KRETA 2014

Radreise auf der Mittelmeerinsel


Im Frühjahr 2014 haben wir unser Trainingslager auf Kreta bestritten. Nein, nicht mit dem Rennrad in irgendeiner Gruppe, sondern mit dem Reiserad. März war für Kreta Vorsaison. Dadurch waren nicht viele Pensionen und Hotels auf Gäste vorbereitet.

Wir haben während der Reise unsere Erlebnisse in einem Blog gepostet http://fritzfinkenzeller.wordpress.com/

Hier aber die Zusammenfassung unserer Erlebnisse - VIEL SPAß

 


BEST OF BILDER – KRETA 2014

Hallo Freunde,

heute hab ich noch ein paar Bilder aus den ca. 800 rausgefischt….

Von den 2 Stunden Filmmaterial, die noch bearbeitet werden müssen, rede ich noch nicht….

Wir danken für das tolle Feedback zu unserem Blog

Bis bald mit neuen Beiträgen.

Fritz mit Elke

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14.03.2014 - Abflugbereit

Jetzt ist alles gepackt. Sieht zwar aus als würde bald der Umzugslaster kommen….
Am Flughafen werden’ s schaun, wenn mia mit de ganzen “Schachdain” kemman.

Bis bald mit richtigen Erlebnissen.

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15.03.2014 - Gut angekommen

Wir sind gut angekommen. Nachdem ich gestern Abend doch noch eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens gefunden habe, sitzen wir jetzt im Warmen…
Eines kann ich Euch sagen:
Fotos wird es in den nächsten Tagen richtig tolle geben. Vor allem der Kontrast zwischen grünen Wiesen, farbigen Blumen und den schneeweißen Bergen bringt tolle Motive…. Ja,ja…. richtig gehört: Schnee! Beim Landeanflug heute dachte ich, wir hätten die Ski mitnehmen sollen…
Mal sehen. Gut dass ich gestern in der letzten Packpanik noch die Daunenjacke eingepackt habe.

Zum Tourenplan: Den haben wir gestern nach etwa einer Stunde über den Haufen geworfen. Statt nach Osten zu fahren wollen wir den Westen erkunden. Der Osten läuft nicht weg, wir haben ja 14 Tage Zeit.

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15.03.2014 - Schachtel

Ach ja, so hab ich die Radlkartons und unsere Umzugskisten zur Unterkunft transportiert. Mit einer Hand den 30 kg schweren Gaul gelenkt. Mit der anderen Hand musst ich ja den Karton halten.
Nach der Winterpause eine gute Balanceübung.

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16.03.2014 - Westwärts nach Kissamos

Heute ging’s mit Sicht auf die schneebedeckten Berge auf die erste richtige Tour westwärts. Unsere Gastgeber waren sehr nett. Der Vater bot an, bei Problemen auf unserer Route, jederzeit anzurufen, er würde uns gerne helfen. Echt nett.

Erster Halt Chania. Zweitgrößte und vermutlich schönste Stadt auf Kreta. Hier sahen wir lange einem Volkstanz zu. Wie Schuhplattler bei uns dacht ich mir und tatsächlich führte der Vortänzer ähnliche Bewegungen aus. Dazu Livemusik, die sich wie eine Mischung aus Sirtaki und arabischer Bauchtanzmusik anhörte. Echt gut. So gut, dass ein Fernsehteam das ganze filmte. Sogar mit einer Kamera an einer Drohne. Bin ich gleich neidig geworden. Irgendwann kauf ich mir auch so ein Ding. Am besten GPS-gesteuert, dass es einfach über mir herfliegt. Wird dann alles aufgenommen und wir können den Urlaub zu Haus nochmal erleben…. Nur die Stellen beim Austreten muss man rausschneiden…

Weiter ging es über viele Nebenstraßen vorbei an tausenden, kläffenden Hunden. Dreimal Pfefferspray im Anschlag. Aber gottlob nicht abdrücken müssen.
Auch viele Ziegen und Schafe gab’s zu sehen. Es ging durch Olivenwälder, Mandelplantagen, vorbei an duftenden Orangenblüten. Was für ein Urlaub! Es geht alles langsam und bedächtig. Genuss pur.

