VON DÄNEMARK NACH BAYERN


Im Juli 2019 unternahmen wir eine Tour durch Deutschland - genauer gesagt von der dänischen Grenze in die Heimat Bayern. 1.130 Kilometer und knapp 9.000 Höhenmeter strampelten wir in zwei Wochen ab. Das bedeutete 73 Stunden im Sattel zu sitzen. Hier der Tourenverlauf:

Höhenprofil - Deutschlandtour 2019


Deutschlandtour – los geht’s

Eine neue Reise beginnt. Diesmal zieht es uns nicht in ferne oder fremde Länder. Dieses Mal bleiben wir in Deutschland. Manchmal denke ich mir: überall auf der Welt kennt man sich aus – nur im Heimatland gibt es weiße Flecken. Und bei uns gibt es noch eine Menge weiße Flecken….

Also legen wir los. Wir sind gerade mit dem Auto auf dem Weg nach Flensburg. Hier soll es mit dem Rad von der dänischen Grenze nach Bayern gehen. Bayern ist ja kein weißer Fleck auf unserer Landkarte, deswegen wollen wir uns auf dem Weg von Flensburg die Ostsee, die Elbe, den Harz, Thüringen und noch weitere Gegenden in unserem Heimatland ansehen. Sicher warten auf uns wieder tolle Erlebnisse und Abenteuer…

Seid gespannt, was es die nächsten Tage zu lesen gibt.


Abstecher nach Dänemark

Moin, moin,
Unsere Autofahrt ans Ende Deutschlands haben wir uns auf zwei Tage aufgeteilt. Gestern kamen wir noch richtig weit. Mitten ins Zentrum von Sachsen-Anhalt nach Calbe an der Saale. Ursprüngliches Dorf, leider nur noch 8500 von früher 15.000 Einwohnern. Die Abwanderung nach der Grenzöffnung war hier wie vielerorts stark zu spüren. Betrieb um Betrieb hörte auf. Die Menschen müssen in die nächstgelegenen Städte zum Arbeiten ausweichen. Die Schule mit seinem schönen Klinkerbau ist verwaist. Die Kinder des Ortes sind jetzt zu wenig für die Aufrechterhaltung des Schulbetriebes.

Heute noch ca. 500 Kilometer nach Flensburg. Dort haben wir das Auto abgegeben, die Räder aufgepackt uns los ging es. Wie immer sind die ersten Meter komisch mit dem schwer bepackten Rad zu manövrieren. Aber schon nach ein paar Kilometer hat uns die Gemütlichkeit dieser Art zu reißen wieder erfasst. Es entschleunigt uns einfach.

Heute standen nur ein paar Kilometer auf dem Programm – 25 um es genau zu nehmen. Es ging rüber nach Dänemark. Vorher wollten wir uns aber noch mit ein wenig Proviant versorgen und besuchten noch einen Supermarkt kurz vor der Grenze. Dieser hatte aber so hohe Preise – für unsere Verhältnisse. Dazu noch hauptsächlich dänische Waren. Auf dem Parkplatz nur dänische Kennzeichen. Sie kaufen hier Kofferraum-Ladungen ein. Warum? Ja, sie nutzen die günstigen Preise, die hier aufgrund unserer deutschen, recht niedrigen Mehrwertsteuerpreise so ausfallen. In Dänemark gibt es nur einen MwSt-Satz – nämlich 25 %. Bei uns 19 % und auf Lebensmittel nur 7 %. Gerade für Lebensmittel fahren viele Dänen rüber nach Deutschland. Wir suchten deswegen einen deutschen Supermarkt auf.

Die norddeutsche Sprache ist noch so ein Ding. Ich schaue den Menschen, mit denen wir hier sprechen immer in die Augen, um zu sehen, wie sie auf das Bayrisch, das ich einfach nicht künstlich unterdrücken kann, reagieren. Ganz „gscherd“ (=gemein) spreche ich meinen Dialekt ohnehin nicht hier oben. Im Radio hörten wir noch etwas lustiges in Plattdeutsch. Meine Herren, das Plattdeutsch kommt gleich hinter Schwitzerdütsch, nur ohne Berge. Ich hab nur die Hälfte verstanden. Ich bin schon gespannt, was passiert, wenn ich mal eine „Fleischpflanzlsemme“ (Bulette auf Brot) bestelle. Wenns mal egal ist und keiner mehr was versteht, werde ich noch eines Draufsetzen mit „Gei, a Knecherlsuiz habs ees net“. Auf der anderen Seite darf man die Norddeutschen nicht unterschätzen. Die könnten jetzt Jahrelang bei „Der Bulle von Tölz“ und den „Rosenheim Cops“ das Bayrisch trainieren.

Auch noch lustig, wie hier gegrüßt wird. Beim ersten Mal hatte ich noch gedacht, ich habe mich verhört. Aber als noch mehr zu mir „moin“ sagten, überlegte ich, ob die hier andere Tageszeiten haben. Ich betrachte „moin“ als die Übersetzung von „Morgen“. Aber es war schon 17 Uhr. Nein, jetzt wissen wir „moin“ und die Abwandlung „moin, moin“ sagt man hier den ganzen Tag. Praktisch. Das wenn ich zu Hause mal ausprobiere und am späten Nachmittag „guad Morgn“ sage. Dann halten die mich alle für plemplem oder vom Vortag noch besoffen und gerade erst aufgestanden.

Über die Grenze ging problemlos. Die Dänen haben extrem viele Radwege. Wir kamen gleich hinter der Grenze noch durch ein altes Internierungslager der Deutschen aus dem zweiten Weltkrieg durch. Es ist zu einem Museum geworden.

Was uns aufgefallen ist – die Menschen hier garteln unwahrscheinlich gerne. Alle Rasen Flächen sind wie geleckt gemäht und die Hecken akkurat zugeschnitten. So sieht man es vielleicht mal in der Schweiz, aber hier genauso. Ich glaube, mit Gartenwerkzeug kannst jeden Dänen eine Freude machen. Wenn die mit ihren Wohnwagen nach Süden fahren, werden sie durch Bayern fahren und denken, dass es in Bayern ganz schön gschlampert…. äh… schlampig zugeht…

Hier haben wir jetzt einen gemütlichen Abend bei einem super kochenden Italiener verbracht, der ein polnische Frau hat. Das ist eine Mischung. Wir unterhielten uns mit ihm in Italienisch. Er lebt seit 35 Jahren hier und hat uns einiges von den Menschen und dem Klima erzählt. Auch hier gab es eine stärke Abwanderung in die Stadt, die sich langsam umkehrt. Landwirte haben schon viel aufgehört. Oft sind es Niederländer und Deutsche, welche die Höfe kaufen und bewirtschaften.
So fing der Urlaub schon interessant an. Dänemark könnte man als eigenen Urlaub auch gut bereisen. Gleich mal bei Gelegenheit eine Tour zusammenstellen.

Morgen geht es über Flensburg an der Ostsee entlang. Ziel ist es, in die Nähe von Eckernförde zu gelangen….


Harter Einstieg…. An der Ostsee entlang

Zur ersten richtigen Etappe haben wir uns gleich mal eine 111,4 Kilometer Etappe eingeschenkt. Ein wenig mehr als geplant, aber es ergab sich so. Wir dachten auch, im Norden ist alles so gut wie flach. Aber spätestens während unserer Polenreise 2012 wissen wir es besser. Die vielen kleinen Erhebungen summieren sich. Das Höhenprofil zeigte nur so 10 bis 30 Meter Höhenunterschied. Da wegen der Ferienzeit fast alles ausgebucht ist, mussten wir noch gut 10 Kilometer drauflegen. Wir wollten eigentlich nach Eckernförde. Es verschlug uns dann nach Fahrdorf. Und nach 100 Kilometer kam dann die höchste Erhebung des Tages – eine Wand von 50 Höhenmeter. Die Wand von Kosel. Praktisch wie bei der Tour de France. Die entscheidenden Anstiege liegt meist am Ende der Etappe…. Aber in der Endabrechnung waren es bei uns doch 555 Höhenmeter. Nicht viel, aber für vermeintlich flaches Land ganz schön viel….

