende gebaut werden. In so einen Rohbau flüchteten wir vor dem Regen. Da gab's erst mal Brotzeit. Der Wind war lausig kalt, aber beim Essen wird einem schnell wieder warm. Die am Morgen gekauften Brote schmeckten herrlich. Wir gönnten uns noch Käse und Oliven dazu. Fastenzeit gilt nicht so streng während der Radltouren haben wir beschlossen.

Von der Straße waren wir gut einsehbar. Einige Dorfbewohner des Ortes Anatoli winkten uns zu. Einer hielt sogar an und meinte, dass in einer Stunde eine Feier in der örtlichen Schule stattfindet. Er sah aus wie ein Lehrer. Sie feiern ein Fest anlässlich des Rosenmontags. Wir wären herzlich eingeladen.

Die Einladung hätten wir gerne angenommen, wenn uns nicht der Regen so im Nacken sitzen würde. Schade, aber wir müssen weiter. Gerade weil sich eine Wolkenlücke auftat, im Nu unsere Sachen trockneten und die Straßen wieder halbwegs spritzfrei waren.

Eigentlich wollen wir noch etwas weiter in die Berge fahren. Aber noch ein paar hundert Metern fing es schon wieder an zu Regnen. Wir entschlossen uns, eine andere Straße in die Gegenrichtung zu nehmen. Sie führte uns direkt zum Meer. In der Abfahrt flohen wir sozusagen von dem Regen. Anschließend waren wir zwar unten, aber die dunklen Wollen kamen trotzdem näher. Der nächste Ort, ungefähr 10 Kilometer weiter westlich gegen den Wind, war Mirtos. Dort kamen wir bei nur leichtem Regen an uns wurden von der Wirtin gleich wieder erkannt und herzlich begrüßt.

Wir freuten und auf das Abendessen. In der Taverne der Wirtsleute erwartete uns eine für diesen Tag typisch, kretische Empfehlung. Salat von Parpules. Das ist eine besondere Art von Wildsalat. Bei uns ist er nicht bekannt und im Google haben wir ihn auch nicht gefunden. Aber geschmeckt hat er herrlich. Dazu gab es eine weitere Vorspeise: Fava. Das ist ein Püree aus gelben Bohnen mit Olivenöl gemischt und mit ein paar Lauchzwiebeln verziert.
Auch wenn wir nicht zum Fasten hier sind, passten wir unsere Bestellung für das Hauptgericht dem Anlass an. Fisch ist auch mal gut. Wir können ja nicht jeden Tag Lamm essen. Die Wirtin empfahl Tintenfisch, den sie in einer speziellen Anissoße zubereitet. Als weitere Idee Marides. Das sind kleine, maximal fingerlange Fischlein, die frittiert werden. Beides war und recht. Und es schmeckte wieder super. Die Teller haben wir mit Brot abgewischt. Die Küchenhilfen mussten aufpassen, dass sie die Teller nicht gleich wieder so in den Schrank stellen. Die Fischlein wurden nur am Bauch aufgeschlitzt und die Hauptgräte entfernt. Dann wird der Kamerad komplett gegessen, inklusive Kopf. Klingt komisch, ist aber wirklich zu empfehlen. Die Wirtin freute sich sehr über unseren Appetit und dass wir wiedergekommen sind. Es macht den Gastgebern doch auch Freude, wenn sie merken, dass es den Gästen schmeckt und gefällt.

So, jetzt haben wir wieder genug vom Essen geschwärmt. Dieser Tag endet zufrieden. Morgen geht es die Küste entlang nach Westen. Mal sehen wie weit wir kommen. Was sich so einfach anhört, kann unter Umständen doch anstrengend werden. Manche Abschnitte sind nicht geteert und eben dahin geht sicher auch nicht immer. Aber das wollen wir ja auch nicht, oder?

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Auf der Suche nach Straßengut

Heute war ein Ruhetag. Wir sind nur 45 Kilometer an der Küste entlang gefahren. Dabei waren es nur 680 Höhenmeter. Und zur Feier des (Ruhe-)tages haben wir den Puls nicht über 140 bewegt. In der Trainingslehre spricht man von aktiver Erholung. Das mag komisch klingen, ich weiß. Aber es ging wirklich locker von der Kurbel. Und bei dem Anblick der Wellen, die an den Strand tosen, bei der Sonne die das Meer in vielen Blautönen erleuchtet, bei den vielen Früchten und Blumen, die am Straßenrand zu sehen waren, bei den kurzen Abfahrten hinunter zum Meer, bei all dem gibt es keine Anstrengung, sondern nur stundenlange Leichtigkeit.