Wenn wir das nächste Mal eine Kneipe ansteuern muss ich Elke wie einen Hund draußen lassen. Heute sind wir an zahllosen Kneipen und Cafés vorbeigefahren. Nicht eine Frau war drin zu sehen (außer die Bedienungen… ;-) ). Haben die keinen Zutritt??? Scheint auf jeden Fall eine Männergesellschaft zu sein….

Gegen Abend wurde es kühler. Dunkle Wolken zogen auf. Das Meer wurde stürmisch. In Kissamos angekommen fanden wir eine Unterkunft mit sehr sympathischen Wirt. Wir sind die einzigen Gäste. Auch im Restaurant waren wir das grad eben. Wir bestellten Lamm und einen tollen Salat. Anschließend einen Kaffee. Einen Likör und ein Stückchen Kuchen gab’s noch vom Haus. Nur 32 Euro für alles. Und auch so nett bedient.

Überhaupt sind alle, die wir getroffen haben sehr, sehr nett. Auch wenn sie erfragt haben, dass wir Deutsche sind…. Trotz aller Politik. Und alle sind so begeistert, dass wir ihre Insel mit dem Fahrrad erkunden. Touristen haben wir noch so gut wie keine gesehen.

Tour heute 74 km und 800Höhenmeter.

Ja, jetzt hab ich viel erzählt. Freut euch auf den nächsten Beitrag.
Wird spannend, was wir morgen machen. Grad gab’s ein Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen…

Bilder sind keine Highlights. Es sind nur die Schnappschüsse vom Handy…. Aber ihr werd’s es mir hoffentlich nachsehen…. Müsst halt den Bildervortrag mit vermutlich 827 Bilder ansehen wenn wir wieder daheim sind…. ;-)

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17.03.2014 - Oliventour

Heute können wir von einer herrlichen Tour berichten.

Der Tag begann mit einem guten Frühstück. Im Zimmerpreis ist kein Frühstück dabei. Aber wir haben noch etwas von Elkes selbst gebackenen Brot dabei. Dazu gab’s Frischkäse aus der Region. Klasse. Wir waren pappsatt.
Bei der Abfahrt spendierte uns aber der Hausherr noch einen Kuchen.
Mit noch vollerem Bauch ging’s los.

Über die Westküste fuhren wir mit zahlreichen Höhenmetern, die man wegen der grandiosen Aussicht gar nicht bemerkte, nach Süden, .
Und auf dem Weg gab es zahlreiche Begegnungen mit Ziegen. Goaßen wo du hinschaust. Kein Wunder, dass man überall Ziegenkäse und -braten bekommt. Und diese Viecher sind geländegängig….. Da wird der Audi Quattro neidisch. In fast senkrechten Wänden bewegen sie sich traumwandlerisch sicher. Sie sind sehr schreckhaft und flüchten immer sofort, wenn wir um die Kurve kommen. Schade, so konnte ich noch nicht viel von ihrer Akrobatik filmen.

Apropos Tiere. Begegnungen mit Hunden sind häufig und schon am zweiten Tag nervig. Am Ende der Tour fuhr ich nur noch mit dem Pfefferspray in der Hand durch die Orte.

Eine echt schöne Tour heute. 77 km und 1600 Höhenmeter. Und das nur mit Wasser und Brot. Ja wirklich. Hört sich an wie im Gefängnis. Aber so war's auch wieder nicht. Das Brot gab’s bei einem Bäcker mit Steinofen. Hmmmmm….
Dazu haben wir in den Bergen kretisches Olivenöl gekauft. Halber Liter. Das haben wir dann über das Weißbrot geträufelt. Was für ein Mittagessen!

Anschließend sind wir noch auf einen Kaffee in ein Lokal in den Bergen. Griechischer Kaffee mit Satz. Versteht sich. Hab noch eine 250 ml Plastikflasche mit selbst gebrannten Raki (Grappa) erstanden. Zwei Euro. Schmeckt gut. Man wird nicht mal blind davon….