Am Anfang fuhren wir auch durch Flensburg. Der Hafen war sehenswert. Beim Rausfahren aus dem Ort sahen wir noch beim Kraftfahrtbundesamt vorbei – Punkte ansehen. Aber sie sagten, sie finden keine von uns und so fuhren wir zufrieden weiter.

Und jetzt dürfen wir ein großes Lob aussprechen. Ich glaube, von den 114 Kilometer fuhren wir 80 % auf beschilderten und angelegten Radwege. Sehr viele Straßen sind mit Radwege ausgebaut, viel mehr als bei uns im Süden. So war das Fahren sehr entspannt.

Noch etwas wissenswertes. Mir fielen die vielen Namen mit Endung -sen auf. Thomsen, Jansen, Martinsen und wo weiter. Ich habe nachrecherchiert. Es handelt sich um ein Patronym. Es gibt an, welches der Vorname des Vater ist. Die Bildung des Patronyms erfolgte im norddeutschen Sprachraum nach dänischem Vorbild oft durch Anhängen der Endung -sen („Sohn“) an den Vornamen. Beispiel: Peter Jans-sen „Peter, Sohn des Jan“. Ich überlege, wie sich das bei uns in Bayern auswirken würde. Sohn heißt bei uns „Bua“. Der Sohn vom Hans Müller heißt Beni. Dann müsste er vollständig Beni Hansbua heißen. Klingt komisch.

Was uns auf unserer Tour heute aufgefallen ist, sind die noch ganz schön verbreiteten Reetdächer, die aus gebündelten Schilf. Das Wort „Reet“ stammt vom Rohr – also vom Schilfrohr ab. Reet bzw. Schilf war eines der ersten Bedachungsmaterialien der sesshaft gewordenen Menschen; dies ist vor allem auf seine Eigenschaften als Wasserpflanze und seine lokale Verfügbarkeit zurückzuführen. Die ersten Reetdächer waren einfache Eindach-Häuser. Im Mittelalter wurde aufgrund der Brandgefahr in dicht bebauten Gebieten das Reetdach in den Städten durch Hartdächer ersetzt. Auf dem Lande behielt das Reet jedoch bis in die heutige Zeit eine gewisse Bedeutung. Die ersten nachgewiesenen Reetdächer (Pfahlbauten am Bodensee) gab es bereits um 4000 v. Chr. Es war leicht aufgebundenes Reet, das mit Haselnussstöcken als Schachtstange und eingeweichten Weidenstöcken auf den Dachstuhl gepresst wurde. Sehr schön anzusehen und scheint immer noch gut zu funktionieren.

Unsere Tour führte am Ende entlang der Schlei, einem mächtigen Meeresarm der Ostsee. Sie wird meist als Förde bezeichnet (Förde ist sozusagen das Wort für Fjord). Die Einordnung als Förde ist allerdings umstritten. Als Fjord bezeichnet man einen weit ins Festland hineinreichenden, durch einen seewärts wandernden Talgletscher entstandener Meeresarm. Die Schlei ist nicht auf diese Weise entstanden.

Morgen geht’s weiter. Mal sehen wie weit es wird. Aber nahe 100 Kilometer werden es schon werden… Vom Rest Deutschlands ist nämlich noch eine ganze Menge übrig, obwohl wir schon so weit gefahren sind….


In die holsteinische Schweiz

Der zweite echte Tourtag und es ging weiter an der Ostsee entlang nach Süden. Unser Tour Ziel war Plön am Plöner See. Da wir gestern einige Umwege gemacht hatten, wollten wir heute die geplante Tour ein wenig abkürzen. Statt 95 sollten es 75 Kilometer werden. Aber von Eckernförde die Schleife um die große Landzunge wollten wir uns doch nicht entgehen lassen. Gut, dann werden es halt etwas mehr als 85 Kilometer. Weiter stand Kiel auf dem Programm und von da aus nach Plön. Ich habe Elke noch vorgelesen, dass Plön schön eingebettet in der Hügellandschaft der holsteinischen Schweiz liegt. Hört sich nach ein paar Höhenmeter an. Am Morgen nieselte es auf den ersten 10 Kilometern nach Eckernförde. Regen kann man das nicht nennen. Da zucken wir nicht mal, nach all den Regenetappe, die wir in den letzten Jahren schon hinter uns gebracht haben. Leider konnten wir uns Eckernförde nicht genau ansehen, da wir im Wetterradar bereits die richtigen Regenwolken herankommen sahen.
Zu Mittag gab es ein paar Blätter Schinken und einen kleinen Keks am Ostseestrand, bevor wir auch hier aufbrachen, um dem herankommenden Regen zu entgehen. Die Technik mit dem Wetterradar auf dem Handy ist schon toll. Praktisch in Echtzeit kann man die Wolken und den Niederschlag verfolgen. Das gab es früher nur für die Flughäfen oder für die Teams der Formel 1….
Heute nutzen wir diese Dienste, als wäre es schon immer selbstverständlich. In Kiel könnten wir uns etwas Zeit lassen und genossen das geschäftigen Treiben im Zentrum und am Hafen, bevor wir wieder in das landwirtschaftlich geprägte Hinterland aufbrachen. Die schnellste Route wäre entlang der großen Bundesstraße von Kiel nach Plön gewesen. Und an dieser Stelle den dritten Tag in Folge großes, großes Lob an die Städte und Gemeinden. Fast jede Straße auch in der City von Kiel ist mit Radstreifen ausgestattet oder die Gehsteige so breit, dass Radweg und Fußweg gleichermaßen Platz haben. Da kann man sich anderenorts (auch bei uns in Bayern) eine große Scheibe abschneiden….
Auch die Autofahrer passen an den Radübergängen immer auf und respektieren die Fahrradfahrer. Echt super.
Zurück zur Tour. Hier hätten wir ohne Probleme und ohne Stress an der Bundesstraße entlang nach Plön radeln können. Aber wir fanden auf der Karte noch eine bessere Strecke durch die Natur. Nur mit einem „Aufpreis“ von extra 10 Kilometer. Mit dem was wir in der Innenstadt von Kiel noch extra gefahren sind und noch so ein paar Abstecher kamen wir wieder auf 102,7 Kilometer heute. Stattlich… aber es ging echt gut voran. Es war auch sehr abwechslungsreich. Gegenden mit großen Getreidefeldern und ein Gebiet mit vielen Pferdehöfen, dazu eine ganze Menge Seen. Die Gegend erinnert uns an die Reise durch die Masuren im Norden Polens. Ist ja auch nicht so weit entfernt. Morgen geht es weiter Richtung Süden. Wir merken – es ist noch eine Menge Deutschland übrig, bis wir Bayern erreichen….


Dem Wetter einen Schritt voraus.