Diese Küstenstraße von Mirtos nach Tsoutsouros ist kaum bekannt, touristisch so gut wie nicht erschlossen und damit ideal für uns gewesen. Uns sind fast keine Autos begegnet. Nur hin und wieder ein Pick-Up, dessen Fahrer landwirtschaftliche Erzeugnisse zum Markt brachte. Und wir haben wieder allerhand Straßengut gefunden. Auf der Straße lagen zwei riesige Orangen. Tut mir leid, wenn der Ast des Baumes, an dem sie hingen in die Straße reicht….. da fällt es sozusagen uns in die Hände. Auch eine Zitrone, die so groß war, wie eine mächtige Orange lag einfach so da. Die verspeisten wir  gleich an Ort und Stelle. Sie war gar nicht so sauer wie erwartet.
An einer anderen Stelle sahen wir einen schönen Mandelbaum, der noch eine ganze Menge fertige Nüsse trug. Das war dann eher ein Grenzfall. Straßengut (zur Erklärung lesen sie in den Tagen zuvor, oder kurz: Straßengut ist erlaubt aufzuheben wie Strandgut – so zumindest unsere Rechtsinterpretation) war das nicht mehr ganz. Eher Leitplankengut – aber kein verbotenes Gartengut. Von den Mandeln ernteten wir zwei Hände voll. Die hingen da schon viele Wochen. Das wäre ja schade drum. Und Nussknacker brauchen wir auch keinen. Die metallenen Schuhplatten unserer Radschuhe, um in die Klickpedale einzurasten, erweisen sich als hilfreiche Nussöffner.

Es wurde heute ein herrliches Mittagessen auf einer Bank am Meer mit Orangen, Mandeln und ein paar gekauften Leckereien aus der Bäckerei. Dazu Käse und Oliven (wie jeden Tag). Sie hängen uns noch nicht zu den Ohren heraus. Leberkässemmel könnte ich auch jeden Tag essen. Ob das Elkes Papa Hartmut auch bestätigen würde? Na ja, das mit der Leberkässemmel vielleicht. Bei Schafskäse und dem vielen Lammfleisch in den vergangenen Tagen wäre ich mir da nicht so sicher…. ?
Wir hatten schon eine ganze Menge Orangen im Gepäck. Zwei schenkte uns gestern die Nachbarin unseres Zimmervermieters. Frisch gepflückt aus ihrem Garten. Ist das nicht nett. Die Menschen hier mögen uns. Das haben wir schon oft festgestellt.

Morgen fahren wir in die Berge des Diktigebirges. Dort waren wir vor zwei Jahren in einer schönen Unterkunft. Diese werden zwei Tage genießen und einen Tag ohne Gepäck in die Berge fahren. Mal sehen, ob es da geschneit hat. Heute erhaschten wir durch die flauschigen, weißen Haufenwolken einen Blick, bei dem man sich gleich ein paar Ärmlinge überziehen wollte. Oben sah man frischen Schnee. Nicht nur zu Hause in Deutschland gibt es diesen.