Weiter ging’s durch endlose Olivenwälder. Wahnsinn. Mit dem Öl dieser Oliven kannst du Tankschiffe füllen. Passte heute gut zusammen: Olivenhaine und Olivenöl aufs Brot….

Ach ja, nach dem Kaffee bekamen wir von der Wirtin noch zwei Mandarinen aus dem eigenen Gärten geschenkt. Die Leute sind echt nett hier…. Bisher gab’s fast bei jeder Begegnung eine kleine Aufmerksamkeit.

Noch eine Beobachtung der letzten Tage. Unser Zimmer hat direkte Aussicht auf den Fußballplatz. Rund herum befindet sich eine 400 m Aschenbahn. Hier marschieren viele Leute aus dem Ort. Meist in Gruppen und mit angeregtem Ratsch legen sie Runde um Runde zurück. Komisches Bild, aber so bleiben sie in Bewegung und gesellig ist es auch noch. Vermutlich ist es praktisch zu vereinbaren. Und wenn einer zu früh da ist, kann er schon loslegen. Das geht nicht, wenn man sich an einem bestimmten Treffpunkt zu einer Wanderung verabredet. Und wenn sich die Gruppe auflöst und einer noch weitergehen will, läuft er eine Abkürzung über das Fußballfeld und schließt sich einer anderen Gruppe an. Auch schon gesehen. Auf so was musst erst mal kommen…

Puh. Ich könnt noch so viel Schreiben. So viele Erlebnisse gab es. Aber langsam fallen mir die Augendeckel zu….

Ja dann auf Morgen….

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18.03.2014 - Strandtour

Heute sind wir zum Strand gefahren.

Nein, das glaubt man uns sowieso nicht! Wir sind nur zum Strandschauen geradelt. Einmal ging’s über 8 Kilometer übelste Schotterpiste auf die Halbinsel Gramvousa. Super Sicht auf die ehemalige Piratenbucht.
Dann weiter nach Falasarna. Auch ein malerischer Strand. Das Wasser war türkisblau wie in der Karibik.

Abends gab’s dann Brotzeit auf dem Hotelbalkon. Jetzt läuft euch das Wasser im Munde zusammen. Verschiedene, kretische Käsesorten, Oliven, Paprika, Gurke, Salami, Steinofenbrot und dazu ein hellenisches Bier.

Dazu haben wir vom Balkon dem Fußballtraining zugesehen. Außerdem haben wieder viele Einheimische ihre Runden um den Platz gedreht.

Ach ja noch eine Geschichte von gestern Abend. Wir waren gestern ja beim Essen im Lokal. Dort hat den ganzen Tag eine Hochzeitsgesellschaft gastiert. Am Ende ist einer der letzten Gäste raus gegangen. Wir dachten, der wird doch nicht zum Auto gehen. Nein, er sperrte nur die Beifahrerseite auf. Er torkelte so stark, dass er sich am Türgriff festhalten musste, um nicht nach hinten umzufallen. Aber dann entdeckte er, dass er doch zur Fahrerseite wollte und in der Tat steuerte er seinen BMW x5 vor das Restaurant, um noch weitere Gäste mitzunehmen…. Puh, 2 Promille mindestens! Gut dass wir in diesem Moment nicht auf der Straße unterwegs waren….

Mit den Regeln haben es die Kreter ohnehin nicht. Es gibt Helmpflicht für Motorradfahrer, doch die wenigsten tragen einen! Rauchverbot in Gaststätten, wen juckt’s – ja Schilder überall! Eingehalten wird es nicht. Und die Promillegrenze 0,5…. Na ich hab ja berichtet…..

So, morgen gehts weiter nach Osten. Den Westen haben wir abgegrast….

Wetter heute sehr heiß. Tour: 55 km und 900 Höhenmeter.