Gestern hatten wir mit dem Wetter Glück. Der Tag begann mit einer schönen Route um die Seenlandschaft bei Plön. Nach Mittag hatten wir Lübeck erreicht. Die Stadt des Marzipan. Leider war es am Samstag sehr voll in der Stadt. Außerdem waren die Wetterprognosen für den Nachmittag recht schlecht. Und so hielt der Nachmittag Gegenwind und die Aussicht auf ein schweres Gewitter bereit. Es wurde schwül und heiß. Nicht das beste Radfahrerwetter. Wir arbeiteten uns zäh Kilometer um Kilometer voran. Und von denen hatten wir am Ende wieder gut 90 auf der Uhr. Gottlob hatten richtig kalkuliert. 5 Minuten nach unserem Eintreffen am Ziel fing es an, wie aus Kübeln zu schütten an. Heute wollten wir es etwas ruhiger angehen lassen. Unser Ziel war es, südlich bis zur Elbe vorzudringen und in der Nähe von Lauenburg eine Unterkunft zu finden. Damit ließen wir Schleswig-Holstein hinter uns und erreichen Niedersachsen. Heute war so ein Tag, da weiß man nicht wie er wird. Gestern waren wir nach 95 Kilometer ganz schön K.O. Da heute (für einen ruhigen Tag) nur 75 Kilometer kalkuliert waren, dachten wir schon, dass es doch wieder eine harte Nummer wird. Doch es kam ganz anders. Die ersten 25 Kilometer liefen locker dahin. Man konnte sich echt dabei erholen. Kein Witz. Alles über kleine Sträßchen, die wir von einem „Lokal“ empfohlen bekommen haben. Und so ging es weiter bis Lauenburg. Dank einheimischer Hilfe eine Genusstour. Nach 4 Etappen haben wir jetzt 403 Kilometer auf dem Tacho. Ob der Schnitt zu halten ist…In Lauenburg gab es Kaffee und Kuchen in einem schön renovierten, 400 Jahre alten Gebäude an der Elbe. Die Promenade hatte es bei dramatischen Elbehochwasser sehr in Mitleidenschaft gezogen. Es ein Wunder, dass fast alles wieder so gut hergerichtet ist. Und dann waren es nur noch 9 Kilometer zu unserer Unterkunft. Da gerade jetzt in der Ferien die freien Übernachtungsmöglichkeiten eher rar gesät sind, gestaltete sich die Suche recht übersichtlich. Wir sind schließlich auf das Schloss Lüdersburg gekommen. Schloss, dachten wir, ja mei. Wird halt einen Schloss sein, das hergerichtet ist. In so einem Kasten sind wir doch schon öfters untergekommen.
Doch als wir ankamen wurde uns schnell klar – hier übernachtet man nicht – hier logiert man. Da kamen wir an und fanden uns in einem noblem Golf-Resort wieder. An der Rezeption höchst professioneller Service. Und das Zimmer stellte sich als Suite über zwei Etagen heraus. So viel Platz, so viel Gepäck haben wir gar nicht, die Räumlichkeiten auszunutzen. Hier geht’s nobel zu. Wir fühlten uns gleich etwas adliger. „Herr und Frau von Finkenzeller“ würde sich hier auch gut anhören. Da haben wir uns gleich angepasst. Ja, das Schloss Lüdersburg im Landkreis Lüneburg. Ob hier mal Herr Müller-Lüdenscheid gewohnt hat (Figur von Loriot). Auf jeden Fall haben wir uns erst einmal frisch gemacht und in Schale geworfen. Man glaubt es vielleicht nicht, aber auch für solche Anlässe verfügen wir über angemessene Kleidung in unseren Radtaschen. Golf-casual würde ich es bezeichnen. Dann sind wir durch den Park vor dem Clubhaus „geschritten“ um die tolle Aussicht auf den weitläufigen Golf-Court zu genießen. Anschließend mussten wir wählen, ob wir im Clubrestaurant, der Sonnenterrasse oder in den Räumlichkeiten im Obergeschoss dinieren wollten. Ein Platz für uns wurde gefunden und es ist die Art von Lokal, in dem die Kellnerin und nicht der Ehemann der Frau behilflich ist, den Stuhl beim Hinsetzen noch unter den Allerwertesten zu schieben. Hier isst man nicht – hier speist man. Wirklich leckere Kompositionen an exquisiten Gerichten aus der internationalen Küche. Nach einem Aperitif und einer schmackhaften Suppe ließen wir uns das Hauptgericht munden. Gezahlt wurde selbstverständlich, standesgemäß mit der goldenen Kreditkarte. Anschließend sahen wir uns bei einem Abendspaziergang noch das Golfgelände an. Knapp 50 Goldwägen hingen an Steckdose, um für die morgigen Invasion auf dem Green die Power zu haben. Ich glaube, wir könnten morgen noch schnell nach dem Frühstück die Platzreife machen. Danach noch eine der zwei 18 Loch Plätze abspielen, wäre immer noch Zeit für die nächste Radletappe (werden wieder 90 Kilometer werden). Das Golfspielen können wir zwar noch nicht richtig, aber wir wären mit unseren Mountainbikes sicher viel schneller als die anderen Spieler mit ihren Elektrowägelchen oder zu Fuß. Sandgruben würden wir mit einem Bunny-Hup überspringen. Die Golfschläger würden wir auf unsere Gepäckträger zurren. Am Abschlagspunkt mit einem Slide eine Vollbremsung hinlegen. Flurschäden? Macht nichts. Manch Anfänger schlägt mehr und tiefere Löcher in den Rasen als wir mit unseren Reifen. Den finalen Putt erledigen wir mit einem Vorderradkick. Die würden schauen. Die schnellsten wären wir sicher über die 18 Bahnen. Allerdings hätten wir auch eine Gepäcktasche voll mit Bällen dabei, weil wir so viel daneben schießen….Na, ja. Alles Phantasie. Ich glaube, wir müssen doch nach dem Frühstück unsere Räder satteln, den „von Finkenzeller“ an der Rezeption auschecken und wieder zurück zu unserem Vagabundenleben zurückkehren, an dem uns doch so viel liegt. Mehr erleben werden wir auf jeden Fall auf der Radtour als im Golf-Resort. Aber genießen werden wir es trotzdem, wenn wir uns gleich in unser Himmelbett im Obergeschoss unserer Suite begeben.

Slalom an der Elbe durch drei Bundesländer

Die Überschrift klingt dramatisch anstrengend. Und tatsächlich sind wir in Niedersachsen gestartet, später haben wir Mecklenburg-Vorpommern erreicht und sind schließlich im Bundesland Brandenburg gelandet. Heute sind wir auf dem Elbe-Radweg entlang nach Süden. Heißt flussaufwärts. Nach 20 Kilometer hat der Höhenmesser aber trotzdem noch keinen Meter Aufstieg angezeigt. Das Land ist bretteben. Sogar am Ende nach 90 Kilometern sind wir jetzt nur 20 Meter Höher als am Ausgangspunkt unserer Tour. Die Elbe hat hier nur ein minimales Gefälle. Erstaunlich, aber die Schwerkraft nutzt auch nur diese paar Meter Höhenunterschied zum Meer, um dorthin zu fließen.

Wir haben die Elbseite heute mehrfach gewechselt. Dreimal haben wir mit einer kleinen Fähre übergesetzt. Praktisch. Es gibt auch keinen Fahrplan. Die Fähre schippern immer hin und her. Wenn man sie kurz verpasst hat, dauert es nur ein paar Minuten, und schon kommt der Kahn schon. Es kostet nur ein paar Euro mit dem Fahrrad. Auch für Autos ist es nicht teuer. In der Zeit, in der Deutschland noch geteilt war, war die Elbe die Grenze. Brücken gab es nur ein paar und die lagen weit auseinander. Wofür auch Brücken, wenn man ohnehin nicht rüber durfte. Nach dem Fall der Mauer übernahmen jetzt Fähren den Transport über Elbufer. Im Ort Darchau sahen wir gleichermaßen Plakate für den Aufruf zum Bau einer Brücke aufgehängt haben und andere Plakate sich für das Gegenteil einsetzen. Klar, der Bau einer Brücke wäre für viele praktisch, aber er zieht auch eine Menge Verkehr an. Außerdem sehen Naturschützer den Naturschutz im Biosphärenreservat gefährdet. Man will eigentlich die Gemeinden auf der östlichen Elbuferseite mit der Kreisstadt Lüneburg besser verbinden. Eigentlich war das östliche Elbufer immer Mecklenburg-Vorpommern Gebiet. Doch nach der Wende haben sich Anfang der 90er Jahre einige Bürgermeister für einen Wechsel zu Niedersachsen ausgesprochen. Sie gehören zum Landkreis Lüneburg.