So, der Text bis jetzt entstand nach der Radltour und noch vor dem Essen. Jetzt haben wir gegessen und es gibt noch weiteres zu berichten.
In unserem Nest hat nur eine Taverne offen. Die Gaststätte heißt „Zorbas“. Da sie am anderen Ende des Ortes liegt, mussten wir einen gut einen Kilometer gehen. Das machte uns gar nichts aus. Aber der Ort war gespenstisch ruhig. Man fühlte sich wie Will Smith in „I´m Legend“, wie er alleine nach einer Apokalypse in New York lebt. Gut, so groß ist Tsoutsouros nicht, aber es fühlte sich schon komisch an. „Da, ein Auto! Jemand lebendiges.“ Immerhin, ein kleiner Supermarkt hatte offen und wir konnten uns mit Wasser für morgen eindecken. Die Taverne war dunkel, aber Musik drang heraus. Wir wurden vom Wirt uns einem einzelnen Gast empfangen. Essen könnten wir. Das ist schon mal gut. Der Wirt, er heißt Kostas, erzählte uns, was er uns zubereiten kann. Lamm war dabei. Das nahmen wir. Die Wahl fiel uns leicht. Ich glaube, wenn wir nach Hause fliegen, haben wir mehr als ein Schaaf verzehrt. Dazu haben wir uns griechischen Salat und Tsatsiki als Vorspeise servieren lassen.
Das ganze kam schön angerichtet und wie immer schmackhaft. Nach dem Essen kamen wir mit Kostas schnell ins Gespräch. Er ist 61 Jahre alt und führt die Taverne als Familienbetrieb. Im Ort sind hauptsächlich griechische Touristen. Seltener verläuft sich ein ausländischer Tourist hier. Er betrachtet seinen Beruf als Passion und das meint er ehrlich, wie man seinem Gesichtsausdruck entnehmen kann. Er besitzt auch einen Olivenhain. Ich glaube jeder Kreter hat Oliven im Garten. Lauter „Olivenheinis“, um mit Wortwitzen weiterzumachen.
Die Oliven lässt er in der örtlichen Ölmühle verarbeiten und nimmt sie für sein Restaurant. Uns schenkte er eine kleines Fläschchen als Andenken. Außerdem war er heute in den umliegenden Hügeln unterwegs und hat Orangen von einem Baum mitgebracht, der nicht geerntet wird. Frei aus der Natur ohne Kunstdünger und Spritzmittel. Als er von unserer morgigen Radtour hörte, schenkte er uns 4 Stück und eine zum sofort essen. Das ist aber nett. Der Name seines Restaurants, Zorbas, führt auf seinen Spitznamen zurück. Seine Freunde meinen, dass er eine ähnliche Lebensfreude und Lockerheit besitzt, wie die Figur in dem oskargekrönten Film „Alexis Zorbas“. Mag sein, aber er arbeitet auch viel. Von dem kann man ausgehen, wenn man so ein großes Lokal führt.
Das Lokal ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man auf Kreta ist.

Als ich ihm auf der Karte von unserer morgigen Tour im Detail berichtete, meinte er, dass wir uns den Anfang ganz schön heftig gewählt haben. Dass es die ersten 10 Kilometer über eine grobe Schotterpiste bergauf geht, wissen wir. Er meinte aber, die ersten zwei Kilometer wird es ganz schön heftig werden. Gut, dass wir es schon jetzt wissen….. und wir haben genügend Orangen dabei um über den Berg zu kommen…. 

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Fast unter die Räder gekommen – oder das große Frieren

Puh, das war ein Tag. Es begann mit einem sonnigen Morgen in Tsoutsouros. Auf dem Balkon machten wir ein Frühstück. Es gab Joghurt mit Honig und ein wenig trockenes Brot. Das hätte reichen müssen. Unterwegs können wir ja noch etwas einkaufen.

Der Vermieter war sehr freundlich. Er hatte Angst, dass wir mit Karte zahlen möchten. Das geht gerade nicht. Deutsch und Englisch kann er nicht gut. Es kommen eigentlich nur Griechen zu ihm. Da hat er eine Freundin in Deutschland angerufen, die ihm übersetzt hat. Alles war kein Problem. Wir hätten ohnehin in bar bezahlt.