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19.03.2014 - Bergankunft

Hui, heute ging zur Sache. Wir verließen unseren Standort in Kissamos und zogen ostwärts. Die Planung war, bis gestern Abend auf jeden Fall hinter Chania zu kommen, vielleicht auch noch hoch in die Berge. Wäre ja langweilig nur so an den Küste entlang…. Ihr kennt uns ja. Wir kamen gut voran, allerdings war’s schon relativ spät, als wir den Berg in Angriff nahmen. Nach 75 km mit Gepäck noch mal 800 Höhenmeter…. Ach ja. Zu dem Zeitpunkt hatten wir ja schon 800.
Aber a bisserl spannend und anstrengend soll's doch auch sein. Sonst wär's kein Urlaub. Am Strand liegen zwei Wochen… Graus.
Dann lieber ein schöner Schlussanstieg. Das ist was Feines.
Die ersten 200 Höhenmeter radelten wir in netter Gesellschaft eines einheimischen Rennradlers, der uns viel über Land und Leute erzählte.
Erst gegen 17.30 Uhr, also kurz von der Dämmerung, kamen wir in Kares an unserer “Ziel-Taverne” an.
Zum Essen gab’s gekochte Bergkräuter mit Oliveöl und Zitrone. Als Hauptgang Ziege mit Kartoffeln. Ein Gedicht sag ich Euch….
Im Zimmer gibt es eine richtige Heizung. Was für ein Fortschritt zu den letzten Tagen! Der Heizkörper ist unser Freund, bei diesen abendlichen Temperaturen.

Sind hier auf knapp 800 Meter, tolle Hochebene. Wir sind die einzigen Gäste im Ort und fühlen uns wohl. Haben heute Abend mit Familienanschluss gegessen.

Morgen nur Abfahrt…

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20.03.2014 - Ein echter Ruhetag

Nach der harten Etappe gestern und doch schon 5 Tagen im Sattel mit Gepäck ist ein Ruhetag angesagt. Das heißt aber nicht, dass das Radl still steht…. Der Fachausdruck dafür heißt: aktive Erholung.

Für uns hieß es, den Tag mit einer Abfahrt zu beginnen! Kleine Gegenanstiege im kleinen Kettenblatt kurbeln und oft für ein paar Fotos anzuhalten. 25 km und 220 Höhenmeter waren das Ergebnis.

Mittag erreichten wir Chora Sfakia, ein kleines Dorf am Meer. Ob es dort Zimmer gibt? Der ganze Ort schien auf den Beinen um neue Farbe auf Verblichenem aufzutragen, mit dem Hochdruckreiniger sauber zu machen, Fenster zu putzen, alles zu fegen… kurz um, sich auf die neue Saison vorzubereiten. Platz für frühe Touristen schien es nicht zu geben.

Doch wir fanden offene Türen. Ein frisch renoviertes Zimmer für günstiges Geld (Bar, also Cash in the Täsch, versteht sich…). Der nette, geschäftstüchtige ältere Herr meinte nur wir sollen übermorgen nur die Tür hinter uns zuziehen und den Schlüssel stecken lassen. Er sei nicht immer vor Ort.

Am Nachmittag Spazieren gehen, den Strand besichtigen und sogar die Füße ins Meer halten, im Restaurant Kaffee und Wein genießen – das war unser Programm. Tat gut, aber Morgen wird schon wieder geradelt. Wir wollen doch keinen Schlendrian einreißen lassen…. Ruhetage versauen auf Dauer die Statistik…. ;-)

In den Cafes und Restaurants sind wir wie fast immer alleine. Ist schon fast peinlich wie wir umsorgt werden…..
Zum Essen gab’s leckeres Lamm mit Kartoffeln in einer Kasserolle, dazu Knoblauchbrot und Krautsalat.
“Essen wie Radler in Kreta.”

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21.03.2014 - Viele Kehren

Es ist der Tag nach dem Ruhetag. Frisch ans Werk.

Von unserem derzeitigen Standort führt eine Straße entlang der Südküste. Zuerst schraubt sie sich mit vielen, vielen Kehren etwas über 700 Höhenmeter (=1 Wallberg / Berechnungseinheit für Radfahrer aus dem Tegernseer Raum) nach oben.
Juhu…. Mit Volldampf hinauf und dann einige Kilometer am Berg entlang etwas auf und ab.
Tolle Blicke aufs Meer und die Architektur der Straße. Man könnte meinen, der Bauingeneur der Stilfser Joch Straße hat hier sein nächstes Werk abgeliefert….