Am östlichen Elbufer fiel uns die dünne Besiedelung auf. An einer Stelle in einem Gehöft mit angeschlossenen Café befand sich eine Ausstellung, was es mit dem Grenzland auf der Seite der ehemaligen DDR auf sich hatte.
Seit 1954 bestand in der DDR entlang der innerdeutschen Grenze offiziell ein „Sperrgebiet“. 200.000 Menschen lebten dort. Sie standen unter ständiger Überwachung. Ohne Sonderausweise ging kein Weg hinaus und hinein.
Der Schulbus ins Nachbardorf wurde mit Hunden kontrolliert. Auf der Fahrt in die nächstgelegene Stadt gab es drei Kontrollen im Zug: Ihren Ausweis! – Wo wollen Sie hin? – Ihre Adresse? Steht doch im Ausweis! – Ich will Ihre Adresse von Ihnen wissen! – So würden die Bewohner der Sperrzone gefragt.
Die sowjetische Kontrollkommission weist 1952 die Regierung der DDR an, die Ausgestaltung der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen voranzutreiben. Das Ministerium für Staatssicherheit, dem die Grenzsicherung obliegt, nimmt sich der Sache an und erlässt – fußend auf den sowjetischen Anweisungen – im Mai 1952 erste Verordnungen, die schließlich in einen Ministerratsbeschluss münden. Ein 10 Meter Kontrollstreifen wird angelegt sowie ein 500 Meter breiter Schutzstreifen. Und ein fünf Kilometer tiefer Raum hinter der Grenze wird zum Sperrgebiet erklärt.
Mehr als 300 Dörfer und Städte von der Rhön bis an die Ostsee sind von den „Maßnahmen an der Demarkationslinie“ betroffen. Sie liegen von nun an im Sperrgebiet. Ab Mai 1952 werden etwa 12.000 als politisch unzuverlässig geltende Menschen aus dem Grenzgebiet zwangsumgesiedelt. Die Aktion erhält von der Staatssicherheit den Tarnnamen „Ungeziefer“. Für diejenigen, die bleiben dürfen, beginnt ein Leben im permanenten Ausnahmezustand.
Für das Sperrgebiet gelten eigene Gesetze, von der Staatssicherheit formuliert: „Die Ortseinwohner müssen bei der Grenzbehörde erfasst sein. Der Aufenthalt im Freien ist nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gestattet. Es dürfen keinerlei Versammlungen und Veranstaltungen durchgeführt werden. Hotels, Pensionen und Gaststätten sind zu schließen.“ Generell gilt, dass das Sperrgebiet nur mit einem Sonderausweis betreten werden darf.
Etwa 200.000 Menschen lebten im Sperrgebiet. Vorn die Mauer, hinten Sicherungszäune. Auf den Feldern lagen Minen und überall patrouillierten Grenzsoldaten. Bei jeder Ein- und Ausreise mussten mehrere Kontrollposten passiert werden. Zu Besuch durften nur Verwandte ersten Grades kommen. Das waren dann schon mal keine Onkel und Tanten. Und es konnte schon bis zu sechs Wochen dauern, bis ein Besuchsantrag seine Runde gedreht hatte: vom SED-Sekretär zum Bürgermeister, von dort zum Kompaniechef der Grenztruppen und schließlich zur Staatssicherheit…
Als Ausgleich für die Beschwernisse des Alltags bekamen die Bewohner des Sperrgebiets eine „Sperrzonenzulage“. Bis 1958 waren das zusätzliche Lebensmittelkarten, später gab es Lohnzuschläge, Steuererleichterungen und ein verbessertes Angebot von „Waren des täglichen Bedarfs“. Über die Jahre verfielen etliche Gemeinden im Sperrgebiet. Investiert wurde hier kaum noch. Betriebe wurden verkleinert, Kultureinrichtungen geschlossen und Straßen und Eisenbahnlinien – wenn nicht ganz stillgelegt – nur noch notdürftig gewartet. Profitiert hat von der Abgeschiedenheit wenigstens die Natur. 1990 fand man hier Pflanzen, die es sonst nirgendwo mehr gab. Traurige und heute nicht mehr vorstellbare Geschichte.

Die Natur hier ist auf jeden Fall grandios. Viele Vögel, Wälder und Weiden. Wir sind oft auf dem Deich der Elbe gefahren. Oft denkt man die große Elbeflut und was das für die Anwohner bedeutet hat. Der Deich ist grasbewachsen. Schafe sind im Einsatz, die Wiesen abzufressen. Das soll stabilisierend für die Flutverbauung sein.

Es war eine sehr, sehr flache Etappe. Aber ein kleiner Berg war für den „kleinen Fritz“ heute dabei, der doch die Anstiege so gerne mag…. 70 Höhenmeter ging es hinauf. Wie schön. So eine Freude. Vor lauter Begeisterung bin ich den Berg gleich richtig schnell raufgefahren….
Morgen wird es ähnlich flach. Aber der Harz kommt bestimmt, auch wenn es noch ein paar Tage dauert…. Der Wetterbericht sagt für diese Woche noch sehr hohe Temperaturen voraus. Morgen schon 30 Grad. Mal sehen, dass wir Land gewinnen…. Heute war eigentlich ganz gut angesagt und was war? Den ganzen Tag hat es immer wieder genieselt. Aber das hat uns nichts ausgemacht. Wenn es die nächsten Tage dann 35 Grad hat, werden wir uns noch sehnsüchtig an den frischen Nieselregen erinnern und ihn herbeisehnen…..


Entlang der Elbe (Tag 2) – Von Brandenburg nach Sachsen-Anhalt

Wer den letzten Bericht gelesen hat, bitte noch mal aufrufen. Jetzt sind auch die Bilder drin. Hatten ein sehr schwaches Netz… aber dann zu heute.

Wir starteten um kurz nach 9 Uhr in Lenzerwische. Übrigens gibt es hier viele Ortsnamen mit -wische am Ende. Das kommt vom niederdeutschen Wiese. So erklärt sich auch das.
Auf der anderen Elbseite lag Gorleben. Bekannt durch den Salzstock, in dem die abgebrannten Brennstäbe der Atomkraftwerke zwischengelagert werden. Hier liegt das also. Jetzt kennen wir uns aus… Nebenan wurde begonnen, das „Erkundungsbergwerk“ im Salzstock Gorleben auf seine geologische Eignung als Endlager zu prüfen, derzeit (2016) ist die Untersuchung abgebrochen, weil eine „ergebnisoffene“ bundesweite Suche gestartet wird.