Für den ersten Anstieg haben wir uns etwas besonderes einfallen lassen. Gleich in der Nähe unserer Unterkunft begann eine Schotterpiste, die über 10 Kilometer zu einer Hauptstraße führte. Kostas, der Wirt von gestern, hat und schon gewarnt. Es sei auf den ersten zwei Kilometer richtig heftig, dann wird es besser.
Zwei Kilometer sind ja ein Klaks. Zu unserem Zielort in Kato Asites sind es 65 Kilometer. Zu Beginn war es wirklich richtig steil und extrem ruppig. Die Straße lässt sich nur mit einem Jeep bewältigen. Ich wollte die Szene mehrfach filmen, aber bei den Dreharbeiten kam ich meistens mit meinem Rad aus dem Gleichgewicht und die Aufnahme wurde nichts. Ich war schon etwas genervt. Aber lang konnte es ja nicht dauern.
Tatsächlich wurde es nach zwei Kilometer weniger steil und der Untergrund wurde besser. Der Anstieg windete sich viele hundert Höhenmeter in einsamer Berglandschaft nach oben. Das war schon idyllisch. Aber zum einen war es lausig kalt. 10 bis 12 Grad und kalter Gegenwind – das ist nicht sonderlich kuschelig. Zum anderen kamen wir nur schleppend voran. Fotopausen versuchte ich zu vermeiden. Oder ich ließ Elke weiterfahren, damit wir keine Zeit auf der Strecke ließen. Ich sprintete dann wieder hinterher. Einmal, als wir tatsächlich gemeinsam anhielten, kam ein Schäfer mit seinem Pick-Up und hielt bei uns. Er fragte, ob wir eine Panne hätten und woher wir kommen. Als wir sagten: „Aus Deutschland nähe München“ grinste er und sagte, dass er dort schon mal war und uns alles gute für die Weiterfahrt wünsche.
Die 10 Kilometer Schotterpiste ging es nur bergauf. 700 Höhenmeter kamen zusammen und wir brauchten für die Strecke über 1,5 Stunden. Das sollte trotz großer Anstrengung kein guter Schnitt heute werden.

Oben angekommen ging es erst mal richtig auf der gleichen Piste nach unten. Ich konnte nicht schnell fahren, weil die Finger und Füße so kalt wurden. Ich bin halt eine richtige Frostbeule. Hitze kann ich gut, mit Kälte weniger. Aber auch eine weitere Jacke half nichts. Nach 300 Höhenmeter Abfahrt erreichten wir nach zwei Stunden einen Ort. Es war schon Mittag und wir hatten erst 15 Kilometer geschafft. Den Schnitt kann man sich selbst ausrechnen. Das sollte ein langer Tag werden. Das war klar.
Eine längere Essenspause wollten wir gar nicht machen. Wir wären auf den Sitzgelegenheiten festgefroren. Also gab's eine Handvoll Kekse und weiter ging es. Durch kilometerlange Olivenplantagen verlief unser Weiterweg nun leicht bergauf. Wir hatten uns schon lange Hosen und eine weitere Jacke angezogen und immer noch wollten wir nicht warm werden, geschweige denn schwitzen. Der Himmel war überzogen mit dunklen Wolken. Eine lange Zeit nieselte es. Ungemütlich ist zu harmlos ausgedrückt. Schnell war es 14 Uhr und wir waren erst 30 Kilometer weit gekommen. So wird das nie was. Klar wussten wir, dass wir irgendwann ankommen werden. Aber motivierend war das Ganze nicht. Durch die Sonnenbrille war es dunkel wie am frühen Abend. Der eiskalte Wind ließ einen durch und durch frieren. Wenn es dann doch mal etwas steiler wurde, spürte man, dass man schwitzte aber nicht durchwärmte. Aber in der nächsten Abfahrt fror man noch mehr. Ich spar mir weiteres. Vom Erzählen bekomme ich schon wieder Gänsehaut.

Mehr im Landesinneren nahm die Population der Hunde zu. In jedem Ort, den wir durchfuhren, hörte man nur Gekläffe. Als Einwohner ohne Hund benötigt man sich einen guten Psychiater. Manche Köter sind nur lebende Türklingeln. Sobald man sich einem Grundstück nähert, kläffen sie wie verrückt. Manche üben vielleicht im zweiten Bildungsweg, um sich als Schäferhund ausbilden zu lassen. Das Vordiplom Haus und Hof zu verteidigen machten sie bereits gut. Im Verlauf unseres bisherigen Urlaubs war das nicht so auffällig. Hier in dieser Gegend scheint die Hundeerziehung etwas vernachlässigt worden zu sein. Die Hunde können nichts dafür. Die Besitzer machen die Tiere zu den Bestien.