Rauf wie runter ein Genuss!

Tour 50 km und knapp 1200 Höhenmeterchen….

Sind jetzt 6 Etappen im Sattel und haben über 6000 Höhenmeter gemacht.

Radeln ist gesund. Das wussten schon die alten Engländer:

A Thousender a Day, keeps the doctor away!

Noch eine Beobachtung, die wir jeden Tag auf Kreta machen. Mit der Entsorgung müssen die Leute hier noch umdenken. Besonders Autos werden nicht zu einem Verwerter gebracht (vielleicht gibt es auch keinen…). Viele alte Karossen werden einfach im Garten ihrer natürlichen Korrosion überlassen. Ganz dreiste Zeitgenossen lassen sie einfach in eine Schlucht hinunter rollen. Die Krönung bisher war das Exemplar auf dem Bild. Ein Pick-Up abgestellt neben der Mülltonne. Vielleicht in der Hoffnung, die Müllabfuhr nimmt das Vehikel mit….
 

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22.03.2014 - Nicht ganz…. flach am Meer entlang

Heute ging’s wieder weiter auf unserer Radl-Wanderschaft. Unser Plan: so weit wie möglich an der südlichen Küste Kretas entlang. Ziel: Agia Galini.

Locker, flockig sind wir dann losgekurbelt. Nach 5 Kilometer haben wir in einem Dorf mit einem netten Pärchen gesprochen. Der Mann stammt aus dem Dorf, seine Frau kommt aus Dachau. Als sie von unserem Tagesplan hört, meint sie entsetzt, dass diese Strecke an einem Tag nicht zu schaffen sei. Das sind sicher 120 Kilometer. Sie gab uns noch einen Tipp für eine Abkürzung. Wir müssten zwar ein Stück schieben, dafür würden wir ein paar Kilometer einsparen. Aber bis Galini ist es in einem Tag definitiv nicht zu schaffen… Wie Vertrauen erweckend. Aber wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir fahren soweit wir es schaffen.

Es ging dann ständig auf und ab. Nach 15 km hatten wir schon 500 Höhenmeter auf dem Tacho. Herrliche Blicke auf das Meer und beeindruckende Schluchten gab’s zu bewundern.

Ach ja, die ganze Zeit auf Kreta fiel mir schon auf, dass die Verkehrsschilder ziemlich durchlöchert sind. Die Einheimischen schießen anscheinend gerne. Schießstände und Schützenvereine sind irgendwie Mangelware. So müssen die Verkehrsschilder als Ziel herhalten. Einige sehen extrem mitgenommen aus. (siehe Bild)….. Vielleicht sollte man sich für den nächsten Kreta-Urlaub sicherheitshalber eine schusssichere Weste mitnehmen.

Zurück zur Tour. Es war extrem schön. Und es ging “gut von der Hand”. Oder sagt man da “gut von der Kurbel”….
So gut, dass wir nur ein paar Mal zum Wasser kaufen anhielten. Einmal kam Elke die Idee für jeden einen kleinen Schokoriegel einzukaufen. Die verstaute ich unter Elkes entsetztem Blick nach dem Einkauf gleich sorgsam im Rucksack. Sie wollte ihn nach 50 Kilometer und 1200 Höhenmeter gleich Essen…. Äh, ich hätte ihn für bessere Zeiten aufgehoben…..
Natürlich rückte ich den Riegel raus. Zugegeben, ich konnte auch einen Bissen zwischen die Kiemen gebrauchen.

Die Schreckensberichte der Dachauerin stellten sich gottlob als übertrieben heraus. Es wurden 86 km. Auch das Schiebestück war trotz Gepäck im 1. Gang fahrbar (die kennt uns nicht). Aber die Höhenmeter wurden ganz schön viel. 1750 waren am Ende auf der Uhr. Der Statistiker (also ich) sagt, wir haben jetzt einen Tausender Vorsprung…. Da können wir morgen gleich noch mal einen Ruhetag machen…. Nein, Scherz. Wir doch nicht….

Morgen gibt's neue Berichte. Selbstverständlich von einer Radltour.