Etwas später kamen wir in Lanz (Teil von Priegnitz) vorbei. Dort wurde der bekannte „Turnvater Jahn“ geboren und hat hier auch gewirkt. Doch warum kam Herr Jahn damit an, dass man das Turnen zum en Jahren 1806/1807 stand Deutschland an einem Wendepunkt seiner nationalen Entwicklung.
In dieser politisch wirren Zeit lebte Friedrich Ludwig JAHN (1778-1852), uns bis heute bekannt als „Turnvater Jahn“, als Erfinder des Deutschen Turnens. In seinem Buch „Deutsches Volkstum“, das er 1810 herausgab, äußerte er sich zunächst voller Sorge über die politische Zukunft seines Vaterlandes. Von Berlin aus wollte er seine Pläne zur Rettung des „Deutschen Volkstums“ vor der Fremdherrschaft der Franzosen verwirklichen. Er rief zur Erhebung des ganzen deutschen Volkes gegen die napoleonische Fremdherrschaft auf und suchte nach Mitteln und Wegen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Vor allem meinte er, wie andere Reformer seiner Zeit, es läge an der schlechten körperlichen Verfassung der Bürger. So gründete er sozusagen die erste Turnerbewegung. Die Turner trugen einheitlich graue Leinenkleidung, ohne Kopfbedeckung und Schuhe. Zu essen gab es Brot und Salz und zum Trinken Wasser. Auch die Mädchen sollten turnen; sie machten alle Übungen wie Klettern, Springen, Laufen, Spielen und auch das militärische Exerzieren und Schießen mit. Trotz dieser uns heute streng erscheinenden Sitten, wurden die Jugendlichen immer mehr von dem Betrieb (in anderen Städten wurden ähnliche Turnplätze errichtet). Dies mag mehrere Gründe gehabt haben: Auf den Turnplätzen war, entgegen der sonst üblichen „Schulzucht“, auch das Spielen erlaubt, die Übungen waren sehr vielseitig und die Bewegung konnte in frischer Luft ohne beengende Kleidung durchgeführt werden. Sicherlich ist Jahn heute eine umstrittene Figur der Geschichte. Die Skala reicht von absoluter Ablehnung seiner nationalistischen Ansichten, die eigentlich nur die Wehrhaftmachung der Bevölkerung vorsahen. Auf der anderen Seite wird er bewundert dafür, dass er Menschen verschiedenen Standes zusammengebracht hatte. Getunt hat ein Grafensohn eben auch mit dem Arbeiterkind. Und im Schulunterricht haben wir deswegen immer noch Turnen…

Wittenberge haben wir auch einen Besuch abgestattet. Hat aber nichts mit Martin Luther zu tun. Der lebte in Wittenberg.

Viele Kilometer ging es über die Deichwege. Wie ein neuer entsteht haben wir uns auch ansehen können.

Später erreichten wir Havelberg. Endlich ein Ort mit Berg im Namen. Obwohl es heute wegen der Temperaturen über 30 Grad besser war, man hatte Fahrtwind als einen Anstieg. Hier in Havelberg trifft die Havel in die Elbe. Und noch hatten wir Lust weiterzufahren. Am Ende waren es wieder 102 Kilometer. Jetzt sind es nach 6 Tagen tatsächlich 600 Kilometer. Und man sieht auf der Landkarte, dass wir schon ein großes Stück geschafft haben. Aber Deutschland ist wirklich groß. Das wird einem richtig bewusst. Und so viel flaches Land….

Heute wohnen wir zwischen Elbe und Havel inmitten der Elbauen. Morgen soll es noch heißer werden. Da werden wir das Angebot unserer Unterkunft nutzten und früh aufbrechen. Damit wir bis Mittag unsere Etappe geschafft haben. Wir werden den 100-Kilometer-Schnitt nicht mehr halten können. Macht nichts. Es macht ja keinen Spaß bei 35 Grad bis zum Abend zu fahren. Die letzten Tage hat es uns nichts ausgemacht…. Aber 65 Kilometer werden es sicher auch.


Weiter durch Sachsen-Anhalt – oder… Es ist noch Deutschland übrig…

Gestern habe ich mir mal frei genommen und nichts gepostet. Nachdem jetzt die heißesten Tage des Jahres und vielleicht Rekordwerte erreicht werden, haben wir uns vorgenommen, die Etappen etwas kürzer zu gestalten. Den Schnitt von 100 Kilometer pro Tag, den wir 6 Tage lang gepackt hatten, geben wir auf. Ist nicht schlimm. Wir haben ja Urlaub. Es ist ja kein Wettrennen. Und dass bisher 100 Kilometer drin waren lag einfach an der leichten Strecke ohne viel Höhenmeter. Gestern wollten wir bis kurz vor Magdeburg kommen. 67 Kilometer geplant und 80 sind es dann geworden. So viel zum Tagesschnitt. Der wurde nur geringfügig unterschritten. 680 Kilometer waren es dann in Burg bei Magdeburg. Zuvor sahen wir uns noch Tangermünde an. Ein reizendes Städtchen. Tangermünde ist Kaiser- und Hansestadt. Liegt im Landkreis Stendal, also in Sachsen-Anhalt. Es ist sicher eine der schönsten Kleinstädte Deutschlands. Das mittelalterlich anmutende Stadtbild hat sich Tangermünde erhalten. Mehr als einen Stopp wert. Dann ging es weiter. Die Temperaturen stiegen ab Mittag über die 35 Grad Marke. Die Hitze macht nicht nur uns als Radfahrer Schwierigkeiten. Auch die Elbe hat Probleme – es herrscht an machen Teilen Niedrigwasser. Bei einem Blick auf die Internetseite der Fähre zur Ostseite der Elbe offenbarte es – wegen Niedrigwasser nicht im Betrieb. Jetzt sind wir extra für Tangermünde auf die Westseite gewechselt. Es gab 3 Kilometer vor der Stadt eine große Brücke, über die wir kamen. Sind schon mal 6 extra Kilometer. Später haben uns Deichbauarbeiten umgeleitet und schon waren noch mal 3 Kilometer Umweg dran. Die restlichen Mehrkilometer ggü. dem Plan sind wie immer „Kleinkram“ – so bezeichne ich das immer. Heißt, hier mal ein Abstecher, Wasser kaufen, da mal etwas interessantes ansehen, was nicht auf dem Weg liegt. Der Kleinkram hat sich seit unserem Start in Dänemark übrigens mehr als 50 Kilometer…. So viel zu Kleinkram….Angekommen in Burg haben wir gleich sehr nette Vermieter gefunden. Die Nikolai-Kirche ist gleich etwas besonderes. Sie ist im romanischen Stil erbaut und noch so gut wie original erhalten. Rings um die Kirche war ein großer Friedhof und die Häuser waren alle etwas weiter weg. Häuser sind in vielen Jahrhunderten oft abgebrannt und haben die Kirchen auch mit vernichtet. Dies blieb dieser Kirche aber erspart. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie sozusagen aus Feldsteinen gebaut wurde. Es gibt zwei Kirchen hier. Diese würde von der eher bäuerlich, ärmeren Bevölkerung gebaut worden. Diese haben die Steine nach und nach aus der Umgebung herangeschafft. Sehr schön und imposant ist auch ein ehemaliges Firmengelände, welches heute als Schule Dienst. Es war die Schuhfabrik von Familie Tack. Die Gründung erfolgte 1883 durch den Krefelder Kaufmann Conrad Tack in einer gemieteten Scheune. Mit 20 Schuhmachern und 5 Maschinen produzierte er ca. 50 Paar Stiefel pro Tag. Er beschäftigte erstmalig in der Schuhbranche einen Handelsreisenden. Bald erfolgte die Planung und der Aufbau eines eigenen Fabrikkomplexes. 1905 t produzierten 1050 Mitarbeiter 4000 Paar Schuhe am Tag bei einen Jahresumsatz von 7,6 Mio. Mark dabei besaß die Firma bereits 90 eigene Schuhgeschäfte. In die Zeit nach der Grenzöffnung der DDR wanderten bekanntlich viele Menschen ab in den Westen. Dorthin,, wo Arbeit war. Viele kamen auch wieder zurück. Doch auch jetzt stehen noch viele Häuser leer oder verfallen. Was wir gehört haben, werden solch „vogelfreie“ Häuser nur für Eintragungsgebühren ins Grundbuch vergeben. Damit kann man für wenig Geld ein Grundstück erwerben. Klar, Eigentum verpflichtet. Wenn etwas z. B. einsturzgefährdet ist, muss der neue Eigentümer dafür aufkommen. Trotzdem eine schöne Sache und eine gute Idee, die wir ähnlich im strukurschwachen Sizilien auch schon gehört haben. Heute und morgen geht es auf zwei aufgeteilten Etappen an den Harz heran. Eigentlich als eine Tour überlegt, aber bei den Temperaturen ungesund. Das können die Berufsradfahrer bei der Tour de France machen. Die werden dafür auch bezahlt. Wenn auch nicht fürstlich wenn ich das anmerken darf… Magdeburg werden wir umfahren. In der Hitze durch die Stadt. Die Vorstellung gefällt uns gar nicht. Auch gibt es schönere Städte als Magdeburg. Hier wurde im Krieg sehr viel zerbombt und so gibt es weniger historisches zu sehen. Gut, der Dom und das Hundertwasser Haus… es gäbe schon was….Wenn ich die Tour bisher bin der dänischen Grenze bis hierher charakterisieren müsste, käme ich zu diesem Fazit. Schleswig-Holstein ist die Schweiz des Nordens, hügelig. Dann die Elbe und bis jetzt zum Harz bretteben. So was habe ich noch nicht gesehen. Jetzt nach 5 Tagen Flachland, auf dem die Sprints auf Deiche und Autobahnbrücken die höchsten Erhebungen waren kommen wieder Anstiege. Elke meint Schade… aber wir beide freuen uns auf die Abwechslung. Erst sind wir lange am Elbe-Havel-Kanal und dem Mittellandkanal entlang. Bei Hohenwarte eine bauliche Besonderheit. Der Kanal überquert Due Elbe auf einer Brücke. Vor dem zweiten Weltkrieg angedacht und nicht umgesetzt. Von der DDR Regierung mangels Geld nicht gebaut. Aber jetzt gibt es die Kanalbrücke. Ein tolles Bauwerk. Die Kanalbrücke Magdeburg ist mit einer Länge von 918 m die größte Kanalbrücke Europas und Teil des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. Das Trogbrückenbauwerk führt den Mittellandkanal über die Elbe.60 Kilometer waren geschätzt. 68 sind es geworden für den ersten Tag. Wir sind jetzt in Oschersleben. Bekannt für seine Rennstrecke für Motorräder und Autos. Auch ein 24-Stunden Rennen für Radfahrer wird hier ausgetragen. Während der letzten Stunde hatte es dann immer zwischen 36 und 39 Grad. Wahnsinn, da steigt der Puls alleine vom herunterkühlen der Körpertemperatur. Wir fuhren wie gestern einfach sehr langsam. Obwohl man versucht ist, schneller zu fahren, damit der Fahrtwind kühlt. Aber als erfahrener Radfahrer weiß man, dass man zwar mehr kühlenden Fahrtwind bekommt, aber das mehr an Anstrengung den Körper noch höher aufheizt. Sonst könnte man ja so schnell fahren, dass man erfriert… interessante Idee, aber physikalisch unmöglich….
An was man alles denkt, wenn einem eine heiße Fönluft ins Gesicht bläst…Morgen fahren wir noch ca. 50 Kilometer nach Wernigerode. Wir freuen uns schon darauf, weil uns viel von dieser schönen Stadt vorgeschwärmt haben. Bleibt also spannend. Mal sehen, was wir berichten können….