Irgendwo rollte ich gerade voraus. Es ging leicht bergab. Da kam Elke von hinten angesaust und rief mir nur zu: „Gib Gas!“. Ich verstand gleich. Es konnte sich nur um eine Hundeflucht handeln. Ich legte gleich einen höheren Gang ein und trat in die Pedale. Ein Blick zurück bestätigte meine Annahme. Ein Schäfer-Irgendwas-Mischling rannte mit fletschenden Zähnen und dunklen Blick hinter uns her. Er sah nicht streichelfähig aus. Die Luft sparte er zum Laufen und bellte nicht. Wie hinterhältig. Und er nahm ernst beim zweiten Radler, in diesem Fall Elke, die Verfolgung auf. Wie hinterhältig. Uns ist das schon mehrfach aufgefallen und wir denken, dass davon der Spruch „Den letzten beißen die Hunde“ herrührt.
Aber zurück zu unserer Flucht. Der Hund holte auf. Wir beschleunigten auf 25, 30 und weiter auf fast 40 km/h. Das Biest kam immer noch näher. Mann, ist der schnell. Dann, ein schneeweißes Huhn lief von rechts über die Straße. Nein! Stopp! Da ist doch kein „Hühnerstreifen“ zum Überqueren. Wir können jetzt nicht bremsen. Ich lag leicht hinter Elke, da sie den höheren Anfangsspeed hatte. Ich dachte: „Oh, das geht nicht gut aus. Das Huhn rast genau zwischen ihr Vorder- und Hinterrad. Das gibt einen Unfall mit Hühnerschaden.“ Im letzten Moment bemerkte das Huhn die nahende Gefahr, spreizte die Hühnerbeine in die Straße, schlitterte dabei etwas über den Teer und landete auf den Hosenboden. Das war noch mal gut gegangen. Doch nein, was machte sie jetzt. Sie wollte zurück. Da kam doch ich gerade mit gut 40 Sachen daher. Der Hund war immer noch da. Ich konnte auf keinen Fall bremsen. Die Hühnerkrallen suchten nach Traktion. Gut, dass der Teer so glatt war. Das Huhn konnte nicht so beschleunigen und ich schoss an ihr rechts vorbei. Die wäre fast unter die (Fahr-)räder gekommen. Das ganze sah aus wie eine Szene aus dem Comic „Roadrunner“. Unser Wirt hätte geschaut, wenn wir mit einem toten Huhn angekommen wären und ihn gebeten hätten, es zuzubereiten. Nach unserer Denke würde es auch zum Straßengut zählen. Allerdings hätten wir erst warten müssen, bis der Hund zu seinem Grundstück zurückgelaufen wäre, bevor wir es hätten holen können.
Ach ja, der Hund, der war immer noch da und erst nach nochmaliger Beschleunigung sah er, dass er keine Chance hatte und ließ von uns ab. Das war auch gut gegangen.

Im weiteren Verlauf der Tour ging es noch viel bergauf. Ich rechnete für den Tag mit etwas 1500 Höhenmeter, wovon wir mehr als ein Drittel sehr hart über den ruppigen Schotterweg erarbeiten mussten. Das, die Kälte, der Gegenwind und die düstere Stimmung durch die dunklen Wolken machten es ganz schön hart. Aber wie sagt man: wenn es hart wir, dann fängt das Training erst an. Und es wurde noch härter. Die 1500 Höhenmeter waren schon längst rum, da bäumte sich noch ein Anstieg mit 20 % Steigung 200 Höhenmeter nach oben auf. Als wir bei unserem Ziel ankamen waren 1850 Höhenmeter auf der Uhr und wir doch zufrieden. 

Weg von den Heldengeschichten der Frostbeulen. Jetzt waren wir in Kato Asites, unserem Zielort angekommen. Von Nikos, den wir schon vor zwei Jahren aufgesucht hatten, wurden wir bereits erwartet. Eine vorgewärmte, geräumige Wohnung wartete auf uns. Das war wie ein Geschenk. Dass man sich so über eine warme Bleibe freuen konnte, war mir noch selten so bewusst. 

Nach einer gepflegten Dusche ging es mit Bärenhunger zum Restaurant von Nikos. Wir wählten zwei Portionen grünen Salat. Wieder waren Salate dabei, die es bei uns nicht gibt. Der vor einigen Tagen erwähnte Parpules, dann Stamnagathi, Rukula und noch ein paar leckere Wildsalate, die es nur auf Kreta gibt. Als weitere Vorspeise nahmen wir Fava.
Fava ist ein ganz bekanntes, kretisches Gericht. Ein Püree aus Bohnen mit Olivenöl und Zwiebeln. Wenn man es googelt, kommt man auf eine Menge Rezepte, die entweder Saubohnen oder Kichererbsen oder Linsen als Grundlage verwenden. Alles ist falsch. Original wird Fava aus Favabohnen hergestellt. Das sind eigentlich Erbsen, die etwas linsenförmig geformt sind. Sie sind nur hier in Kreta zu bekommen. Da müssen wir gleich ein paar Kilo einkaufen. Im Radlkarton haben wir auch kein Problem mit den Gewichtsbeschränkungen. Schlau, gell….