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23.03.2014 - Zeus und die Hippies

Heute stand eine schöne Tour ohne Gepäck auf dem Plan. Sozusagen fast ein Ruhetag. Nein, nicht ganz. Elke würde protestieren. Es war eher ein “ruhiger Tag”. Ich kann es gleich vorweg nehmen, wie ein ruhiger Tag aussieht: 63 km und 890 Höhenmeter, im lockeren Tritt…. versteht sich.

Wir sind von Ag. Galini über Thymian nach Matula…. Äh nein über Tymbaki nach Matala. Man muss sich nur Eselsbrücken ausdenken, dann kann man sich die unaussprechlichen, griechischen Namen auch merken.

Mit dem Besuch von Matala haben wir einen kulturellen Teil in unsere Reise eingebaut. In die malerische Bucht hat einst der Göttervater Zeus die fesche Europa entführt und dort mit ihr einige Zeit verbracht. Ich nahm Elke mit. Unterschied zur Mythologie nur, dass sie freiwillig mitkommt. Aber da sind wir mal nicht so….
Die Bucht ist eine Wucht. Romantisch wenn man dort die Zeit genießen kann. In den Felsen befinden sich viele, natürliche Höhlen, in denen sich in den 60ern und 70ern Hippies niederließen. Auch Cat Stevens, Bob Dylan und Joni Mitchell haben hier einige Zeit verbracht und sogar einige Lieder darüber geschrieben.

In den 80ern wurde aus dem Szeneplatz ein Urlaubsort und das wilde Campieren wurde verboten. Heutzutage werden Touristen busweise angekarrt. Gut, dass wir in der Zeit hier sind, wo noch (fast) kein Tourist hier ist. Es war wirklich eine sehenswerte Bucht. Und wir können Zeus und die Hippies gut verstehen….

In unserem Wohnort der letzten beiden Tage, Ag. Galini, hat es uns gut gefallen. Unser Zimmer befindet sich über der Promenade und man kann dem Treiben im Ort und am Hafen schön zusehen (im Moment arbeitet jeder fieberhaft daran, alles für die bald startende Urlaubssaison herzurichten).
Das Frühstück und das Abendessen haben wir auf dem Balkon genossen. Morgens gab’s frisches Brot vom Bäcker, dazu kretischen Honig und Käse. Abends Salami, Gurken, Paprika,Käse und Olivenpaste – alles von der Insel. Wiener Schnitzel können wir zu Hause auch wieder Essen.

Morgen geht die Tour weiter ein Stück um das Psiloritis-Gebirge herum. Nach dem Ruhe…. äh, dem ruhigen Tag, kein Problem….

Zum Wetter: hier immer 15 bis 20 Grad. Von zu Hause haben wir gehört, dass es noch mal geschneit hat. Wir denken an Euch.
In diesem Sinne: Kalinichta

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24.03.2014 - Herbergssuche

Die heutige Etappe sollte uns einfach vom Süden etwas ums das Psiloritis-Gebirge herum in die Nähe von Heraklion bringen. Die Tour war landschaftlich echt schön, wie fast alles, was wir ausgesucht haben. 65 km und 1400 Hm habe ich geplant. Es ging locker dahin. Gestern war ja ein “ruhiger Tag”. ;-)

Am Ende wollten wir zu einer Unterkunft in Ag. Myronas. Doch leider bekamen wir kein Zimmer. Im ganzen Ort nicht. Auch wenn uns viele Locals helfen wollten.
Im Ort 5 km zurück könnte es was geben. Leider bedeutete dies zurück und auch wieder bergauf. Den Tacho und den Höhenmesser beachteten wir gar nicht mehr. Die Zeit drängte. Die Dunkelheit bricht in Kürze ein.
Den Ort erreicht, fanden wir die Unterkunft ums Verrecken nicht. Also wieder die Leute im Dorf fragen. Gleich drei auf einmal halfen uns. Das Ziel rückte näher. Sie wussten, wo wir hin wollten. Da sie auf dieses Ziel fast in den Himmel deuteten, ließ nichts Gutes erahnen.
Tatsächlich ging es über mehrere 20%ige Rampen und an einigen bellenden Hunden vorbei zum höchsten Punkt des Ortes.