Wieder früh am Start – aber Hitzefrei ab Mittag

Seit drei Tagen fühle ich mich wie beim Militär. Punkt sechs Uhr… äh wie heißt es dort? Um 0600 (nullsechshundert) wecken. Kleidungsappell um 6.30 und antreten beim Frühstück Punkt 7 Uhr. Aber so schafften wir es um 8 Uhr auf die Räder zu steigen und noch vor der schlimmsten Nachmittagshitze am Etappenziel anzukommen. Klingt nicht nach Urlaub? Das werden sich einige fragen. Aber wir sehen das durchaus so und wenn man am frühen Nachmittag schon im Café an einem schattigen Platz sitzt und der Eisbecher herrlich mundet. Spätestens dann ist das frühe Aufstehen vergessen. Und noch ein positiver Nebeneffekt. Der Urlaub ist noch länger. Man nutzt noch mehr von einem Tag. Frühstück in Oschersleben bei Italiener. Typisch weiße Semmeln. Sogenannte 20-Höhenmeter-Semmeln, wie ich die Weißmehldinger immer bezeichne. Denn die Kalorien sind nach 20 Höhenmeter ohnehin schon wieder verbraucht. Doch ist das wirklich so. In der Fahrt durch die Hitze des Tages während in Deutschland Rekordtemperaturen gemessen wurden, habe ich mal nachgerechnet.. Und das kam raus…
Eine solche Semmel hat ca. 150 Kcal. Wenn ich mit 280 Watt (schon ganz schöner Druck auf der Pedal) meinen 35-Kilo-Gaul eine 5%-Steigung hinaufquäle, verbrauche ich für 100 Höhenmeter knapp 200 Kcal. Ich muss mich bei der Semmel entschuldigen – sie hält wenn es pressiert doch für 75 Höhenmeter und nicht für 20… Dafür hab ich mir gleich zwei Semmeln genommen und ordentlich mit Wurst, Salami, Schinken, Käse, Marmelade, Honig,.. Und so weiter belegt. Natürlich der Reihe nach und nicht alles auf eine – versteht sich ja….Zu gestern gibt es noch etwas nachzutragen. Im Ort Burg gibt es die Knäckebrot Fabrik Burger. Seinen Anfang nahm alles zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit einem damals in Deutschland noch unbekannten Produkt, das heute in aller Munde ist – dem Knäckebrot. Eine landestypische Brotspezialität aus Skandinavien, die der Ernährungswissenschaftler Dr. Wilhelm Kraft dort kennen lernte. Schon damals erkannte er den ernährungsphysiologischen Wert und gleichsam den ursprünglich-aromatischen Geschmack dieses knusprigen Brotes. Mit der Gründung der Ersten Deutschen Knäckebrotwerke verfolgte er das Ziel, auch in Deutschland mit Knäckebrot einen wertvollen und unkomplizierten Beitrag zur ausgewogenen Ernährung für Groß und Klein anzubieten. Und das Knäckebrot aus Burg – eben Burger – gibt es noch heute. Seit 2001 gehört Bürger Knäcke zur Brandt-Gruppe (bekannt durch den Zwieback). Heute standen nur ca. 50 Kilometer auf dem Programm. Bei der aktuellen Rekordhitze (gestern wurde in vielen Orten in Deutschland eine Rekordtemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aufgestellt) ist es sicher nicht so gesund, den ganzen Tag in der Sonne brüten auf dem Rad zu sitzen. Und so verlief unsere Route über Halberstadt, ein schmuckes Städtchen am Harz. Sehenswert der Dom und weitere Kirchen. Sieht fast so aus wie Altötting, weil man von Weitem so viele Türme sieht. Die Strecke ging weiter über ruhige und verkehrsarme Straßen und Feldwege. Weil wir ganz locker traten, merkte man gar nicht, dass es bis zu unserem Ziel, der Stadt Wernigerode immer leicht bergauf ging. In einiger Entfernung konnte man den Brocken, die höchste Erhebung des Harzes, gut erkennen. Endlich der Anblick eines Berges nach eineinhalb Wochen. Wernigerode haben wir mittags bereits erreicht und sind in einer Eisdiele hängen geblieben. Nach und nach mussten einige Eissorten ausprobiert werden. Die Eisdiele, auf die wir durch Zufall gestoßen sind, wurde auch als eine der Besten Eisdielen in Deutschland prämiert und der MDR hat schon einen Bericht über sie gemacht. Haben wir erst nachher gesehen. Unser unbeeinflusstes Urteil lautete auch – super. Die Stadt haben wir noch bis in den Abend erkundet. Wernigerode ist ein Museum. Nein, es gibt zwar auch Musen hier, aber ich meine die ganze Stadt ist ein Museum. Das Zentrum mit vielen Straßen und Seitenstraße ist ein Kleinod für alte Fachwerkhäuser. 98 % super in Schuss und hergerichtet. Viele Besonderheiten gäbe es da zu berichten. Aber dafür lasse ich die Bilder sprechen.
Die Stadt sieht aus wie vor vielen Jahrzehnten. Da ist klar, dass es gerne als Filmkulisse für Kinoproduktionen herhält, in denen eine alte, deutsche Stadt als Kulisse benötigt wird. Vor einigen Jahren waren George Clooney, Matt Damon, Bill Murrey und noch ein paar Hollywood-Stars hier. Der Film hieß „Ungewöhnliche Helden“.Was auffällt, sind die vielen Touristen aus aller Welt. Die Stadt zieht sie förmlich an. Sie gilt im Ausland vermutlich aus authentische, deutsche Stadt mit historischen Hintergrund. Dabei haben wir eine Beobachtung gemacht, die typisch ist. Auf den Harz verkehrt noch ein Zug mit einer Dampflok mehrfach täglich. Am Bahnhof traf eine der Züge ein, die Leute stiegen aus. Schranken waren noch geschlossen, da auf den Gegenzug gewartet wurde. Der kam dann auch. Und ganz knapp liefen die ersten Touristen über die Gleise, weil sie es nicht erwarten konnten, bis die Schranken öffneten. Eigentlich wollte der Zug nach dem Halt im Bahnhof wieder weiterfahren, da liefen immer mehr über die Gleise, bis der Verantwortliche die Schranken öffnete und das Chaos verhinderte. Nach dem Ausschwämen der Touristen konnte die Schränke nochmals geschlossen werden und der Zug weiterfahren. Touristen in Massen sind schon besondere Herdentiere….Morgen geht es über den Harz weiter nach Süden. Die Temperaturen sollen etwas besser für uns werden. Hoffen wir, dass keine Unwetter auf die heißen Tage folgen. Der Zeitplan ist knapp unser Ziel, Hof in Bayern, mit dem Fahrrad zu erreichen. Wenn es nicht klappt, ja mei würde der Bayer sagen. Dann passts auch, wenn wir einen Abschnitt mit dem Zug fahren….