Ach ja, das Hauptgericht. Vielleicht kann sich der Leser denken, was wir gewählt haben. Natürlich, es war Lamm mit Kartoffeln…. Es schmeckt uns einfach.

In die Gaststube kamen noch ein paar Einheimische. Einer von ihnen fragte uns, woher wir sind. Aus Deutschland. Da ist er geboren und war bis zu seinem 10. Lebensjahr dort. Er spricht noch gut Deutsch. Sein kleiner Sohn fragte ihn gleich: „Wieso sprichst du so komisch“. Ja, Deutsch hat er ihn noch nicht sprechen gehört. Ein weiterer Gast ist Holzschnitzer. Er hat gerade zwei Löffel aus Olivenholz herausgearbeitet. Er schenkte sie uns. Wie nett. Wieder so ein schönes Erlebnis.

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Windschatten und Fava

Diesen Vormittag haben wir nach der harten Tour vom Vortag mit Ausschlafen und einem ausgedehnten Frühstück verwendet. Draußen war es bitterkalt und wir hatten eigentlich gar keine Lust mehr zum Radfahren. Gegen Mittag sind wir doch noch zu einer kleinen Etappe aufgebrochen. Wir wollten Fava kaufen. Die kleinen Erbsen, von denen wir am Vortag berichtet haben. In einem kleinen Kramerladen schaufelte der Besitzer zwei Kilo in ein Säckchen (der Radkarton wird bei der Heimfahrt nun etwas mehr wiegen…). Jetzt können wir Fava auch zu Hause machen. Das dazugehörige Olivenöl (1 l) fahren wir schon seit gut einer Woche mit (das ist gut für das Training).

Vor dem Laden hat der Besitzer eine Menge Obst, Gemüse und Salate aufgestellt. Wir sahen unseren geschätzten Papules-Salat. Auch eine Menge anderer Wildkräuter. Elke fragte den Verkäufer, was da sonst noch so alles für den Salat oder zum Kochen verwendet wird. Einige der Namen sagten uns nichts. Nur Spinat war eindeutig. Und Anis haben wir beim Namen erkannt. Aniskraut hatten wir schon vor einigen Tagen in der Soße zum Tintenfisch. Es sieht aus wie Fenchelkraut oder Dill. Aber die Soße schmeckte eindeutig nach Anis. Das können wir bestätigen. Und weil der Ladenbesitzer sich gefreut hat, dass wir so viel Interesse für die kretischen Gartengewächse haben, schenkte er uns zwei Bund Parpules. Wie schön. Wir sind wieder erstaunt, was wir alles schon mit Herzlichkeit geschenkt bekommen haben. Morgen kaufe ich ihm noch ein paar Liter Olivenöl ab. Das habe ich mir vorgenommen. Und eine Zitrone zum Anmachen haben wir am Vortag wieder als „Straßengut“ aufgelesen. 

Auf dem Weiterweg trafen wir  noch einen Mann, der mit einem Messer in der Wiese irgendwelche Pflanzen abschnitt. An seinem Motorrad hing schon eine Tüte mit Grünzeug. Wir hielten und fragten, was er da sammelt. Die Blätter nennen sie „Radico“. Sie sehen aus wie Löwenzahn, nur ist die Spitze etwas runder. Auch hatten die Blätter etwas leicht pelziges auf der Oberseite. Man kann es für Salat verwenden oder auch kochen wie Stamnagathi (auch erwähnt in den letzten Berichten). Allerdings findet man im Internet wieder nichts darüber. Ist eben sehr lokal. So, jetzt wussten wir das auch. Die Gartenkundestunde war für diesen Tag beendet. 

Auf der Tour gab es noch einigen Kontakt mit Hunden. Jeder zweite Garten hat ein paar davon. Viele brav, einige wie verrückt gewordene Wachhunde. Schade, weil man die Fahrt manchenorts gar nicht so genießen kann. Man fährt und scannt mit geschulten Blick, ob Gartentore offen stehen, Hunde an der Kette hängen oder eben nicht. Ein wenig wie der Sherriff, die durch die Westernstadt reitet und hinter jedem Fenster einen Gangster vermutet. 