Dort erwartete uns dann wahrer Luxus. Ein Appartement auf zwei Etagen, Super Essen und ein sehr freundlicher, zuvorkommender Chef. Schaut Euch die Bilder an…. Das waren die 1650 Höhenmeter wert.

So sitzen wir, wie oft als die einzigen Gäste um diese Jahreszeit, bei einem Schöppchen Roten und lassen den Tag mit den Gedanken an einen anstrengenden, aber erfüllten Tag ausklingen….

Bis Morgen, Kalinichta

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25.03.2014 - Kulinarisches

Heute berichte ich mal fast nur von kulinarischen Erlebnissen.

Von der Tour nur kurz: Es ging von Kato Asites nach Anogia. 40 km und 1040 HM. Eine kurze Etappe, die nur vom kalten Wind erschwert wurde.

Aber zurück zum Thema Essen. Morgens wurden wir schon mit einem guten Frühstück in unserer Nobelunterkunft verwöhnt. Besonders bei der Aussicht , die wir über das ganze Tal hatten…. Dazu konnten wir einer griechisch-orthodoxen Messe beiwohnen, die über Lautsprecher aus dem Kirchenraum nach draußen übertragen wurde und über das ganze Tal schallte. Heute ist Nationalfeiertag, deswegen auch mal unter der Woche so eine lange Messe.

Ich hab gestern ganz verschwiegen, was es zum Abendessen gab. Elke hatte Lammrippchen vom Grill. Die waren perfekt gebraten, knusprig und das Fleisch innen richtig saftig. Ich hatte Spaghetti. Die Hackfleischsoße wurde mit Zimt und Lorbeer gewürzt. Hat echt “verreckt” geschmeckt. Dazu haben wir uns frittierte Zucchini bestellt. Die waren nur hauchdünn paniert. Auch das eine Wucht. Am Ende bekamen wir noch einen extra Wein und Raki spendiert.

Heute Abend in Anogia ein Kontrastprogramm zu gestern. Wir besuchten eine urige Taverne, in der sicher mehr Einheimische als Touristen verkehren. Wir, wie immer, die einzigen Fremden. Es gab Lamm vom Grill. Lecker. Der bestellte, grüne Salat bestand aus vielen Wildkräutern, die sicher selbst gesammelt wurden. Uns fielen schon während des ganzen Urlaubs Leute auf, die auf den Bergwiesen mit einer Tüte bewaffnet, allerlei Grünzeug zusammen klaubten. In unserem Salat waren viele Blätter, die wir noch nie gesehen haben. Wilden Rucola und Löwenzahn haben wir ja noch erkannt. Den Rest kannten wir zwar nicht, aber er hat sensationell gut geschmeckt. Und gesund war er obendrein.

In der Taverne kam die ganze Familie zusammen. Von alt bis Jung waren alle da. Aus dem Radio schallte griechische Musik. Und wir mitten drin. Der Opa, wohl ein bekannter Tänzer im Dorf, hat uns zum Abschluss noch eine Orange spendiert. Die war so, wir wir sie bei uns leider nicht bekommen können, nämlich richtig reif. Die Schale war leicht zu entfernen. Die Frucht selbst zuckersüß und sehr saftig. Bei uns zu Hause kann man so was nicht kaufen. So reife Früchte würden den Transport nicht überleben.

Zurück in unserer Pension wurden wir noch von unserer sehr netten Hauswirtin erwartet. Sie hat heute Kuchen gebacken und hat uns ein großes Stück als Nachtisch geschenkt.

Ja, so gut sind wir aufgenommen….

Da freuen wir uns schon auf neue kulinarische Erlebnisse morgen. Und natürlich auf die Radltour…. Klar!
Morgen geht's hoch ins Gebirge.