Kein soooo großer Brocken…..

Heute sind wir über den Brocken gefahren. Endlich ein Berg nach 800 Kilometer. Ich war soooooo glücklich. Hab gleich mal richtig reingehalten. Dabei einige Radler überholt. Ich kann da nix dafür. Waren einfach im Weg. Auch wenn ich mit Gepäck ein 35 Kilo Rad und dazu noch 5 Liter Wasservorräte hinten draufgeschnallt hatte. Waren heute halt viele Rennradler und Mountainbiker unterwegs am Samstag.

Der Brocken war dann gar nicht so hoch wie erwartet. Den Übergang, den wir gewählt haben war günstig. Aber über den Tag kamen doch 1000 Höhenmeter zusammen. Und – weil es wider statt 39 Grad nur noch 28-32 Grad hatte – haben wir den 100 Kilometer Rhythmus wieder. 105 sind es geworden und wir sind auf dem guten Weg Richtung Weimar. Gestartet sind wir in Sachsen-Anhalt, dann sind wir nach Niedersachsen runter und weiter nach Thüringen. Die Bundesländer wischen gerade so an uns vorbei. Man merkt, ich bin voller Enthusiasmus über den Tag. Höhenmeter machen einfach Laune.

Unter Tags gabs mal einen Waldsnack. Eine Himbeerhecke im Wald lud zum ernten ein. Lecker kann ich nur sagen. Irgendwie waren wir bislang von der Ausbeuten unserer Wegesrandfunde enttäuscht. In anderen Urlauben waren wir in dieser Zeit weiter südlich und dort waren viele Früchte reif und erntefrisch. Nicht dass wir Mundraub begehen… wir sammeln nur auf, was in der Natur so wächst und nicht geerntet wird.

Runter vom Brocken fuhren wir durch Ellrich. Dort wütete am Vortag Nachmittag ein gewaltiger Feldbrand. Hier ist es richtig trocken. 150 Hektar brannten und ein angrenzender Wald wurde noch betroffen. Auch jetzt, einen Tag später, sind noch Feuerwehren dort, um den Brand zu sichern.

Im Zielort angekommen, kauften wir noch Wasservorräte für heute Abend und morgen tagsüber. Und das war gar nicht so leicht. In einem großen Supermarkt (Markenname) gab es so gut wie keine Wasserflaschen in Kunststoff mehr. In Glas würden wir auch lieber nehmen, aber auf dem Rad ist das keine gute Idee, diese zu transportieren. Von den Plastikflaschen standen nur noch Rest-Einzelstücke. Eine Angestellte meinte, sie haben normal noch was hinten im Lager. Aber das ist auch schon weg. Die Neubestellung wird bald kommen. Doch die letzten Tage wurden sie geplündert. Das haben wir schon mal erlebet. In Kuba nämlich. Da ist auch das Wasser zum Kaufen meistens knapp….

Zum Abendessen gehe ich, wie schon in den letzten Tagen, in Badeschlappen. Und auch sonst, wenn ich keine Radlschuhe anhaben, schlüpfen ich in die luftigen Treter. Das ist gar nicht normal für mich. Ich glaube, ich habe in einem Urlaub ein paar Badelatschen durchgetreten…. Und der Sommer ist noch nicht vorbei.

Die nächsten Tage könnten Unwetter kommen. Wir haben noch drei Tage zur Verfügung und müssen noch ca. 200 Kilometer bewältigen. Keine leichte Aufgabe, wenn das Wetter schlecht werden würde. Aber wir lassen da einfach spontan auf uns zukommen. Da sind wir entspannt.

 