Das Wetter besserte sich im Laufe der Tour und so konnten wir am Nachmittag noch etwas die Sonne genießen. 35 Kilometer und 700 Höhenmeter kamen doch zusammen. Praktisch ein richtiger Ruhetag. Elke bereitete uns den Parpules-Salat. Das war der Appetitanreger für das Abendessen….

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Von den Bergen in die Stadt

Letzte Etappe. Es ging vom Land in die Stadt. Eine Schlussabfahrt von 30 Kilometern. Klingt nach Belohnung. Wenn nicht der kalte Wind gewesen wäre. Und doch machte es richtig Spaß die letzten Kilometer in diesem Urlaub einfach rollen zu lassen (bis auf die Gegenanstiege natürlich).

Wir sahen uns noch ein wenig in Heraklion um und machten uns in unserem Hotel flugfertig. Die erste Maschine am kommenden Morgen bringt uns nach Hause. Zwei Wochen mit vielen Erlebnissen liegen hinter uns. Die reinen Zahlen sagen 700 Kilometer und über 12.000 Höhenmeter.
Was uns aber am meisten gefreut hat, war die große Freundlichkeit, die wir von den Kretern so oft gespürt hatten. Die Leute waren begeistert, wenn wir ihnen sagten, dass wir aus Deutschland kommen. Wir bekamen so oft ohne Grund etwas geschenkt. Das war faszinierend. Sogar heute. Wir wollten nur bei einem Bäcker etwas kaufen. Schnell wurden wir von ihm und einem Freund im Laden angesprochen und in einen Plausch verwickelt. Der Bäcker sprach über Kreta und die historischen Ausgrabungen voller Stolz. Der andere unterhielt sich mit mir über deutsche Autos, die er so bewundert. Am Ende bekamen wir vier süße Teile umsonst. Diesmal lag es nicht daran, dass wir mit verschwitzten Radlklamotten ankamen und vielleicht hilfsbedürftig aussahen. Nein, wir waren im normalen Straßengewand und auch da wurde uns so herzlich begegnet.

In unserem Hotel wurden wir wirklich toll versorgt. Unsere Radkartons standen schon bereit, als wir ankamen. Auch wegen eines Taxis zum Flughafen hatten sie sich schon bemüht. Hier spürte man ehrliche Hilfsbereitschaft und kein aufgesetztes Verkäufertum.

Kreta ist eine Reise wert. In dieser Jahreszeit ist es ein Geheimtipp. Es sind noch nicht viele Touristen auf der Insel. Das Wetter ist besser als bei uns zu Hause. Die Insel wartet mit vielen Frühjahrsgenüssen auf. Die tollen Salate, die reifen Zitrusfrüchte, Oliven und und und. Und die Landschaft überzieht noch ein sanftes Grün. Im Sommer und Herbst, wenn die Hitze brütet, wird die Natur trocken und karg. Warum also nicht die schöne Zeit nutzen.

Eigentlich würden wir jedem Radurlauber empfehlen, Kreta einmal in die Auswahl für einen Aufenthalt im Frühjahr in Erwägung zu ziehen. Allerdings fehlt vielenorts noch die Infrastruktur für Radurlauber. Es wird die nächsten Jahre ein Ziel für Individualisten wie wir es sind bleiben. Aber das passt. Muss ja nicht gleich jeder Fleck auf der Welt mit Radlfahrer überlaufen sein wie Mallorca.

Die nächsten Tage wird es weitergehen mit unserem Blog zum Thema Kreta. Wir haben viele Bilder geschossen und Filme gedreht. Die Fotos, die wir die Tage eingestellt haben, waren nur Schnappschüsse mit dem Handy oder der Actioncam. Wenn wir die nächsten Tage das bessere Material der Kamera durchgesehen haben, gibt es noch Bildergallerien verschiedenster Themen. Vielleicht mal das Best of von „Abgestellte Schottautos“ oder Best of „Zerschossene Verkehrsschilder“, Best of „Frühlingsblumen“, „Strandbilder“ (ohne Baden versteht sich), Best of „Schafe und Ziegen“ und so weiter.

Also, bleibt gespannt, was wir weiter berichten.

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Fortsetzung folgt….

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