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26.03.2014 - Highlights

Heute stand ohne Zweifel ein Highlight des Urlaubs auf dem Programm. Die Fahrt hinauf in das Psiloritisgebirge zur Nida-Hochebene. Auf 1400 Meter befindet sich dort oben eine 2,5 x 2 km große Ebene, eingerahmt von hohen Bergen. Wir waren hier heute ganz alleine. Das war eine Ruhe!
Anschließend sind wir noch hoch auf den Gipfel des Shinakas. Der liegt auf 1750 Meter. Auf ihm befinden sich zwei Observatorien. Eine kleine, einspurige Teerstraße mit maroden oder besser gesagt nicht mehr existenten Leitplanken führte nach oben. Tolle Sicht auf Heraklion und tolle Tour.

Was gab es sonst noch für Highlights?
Wir haben einen Mistkäfer beobachtet und gefilmt, wie er seine Mistkugel über die Straße rollte. Ja, dafür hat man als ambitionierter Tourenradler auch Zeit! Bin gespannt, ob mein dabei gedrehter Tierfilm in Prof. Grzimeks Sammlung aufgenommen werden könnte….

Und ich hab wieder viele Schilder mit zahlreichen Einschusslöchern gesehen. Ein Beispiel füge ich dem Bericht bei. Hab gelesen, dass es in Griechenland etwa 1,5 Mio. unregistrierte Waffen geben soll – die Hälfte davon auf Kreta…. Na, dann wundert mich nichts mehr ….
Wenn wir wieder zu Hause sind stelle ich noch einen extra Bericht mit “Best of zerschossene Schilder” ein.

Jetzt nur noch zwei Radltage….. Oh, wie schade. Langsam wären wir eingeradelt….

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27.03.2014 - Sturm

Heute war das Wetter hier sehr stürmisch. Unser Weg ging nach Westen, langsam aber sicher Richtung Chania. Am Samstag ist ja unser Rückflug. :-(

Hat uns bis KM 40 der Wind noch angeschoben, wurde er bis KM 80 zur Plage. Man musste das Rad gut festhalten und sich hin und wieder gegen die Böen drücken. Nach 80 km nahmen wir um 17 Uhr noch einen gemütlichen Kaffee ein. Danach wollten wir eine Unterkunft suchen, was sich als sehr schwierig heraus stellte. Weitere 10 KM mussten wir weiterfahren – bergauf versteht sich – um ein Dach über den Kopf zu bekommen. Es wurde auch schon langsam dunkel. Das war Zusatztraining. Aber wir haben es geschafft.
A bisserl spannend muss es eben auch sein.

Waren jetzt noch in einer Taverne. Gab leckeres Essen aus der Region, z.B. den gekochten Salat Stamnagathi. Kann jeder selbst mal nachgooglen…
Am Ende gab es, wie fast bei allen Gaststätten in den zwei Wochen, einen Raki. Ist praktisch ein Grappa. In den kleinen Dorfmärkten gibt’s den in Plastik-Wasserflaschen. 250 ml für 2 Euro. Etikett handgeschrieben…
Eigentlich haben nur eine Hand voll Firmen das Recht zum Brennen.... 

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Brennen… Verkauft und getrunken wird auf der Insel ein Vielfaches vom Offiziellen…
Dann drauf ein “Jammas”!


27.03.2014 - Man interessiert sich für uns…

Nicht alle Hunde haben was gegen Radfahrer…

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29.03.2014 - Sirtaki und Heim

Gestern radelten wir unsere letzte Etappe in die Nähe von Chania.
Auf den letzten Kilometern besuchten wir noch die Bucht von Stavros. Dort wurde der Film “Alexis Sorbas” gedreht. Ist ein oskarprämierter Klassiker aus dem Jahr 1964 (7x nominiert und 3 Oskars gewonnen). Die meisten kennen den Film wegen des Sirtaki, dem Tanz, der eigens für den Film erfunden wurde. Angeblich um es dem tänzerisch eher unbegabten Anthony Quinn zu erleichtern.
In Stavros wurde die berühmte Tanzszene gedreht. Dem Kameramann gefiel der Ort so gut, dass er sich dort dauerhaft niederließ.

Vorher waren wir bereits in Kokkinou Chorio, auch ein Drehort des Films.

Ja, bei unserem Blog gibt es auch immer was für die Bildung…

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Jetzt fahren wir gleich los zum Flughafen. Die netten Besitzer des Hotels bringen uns mit dem Pick-Up.

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