Auf ein Glas nach Jena

Heute morgen waren wir noch in Bad Frankenhausen. Die Nacht war wieder tropisch. Die Hotelzimmer haben in der Nacht kaum abgekühlt. Ein erneutes Duschen konnten wir uns sparen, denn auf dem Rad klebte man ebenso nach ein paar Kilometern. Bad Frankenhausen hält noch was Spezielles bereit. Die Besonderheit ist der sich seit Jahrhunderten durch geologische Prozesse neigende Turm der im 14. Jahrhundert errichteten Oberkirche. 25 Meter unter dem Turm fließt die Elisabeth-Quelle. Die Spitze ist inzwischen bei 4,60 Metern außerhalb des Lots. Der Turm hat damit die – in Metern – größte Schieflage aller Türme in Deutschland. Unser erstes Ziel war heute Weimar. Die Stadt von Goethe und Schiller. Ach ja, und der Bauhausuniversität. Die Gründung der Weimarer Republik hatte hier ihren Ursprung und wurde nach der Stadt benannt. Eine historische Stadt, über die ich eine Menge berichten könnte. Aber da ich gerade Urlaub habe, schlage ich heute vor, dass ihr Leser mal das Internet anwirft und ein wenig nachlest. Gestern haben wir nach den 100 Kilometer über den Harz am Abend eine Forelle mit Salat und ein paar Kartöffelchen gespeist. Heute nach 60 Kilometer in Weimar stürmten wir Mittags erst mal einen Italiener und bestellten einen Satz Spaghetti. Das tat gut. Der Energieverbrauch gestern und heute war dann doch größer als die Kalorienzufuhr. Nur kein Mitleid. Unsere Tour ist sicher keine Abnehmfahrt. Wir gönnen uns jeden Tag eine Menge Leckereien. Und jetzt kommt der Clou. Es schlägt kein Gramm davon an…. Also Fazit: Wer gesund und gut essen und nicht zunehmen will, muss es uns nur gleichtun…. Also auf geht’s….Man merkt, der Tag war wieder lang. Unsere üblich erscheinenden Kilometer haben wir heute nicht geschafft. Da auf dem Weiterweg wenig Unterkünfte zur Verfügung standen, sind wir in Jena geblieben. Aber 90 Kilometer waren es auch. Jetzt fehlen noch 10 Kilometer auf die 1000-Kilometer-Marke. Ist ja kein Wettbewerb, aber interessant ist es doch, was man so dahinfahren kann. Zu Jena kann ich sagen, dass wir die Stadt gleich sympathisch fanden. Eine Universitätsstadt und daher sehr jugendlich im Publikum. Eine schöne Fußgängerzone, in der auch das Radfahren gestattet ist. Sehr schön. Ist natürlich auch der Platz da und die Menge der Menschen erlaubt dies.Jena ist sicher auch wegen seines Glases berühmt. Das „feuerfeste“ Gebrauchsglas wurde seit den 1920er Jahren in Jena unter dem Markennamen JENAer GLAS produziert und vertrieben.
Mitte 2005 stellte die Schott AG die Produktion von Jenaer Glas am Gründungsstandort des Unternehmens in Jena ein, nachdem in den 1990er Jahren noch mehrere Millionen Mark in eine neue Fertigungsstraße investiert worden waren. Die Marke Jenaer Glas blieb im Besitz des Unternehmens, die Lizenz wurde zum 1. Januar 2006 an die Zwiesel Kristallglas AG vergeben, welche seitdem Produkte im Haushaltswarensegment unter der Marke vertreibt. Jenaglas ist halt ein bekannter Begriff. Zwieselglas hört sich auch lange nicht so edel an wie Jenaglas…..Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Vielleicht noch, dass wir eine schöne Schildkröte gesehen haben. Leider im Bach abgetaucht, bevor ich den Fotoapparat zücken konnte. Jetzt könnt ihr es mir glauben oder nicht. Auf morgen und übermorgen freuen wir uns schon. Leider sind das unsere letzten Etappen. Aber es geht jetzt in die Berge des Thüringer Waldes an der Saale entlang nach Bayern. Sicher sehr malerisch. Wir hoffen nur, dass das Wetter auf die letzten Kilometer hält…


Thüringischer (Rampen-)Wald

Von Jena ging es heute an der Saale entlang los zur vorletzten Tour. An der Saale entlang nach Hof. Dachte mir, das ist ja locker. Am Fluss entlangschlängeln wir uns einfach nach Bayern. Doch Pustekuchen.
Raus aus der Stadt ging es auch so wie gedacht los. Dann kamen steile Rampen. So Richtige mit 10 bis 20 % Steigung. Und das hörte einfach nicht auf. Auch längere Anstiege waren dabei….Auf dem Weg lag noch der Ort Kahla. Und von hier gibt es etwas ganz Besonderes zu berichten. Jeder kennt sicher die berühmten Doppelkekse von de Beukelear – die Prinzenrollen. Hier in Kahla werden sie produziert. Einmal interessant zurückzublicken, wie es mit den Prinzenkeksen begann.
1850 begann Edouard de Beukelaer mit der Keksherstellung. 20 Jahre später eröffnete er die erste Keksfabrik in Belgien und erfand den Doppelkeks. Er gab ihm zu Ehren des belgischen Thronfolgers den Namen Le Petit Prince fourré (der kleine gefüllte Prinz). Jetzt wissen wir schon mal, wie es zu dem Namen kam. Und wenn ich das nächste Mal eine reinschiebe, werde ich mich an Kahla erinnern. Zurück zum Saaleradwanderweg. Er war bis zu unserem heutigen Zielort, Saalburg, ganz schön anspruchsvoll. Die steilen Rampen summieren sich auf 75 Kilometer und 1000 Höhenmeter. Aber es sind nicht die Höhenmeter an sich – es war die Steilheit der Anstiege. Dagegen war der Harz Spielzeug…Im Hotel wurden wir gefragt, woher wir kommen. Als wir berichteten, hieß es nur: Viel Spaß, morgen wird’s noch mal schlimmer…. Aber wir lassen uns nicht schocken. Die kennen uns nicht so gut. Es sind morgen noch ca. 50 Kilometer und vermutlich auch knapp 1000 Höhenmeter. In einem Reiseführer hab ich gelesen, was es mit dem Saaleradwanderweg auf sich hat. Hier der Text: „Bergige Landschaft am Oberlauf der Saale mit vielen zu bewältigenden Steigungen machen den Saale-Radwanderweg zu einem der anspruchsvollsten Flussradwege Deutschlands.“
Äha, einer der anspruchsvollsten Fluss-Radwanderwege Deutschlands. Komisch, dass ich solche Strecken immer finde….Freuen wir uns also auf den Schluss morgen nach Bayern. Dann haben wir es geschafft. Von Dänemark nach Bayern….


Finale

Saaleradwanderweg Teil 2 nach Hof. Von Saalburg fuhren wir heute nur noch gut 50 Kilometer. Auch der Hotelangestellte vom Frühstück meinte wie die Dame gestern, dass wir uns heute warn anziehen dürften. Es wird eine harte Etappe. Was haben die alle bloß. Gut, 1000 Höhenmeter sind auch dabei. Das wussten wir. Aber jeder, dem wir von unserem Plan erzählen, ist beeindruckt. Und so machten wir uns auf den Weg. Beim Bäcker noch ein paar Leckereien für Mittag gekauft und los ging es. Anfangs schöne Radwege, geteert. Steigungen waren schon viele dabei. Dazu auch richtig steil. Das muss man sagen.
Ich denke mir, dass sich manche Radwanderer kritisch äußern, weil man recht selten die Saale sieht. Im Gegensatz zu Flüssen wie die Elbe oder die Donau, an der man sehr nahe daran fahren kann. Und dazu rechnen viele nicht mit diesen vielen Höhenmeter, wenn man einen Fluss abwärts begleitet. Dafür befindet man sich mitten in der Natur. Eine sehr schöne, naturbelassene Gegend. Besonders in der Nähe der ehemaligen Grenze BRD / DDR scheint man regelrecht im Biotop zu radeln. Am einer Stelle haben wir ein wenig verweilt. Es war an einem der zahllosen Stellen, an denen wilde Himbeeren wachsen. Diese sind derzeit gerade richtig reif. Und so viele, dass ich in einer Minute eine handvoll beisammen hatte und komplett auffutterte. Das ging ein paar Mal so. Ich glaube, auf dem Markt hätte ich 10 Euro dafür bezahlt. Und wir hätten noch Stunden sammeln können….Nach 53 Kilometer erreichten wir schließlich Hof. Es war wirklich nicht so schlimm. Und wir freuen uns, dass wir auf der Tour von Dänemark nach Bayern so gut durchgekommen sind.
In Kürze werde ich noch die besten Fotos einstellen. Bis dahin macht es gut.
Bis zur nächsten Radreise von Elke und Fritz


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